Minister: Hochschulumstrukturierung in Rheinland-Pfalz kommt voran

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MAINZ. Der umstrittene Umbau der Hochschullandschaft in Rheinland-Pfalz ist bundesweit etwas Besonderes. Die Umsetzung läuft aber recht geräuschlos.

Die gemeinsame Grundordnung für die künftige Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) ist beschlossen, das Ausschreibungsverfahren für den neuen Präsidenten der selbstständigen Universität Koblenz abgeschlossen: Der Umbau der drei Hochschulstandorte in Rheinland-Pfalz schreitet voran. In rund einem halben Jahr – Anfang 2023 – soll Landau von Koblenz abgespalten und der TU Kaiserslautern angeschlossen sein.

Plakat an einem Gebäudeeingang. Text: "Universität Koblenz - weiter: denken"
Mit der Doppel-Konstellation „Koblenz-Landau“ sind beide Standorte in 22 Jahren nicht recht warm geworden. Foto: Marc Crecelius / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Unter Wissenschaftsminister Konrad Wolf hatte dieses Vorhaben in der vergangen Wahlperiode für Aufregung und Kritik gesorgt. Nach Einschätzung seines Nachfolgers Clemens Hoch (beide SPD) geht die Umstrukturierung jetzt planmäßig voran. In dem aufwendigen Prozess an den Hochschulen knirscht es jedoch zumindest im Detail. Dabei geht es um die Ausstattung mit Personal und Geld. Aber nicht nur.

Einige wichtige Meilensteine seien bereits gesetzt, heißt es im Wissenschaftsministerium in Mainz. Beide Senatsausschüsse in Kaiserslautern und in Landau haben die Grund- und Wahlordnung der künftigen RPTU Ende Februar einstimmig beschlossen. Deren Genehmigung seitens des Ministeriums steht noch aus, dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die neue Technische Universität soll ab 2023 startklar sein. Für die künftige eigenständige Universität Koblenz hat das Ministerium die Grundordnung bereits genehmigt. Die Wahl eines neuen Präsidenten ist für Mitte Juli geplant, das Ausschreibungsverfahren bereits beendet.

Wegweisend für die RPTU – oder International University of Kaiserslautern und Landau – soll ihr schon vor knapp einem Jahr verabschiedetes Leitbild sein. «Mit über 20 000 Studierenden und über 300 Professuren wird die RPTU zur zentralen wissenschaftlichen Institution in der Pfalz», formulierte es der Präsident der TU Kaiserslautern, Andreas Poetzsch-Heffter. Es soll eine Hochschule sein, «die ihren Studierenden Zukunft bietet, die Forschung mit internationaler Strahlkraft betreibt und die der Gesellschaft und Wirtschaft als Innovationspartner zur Seite steht.»

Die Grundordnung für die RPTU sieht zunächst eine Teilautonomie beider Standorte in Forschung und Lehre sowie eine präsidiale Doppelspitze vor. Die campusbezogenen Senate und Leitungen sollen zusammen die standortübergreifenden Gremien bilden. So soll der Wissenschaftsbetrieb zunächst unverändert weitergeführt und gleichzeitig Raum gegeben werden, um Abläufe und Prozesse schrittweise zu synchronisieren, heißt es in einer Mitteilung der TU Kaiserslautern. Ein erster Schritt ist der für Oktober 2024 geplante Amtsantritt eines neuen, gemeinsamen Präsidenten.

«Einen solchen komplexen Prozess hat es im deutschen Raum noch nie gegeben, deshalb sind alle vorsichtig und bemühen sich», berichtet der Beauftragte für Struktur und Organisation auf dem Campus Landau, Norbert Wenning. Beim Zusammenschluss zeigten sich aber «deutliche kulturelle Unterschiede» zwischen der größeren Technischen Universität und der stärker im geistes-sozialwissenschaftlichen Spektrum verankerten Uni in Landau mit ihren rund 8000 Studierenden.

Der Teufel stecke dabei oft im Detail. Die Fachbereiche der TU etwa könnten viel autonomer handeln als die der Uni in Landau. Die Fachbereichsstrukturen blieben jetzt zunächst erhalten. «So eine Strukturreform dauert in der Regel mehrere Jahre», sagt der Professor. «Wir müssen daneben auch zwei Verwaltungen zusammenbringen, die in der Praxis sehr unterschiedlich sind.»

«In Koblenz freut man sich auf die Selbstständigkeit», sagt der Sprecher der Universität, Gerhard Lerch. Die Loslösung von Landau und die Neuaufstellung seien «eine riesige Belastung für viele Beteiligte» gewesen. Jetzt seien «alle froh und stolz», auf den letzten Metern vorm Ziel zu sein. Die Doppel-Konstellation mit dem rund 180 Kilometer entfernten Schwestercampus in Landau sei immer als eine Art Zwillingsuniversität wahrgenommen worden. Niemand habe an beiden Standorten studiert oder gelehrt.

Die strategischen Ziele der Hochschule für die kommenden Jahre sind in einem seit Mitte 2020 erarbeiteten Entwicklungsplan festgelegt. Daran waren rund 200 Hochschulangehörige und Studierende beteiligt. Die vier Fachbereiche bleiben erhalten: Zur Lehrerausbildung kommt bei den Bildungswissenschaften im kommenden Wintersemester der Studiengang Pflegewissenschaften dazu. Der Fachbereich Naturwissenschaften/Mathematik soll 2023 auch den Studiengang Gewässerkunde bekommen. Die Universität hoffe – trotz insgesamt leicht sinkender Zahlen – so auch künftig auf rund 8500 Studierende oder sogar etwas mehr, sagt Lerch.

Der bereits neu gewählte Senat kommt an diesem Dienstag (31. Mai) erstmals zusammen. Das zentrale Uni-Gremium wird Mitte Juli auch den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin der Universität Koblenz wählen, das Ausschreibungsverfahren für den Posten ist abgeschlossen, potenzielle Kandidaten werden aber noch nicht genannt.

Wissenschaftsminister Hoch sei zwar zugänglicher für die Anliegen der Hochschule als sein Vorgänger Wolf, dennoch fehle an manchen Stellen noch Geld. «Der Campus platzt aus allen Nähten», sagt Lerch. Ein Beispiel sei die Verwaltung, für die derzeit kein Platz sei und ein Gebäude in der Stadt zur Miete gesucht werde. (Ira Schaible, dpa)

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