Jetzt doch kein Verbot – Prien: Grundschulen sollen Handy-Regeln selbst festlegen

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KIEL. Die Sommerferien in Schleswig-Holstein enden. Bildungsministerin Prien hatte die unterrichtsfreie Zeit dafür genutzt, mit einem Vorstoß in der «Bild»-Zeitung für Schlagzeilen zu sorgen: In Grundschulen sollte Kindern die private Handy-Nutzung untersagt werden. Die Idee stieß auf wenig Begeisterung. Jetzt sollen es die Schulen selbst regeln.

Ein generelles Handy-Verbot an Grundschulen wird es jetzt doch nicht geben. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Nach dem Vorstoß von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zur Einschränkung der Handynutzung an Grundschulen sollen die Schulen ihre Regeln dafür selbst festlegen. Dazu sei den Schulen im Rahmenkonzept für das Schuljahr 2023/24 eine entsprechende Leitlinie zur Verfügung gestellt worden, sagte die Ministerin. «Wir haben die grundsätzliche Auffassung dass die Handynutzung an Grundschulen stark eingeschränkt werden soll, überlassen es ihnen aber im Rahmen ihrer Schulkonferenzen, die konkreten Regeln festzulegen.»

Es gebe verschiedene Alternativen. So könnten die Handys am Anfang des Unterrichts abgegeben und später wieder ausgegeben werden. Man könne den Schülerinnen und Schülern auch sagen, die Smartphones müssten während der Schulzeit im Ranzen bleiben. «Ich finde es wichtig, dass diese Frage, wie gestalten wir das konkret aus, auch in den Schulkonferenzen mit den Eltern diskutiert wird», sagte Prien. Denn es gehe auch darum, das Bewusstsein für die Gefahren mit den Eltern zu diskutieren.

«Digitale Kompetenzen gehören auch in die Grundschule», betonte Prien. «Aber es geht hier um die private Nutzung von Handys während des Unterrichts oder auch während der Pausen.» Daher sei es wichtig, dass die Entscheidungen der Schulkonferenz breit mitgetragen werden. «Wir wollen damit auch den Eltern den Rücken stärken.»

«Ich erhoffe mir davon natürlich auch, dass Eltern möglichst ihren Kindern, wenn sie unter zehn Jahre alt sind, Smartphones gar nicht zur Verfügung stellen»

Prien wünscht sich nach eigenem Bekunden eine breite gesellschaftlich Debatte, was Smartphone, Smartwatch und vor allem der unkontrollierte Zugang zu sozialen Plattformen und zu Internetseiten mit Kindern machen. «Ich erhoffe mir davon natürlich auch, dass Eltern mehr als bisher draufgucken und möglichst ihren Kindern, wenn sie unter zehn Jahre alt sind, Smartphones gar nicht zur Verfügung stellen.»

Zur Begründung ihres Vorstoßes betonte Prien noch einmal, dass lange Bildschirmzeiten von Kindern und die Nutzung von Smartphone oder Smartwatch zum Rückgang von Grundfähigkeiten führen. Das betreffe motorische Fähigkeiten, aber auch Kompetenzen im Lesen, Schreiben und in Mathematik. Der zu frühe Zugang zu nicht altersgerechten Angeboten im Netz, besonders auf Social-Media-Plattformen, könne massive Konsequenzen für Kinder haben. «Eltern wissen oft nicht, wo ihre Kinder da unterwegs sind.»

Prien war mit ihrer Initiative auf wenig Begeisterung gestoßen – nicht mal in ihrer Partei, der CDU (deren Vize-Vorsitzende Prien ist). So befand Berlins Bildungssenatorin und KMK-Präsidentin Katharina Günther-Wünsch (CDU) lapidar: «Wir haben derzeit noch dringlichere Themen zu bearbeiten». News4teachers / mit Material der dpa

Aktionismus – oder Lösung für ein echtes Problem? Bildungsministerin will Kindern private Handynutzung in der Grundschule verbieten

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9 Kommentare
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Leseratte
10 Monate zuvor

Tja, die Buhmänner wären dann die Schulen, und die SL werden sich in den meisten Fällen hüten, sich dadurch einen Konflikt mit zahlreichen Elternhäusern einzuhandeln. War doch mit Coronamaßnahmen, als Schulen je nach Lage selber entscheiden sollten, genau so.

Pit2020
10 Monate zuvor
Antwortet  Leseratte

@Leseratte

„War doch mit Coronamaßnahmen, als Schulen je nach Lage selber entscheiden sollten, genau so.“

Eben drum: Hat sich doch bewährt. 😉

uesdW
10 Monate zuvor
Antwortet  Leseratte

Was jetzt?
Erst wird die Prien zerrissen, weil sie es zentral regeln möchte!
Dann gibt sie es an die Schulen, dass ist aber auch nicht recht.

Wenn ich (auch als SL) mehr Gestaltungsspielräume haben möchte, muss ich auch Willens sein, und auch Konflikte mit den Elternhäusern durchstehen können. Setzt allerdings vorraus, dass die übergeordneten Stellen den SL nicht in der Rücken fallen, wenn sich die Elternhäuser sich eine Etage höher beschweren.

Andre Hoger
10 Monate zuvor

Schade kein Verbot. Und 10 Jahre ist auch noch viel zu früh. Bevor Kinder nicht 14 sind brauchen sie garantiert kein Smartphone.

Marie
10 Monate zuvor

Na prima. Dann wählen Eltern die passende Grundschule demnächst danach aus, ob ihr Kind im Unterricht (privat) ein Handy nutzen darf

Egvina
10 Monate zuvor
Antwortet  Marie

Gibt es Schulen, insbesondere Grundschulen, an denen Handys privat im Unterricht genutzt werden dürfen?

Marie
10 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

Kommt dann halt drauf an. Wer unbedingt steigende Schülerzahlen braucht, wird es eventuell erlauben…

Leseratte
10 Monate zuvor
Antwortet  Marie

Das ist ja ein generelles Problem der freien Schulwahl, dass viele Eltern die Schule für ihre Kinder nach „Attraktivität“ aussuchen, von der sie mitunter besondere Vorstellungen haben … außerunterrichtliche Aktivitäten, wie Studienfahrten ins Ausland, AG-Angebote und Skilager zählen ebenso dazu wie die Chance auf einen vermeintlich leichter als an anderen Schulen zu erreichenden Abschluss und nicht allzu strenge Regeln insgesamt. Man kann das natürlich nicht pauschal sagen, aber diese Tendenz lässt sich in einer gewissen Anzahl von Gesprächen schon feststellen.

Egon
10 Monate zuvor
Antwortet  Leseratte

Mag sein, aber was soll daran falsch sein, wenn generell in der Gesellschaft jeder seinen Vorteil sucht, natürlich nach dem Vorbild der Unternehmen (immer das Ohr am Markt)? Wonach bitte sollen denn Eltern die Schule für ihre Kinder sonst aussuchen, wenn sie denn schon die Wahl haben? Für intelligente und leistungsfähige Kinder werden sie eine Schule mit hohen Ansprüchen aussuchen, das Handy wird kaum die entscheidende Rolle spielen. Für schwächere Kinder empfiehlt sich eine, wo der Abschluss als leichter gilt.