Ex-Schulsenator rät gegen Bildungskrise: Öfter „Mensch ärgere dich nicht“ spielen

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HAMBURG. Zur Verbesserung der schulischen Leistungen hat einer der erfahrensten Bildungspolitiker Deutschlands ein einfaches Rezept: Eltern sollten mit ihren Kindern mehr spielen, meint Ex-Senator Rabe.

Spielen hilft – meint Ties Rabe. Foto: Shutterstock / Ralf Liebhold

Angesichts schwacher Rechenleistungen vieler Schüler rät Hamburgs früherer Schulsenator Ties Rabe (63/SPD) den Eltern zu mehr Beschäftigung mit ihren Kindern. «Es wird zum Beispiel kaum noch „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt, dabei lernen Kinder beim Würfeln spielerisch zählen», sagte Rabe, der im Februar als Deutschlands dienstältester Kultusminister verabschiedet worden war, der «Bild»-Zeitung.

Familien machten auch immer weniger Dinge gemeinsam, bei denen Kinder Messen und Wiegen lernten. «Zum Beispiel, wenn man zusammen einen Kuchen backt und das Mehl und den Zucker abwiegt. Auch der klassische Kaufmannsladen kann beim Lernen helfen.» Rabe sieht auch das Spielen im Sandkasten als Beitrag zur kindlichen Bildung: «Wie viel Wasser passt in einen Eimer, wie viel Sand in ein Förmchen? Was früher im Sandkasten nebenbei gelernt wurde, geht oft verloren, weil zu wenig gemeinsam gespielt wird.» Der Sozialdemokrat und ehemalige Lehrer bemängelte außerdem, dass knapp 40 Prozent aller Familien mit Kindern in Deutschland weniger als 25 Bücher im Regal stehen hätten.

Rabe war im Januar nach 13 Amtsjahren aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Ihm folgte Ksenija Bekeris als Senatorin. News4teachers / mit Material der dpa

Weltgrößte Brettspiele-Messe: „Wer spielt, lernt leichter – auch in der Schule“

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18 Kommentare
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potschemutschka
1 Monat zuvor

Das nannte man in grauer Vorzeit „vorschulische Bildung“ (zu Hause und/oder in der Kita) und das führte in der Regel zur sogenannten „Schulreife“ bei der Einschulung. Das ist ja eine ganz neue Erkenntnis. 🙂

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Zwar keine neue Erkenntnis. Aber zu viele Kinder dürfen sowas nicht mehr erleben.

potschemutschka
29 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Da müsste eine Studie mal erforschen, woran das liegt. 🙂

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ergänzung: Das beste an dieser Erkenntnis: Wenn das, wie hier suggeriert, (alleinige?) Aufgabe der Eltern ist, kostet es kein Geld und man braucht auch nichts an den Kitas ändern (keine zusätzlichen Plätze und Personal und auch kein Überdenken der „Bildungsansprüche – Aufbewahrung genügt))

Mama hoch 3
28 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das nicht, aber man musste überlegen, ob die Kitazeiten gekürzt werden, damit die Familien genug Zeit haben, solche Sachen zu machen. Aber zu sagen, dass die immer längeren Betreuungszeiten, der immer jüngeren Kinder vielleicht Teil des Problems sein könnte, ist ja weder populär noch gewünscht, weil ja sonst die Wirtschaft leidet…

potschemutschka
28 Tage zuvor
Antwortet  Mama hoch 3

Wurde eigentlich mal untersucht, wie sich das verstärkte Homeoffice auf die Betreuungszeiten der Kinder auswirkt? Werden die an diesen Tagen von den Eltern für kürzere Zeit in die Einrichtungen gebracht (die Fahrwege zur Arbeit fallen ja weg)?

potschemutschka
26 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Es würde mich wirklich interessieren, ob Kita-Erzieher da eine Änderung zu den Vor-Homeoffice-Zeiten bemerken. Wäre doch mMn. logisch, dass die Kinder dann nicht so lange betreut werden müssen. Obwohl, vielleicht nutzen manche Eltern die freie Zeit eher für ihr Wellness-Programm (soll es geben, z. B. @Uwe).

potschemutschka
25 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

@alle Erzieher
Wie sieht es in der Praxis aus? Macht sich das Homeoffice der Eltern in den Betreuungszeiten der Kinder irgendwie bemerkbar?

Einhorn68
25 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Hmmm, also bis zuletzt, wo ich noch im Kindergarten gearbeitet habe, (Herbst 2023), konnte ich keine signifikante Veränderung feststellen.
Wobei ich auch nicht wirklich sagen kann ob, und wenn ja, bei wie vielen unserer Eltern sich tatsächlich relevante berufliche Veränderungen bezüglich Homeoffice, sich ergeben haben.

Hysterican
1 Monat zuvor

Komisch!!
Ich spiele dieses Spiel seit bereits einigen Jahren quasi an jedem Tag, an dem ich meiner dienstlichen Verpflichtung nachgehe.

Und ich werde immer besser darin.
Andere werfen mich ständig aus meinen gut geplanten Spiel- und Strategiezügen (sprich unterrichtliche Vorhaben), Die Spielleitung ändert nach jedem dritten Wurf die Regeln, die Mitspieler nehmen immer weniger Rücksicht auf meine Zielperspektiven und ich denke immer überzeugter und weniger engagiert:
„Ja, leckt mich doch! Sobald ich meine Figuren im Häuschen habe, bin ich hier weg … auf eine weitere Runde kann ich getrost verzichten … und zwar ohne Bedauern und ohne Ambitionen, mich näher mit dem weiteren Spielgeschehen zu beschäftigen.

potschemutschka
29 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

🙂

Pit2020
29 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

@Hysterican

Hi Andre,
haste Böckchen auf ein anderes Spiel? … Es ist ein Ratespiel und heißt „Rate mal, wer noch?“ 😉 🙂
Die verbliebene Energie wandert dann in die Bereiche, wo einem möglichst wenige Quacksalber und pathologische Selbstdarsteller (natürlich mit mehrfach zertifizierter Kompetenz-Inhaber-Kompetenz 😉 ) reinpfuschen können, dementsprechend lassen sich noch Erfolge erzielen (was die Jugend in beachtlicher Zahl durchaus merkt und mitzieht) und dort macht die Arbeit auch noch Spaß.
Achtsamkeit! … Oder wie es früher hieß: „Pass‘ gut auf dich auf!“ … YES WE CAN! 🙂

Alx
1 Monat zuvor

Das Gruselige ist, dass ich tatsächlich schon Kinder in der Klasse hatte, die nicht einmal wussten, was ein (Spiel-)Würfel ist und wozu der genutzt wird.
Die Kinder können einem schon sehr leid tun.

Hans Malz
28 Tage zuvor
Antwortet  Alx

Es gibt einen Kollegen bei uns, der angefangen hat in der OS (Orientierungsstunde) Stunde mit den Kindern Gesellschaftsspiele zu spielen. Ist besser für das soziale Miteinander, als das ganze Klassenratsgedönse.

unverzagte
28 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Sowas kann nur schrieben, wer vom Klassenrat so gar keine Ahnung hat.

A.J. Wiedenhammer
27 Tage zuvor
Antwortet  unverzagte

Nö, man kann es (wie immer) nicht verallgemeinern, aber prinzipiell gebe ich dem Vorkommentator recht.
Es sind manchmal die einfachen Dinge, die gut sind und helfen. Das mögen die, die sich mit viel Tamtam und nicht unerheblicher Hybris ach so tolle Theorien und Methoden „erarbeiten“ natürlich nicht hören.

A.J. Wiedenhammer
29 Tage zuvor

„Eltern sollten mit ihren Kindern mehr spielen.“

Ja, natürlich!
Da helfen auch andere Spiele, neben MäDn.

Eltern sollten auch gemeinsam mit ihren Kindern basteln, kochen, backen, handwerken, aufräumen…

Und nicht zu vergessen:
Eltern sollten mit ihren Kindern reden!

Einhorn68
29 Tage zuvor

Da gebe ich dem Herrn Rabe zu 100% recht. Sein Ratschlag sollte sich, außer an die Eltern, aber auch an so manch überambitioniertes Kitafachpersonal sowie an scheinbar besonders fortschrittliche Bildungs-Erziehungs- und Kindheitsexperten, die alle naselang eine neue superduperhyperexperimentalprojektpädagogikbildungsförderungsinovationssau durch die vorschulische Erziehungswelt treiben, richten.
Back to the basics. Yeah! Endlich sagts mal wieder einer. Laßt uns einfach wieder mit den Kindern spielen. Laßt die Kinder einfach miteinander spielen. Haltet sie im Vorschulalter möglichst noch fern von digitalem Spielzeug. Laßt sie TUN – und zwar so richtig. Mit allen Sinnen, die ihnen zur Verfügung stehen. Einfach analog. Ohne Technikfirlefanz. Dafür ist später auch noch Zeit.
Mensch-ärgere-dich-nicht, Memory, Schnippschnapp, Wackelturm, Fang die Maus etc, etc.
Mit Bauklötzen bauen. In der Puppenecke spielen. Verkleiden.
Bilderbücher und Geschichten vorlesen, Märchen und Geschichten erzählen.
Spielkreise mit „Ich bin in den Brunnen gefallen“, „Wer steckt unter der Decke?“, „Wir gehn auf Bären-Löwen-Tiger-Dinosaurier- oder sonstwas-Jagd“.
Lieder singen mit klatschen, patschen, schnippen, stampfen…
Fingerspiele.
Im Garten matschen. Fangen spielen. Verstecken. Der Kessel platzt. Ist die Maus zuhaus.
Klettern, Schaukeln, Rutschen.
Mit den Vorschulkindern separat arbeiten. Spielerisch den Ungang mit Mengen und Zahlen üben.
Zwischendurch auch mal an einem sog. Vorschblatt arbeiten lassen. Das machen die meist sehr gerne.
Systematisch den Umgang mit Schere, Stift und Kleber trainieren.
Ja, auch die, die da grundsätzlich nie Lust dazu haben, sollten wenigstens gelernt haben, wie man mit dem Zeug umgeht.
Aber ich red mich leicht. Ich bin nicht mehr auf diesem Feld tätig.
Ich habe frustriert aufgegeben, weil für all das oben Aufgezählte viiiiel zu wenig Zeit war, wegen personeller Situation, wegen was anderes war immer irgendwie gerade wichtiger, wir müssen jetzt erst das…., dann muß das jetzt halt warten…., jetzt steht erst das an…..blablabla. Und IMMER hat jemand so ’ne gaaaanz tolle Idee, wie man dies oder das tolle Projekt noch unterbringen könnte, das ist im Prinzip immer alles garantiert gaaanz unkompliziert und gaaaanz einfach und ooooohne großen Aufwand zu stemmen und die Kinder würden sooooo davon profitieren. Ok. Machen wir. Äh, wer?
Die Kollegin ist jetzt leider krank.
Aber wir haben schon die Eltern informiert…. Könntest du vielleicht…? Ne, ich mach gerade…, da kann ich nicht auch noch….
Na gut, dann schieb ich das halt da noch dazwischen…
Und was bleibt auf der Strecke?
Richtig. Der „alltägliche Kleinkram“.
Also das, wozu wir ursprünglich mal da waren: Sich im Hier und Jetzt mit den Kindern beschäftigen.
Zeit für den ganzen Kleinkram haben: Spielen, Singen, Vorlesen, Zuhören, Trösten, Quatsch machen…. Aber DAS ist doch keine Bildung. Oder etwa doch?