Lehrermangel: Gymnasiallehrer sollen leichter an Grundschulen wechseln können

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ERFURT. Thüringens Bildungsminister Holter will es Gymnasiallehrern leichter machen, an Grundschulen zu wechseln. Es ist nicht die einzige geplante Neuerung im Kampf gegen Lehrermangel.

Unter Druck: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: Jacob Schröter / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Helmut Holter

Gymnasiallehrer sollen nach Vorstellungen des Thüringer Bildungsministeriums einfacher an die Grundschule wechseln können. Das sehen Pläne aus dem Haus von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vor, die am Donnerstag im Bildungsausschuss in einer Sondersitzung beraten wurden und der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Demnach soll Gymnasiallehrern künftig ein laufbahnübergreifender Wechsel an die Grundschule möglich sein. Dadurch soll den Lehrern kein Nachteil etwa bei der Anrechnung von Berufserfahrung entstehen.

Voraussetzung ist, dass die Lehrer in zwei Fächern der Rahmenstundentafel der Grundschule eingesetzt werden können – ein Fach muss dabei Mathematik oder Deutsch sein. Außerdem müssen die Lehrer bereits ein Jahr Berufserfahrung haben. Die Regelungen gelten zudem nur für Lehrer, die bereits verbeamtet sind oder die Voraussetzungen dafür erfüllen. Ähnliche Regelungen soll es auch für Gymnasiallehrer geben, die an eine berufsbildende Schule wechseln.

Durch den laufbahngruppenübergreifenden Wechsel sei eine dauerhafte Verwendung in den jeweiligen Schularten möglich. Zudem solle es Betroffenen so auch möglich sein, sich auf Schulleitungsposten zu bewerben, hieß es aus dem Bildungsministerium.

Geplant ist auch, dass künftig Absolventen einer Fachhochschule mit Masterabschluss, die für zwei Unterrichtsfächer ausreichende Studien- und Prüfungsleistungen nachweisen, eine Nachqualifizierung zum Lehrer machen können. Den Angaben zufolge war für diesen Personenkreis bislang keine Verbeamtung möglich, was sich nun ändern soll. Damit könnten Betroffene auch mehr Geld erhalten.

Thüringen leidet seit Jahren unter erheblichem Lehrermangel. Die Lehrkräfte fehlen vor allem auf dem Land und an Grund- und Regelschulen. Wegen des gestiegenen Bedarfs und dem geringen Angebot an ausgebildeten Lehrern hatte der Freistaat die Verbeamtung von Lehrern wiedereingeführt. Die rot-rot-grüne Landesregierung versprach sich davon eine größere Attraktivität des Berufes und bessere Chancen beim Buhlen um Lehrer mit anderen Bundesländern. News4teachers / mit Material der dpa

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Bogner
1 Monat zuvor

klar, weil dann auch A13 lockt.
Aber die Masse will die 4 Tage Schulwoche und homeoffice. Fertig.

Silke
1 Monat zuvor
Antwortet  Bogner

Versteh ich jetzt nicht ganz… die Gym-Lehrer bekommen doch A14 und würden dann die gleiche Arbeit wie die GS-Lehrer machen, nur dass diese weiter nur A12 (in BW) bekommen – das würde dann sicher zu noch mehr Unmut führen. 4-Tage Schulwoche gibt‘s an Grundschulen eh nicht, wer betreut denn dann um die Kids, wenn die Eltern beide arbeiten.

Realistin
1 Monat zuvor
Antwortet  Silke

Da bekommt keiner A14, Silke. Denken sie auch mal an das ausgelaugte Besgtandspersonal. Der Unmut wächst und wenn in der Firma gegenüber das Paradies ist, werden sie womöglich abwandern.
75% der Leute würden kündigen, wenn sie nicht remote arbeiten dürfen.
Konferenzen usw. geht auch alles digital!

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Silke

Wo bitte schön bekommen die Gym-Lehrer alle A14?

Sepp
1 Monat zuvor
Antwortet  Bogner

Unterrichten ist Beziehungsarbeit – und die macht man nicht von zu Hause aus. Insofern ist die Forderung unsinnig und es gibt zumindest bei uns auch keine KuKs, die das ernsthaft fordern.

Jutta Dus, NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp

Kann sie beide verstehen :/
Aber denkt daran: Wir haben Lehrermangel!!! d.h. viel zu wenige.
Junge Leute gehen in die Berufswelt und werden mit homeoffice und 4 Tagen gelockt. Manche fahren an 5 Tagen nicht zur Firma und können einfach daheim bleiben.
Sepp, du musst dann wirklich locken und Bonbons verteilen, dass die dann in die Schulen kommen. Oder wirbst du mit nettem Lächeln? 1500 Euronen mehr?
16 Stunden Deputaten?

Sepp
1 Monat zuvor
Antwortet  Jutta Dus, NRW

Mir ist völlig klar, dass man den Beruf attraktiv(er) machen muss. Aber ich glaube nicht, dass man sich für Schule entscheidet, um dann – bewusst provokativ gesagt – möglichst wenig vor Ort zu sein.

Meines Erachtens müsste man eine Menge bei den Bedingungen verbessern, kleinrte Klassen, mehr Förderangebote für die SuS, Schulverwaltungskräfte usw.
DAS würde den Beruf wirklich attraktiver machen.

Natürlich ist mir klar, dass das mit den vorhandenen Lehrkräften und Geldmitteln utopisch ist. Aber das ist die 4-Tage-Woche derzeit auch.

Realistin
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp

Wir haben viele Refis erlebt, die 3-4 Tage Stundenpläne möchten und Stunden im homeoffice machen wollen. Ich glaube, weil es an den Unis schon so ist.
5 Tage penden ist da out. Sepp, sie sollten mal über den Tellerrand schauen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Realistin

Also, ein Tag ist für das Seminar bestimmt, bleiben noch vier Tage….davon wünschen sich also Refis noch mindestens einen Tag im HO bei 12 bis 14 Stunden Unterrichtsverpflichtung ….ahja….klingt schlüssig….und so realitätsnah….

Sepp
1 Monat zuvor
Antwortet  Realistin

Ich habe auch keinen Zweifel, dass man gerne einen Tag von zu Hause arbeiten möchte, wenn man noch glaubt, mehrere Tage in die Vorbereitung einer einzelnen Unterrichtsstunde stecken zu müssen.

Es hat auch damit zu tun, ob ich eine Stunde zur Schule pendeln muss oder in 5 min mit dem Rad vor Ort bin.

Als Klassenelhrer nutze ich auch gerne mal Hohlstunden, setze mich mit in meine eigene Klasse und beobachte. Das hilft ungemein für Schulberichte, Förderung usw.

Sicher hat das auch etwas mit den Unterrichtsfächern. Bei zwei MINT-Fächern brauche ich zwischendrin Pausen und Hohlstunden, um Material wegzuräumen, neue Sachen bereitzustellen usw.
Es mag KuKs geben, die komprimierte Stundenpläne mögen. Ich hatte bspw. mal montags 8 Stunden am Stück und dienstags 6 Stunden, größtenteils Oberstufenunterricht mit vielen Experimenten. Mittwochs war ich dann regelmäßig platt.

Und wie oben geschrieben, die Forderung nach Homeoffice höre ich in unserem Kollegium eigentlich gar nicht.

Lisa
1 Monat zuvor

Die Mehrheit der mir bekannten Sekundarstufenlehrer hat genau deshalb die Sekundarstufe gewählt: Sie wollen ( oder können gar,) nicht mit jüngeren Kindern arbeiten. Es gibt auch das Ungekehrte: Lehrer, die lieber in der Grundschule unterrichten oder Anfangsunterricht geben. Warum geht man so permanent gegen die Neigung an, ist da die Gefahr nicht groß, dass derjenige ganz aufhört?

JoS
1 Monat zuvor

Wieso genau sollte man das wollen? Zumal diese Möglichkeit in der Praxis ja bereits seit langem in vielen Bundesländern besteht.

Lera
1 Monat zuvor

Die GY-Lehrer stehen bestimmt schon Schlange vor dem KM. Die sind richtig heiß auf Grundschule.

Welche laufbahnübergreifenden Wechsel sind eigentlich für GS-Lehrer möglich? Ach ja: Lehramt Sonderpädagogik. DAS geht natürlich. Sonst aber nix.

GY-Lehrer können aber natürlich eine GS leiten. Kommt bestimmt super an bei den Kollegen.

Dieser Laufbahn-Schwachsinn im Lehramt könnte 25 Jahre nach Bologna gerne mal gelassen werden.

ALLE MACHEN EINEN MASTER!

Alle, alle, alle.

Es gibt keinerlei formale Rechtfertigung für diesen Laufbahn-Dünkel im Lehramt mehr.

RainerZufall
1 Monat zuvor

Sind Lohn und Regelungen zum Wechsel denn die größten Hindernisse?
Bestimmt wird ein einzelnden Kolleg:innen helfen, wie steht es um Unterstützung und ggf. Entlastung bei Abordnungen?

Unfassbar
1 Monat zuvor

Ich glaube nicht, dass ausgebildete Gymnasiallehrer in nennenswerter Zahl an die Grundschule wechseln werden.

Schotti
1 Monat zuvor

Und wieso sollten Gymnasiallehrkräfte freiwillig in die schlechtere, niedrigere Laufbahn wechseln? Ist doch mal wieder ziemlich balla balla…echt, wie kann man nur so dermaßen doof sein.

Sepp
1 Monat zuvor

Ich frage mich, was das „wechseln können“ bedeuten soll. Wenn die selbst es wollen? Oder wenn der Dienstherr es will und die Lehrkräfte denn abgeordnet werden?

Auch als Gymnasisllehrer an einer Gesamtschule könnte ich mir nicht vorstellen, erfolgreich an einer Grundschule zu unterrichten. Das wäre pädagogisch eine riesige Herausforderung.

Gerade wenn es um Zwangsabordnungen geht, werden die jungen Lehrktäfte (1 Jahr Berufserfahrung ist wirklich wenig!) im Zweifelsfall das Schulsystem frustriert verlassen. Dann macht man nichts gegen den Lehrermangel, sondern befeuert ihn noch weiter…

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor

Da werden sich Gymnasiallehrer aber freuen.

Die Beförderungsaussichten sind an Grundschulen ja noch schlechter als an anderen Schulformen.

Dass zum Beispiel A15-Stellen an Grundschulen geplant sind,wäre mir neu. A 14 wird man auch in Zukunft an Grundschulen wohl höchstens als Schulleiter:in.

Leseratte
1 Monat zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

In Thüringen auch am Gymnasium nur in der Schulleitung.

mozarella
1 Monat zuvor

Ich würde mal tippen, dass die Masse der Gymnasiallehrer schon eine 5-Tage-Woche supergut fänden! Dieses Angebot würde bei einem Wechsel an die GS vielleicht auch dazu führen, dass man in den Weihnachts-, Oster- und Herbstferien nicht mehr ständig korrigiert, so wie es in der Sek II üblich ist, sondern nur noch ab und zu? Und dass manals Fachlehrer nicht mehr 220 Schüler*innen in einer Woche sieht, sondern vielleicht nur 90…

Egvina
1 Monat zuvor
Antwortet  mozarella

Auf der Suche nach einer 5-Tage-Woche wird man an der Grundschule nicht fündig.

Jutta Dus, NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  mozarella

5 Tage?
4 Tage sind angesagt und a bisserl homeoffice 😀

Realistin
1 Monat zuvor
Antwortet  Jutta Dus, NRW

ganz genau.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  mozarella

Dafür sitzen Sie in den Weihnachts- und Osterferien und schreiben ellenlange Textzeugnisse.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  mozarella

Grundschule
Vorletztes Wochenende: Sportfest vorbereitet
Letztes Wochenende: Schulfest
Dieses Wochenende: Aufsätze korrigiert
Noch Fragen?

Samson
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Ja.
Warum bereiten Sie das Sportfest am Wochenende vor?

Hysterican
1 Monat zuvor

Völlig unabhängig vom Gehalt (die Planungen zur Gehaltsstufenangleichung gedeihen ja immer weiter)- die Entscheidung für die entsprechenden Lehrämter hängt erfahrungs- und austauschgemäß ganz stark von den beruflichen Erwartungen und den eigenen Präferenzen ab.
Ich habe dereinst Lehramt auf Sek2 mit Zusatzqualifikation Sek1 studiert, weil ich mir die Arbeit in der Grundschule für mich nicht vorstellen konnte und ich mich damit gar nicht anfreunden konnte (ich hasse es z.B. zu Basteln und habe bei Freunden gesehen,dass ein wichtiger Teil der Unterrichtsvorbereitungen im Erstellen ansprechender Materialien auf dem Bastelweg bestand…für mich ein absolutes No-Go!

Dann als Lehrer für die weiterführende Schule aufgrund politischer Fehlplanungen den beruflichen Traum nicht leben zu können, weil man „anders (und gefühlt falsch) eingesetzt“ wird, kann einem schon mal die gesamte Motivation verhagelt.

Es ist beides von eminenter Bedeutung für eine gelingende Bildung unserer Kinder – ABER es ist eben nicht dasselbe – egal, was u s irgendwelche Politiker oder Bildungswissenschaftler vermitteln wollen.

Wenn ich als Gitarrist anstatt für meine Leidenschaft Bluesrock, Speedmetal oder Reggae nur für Tanzmusik beim sonntäglichen Tanztee eingesetzt werde, dann verliert sich der Spaß am Instrument und am Musizieren.
Und dann darf sich niemand wundern, wenn statt zu mucken lieber ne Schaufel nehme und den Garten umgrabe.

BFZ-Fachkräftin
1 Monat zuvor

Aber wir Lehrkräfte haben doch eine 4 Tage Woche mit Homeoffice! Man muss dafür nur rechnen können: Die Ferienzeiten überschreiten den Urlaubsanspruch von 30 Tagen, d.h. alle zusätzlichen schulfreien Tage sind Arbeitstage! An diesen Tag muss ich nicht in der Schule arbeiten, sondern kann homeoffice machen. Der einzige Unterschied – und wie ich finde große Vorteil – bei uns ist, dass wir in der Schulzeit eine tägliche Anwesenheitspflicht haben. In der schulfreien Zeit dagegen nicht, d.h. da habe ich mehrere Wochen Homeoffice am Stück!