„Schwachstellen dankenswert offen benannt“: GEW-Chefin Finnern zum Nationalen Bildungsbericht

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FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Bericht „Bildung in Deutschland 2024“, der heute veröffentlicht worden ist, als einen „eindringlichen Weckruf an alle Politikerinnen und Politiker“ bezeichnet.

„Es muss deutlich mehr Geld ins Bildungssystem“: Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, über die jüngsten Tarifverhandlungen. Foto: GEW

„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Studie verantworten, haben die systemischen Schwachstellen und Defizite des Bildungswesens und deren Folgen für die Gesellschaft dankeswert offen benannt. Wenn die Bildungspolitik jetzt nicht radikal umgesteuert wird, müssen die nächsten Generationen die Zeche zahlen. Wenn die jungen Menschen nicht gut ausgebildet werden, erleben sie keine Partizipation an der Gesellschaft und es verschlechtern sich individuell die Zukunftsaussichten. Zudem fehlen künftig Steuereinnahmen und die Sozialsysteme sind nicht mehr zu finanzieren“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern am Montag in Frankfurt am Main.

„Es muss deutlich mehr Geld in das Bildungssystem, das seit vielen Jahren erheblich unterfinanziert ist, investiert werden. Mit diesen Mitteln müssen insbesondere arme Kinder und deren Familien sowie Bildungseinrichtungen in herausfordernder Lage unterstützt werden, um den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg endlich aufzubrechen. Das ‚Startchancenprogramm‘, das ab dem nächsten Schuljahr greifen soll, ist ein richtiger, aber eben nur ein erster und zudem zu kleiner Schritt“, erklärte die GEW-Chefin.

„Nur wenn wir Ungleiches auch ungleich behandeln, sprich Bildungseinrichtungen in schwierigen sozialen Lagen und damit die hier lernenden Menschen zusätzlich unterstützen, können wir einen nennenswerten Beitrag dazu leisten, der sozialen Spaltung in der Gesellschaft entgegenzuarbeiten“, betonte Finnern. „Wenn das Bildungssystem soziale Ungleichheit verfestigt oder sogar verstärkt, wachsen die sozialen Disparitäten weiter, werden immer mehr Menschen in der Gesellschaft abgehängt. Von dieser Entwicklung profitieren nur die rechten Rattenfänger – ebenso wie von einem weiteren Abbau des Sozialstaates!“

Die GEW-Vorsitzende machte deutlich, dass das Bildungssystem seine Leistungen weiterentwickeln müsse, um Menschen, die nach Deutschland kommen, besser zu integrieren. „Das gilt für die Kinder und Jugendlichen, die in den Kitas und Schulen Bildung vom ersten Tag an brauchen. Das gilt aber auch für die Erwachsenen, die in ihrem Herkunftsland beispielsweise als Erzieherinnen, Erzieher oder Lehrkräfte ausgebildet worden sind. Die Anerkennung ihrer Qualifikationen muss erleichtert, die Verfahren müssen beschleunigt werde“, sagte Finnern. „Angesichts des riesigen Fachkräftemangels im Bildungsbereich ist es unverantwortlich, das vorhandene Potential nicht zu nutzen.“ News4teachers

Nationaler Bildungsbericht: „Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck“

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Heuwägelchen
25 Tage zuvor

Und was soll das bringen?

Rüdiger Vehrenkamp
17 Tage zuvor

Ich bin der Meinung, dass man auch von Eltern und den Kindern mehr fordern muss. Immer wieder betreuen wir Kinder, die der Schule bewusst fernbleiben und schwänzen und mitunter unterstützen Eltern dieses Verhalten. Hier müsste radikal das Kindergeld gekürzt werden dürfen. Der bisherige Weg über Jugend- oder Ordnungsamt verläuft im Sand. Die leiten es meist an uns weiter. Wir agieren dann pädagogisch, begleiten auch Schüler morgens von Zuhause aus in die Schule… Doch oft hauen die unmittelbar wieder ab – natürlich ohne Abmeldung.

Bußgelder werden einfach nicht gezahlt oder das Ordnungsamt erstellt erst keinen Bescheid, weil sie genau wissen, dass nicht bezahlt wird. Auch die Polizei hat zu wenig Personal, um sich um Schulabstinenzler zu kümmern.

Mit anderen Worten: Es gibt bestimmt ganz tolle Programme und sicherlich motzt niemand über eine Weiterentwicklung von Schule. Jedoch muss auch wieder mehr eingefordert werden dürfen: Leistung, pünktliches Erscheinen sowie Mitarbeit der Eltern. Und falls nicht entsprechend geliefert wird, muss es eben wehtun.

Stefania K.
15 Tage zuvor

Wie wahr, wie wahr! Wahrscheinlich bekommen jetzt aber einige Leser Schnappatmung, besonders wegen Ihres letzten Satzes. Dass auch Kinder aus Schaden (z.B.Schmerzen) lernen und klug werden, haben sie nicht mehr auf dem Bildschirm.

NochEinLehrer
15 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Gegenfrage: „Liefern“ bei Abstinenz (fehlender Motivation, Pünktlichkeit) tatsächlich „nur“ die Eltern nicht?

Mir geht es hier nicht irgendwelche drakonischen Maßnahmen, aber von uns Lehrern wird in vielen Situationen erwartet Probleme im Alleingang zu lösen, dafür aber keinerlei Handhabe mitgegeben. Wenn die Probleme dann, erwartungsgemäß, nicht gelöst sondern schlimmer werden, kommt zuverlässig die Frage, wie solche Zustände herrschen können.

Besseranonym
15 Tage zuvor
Antwortet  Stefania K.

Ihr letzter Satz verursacht bei mir ( keine Schnappatmung, bin kein Karpfen) Ärger.
Was meinen Sie umHGW mit dem Bsp Schmerzen – Schaden.
Das Ding mit der heißen Herdplatte, Notfalleinlieferung, weil mit Chemie gespielt …….eine rechts und eine links bei Fehlverhalten ???

K.Moritz
14 Tage zuvor

Na, auf die juristische Begründung bin ich gespannt. Und warum ausgerechnet das Kindergeld? Wie wäre es mit gesetzlichen Versicherungen? Oder dem Führerschein?

Konfutse
8 Tage zuvor
Antwortet  K.Moritz

Vielleicht für alle kein Kindergeld, aber dafür eine engmaschige Infrastruktur, die direkt beim Kind ankommt?