Nationaler Bildungsbericht: „Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck“

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BERLIN. Das deutsche Bildungssystem wächst: mehr Geld, mehr Personal, mehr Einrichtungen, doch die Herausforderungen wachsen auch. Und Zehntausende bleiben jedes Jahr ohne Schulabschluss, wie der Nationale Bildungsbericht zeigt.

Der Druck ist groß. Foto: Shutterstock

Von der Kita bis zur Uni – das deutsche Bildungssystem «arbeitet am Anschlag»: Dieses alarmierende Fazit zog ein Team aus Bildungswissenschaftlern, Jugendforschern und Statistikern am Montag bei der Vorlage des alle zwei Jahre erscheinenden Nationalen Bildungsberichts. Der mehrere hundert Seiten umfassende Bericht beschreibt den Zustand des Bildungssystems und die Probleme, vor denen Bildungseinrichtungen stehen. Er soll Handlungsgrundlage für die Bildungspolitik sein.

Das Bildungssystem wurde demnach in den vergangenen Jahren immer mehr ausgebaut, zum Beispiel im Bereich Kita. Es gab deutliche Personalzuwächse und mehr Geld – doch mit den wachsenden Anforderungen hält das nicht Schritt. Anhaltend viele junge Menschen verlassen die Schule ohne Abschluss. Die in Berlin präsentierten Ergebnisse im Einzelnen:

SCHULABBRECHER – 2022 verließen 52.300 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Der Anteil der Gleichaltrigen, die keinen Schulabschluss schafften, stieg demnach auf 6,9 Prozent. Im Vorjahr lag er nach Daten des Statistischen Bundesamtes bei 6,2 Prozent (47 500) und 2020 dem Bildungsbericht zufolge bei 5,9 Prozent. Die Zahl der eigentlichen Abbrecher dürfte noch höher liegen, da Jugendliche, die während eines Schuljahrs die Schule verlassen, nicht mitgezählt werden. Im Zeitverlauf wird deutlich, dass es sich um ein dauerhaftes Problem handelt: So lag der Anteil der Jugendlichen ohne Abschluss im Jahr 2006 bei 8 Prozent (mehr als 75.000 Betroffene) ging dann bis 2013 auf 5,7 Prozent zurück und steigt seitdem – mit Unterbrechung der Corona-Jahre – wieder an.

SYSTEM WÄCHST – Die Bildungsausgaben im Land sind in den vergangenen zehn Jahren um 46 Prozent auf 264 Milliarden Euro im Jahr 2022 gestiegen. Ein deutliches Plus. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, sei der Anteil der Bildungsausgaben seit 2012 aber nur um 0,2 Prozentpunkte gestiegen, heißt es kritisch – zumal auch der finanzielle Bedarf steigt, denn die Zahl der Bildungseinrichtungen ist gewachsen, die Zahl der Beschäftigten und auch die der Bildungsteilnehmer. Knapp 18 Millionen Menschen waren 2022 in einer Bildungseinrichtung, gut eine Million mehr als vor zehn Jahren.

PERSONALMANGEL – Die zum Teil sehr angespannte Situation bei der Rekrutierung von Fachpersonal bleibe eine Herausforderung für nahezu alle Bildungsbereiche, heißt es im Bericht. In den Schulen zeigt sich das den Autoren zufolge zum Beispiel daran, dass verstärkt auf Quereinsteiger gesetzt wird. Demnach hatten von 35.000 im vergangenen Jahr neu eingestellten Lehrkräften zwölf Prozent keine klassische Lehramtsausbildung. Der Bericht zählte für das Jahr 2022 insgesamt 2,7 Millionen Menschen, die in Kitas, Schulen und Hochschulen beschäftigt waren. Die Forscher gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl durch Zuwanderung weiter wächst, was «mittelfristig in sämtlichen Bildungsbereichen» zu einer erhöhten Nachfrage nach Bildung führen werde – entsprechend wird auch mehr Personal gebraucht.

KITAS – Die Zahl der Kitas ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gewachsen. 2023 gab es mehr als 56.000 Einrichtungen im Land, ein Höchststand – 10.000 Kitas mehr als noch 2006. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg die Zahl der pädagogischen Kita-Fachkräfte dem Bericht zufolge von 458.000 auf mehr als 700.000. Im Osten könne der Personalbedarf weitgehend gedeckt werden, im Westen knirsche es aber noch immer, hieß es. Trotz gestiegener Zahl an Kita-Plätzen, bestehe die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage weiter, da der Bedarf an Betreuungsplätzen Umfragen zufolge mitwachse.

HOCHSCHULEN – Die «Akademisierung stagniert», heißt es im Bericht. Der über viele Jahrzehnte zu beobachtende Akademisierungsprozess – also dass immer mehr junge Menschen studieren – sei vorerst zum Stillstand gekommen. Die Nachfrage nach Hochschulbildung stagniere seit einiger Zeit. Es gebe sogar Anzeichen für ein Nachlassen, obwohl die Nachfrage zum Beispiel nach Naturwissenschaftlern, Informatikern und Ingenieuren schon jetzt nicht mehr ganz gedeckt werden könne.

SOZIALE HERKUNFT – Bildungserfolg hängt in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab, soweit so bekannt. In ihrem Bericht verweisen die Forscher hier auch auf einzelne Aspekte im Zusammenhang mit Zuwanderung. Je älter Menschen sind, wenn sie nach Deutschland kommen, desto schlechter sind ihre Chancen auf Bildungserfolg. Rund die Hälfte jener, die im Alter von 14 bis 18 Jahren nach Deutschland gezogen sind, hat weder einen Berufsabschluss noch die Hochschulreife. Bei jenen, die als Kleinkinder zugezogen sind, ist nur ein Viertel gering qualifiziert.

„Soziale Bildungsungleichheiten ziehen sich durch die Biographie bis in die Erwachsenenbildung hinein. Vor allem, dass bei der Wahl von Bildungsangeboten Unterschiede nach sozialer Herkunft bestehen, stellt eine unverändert große Problemlage dar. Hier muss man wirksam gegensteuern, begleitend und auch präventiv. Das erfordert wiederum einen systemischen Blick auf das Bildungsgeschehen und eine lebenslaufbezogene Perspektive. Wir sollten uns außerdem bewusst machen, dass soziale Bildungsungleichheiten nicht ausschließlich dort entstehen, wo sie in Bildungsstudien sichtbar werden, sondern auch und vor allem schon in der frühen Kindheit“, sagt Professor Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Sprecher der für den Bildungsbericht verantwortlichen Gruppe von Wissenschaftler*innen.

So empfehlen die Bildungsforscher*innen mehr Bemühungen und eine stärkere Förderung schon im Vorschulalter. Vor diesem Hintergrund wird in dem Bericht eine Uneinheitlichkeit in den Ländern bei Sprachstand-Tests im Vorschulalter kritisiert: Während in sieben Ländern alle Kinder vor der Einschulung mit unterschiedlichen Erhebungsverfahren getestet würden, führten weitere sieben Länder solche Erhebungen nur bei bestimmten Gruppen durch, und in zwei Ländern werde keine landesweite Diagnostik vorgenommen.

BERUFLICHE BILDUNG – „Die berufliche Bildung stellt sich als lebenslanger Prozess dar, der unter sehr heterogenen Bedingungen erfolgt“, fasst Maaz die Analysen zusammen. „Die berufliche Orientierung im Jugendalter ist von zentraler Bedeutung, da am Ende der Schulzeit erstmals ein Beruf gewählt wird, der zu den fachlichen Interessen und Kompetenzen passen sollte. Diese Passung ist entscheidend für den weiteren Bildungsverlauf. Bisherige Befunde deuten darauf hin, dass sich Jugendliche trotz zahlreicher Informationsangebote nicht ausreichend auf die Berufswahl vorbereitet fühlen. Es besteht daher weiterhin Forschungsbedarf zur Wirkung von Angeboten zur beruflichen Orientierung.“

Auch die Maßnahmen im Übergangssektor sollten nach Ansicht der Forscher*innen stärker evaluiert werden. Befunde zeigten aber, dass einige Jugendliche, die zunächst nicht in eine Ausbildung einmünden, ihre Chancen verbessern können. Dies gelte insbesondere bei Maßnahmen mit starker Betriebsanbindung oder wenn die Jugendlichen einen ersten Schulabschluss nachholen. Dass die Qualität der beruflichen Bildung insgesamt nicht systematisch gesteuert und evaluiert, wird von den Wissenschaftler*innen krisitiert. Beim Einstieg in die Ausbildung oder das Studium komme es häufig zu Verzögerungen und Kompromissen. Einmal begonnen, verliefen beide aber in der Mehrheit der Fälle ohne Unterbrechungen. Nach dem Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums gelinge überwiegend ein Übergang in eine angemessene Erwerbstätigkeit.

Fazit: „Angesichts der vielschichtigen Herausforderungen für das Bildungssystem gilt es, bereichsübergreifend alle Aktivitäten und Ressourcen klug, kohärent und nachhaltig miteinander zu verzahnen. Denn das System arbeitet vielerorts bereits am Anschlag, nicht zuletzt aufgrund stetiger Aus- und Umbaumaßnahmen und der angespannten Situation beim Fachpersonal“, sagt Maaz. Er fügt hinzu: „Verschiedene weitreichende Entwicklungen bringen zusätzlichen Anpassungsdruck mit sich. So stellt etwa die Integration von Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung inzwischen eine Daueraufgabe und große Herausforderung dar, für die es bislang keine nachhaltigen Konzepte gibt. Bildungsprozesse müssen zudem vermehrt digital gestaltet und der Kulturwandel durch die Digitalisierung mitgedacht werden.“ News4teachers / mit Material der dpa

Bildungsbericht: Experten warnen vor langfristigem Personalmangel – Prien: „Unvorhersehbar“

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SoBitter
1 Monat zuvor

Und was wird passieren?
Spoiler: wie immer nichts außer warmer Worte.

Biene
1 Monat zuvor
Antwortet  SoBitter

Heiße Luft passt besser.
Eine Botschaft, die schon bekannt war. Komisch, dass das erst „erforscht“ werden sollte. Offene Ohren seit Jahren und diese „Forschung“ hätte gespart werden können.

Heuwägelchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Biene

Ich vermute ja, dass EuEs sowie LuLs noch mehr Aufgaben in ihrer Frei- und Erholungszeit als „Herausforderung“ zu stemmen bekommen…

Biene
1 Monat zuvor
Antwortet  Heuwägelchen

Ich werde diese Aufgaben nicht wahrnehmen können, da ich mit meinem Amt in der Schule genug um die Ohren habe und ehrenamtlich tätig bin (Feuerwehr); also, liebe KuMi, die Extraaufgaben macht ihr bitte in eurem Elfenbeintürmchen selbst. Irgendwann brauchen auch Lehrkräfte eine Pause. Ansonsten können wir ja mal die Rollen tauschen und Sie probieren Ihre exquisiten Ideen mal am eigenen Leib aus, natürlich mit sehr freundlichen, zuvorkommenden und friedlichen SuS deren Eltern, nie die 4-Buchstabengazetten lesen und die Kooperation mit der Schule suchen und sich an Absprachen halten.

Wer Ironie oder Sarkasmus findet, bitte behalten.

Unfassbar
1 Monat zuvor

In den Schulen könnte man einen großen Batzen des Drucks herausnehmen, wenn nicht alle paar Jahre eine neue Lehrplansau durch das Dort getrieben werden würde. Ein Schulgesetz, das die Eltern in die Pflicht nimmt, würde auch helfen. All das ist aber aus politischen Gründen nicht gewollt.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

So ist es. Neue Lehrplansäue für neu gedachte Schulen mit neuen Supi-Kompetenzen ohne Faktenwissen bei ganz wenig Anstrengung für Lernende aber gaaaaanz viel Aufwand, Anpassungsdruck und zunehmender Desillusionierung für die noch „aushaltenden“ Bestandslehrkräfte.
Aber für die uns nachfolgenden „abgespeckten“ Superlehrkräfte reichen auch Leerpläne und der unerschütterliche Glaube ans Gelingen. Das wird schon.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Multiprofffffessiooonäällll – das Abspecken des Unterrichtes erfolgt bitteschön multiibuprofenionell!

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Manchmal hilft nur noch ne Ibuprofen im multiprofffffessiooonäällllen Abspeckunterricht. Schmerz lass nach! 

Heuwägelchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Grins – dann lässt sich auch der Studienumfang auf ein Unter-Mindestmaß reduzieren!

Und dann – viele Leerkräfte mit niedriger (Aus)Bildung… Die werden nicht gut bezahlt werden müssen, sind aber keine Quereinsteiger und damit haben unsere KuMis schwuppsdiwupps die Schulwelt gerettet!

WOW – und SuperGau

Heuwägelchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Diese politischen Gründe würde ich gerne mal erfahren.

Hat da jemand Angst, nicht mehr von den Eltern gewählt zu werden?

Entscheidungsangst? Verantwortungsangst?

Selbsterhaltungstrieb?

Das sind „individuelle“ (also egoistische) Gründe, die NICHT dem Volk dienen.

Legt da nicht jede(r) ein Amtseid ab?

Wozu eigentlich?

(Das ist mir klar, aber was bringt der in der realen Realität?)

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

„Ein Schulgesetz, dass die Eltern in die Pflicht nimmt, würde auch helfen“ – wie soll das denn gehen? Das ist doch Unsinn, das ist gar nicht umsetzbar! WICHTIG wäre den Bildungserfolg von sozioökonomischen Umfeld zu entkoppeln! WICHTIG und RICHTIG ist eine massive Stärkung der Prävention – ein niedrigschwelliges, institutionell vernetztes Beratungs- und Unterstützungssystem, dass die Kinder und ihre Eltern von Geburt an begleitet und später die Mitarbeiter-innen der Bildungseinrichtungen. Was wir haben ist ein unübersichtliches und zum Teil überlaufendes Feld von Anbietern, die Beratung und Unterstützung anbieten. Schon das ist eine viel zu hohe Hürde und erschwerend hinzu kommt, dass viele Angebote kostenpflichtig sind und die entweder aus eigener Tasche finanziert werden müssen oder wofür sehr aufwändige Antragsstellungen notwendig sind.

Fakt ist, die Kinder werden mit sehr unterschiedlichen Kompetenzvoraussetzungen eingeschult – Lernvorsprünge von bis zu zwei Jahren sind normal – das müssen wir ändern. Dann werden auch Bildungseinrichtungen massiv entlastet und die Anzahl der Überprüfungsverfahren wird sich reduzieren.

ginny92
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich denke das mit dem „ Eltern in die Pflicht nehmen“ gemeint ist das deutlicher gefordert werden kann, dass die Eltern dafür sorgen das die Kinder ausgeschlafen mit Frühstück, sauberen Sachen in der Schule ankommen. Das sie wissen was ein „Nein“ bedeutet.

Anika von Bose
29 Tage zuvor
Antwortet  ginny92

Das kann ja allenfalls ein Appell sein und es ist davon auszugehen, dass es dieses Appelle schon gibt. Aber wie wollen sie Verstöße gegen derartige gesetzliche Verpflichtungen überprüfen, nachverfolgen und ahnden? Und wer ist dafür verantwortlich? ich halte das für Nonsens und wenig erfolgversprechend. Es gibt Familien, die nicht in der Lage sind ihren Kindern Struktur, Orientierung und Unterstützung anzubieten – das ist traurig, aber das werden Sie auch durch gesetzliche Vorgaben nicht verändern. Damit auch diese Kinder nicht wegen ihres sozioökonomischen Umfelds benachteiligt werden, müssen wir andere Wege finden wie wir diesen Kreislauf unterbrechen. Meine Idee
dafür habe ich schon dargestellt…

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Und ob das „umsetzbar“ wäre. Gibt reichlich Länder, die das und noch ganz andere Dinge umsetzen.
Verstossen „Sie“ mal in Skandinavien, USA, England, Australien, Korea … gegen Schulpflichten…

Anika von Bose
29 Tage zuvor
Antwortet  447

Eine Schulpflicht gibt es hier auch – oftmals wird diese nur unzureichend durchgesetzt.

Defence
1 Monat zuvor

Ich hab eine gute Idee:
Nur Flüchtlingskinder und inklusiv zu beschulende Kinder sind doch langweilig.
1. Alle Förderschullehrkräfte entlasten. Sie sind nur noch an der Förderschule beratend tätig. Falls die Lehrkraft etwas möchte, kann sie zur Förderschule fahren und sich direkt vor Ort beraten lassen.
2. Alle Kinder, ganz egal welche Einschränkung in die Regelschule. Die Regelschullehrkraft wird es schon richten. Mit dem Idealismus, der seines Gleichen sucht, ist alles möglich.
3. Falls sich doch jemand beschwert (Überlastungsanzeige), einfach zu noch mehr Arbeit verdonnern, dann beschwert sich in Zukunft auch niemand mehr.
4. Viele tolle, neue Konzepte, aber bitte ohne Zeit für die Entwicklung und das Etablieren an der Schule. Das machen Lehrkräfte aus voller Überzeugung in ihrer Freizeit. Irgendjemand schreit schon danach.
5. Leider gibt es kein Mehrgeld und keine Entlastungsstunden.
6. Die Arbeit der Jugendämter, der Sozialarbeit und der Psychologie übernehmen auch alle Lehrkräfte.
7. Jeder muss eine Fortbildung zur systematischen Eheberatung machen. Das unterstützt Eltern in ihren Ehekrisen und Rosenkriegen.
8. Volldigitale Schule ohne Experten (IT-ler), die einen unterstützen. Lehrer sind Allrounder und eignen sich gerne alles an. Sie sind eh die Master of: „Ich kann alles! Bin für alles zuständig! Und mache es eh besser!“

Und die Moral von der Geschicht: Keiner ist so dumm, Lehrer nicht!

Sonderpädagogin in der GS
1 Monat zuvor
Antwortet  Defence

Was soll der Punkt 1?? Sollen hier wieder Lehrergruppen gegeneinander ausgespielt werden? Wer glaubt, Förderschullehrer stünden nicht auch an der Grenze des Machbaren (bzw schon weit darüber hinaus), der täuscht sich und will nur seine eigene Baustelle sehen.
Ob nun im inklusiven Setting,bei ich arbeite, oder an einer Förderschule: auch die Sonderpädagogen gehen auf dem Zahnfleisch und Kollegialität täte uns allen gut!

Defence
1 Monat zuvor

Da stimme ich Dir zu. Förderschullehrkräfte sind ebenfalls am Anschlag,
das inklusive Setting wird aber von Jahr zu Jahr mehr. Hatten wir vor ein paar Jahren 1-2 inklusiv beschulte Kinder maximal, haben wir heute 5-8 inklusiv beschulte Kinder pro Klasse. Die Förderschullehrkraft- wenn sie denn eine ausgebildete Förderschullehrkraft ist- kommt aber weiterhin nur mit ein paar Stunden (6-8Stunden) in die Klasse, um die Kinder im Regelunterricht zu begleiten. Bei uns ist sie nur beratend tätig.
D.h. irgendjemand muss die restlichen Stunden kompensieren. Und das ist dann immer die Klassenleitung bzw. die Fachlehrkraft.

Klar haben die Förderschullehrkräfte jede Menge zu tun, weil sie in mehreren Klassen eingesetzt werden. Aber das heißt ja nicht, dass sie den Regelschullehrer entlasten würden.

Wenn Inklusion wirklich gewollt ist in Deutschland, dann müssen komplette Förderschulen (mit Personal) in die Regelschulen integriert werden. Wir haben eine richtige (ausgebildete) Förderschullehrkraft und eine weitere Stelle (Studenten) für 30 Kinder in 6 verschiedenen Klassen.

Die Inklusion an sich wird den Regelschulen untergejubelt und es gibt KollegInnen, welche jubeln, wie toll die Inklusion doch sei.
Eine beratende Unterstützung kann mir ehrlicherweise ganz gespart bleiben. Ich brauche Leute, die mit anpacken.
Für mich bedeutet das: Förderschullehrkräfte müssen den Kindern ebenfalls Unterrichtsangebote machen. Für differenziertes Material haben sie Sorge zu tragen. Ansonsten bleibt alles beim Regelschullehrer hängen. Das kann nicht gewollt sein.

Sonderpädagogin in der GS
1 Monat zuvor
Antwortet  Defence

Ja, so verstehe ich das besser.
Natürlich, ich hätte auch gerne so viel sonderpädagogisches Personal an meiner Seite, dass ich mehr fördern, unterrichten und beraten kann.
Alleine kann man bei weitem nicht allem Bedarf angemessen begegnen.

Karl Heinz
1 Monat zuvor

Klarer Fall von „Der Markt regelt das.“

Aber wer immer noch CDU, FDP & Co. wählt, hat es auch nicht anders verdient.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Wäre es besser, wenn die AfD an der Regierung wäre oder gehört die auch zu „& Co.“?

Hans Malz
1 Monat zuvor

Nach Erfahrung in NRW kann man das getrost ausweiten: CDU, FDP, SPD, Grüne haben schon bewiesen, dass sie es nicht können. Bei der AfD kann ich gerne auf den Beweis verzichten.

447
1 Monat zuvor

Völlig unabhängig von der (bzw. den) angesprochenen Parteien:
Wenn die Politik EINFACH GARNIX machen würde…also wirklich nix einfach nur Stille und uns arbeiten lassen würde, sich nicht einmischen würde…wäre besser als jetzt.

Leider keine Ironie.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Volle Zustimmung … das Gleiche hat bereit vor über 30 Jahren mein Geschichtsfachleiter Herr Jürgens konstatiert:

„Was würde passieren, wenn man die gesamte Kultusverwaltung und Kultuspolitik für 3 Jahre auf eine einsame Insel verbannen würde?“

„Schulen würden wieder funktionieren!“

Es scheint so traurig wie wahr zu sein.

Karl Heinz
1 Monat zuvor

Zur Europawahl waren 35 Parteien und sonstigen politischen Vereinigungen zugelassen.
Wenn ihre Zauberkräfte sich darin erschöpfen, alles auf eine bestimmte Partei zu reduzieren, selber Schuld…

Wie Hans Malz schrieb: ein Teil hat bereits (mehrfach) bewiesen, dass sie es nicht können. Insofern sind die Wähler schuld, die sowas immer wieder wählen…

Realistin
1 Monat zuvor

Was wird passieren?

Es kommt kaum noch wer, dann nur schlechte Qualität oder Kollegen wandern in andere Branchen ab. Gründe? Schmales Gehalt in Inflationszeiten (wenn die Sommerreise mit 4 Pers. 4000 kostet), 5 Tage vor Ort ohne
Homeoffice, 4 Tage Woche,Bildungsurlaub und workaway.

Gen Z Lehramt, ich bin doch nicht blöd

Samson
1 Monat zuvor
Antwortet  Realistin

Es sind aber nunmal keine 5 Tage vor Ort. Es ist eher ein „Blockmodell“.
Ich versteh das nicht. Es heißt immer, in den Ferien wird gearbeitet. Aber das ist dann doch Homeoffice…. und kann man die Ferien dann nicht als workaway nutzen?

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Samson

Ich würde die Gründe, die @Realistin nicht als so relevant betrachten, sondern eher die Tatsache, dass Schule einen total auslaugt, wenn man an all die großen Baustellen denkt, auf denen Lehrkräfte gleichzeitig arbeiten müssen.
Ich brauche nicht mehr Geld, ich brauche Entlastung im Hinblick auf adäquate Unterstützung Beratung, Betreuung, Versorgung von Kindern und Jugendlichen, Elternarbeit und Verwaltungskram.

Der Punkt ist, dass wir unseren Job nicht so machen können, wie wir es ursprünglich sollten.
Ja, in anderen Berufen muss man jetzt auch anders da digitaler arbeiten. Darum geht es aber nicht.

Desiree ausm Pott
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

etwas digitaler wäre schon schöner und homeoffice auch 🙂

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Realistin

Ohne Homeoffice? Nö, das kommt bei Lehrkräften auf die Sechs-Tage-Woche noch on top!

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Neue Plakataktion:

„WIllst du das Beste aus beiden Welten? Tagsüber in der Schule arbeiten? Die Nerven dann auf der langen Fahrt nach Hause wieder ins Gleichgewicht kommen lassen? Damit du am Abend fit bist für das ‚Homeoffice*, das du dir nach einem langem Unterrichtstag redlich verdient hast? Und am Wochendende und in den ‚Ferien“ muss du nicht pendeln! Da bist du den ganzen Tag für dich alleine im Homeoffice mit deinen Korrekturen! Werde Lehrkraft! Lass das letzte bischen Saft aus die Herausquetschen! Spüre das Schicksal der Zitrone!“

Immer dran denken: Jeden Morgen steht ein neuer Dummer auf…

Desiree ausm Pott
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ja, manche hier haben das homeoffice in den anderen Berufen nicht kapiert.
Da sind es dann entspannte 5 Stunden mit Pause zuhause

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Realistin

„(wenn die Sommerreise mit 4 Pers. 4000 kostet)“

Hach, was muss man / frau auch immer mit seinen Blagen durch die Welt gondeln … man / frau könnte ja auch mal einfach auf Balkonien oder in Gardenien verweilen und sich überwiegend von Nudeln und Reis oder umgekehrt von Reis mit Nudeln ernähren … dann würde man / frau sich wundern, wie günstig man / frau diese 4-wöchige Lebensspanne verbringen könnte – und eine Menge Zeit für das intensive Sinnieren über zukünftige Unterrichtsvorhaben und Lösungsstrategien hinsichtlich der zu erwartenden und sicherlich eintretenden Krisen entwickelnd haben.

Zynismus aus! 🙂

Desiree ausm Pott
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

viel zu ungesund ihr Essen 😉

Realist
1 Monat zuvor

„Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck“
Nettes Symbolbild. Die Zitronen müssen wohl noch etwas zusätzlichem „Anpassungsdruck“ ausgesetzt werden, damit sie noch eine Runde extra Saft hergeben. Herrn S… aus P… wird das gefallen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ich persönlich nehme auch aktiv am neuen Modewort „Transformation“ teil.
Ein gelb angemalter Stein wird gerne mut Zitronen verwechselt – da hilft nur alles Pressen nix. 😀

Philine
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Es liegt nur am mindset – die Zitronen sollen sich einfach denken, dass sie eigentlich Kokosnüsse sind. Nicht kaputtbar und innen voller Ressourcen.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Wer hier noch lacht oder herummosert hat noch zu schöpfende Energien … erst wer still und insichgekehrt darniederliegt darf – aus Sicht der Entscheidungsträger Klage führen —wenn das dann noch möglich ist. (Achtung: taktisches Manöver 😉 )

Hysterican
1 Monat zuvor

Ja und?

Wen wundert diese Ergebnis eigentlich noch?

„Ein mehrere hundert Seiten starker Bildungsbericht blablabla ….wir müssen hier ganz dringend was ändern …. ähmm …. jahaaa, ähmmm aber wegen weil ähhmmm … was gibt es gleich eigentlich am Buffet und wo ist die Coctailbar?“

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Ich persönlich stehe jederzeit zur Verfügung, jährlich 12 solcher Berichte vom home office aus vorzulegen.

Mein Hauptproblem an diesen Berichten?

WIE, wie zum Henker komme ich in die Nicht-Leister-Zirkel rein, die bezahlt nur sowas machen?

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Tipps:
1.) dickes Fell ersetzt das Rückgrat
2.) Hirn ausschalten und jeden Blödsinn, der von (politisch) Oben kommt, nachplappern
3.) fachliche Skrupel über den Haufen werfen
4.) in einen der großen Bildungsverbände eintreten, damit der Weg zu den Kaffeetischen in den KuMis (früher polit. unkorrekt „Fleischtöpfe“) geebnet wird. Nebenbei bemerkt: an diesen berühmt-berüchtigten `Kaffeetischen´ werden die wichtigen Entscheidungen getroffen….also nicht unterschätzen!
5.) auf die „pädagogischen Frontschweine“ koten (ugs. scheißen)….die sind lediglich weisungsgebundene Ausführungsgehilfen ohne geseschaftliche, fachliche oder politische Reputation.
6.) jeder noch so abwegigen – und z.T. durch erlebte Praxis – widerlegten Bildungsreform das Wort reden … es ist letzendlich völlig egal, wohin sich Schule bewegt – wichtig ist, dass die darin Rödelnden in Bewegung gehalten werden. Nichts ist für „BildungsVerantwortungsTräger*innen“ schlimmer, als basal Mitarbeitende, denen die Zeit gegeben wird, sich kritisch mit dem Müll auseinander zu setzen, der von oben auf sie niederrieselt.

So, liebe Bildungsdrohne 447 – möchtest du wirklich in diesen erlauchten Kreis aufsteigen??

Wie sage ich gerne und oft auf solche Fragen:

Da zünde ich mir lieber die Haare an und klopfe das Feuer mit nem Hammer aus.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Ich stelle fest:
Ich bin doch nicht skrupellos genug.
Punkt 3 und 5 kriege ich einfach nicht hin.

Ich muss an mir arbeiten!

Heuwägelchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Genau.

Der Bericht nützt doch niemandem – außer den Beteiligten, die in aller Ruhe ihren Job machen.

Wie viele sind das eigentlich, die im Prinzip „Umsonst“Arbeit (im Sinne von nutzlos, ergebnislos, konsequenzlos, …) machen?

Mich interessiert, wie viel Geld da reingesteckt wird. Weiß jemand, wo das zu finden ist?

Vermutlich ist das eine Geheimsache…. grübel.

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

……und die Häppchen werden immer sparsamer belegt ? von wegen, da weiß man ganz genau, was es braucht , Glorreiche glücklich zu machen.
Dieses Nebengeplänkel, auf den vielen Seiten steht doch immer das Gleiche, ist einfach nur lästig.
> Ja wenn wir Zeit hätten, die Lehrkräfte auf Trab zu bringen, wär das alles bald anders – aber wir müssen ja planen und denken, nachdenken, zerdenken, wegdenken – denen zuhören – nö, das könnte wehtun 😉 könnten Buffetgedanken sein.
Und solange der Elfenbeinturm nur ein bisschen Schlagseire hat ( der in Pisa steht immer noch gut ) kann OttonormalGlorreicher damit gut leben.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Die «Akademisierung stagniert», heißt es im Bericht. Der über viele Jahrzehnte zu beobachtende Akademisierungsprozess – also dass immer mehr junge Menschen studieren – sei vorerst zum Stillstand gekommen.

Nein, nicht noch eine Niveausenkung beim Abitur …

Ich höre schon leise im Hintergrund die Streicher fideln … und zum nächsten Streichkonzert ansetzen.

Echt
1 Monat zuvor

Wir brauchen doch mehr Pragmatiker, mehr Handwerker, mehr Menschen, die in verschiedenen Bereichen die Infrastruktur gewährleisten. Wann geht das in die Köpfe der Verfechter einer möglichst hohen Akademisierung. Es gibt unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, denen man trotzdem eine Gleichwertigkeit als Mensch zugestehen sollte. Seit mehr als 20 Jahren wird den jungen Leuten vermittelt, dass sie ohne Abitur nur minderwertige Berufe ergreifen können. Das trägt für viele nicht gerade zur Motivation bei und wir verlieren somit auch fähige (zukünftige) Fachkräfte, die kein Abitur oder Hochschulabschluss vorweisen können. Wie so oft, geht es auch hier um Anerkennung und Wertschätzung. Vielleicht würde bei dem Einem oder Anderen auch die Anstrengungsbereitschaft wieder etwas steigen, wenn das (entsprechend der persönlichen schulischen Leistungsmöglichkeiten erreichbare) Bildungs- und berufliche Ziel mehr gesellschaftliche Anerkennung finden würde.

Heuwägelchen
1 Monat zuvor

100000 ohne Schulabschluss in zwei Jahren – das ist auch ’ne Leistung!

WOW – was wir uns alles leisten können!

Frühkindliche Förderung – ist das nicht jedem klar?

Da werden die Grundlagen gelegt – oder ist dieser Gedanke tatsächlich neu?

Es macht mich fassungslos.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Heuwägelchen

Sind wir da im euopäischen Ranking nicht endlich mal an der Spitze??

Ich finde, dass man Erste Plätze auf jeden Fall feiern sollte….

Ey, hol´ mal den Schampus aus´m Keller – der Markt regelt das!!

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Wir sind ganz bestimmt weltweit Spitzenranking in „Arbeitsgruppen bilden“ und „bildungsfaktengecheckte Wissenschaftlichkeitsstudien (die zufällig immer zum Politprogramm passen) raushauen“.

Die starrköpfigen Lehrer wollen das nur trotz ihrer vielen Privileeeegiiiiiiieeen (wie etwa für Arbeit bezahlt werden) nicht umsetzen.

Mehr Schopper’sche Giftzähne jetzt!