120 Euro pro Woche: CDU fordert Prämie für Praktika in Schulferien

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HANNOVER. 120 Euro pro Woche: Mit einer Praktikumsprämie sollen mehr Schüler die Ausbildungsberufe kennenlernen – und so den Fachkräftemangel lindern, sagt die CDU.

Motiviert Geld Schülerinnen und Schüler, sich um eine bessere Berufsorientierung zu kümmern? Illustration: Shutterstock

Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen sollen für ein Praktikum in den Ferien nach Ansicht der CDU künftig eine Prämie bekommen. «Freiwillige Praktika abseits der vorgeschriebenen Schulpraktika sollten aus unserer Sicht belohnt werden, damit ein Anreiz geschaffen wird, sich umfassend über berufliche Perspektiven abseits des Studiums zu informieren», sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Frölich.

Gleichzeitig könne eine Prämie auch die Ausgaben während des Praktikums abdecken, etwa die Fahrtkosten und das Essensgeld. «Damit würden wir vor allem Kindern und Jugendlichen aus finanziell schwächeren Haushalten Möglichkeiten eröffnen», sagte Frölich. Eingeführt werden solle die Prämie zuerst für technische und handwerkliche Berufe. «Perspektivisch müsste diese Prämie aus unserer Sicht dann auch auf soziale Berufe übertragen werden.»

Vorbild Sachsen-Anhalt: 120 Euro pro Praktikumswoche

Bereits im vergangenen Jahr hat die CDU im Landtag beantragt, eine Praktikumsprämie nach dem Vorbild Sachsen-Anhalts einzuführen. Dort bekommen Schülerpraktikanten ab dem Alter von 15 Jahren im Handwerk einen Betrag von 120 Euro pro Woche. Dabei gilt ein Mindestzeitraum von einer Woche und ein Maximum von vier Wochen. Auch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gibt es eine Praktikumsprämie.

Damit Niedersachsen sich in diese Liste einreiht, forderte Frölich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne auf, dem CDU-Antrag zuzustimmen und das Geld für die Prämie im Haushalt für das nächste Jahr bereitzustellen. Bisher habe Rot-Grün aber «offenbar kein Interesse an der Behebung des Fachkräftemangels in Ausbildungsberufen», kritisierte er.

SPD-Fraktionschef Grant Hendrik Tonne erklärte dagegen, jeder Betrieb könne schon heute eine Praktikumsprämie zahlen. Vielen Betrieben mangele es jedoch nicht an Praktikanten, sondern an Azubis. «Wir sollten darum vor allem die Ausbildung weiterhin stärken und an der Gleichwertigkeit von Studium und Ausbildung arbeiten», sagte Tonne.

Grüne werben für Pilotprojekte

Auch der Grünen-Abgeordnete Heiko Sachtleben trat auf die Bremse. «Eine Praktikumsprämie flächendeckend einzuführen, wird finanziell unrealistisch sein, besonders wenn der Erfolg noch nicht evaluiert ist», sagte Sachtleben. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei es zwar wichtig, dass sich Jugendliche beruflich orientieren können. Die Erfahrungen in den Ländern mit der Prämie ließen aber nicht erkennen, ob die Praktikanten auch eine Ausbildung oder einen Job in dem Bereich anfingen. Sachtleben forderte daher, über Pilotprojekte zu diskutieren, mit denen erforscht werden könnte, «inwieweit eine Praktikumsprämie der richtige Ansatz ist». News4teachers / mit Material der dpa

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3 Kommentare
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vhh
10 Tage zuvor

Das ist noch nicht zu Ende gedacht. Eine Schulbesuchsprämie, speziell für Schulverweigerer, würde bestimmt auch dieses Problem lösen und ihnen helfen, ihre Zukunft eigenverantwortlich und vorausschauend zu planen.
Die Idee ist etwa so realistisch wie das kostenfreie Mittagessen an allen Schulen. Als Opposition gefordert, als Regierung vergessen.
Übrigens, wie viele kleinere Handwerksbetriebe können in den Sommerferien Praktikanten gebrauchen? Wie viel mehr verdient ein Schüler mit einem dreiwöchigen Ferienjob in einem größeren Betrieb? Ist ein Praktikum im sozialen Bereich minderwertig und darum nicht förderfähig? Oder haben wir dort schon einen massiven Personalüberschuss, wäre mir neu?

Sandrina
10 Tage zuvor

Kein Betrieb kann Schüler als Praktikanten „brauchen“.

Alter Pauker
10 Tage zuvor
Antwortet  Sandrina

Aber sich anschließend beschweren, weil es keine Lehrlinge gibt, können die Betriebe schon. Nennt man wohl Doppelmoral.