Alpenüberquerung: Deutsche Schülergruppe gerät auf 2000 Meter bei Radtour in Not

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MAYRHOFEN. Vom bayerischen Furth bis an die Adria soll die ambitionierte Tour von Schülern und Lehrern gehen. Auf über 2.000 Metern geht es wegen der Schneelage aber nicht mehr weiter. Ein Notruf wird abgesetzt.

Auf der Aufstiegsroute lag ein halber Meter Schnee (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Eine bayerische Schülergruppe ist bei einer Rad-Überquerung der Alpen in gefrorenen Schnee geraten und mit einem Helikopter gerettet worden. Wie die österreichische Polizei mitteilte, waren die elf Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums im niederbayerischen Furth am Dienstag zu der Tour aufgebrochen, die sie an den Adria-Badeort Jesolo in Italien führen sollte.

Begleitet von sieben Erwachsenen, darunter eine Lehrerin und ein Lehrer, wollten die Jugendlichen am Donnerstag über das knapp 2.700 Meter hohe Heilig-Geist-Jöchl von Österreich nach Italien gelangen. Auf der Aufstiegsroute lag ein halber Meter Schnee, sodass sie ab etwa 2.000 Meter ihre Fahrräder tragen mussten.

Nachdem sie den höchsten Punkt erreicht hatten, brach der Gruppenleiter aufgrund der Erschöpfung der Gruppenmitglieder und der Schneelage die Tour ab und alarmierte die Einsatzkräfte. Die 18 Menschen wurden unverletzt mit einem Polizeihubschrauber geborgen. Sie wurden auf einer Alm abgesetzt, wo sie von der Bergrettung Mayrhofen ins Zillertal geführt wurden.

Wie aus Online-Postings hervorgeht, hatten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv auf die mehr als 500 Kilometer lange Tour mit rund 10.500 Höhenmetern vorbereitet. News4teachers / mit Material der dpa

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21 Kommentare
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Philine
6 Tage zuvor

Hm, erst stellte sich das gewünschte positive Medienecho für die Schule ein, und nun erhält man eher unerwünschte Öffentlichkeitswirkung. Das sind die Risiken von Public Relations. Nur gut, dass es pragmatische und erfahrene Helfer gibt, die dann eingreifen können.

TaMu
6 Tage zuvor

Das hatten meine Eltern vor 45 Jahren mit mir im Gebirge deutlich besser im Griff. Da wurde nicht auf Teufel komm raus weiter aufgestiegen, wenn bei 2000 Metern bereits ein halber Meter Neuschnee lag und die Passhöhe 2700 Meter betrug. Es war völlig egal, wie gut wir vorbereitet waren und wie gerne wir unser Ziel erreichen wollten. Sicherheit ging immer vor. Ich erinnere mich an viele Hochtouren im August, bei denen wir im Tiefschnee umkehren mussten oder gar nicht auf die geplante Tour gehen konnten. Wir hatten damals für Notrufe eine Trillerpfeife im Gepäck und wollten uns nicht darauf verlassen, dass uns jemand hört. Heute, mit Handy im Rucksack, ist der gesunde Menschenverstand überflüssig geworden und möglicherweise ist sich von den sieben (!) Verantwortlichen keiner bewusst, welche Mentalität an die jungen Menschen vermittelt wurde. Mach was du dir in den Kopf gesetzt hast und worauf du nach deiner Vorbereitung ein gutes Recht hast und wenn es schief geht, wähle den Notruf, ähnlich wie Taxi. Die fleißigen Retterlein sind dafür da, dich per Hubschrauber zu retten, denn das ist ihr Job. Was für eine Einstellung!

Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Sorry, liebe TaMu, Lehrer und ortsansässige Führer waren weiß Gott keine Anfänger – die Reaktion bei Überbelastung ( nach Wettersturz ) abzubrechen war goldrichtig.
Die LuL des Maristen-Gymnasiums sind erfahren, s Homepage.

https://www.maristen-gymnasium.de/alpencross-tag-6.html

SB HS Lehrer
5 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Mit Fahrrädern in einem Bereich mit einem 1/2 Meter Schnee aufsteigen- da ist es egal ob Anfänger oder erfahrener Bergsportler, so etwas macht man nicht – dass das Kraft kostet ist doch jedem klar. Ein Wettersturz kann jederzeit kommen da gebe ich ihnen recht- jedoch frag ich mich wie sie auf den ortsansässigen Führer kommen. Wenn er dabei war haftet er nach Alpinrecht und nicht die Gruppe….

Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  SB HS Lehrer

Richtig, außer er trifft alle vorgeschriebenen Maßnahmen
( Lage einschätzen- absichern mit 2ter, Bergwacht informieren, Hubschrauber anfordern, ärztl. Dienst kontaktieren/lassen….je nach Ort……)

SB HS Lehrer
4 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Naja betrachtet man das Bergwacht Video vom Abstieg, würde ich selber da als erfahrener Alpinist und ausgebildete Kraft in dem Bereich mit einer Fahrradgruppe niemals einsteigen. Den Aufstieg hätte ich verweigert und ausgeredet… Aber der Bergkamerade scheint zu einer anderen Einschätzung gekommen zu sein

Besseranonym
4 Tage zuvor
Antwortet  SB HS Lehrer

Denke ich auch und sieht heftiger aus als es ist ( bin zur Hälfte in der Gegend aufgewachsen 😉

Realist
6 Tage zuvor

Also hier muss man schon differenzieren:

Für die Schule ist das Anbieten so einer Tour natürlich eine großartige Sache: Hier können die Jugendlichen viele Dinge lernen, die sie im normalen Schulalltag nicht lernen können, z.B: Leistungsbereitschaft, an die eigenen Grenzen gehen, Teamwork, sich Ziele setzen und erreichen. Außerdem (wenn es denn gut durchgeführt wird) eine tolle Außenwirkung für die Schule. Also einj Lob an die Schulleitung, dies sollten die Schulbehörden positiv in die Personalakte der Schulleitung aufnehmen, evt.befördern ins Schulamt.

Die beiden Lehrkräfte haben (wie so oft bei Lehrkräften zu beobachten) natürlich total versagt. Offensichtlich nicht über die Besonderheiten der Strecke informiert, die Strecke nicht vorher in ihrer Urlaubszeit privat abgefahren, eventuell auch zur falschen Zeit beim falschen Wetter losgefahren. Das bekommt wahrscheinlich jeder besser hin, der einen Anfängerkurs beim ADFC gemacht hat… die Lehrkräfte können hier von Glück reden, wenn sie eine Beförderungssperre bekommen (für höherwertige Aufgaben haben sie sich mit dieser Aktion offensichtlich disqualifiziert), möglicherweise auch eine Degradierung oder Gehaltskürzung könnten angemessen sein.

Also: Lob an die Schulleitung. Tadel für die Lehrkräfte

\Sarkasnmus

Ottokar
5 Tage zuvor
Antwortet  Realist

„Offensichtlich nicht über die Besonderheiten der Strecke informiert, die Strecke nicht vorher in ihrer Urlaubszeit privat abgefahren,“
Klar, dass von Ihnen ein derartiger Kommentar kommt.

Ja – es ist eine tolle Sache und Ja – die Begleitpersonen/Lehrkräfte haben hier versagt und zu spät reagiert.

Und ja – verdammte Axt – guter Wille hilft wenig, wenn die Ausführung mangelhaft ist.

Klar kann man sagen: blöd gelaufen. Aber: so ist es nunmal, dass man für die „Ergebnisse“ geradestehen muss.

Besseranonym
6 Tage zuvor
vhh
5 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Bei so viel PR waren es dann am Ende wenigstens nicht die Lehrer, sondern völlig unerwartete, unvorhersehbare Umstände (Achtung, Ironie, s.o., @TaMu). Man kann sich auch ohne Selbstdarstellung/-verwirklichung sozial engagieren.

Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

….und wenn motivierte Schüler*innen und aktive KuK sagen: Dieses Jahr fahren wir wieder / vlt noch mehr herein ( immer mehr wollen mit auf die transalp ) dann ist das sicher! bei allen! lediglich Selbstdarstellung. Mannohmann!
Das sieht man auch auf der Homepage ( s.o. ), so viel soziale Aktionen, da muss was faul sein.
( ärgerlicher smiley )
Nein, da passt einfach das Team und die Schüler dann auch.

vhh
5 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Habe ich die Arbeit der Organisation angezweifelt? Warum Alpenüberquerung ohne den bisher kühlen, niederschlagsreichen Frühsommer zu berücksichtigen? Fest eingeplante Berichte im BR? Sollen sie doch in jedem Kreis bayernweit einen Sponsorenlauf der örtlichen Schulen organisieren. Es geht mir nicht um ‚Sternstunden‘, es geht um eine nicht so intelligente, vermutlich fest terminierte Aktion: Wer auf die Idee kommt, bei 700 restlichen Höhenmetern mit Rädern und Gepäck weiter aufzusteigen ist mindestens etwas zu optimistisch.

Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Da müssen Sie bitte die ortsansässigen Führer fragen
( Mayrhofen/Zillertal).
Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  vhh
Besseranonym
5 Tage zuvor
Antwortet  vhh

…..könnte sein, dass Absteigen noch gefährlicher ist
und die Bergwacht den Hubschrauber wegen Wettereinbruch
und im Wissen der angemeldeten Tour
und im Kontakt mit den einheimischen guides
– den Hubschrauber schon in der Luft hatte.
Die sind fit, die Jungs und Mädels.

…..könnte sein

TaMu
5 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Inwiefern ist das wichtig?
Auch bei sozialen Projekten darf man nicht sich und andere in Gefahr bringen. Das wäre eine sehr gefährliche Entwicklung, wenn man jetzt sagen würde „wenn ab 2000 Metern Höhe Schnee liegt, wegen dem auf weitere 700 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt Fahrräder getragen werden müssen und man mit ziemlicher Sicherheit auch auf der Südseite des Passes noch einige hundert Höhenmeter Schnee vorfinden wird, wegen dem man auch nicht sicher ins Tal fahren kann, dann bricht man selbstverständlich so früh den Versuch der Überquerung ab, dass auch das schwächste Glied in der Seilschaft in Sicherheit ist.
Es sei denn, es ist eine soziale Challenge. Dann wird durchgehalten wie vor 100 Jahren in der Eigernordwand.“
Bei der nächsten Sternstundenaktion wird dann auch weiter gemacht, wenn Herz/Kreislauf zu kollabieren drohen und ähnliche Gefahren auftreten.
Wer hat übrigens schon einmal ein Fahrrad nebst dem eigenen Gepäck 700 Höhenmeter auf einen verschneiten Alpenpass hinauf getragen? Hört sich nach einer Gebirgsjägeraktion an und da gehört es eventuell auch hin.
Jedenfalls wurde hier die Latte sehr hoch angelegt und weitere Aktionen haben es schwer oder müssen es toppen. Dann wird die Sternstunde ganz einfach lebensgefährlich, was sie in diesem Fall bereits war.
Ich finde, der Erlös sollte an die alpine Luftrettung gehen, die verhindert hat, dass aus der Sternstunde eine Todesfalle wurde.

Besseranonym
4 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

“ Zusammen als Team können wir sagen, dass diese Woche eine der besten unseres Lebens war. Wir haben viel gesehen, erlebt und zusammen gelacht. Die Gruppe hat drei Länder durchquert, sich über Passstraßen gekämpft und sich in Serpentinen wieder ins Tal geschlängelt. Insgesamt wurden in 5 Etappen 327 Kilometer geradelt.

Wir sind uns einig, wir würden diese Fahrt jederzeit wieder machen und auf ein Neues genießen.

-Von Franzi und Mia- “

Wir auch 🙂

https://esgy.de/esgaktuell/blog/news-ansicht/transalp-2023-etappenberichte.html

Realist
4 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Ich finde, der Erlös sollte an die alpine Luftrettung gehen, die verhindert hat, dass aus der Sternstunde eine Todesfalle wurde.“

Es müsste generell eine Selbstbeteiligung für so etwas geben. Mindestens 50% der Kosten wären angemessen „Lufttaxi“ ist halt teuer.

Besseranonym
4 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Interessante Sache

https://www.sueddeutsche.de/reise/haftungsfrage-bergrettung-wer-zahlt-den-einsatz-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240208-99-916043

>> Löst eine einzelne Person einen Hubschrauber-Einsatz aus, kann sie von ihrem Begleiter auch keinen Schadenersatz verlangen und die Kosten einfordern. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts München hervor (AZ: 27 O 3674/23). Über den Fall berichtet der Deutsche Anwaltverein (DAV).