Früher in den Urlaub? Polizei kontrolliert Schulpflicht auch an Flughäfen

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WIESBADEN. Schule schwänzen für billigere Ferienflüge kann teuer werden. In vielen Bundesländern stehen nun die Sommerferien vor der Tür und Fluglinien sowie Reiseveranstalter erhöhen dann gerne die Preise. Da kommen manche Eltern schonmal auf die Idee, die Kinder früher aus dem Unterricht zu nehmen und zwei, drei Tage früher in den Urlaub zu starten.

Billigere Flüge vor Sommerferienstart können hinten raus doch teuer werden – wenn die Schulpflicht verletzt wird und ein Bußgeld anfällt. Foto: shutterstock

Keine gute Idee. Das hessische Bildungsministerium teilte mit: „Reisen der Eltern begründen nach der Rechtsprechung keinen Beurlaubungsanspruch und dies wird in den Schulen restriktiv überprüft.“ Weiter erklärt das Ministerium: „Der Bußgeldkatalog sieht bei Verstößen im Zusammenhang mit Schulferien bis einschließlich fünf Fehltagen unmittelbar vor/nach den Schulferien ein Bußgeld in Höhe von mindestens 200 Euro vor.“ In diesem Zusammenhang gäbe es auch vermehrt Kontrollen der Polizei zum Beispiel an Flughäfen, ob die Schulpflicht eingehalten werde.

Ältere, nicht mehr schulpflichtige Mädchen und Jungen können nach den Angaben von ihrer weiterführenden Schule verwiesen werden, wenn sie während sechs zusammenhängenden Unterrichtswochen mindestens sechs Tage unentschuldigt ihrer Bildungsstätte fernbleiben.

Eine Beurlaubung in der Schulzeit kann es laut Ministerium „nur in besonders begründeten Ausnahmefällen“ geben. Bei bis zu zwei Tagen vor oder nach den Ferien entscheidet das die Klassenlehrkraft, bei mehr Tagen die Schulleitung. Beurlaubungen können dem Bildungsministerium zufolge etwa „bei gewichtigen beruflichen Anlässe“ oder bei einem wichtigen familiären Ereignis wie Tod, Hochzeit oder der schweren Erkrankung eines Angehörigen gewährt werden.

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potschemutschka
4 Tage zuvor

Kontrolliert die Polizei auch an Schultagen im Stadtgebiet? In letzter Zeit sehe ich immer öfter Kinder/Jugendliche im schulpflichtigen Alter (keine Touristen mit ihren Eltern) schon am späten Vormittag fernab von Schulen, auch an nicht heißen Tagen. Aber wahrscheinlich sind das die Auswirkungen vom Lehrermangel (Unterrichtsausfall). Zum Glück gibt es ja immer mehr Ganztagsschulen, da fällt es dann nicht mehr so auf.“ Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Marielle
4 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Tatsächlich fällt ständig und überall Unterricht aus. Dass an den letzten Schultagen von der Polizei kontrolliert wird ist vermutlich nur der Fall, weil Lehrer es so ungerecht finden, dass sie noch in der Schule sein müssen.
Das Problem ist der frühe Notenschluss.
Aber was solls. Sind ja eh bald Ferien.

Konfutse
4 Tage zuvor
Antwortet  Marielle

Tja, ich wurde schon von Eltern angegangen, weil ich bis zur letzten Stunde vor den Ferien Unterricht erteilt habe.
Frage mich, ob Arbeitnehmer schon 2 Wochen vor dem Jahresurlaub am Arbeitsplatz „Urlaub nehmen“, weil sie je eh bald in Urlaub gehen. Aber ja, das würde vllt. unsere derzeitige wirtschaftliche Schieflage erklären….

Marielle
4 Tage zuvor
Antwortet  Konfutse

Allen kann man es nicht Recht machen. Ich erwarte von Lehrern eine klare Positionierung und konsequentes Handeln.
Wie immer: es gibt solche und solche.
In meinem Umfeld drehen alle vor dem Urlaub am Rad, weil es I.d.R. keine Stellvertreter gibt, Projekte aber weiterlaufen. Die Blance zwischen vor- und nacharbeiten muss irgendwie gefunden werden. Bestimmt machen sich einige aber auch einen gechillten move in die Urlaubszeit.
In der Schule meiner Kinder geht es schwerpunktmäßig gechilled zu. Keine Hausaufgaben, viel Montagsmaler, die „Sommergrippe“ greift im Lehrerkollegium um sich, Unterricht entfällt etc.
Es fühlt sich tatsächlich nach Zeitabsitzen an.
Hilfreich wäre es, wenn Noten nach dem „Notenschluss“ (der Absolution für Lehrer und Schüler) mit ins nächste Jahr genommen werden können.
Ich gehe davon aus, dass das entweder nicht geht oder nirgends steht, dass das möglich ist und daher nicht gemacht wird.

Lanayah
4 Tage zuvor
Antwortet  Marielle

Das geht nicht, weil die Noten f0r ein Schuljahr erteilt werden. Zwischen den Zeugniskonferenzen und Schuljahresende ist dann notenfreie Zone. Die Lehrer*innen chillen in dieser Zeit nicht, sondern schreiben Zeugnisse. Und nicht nur dann. Ich musste dieses Jahr Kommentarzeugnisse schreiben und hatte vor den Sommerferien deswegen keine freien Wochenenden mehr. Tatsächlich hatte ich auch mehrere stark erkältete Kinder in der Klasse sitzen, die krank geschickt wurden–die Corona-Sommerwelle läßt grüßen- und es kommt dann auch vor, dass Kolleg*innen sich anstecken.
Ob Unterricht noch möglich ist, hängt sicher von der Lerngruppe ab. An der Grundschule ist das kein Problem. Ich erinnere mich aber, dass zu meiner Hauptschulzeit da manches nicht mehr möglich war.
Zu Ihrem Beitrag weiter oben: Nein, ich beneide Schüler*innen nicht, die vorzeitig in Urlaub fahren. Ich habe mich aber sehr auf die Ferien gefreut, weil ich absolut urlaubsreif war. Schuljahresende ist die stressigste Zeit für Lehrer*innen, also nix mit chillig. Doof ist, wenn man sich auf den letzten Drücker noch bei den krank zur Schule geschickten Kindern angesteckt hat. Lehrer können Krankheit in den Ferien nämlich nicht nachfeiern.

Ich_bin_neu_hier
4 Tage zuvor
Antwortet  Marielle

„Ich gehe davon aus, dass das entweder nicht geht oder nirgends steht, dass das möglich ist und daher nicht gemacht wird.“ – Vor den Halbjahreszeugnissen geht das – zumindest bei der mündlichen Leistung -, weil die Endnote am Ende des Schuljahres auf das gesamte Schuljahr bezogen ist.

Eine Leistung aus einem Schuljahr für das nächste zu zählen geht jedoch nicht – eine Möglichkeit zu einer schuljahresübergreifenden Bewertung ist nirgends vorgesehen und somit unzulässig – genau wie Sie vermutet haben.

Anika von Bose
2 Tage zuvor
Antwortet  Konfutse

Ich habe bisher immer wahrgenommen, dass nach Notenschluss (weit vor Ferienbeginn) so gut wie nichts mehr passiert in der Schule.Es wird gefrühstückt, Filme angeschaut usw., das habe ich noch nie verstanden. Statt Wiederholungen des Unterrichtsstoffs oder Fördermaßnahmen passiert nichts. Meine Söhne sind 16 und 22 Jahre alt und ich nehme das schon seit Jahren so wahr. Mittlerweile besucht ja nur noch eines meiner Kinder die Schule, aber verändert hat sich dahingehend nichts. Die Schule meines jüngeren Sohnes geht sogar so weit, dass sie die ersten zwei Wochen nach den Ferien nur bis zur 4. Stunde unterrichten…

Konfutse
4 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das ist mir inzwischen alles egal, weil wir keinerlei behördliche Unterstützung erhalten, wenn wir Fehlzeiten anzeigen und ein Bußgeldverfahren anstreben. Wir haben einen unglaublich hohen Verwaltungsaufwand, der in irgend einer Behörde verhallt.

Realist
4 Tage zuvor

Was mir in den letzten 1-2 Jahren aufgefallen ist:

Früher haben die Schüler manchmal den letzten, maximal auch den vorletzten Tag vor den Ferien gefehlt, heutzutage (insbesondere die älteren, die sich selbst entschuldigen können), fehlen die auch gerne einmal die komplette letzte Woche vor den Ferien.

Aber solange das nicht „wissenschaftlich“ untersucht wird, sind das wohl Einzelbeobachtungen eines Frosches im Teich, insofern auch kein Handlungsbedarf (ganz angenehm…)

447
4 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Es ist wieder Faktenwahrheitschecker-time!
Mit Finneas und Förb, oder so. 🙂

„Das bourgeois-kapitalistische Vorurteil, das immer mehr Schüler immer länger vor den Sommerferien ‚krank feiern‘ ist eine Desinformationskampagne. Die Zahlen der Bezirksregierungen belegen, dass es kediglich zu vermehrten Krankmeldungen kommt, wobei ‚krank sein‘ mit 47,456935 % und ‚hab Kopfweh‘ mit 17,426843 % die häufigsten Krankheitsursachen darstellen.

Einordnung:
Die Behauptung, dass vor Sommerferien verstärktes ‚blau machen‘ stattfinden würde, ist fake news von ekeligen cis-patriarchalen Lehrern.“

Jan
4 Tage zuvor

Konsequentes Handeln wäre, Bußgeldbescheide zu erlassen! Das ist möglich und wurde in dem mir bekannten Umfeld auch schon erfolgreich praktiziert. Teilweise gehe Eltern dann vor Gericht, wobei die Gerichte – soweit ich das überblicken kann – diese Bescheide dann halten. Im Wiederholungsfall wird es dann nochmal teurer.

OMG
4 Tage zuvor
Lisa
3 Tage zuvor

Ganz ehrlich, ich würde es nicht kontrollieren. Die Polizei hat wirklich Wichtigeres zu tun. Solange mir der Schüler nicht die Wahrheit sagt ( kommt gerade bei den Kleinen oft vor) will ich es nicht wissen. Ich bin Lehrerin, nicht die Sittenpolizei.
Vielleicht sollte man drei Tage flex einführen in Schulen, die die Eltern dann offiziell flexibel nehmen dürften.
Das Argument der Ungleichbehandlung ist auch leicht zu entkräften. Wenn die Eltern schlau sind, heiratet die große Schwester in der Türkei oder die Oma in Berlin feiert ihren Neunzigsten. Dann darf man sich ja offiziell beurlauben lassen.