BERLIN. „Schluss mit Schuldzuweisungen“: Der Deutsche Philologenverband (DPhV) wehrt sich nach den neuen PISA-Ergebnissen gegen eine pauschale Kritik am deutschen Schulsystem und seinen Lehrkräften. Statt Schulen erneut für sinkende Leistungen verantwortlich zu machen, müsse die Politik endlich die Voraussetzungen schaffen, unter denen guter Unterricht gelingen könne, fordert der Verband. Dazu zählt er vor allem eine verbindliche Sprachdiagnostik und Förderung schon vor der Einschulung sowie besser ausgebildete und entlastete Lehrkräfte. DPhV-Chefin Susanne Lin-Klitzing widerspricht dabei auch der dramatischen Tonlage der bisherigen Debatte: Deutschland erlebe „keinen dramatischen Einbruch“ – aber eben auch „keine echte Trendwende“.

Die Botschaft richtet sich nicht nur an die Bildungspolitik. Der Philologenverband kritisiert auch die öffentliche Interpretation der PISA-Ergebnisse. Nach früheren Erhebungen seien Schulen und Lehrkräfte immer wieder vorschnell für schlechte Resultate verantwortlich gemacht worden. Diesmal müsse der Blick stärker auf die Voraussetzungen gelenkt werden, unter denen Bildung überhaupt gelingen könne.
DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Susanne Lin-Klitzing widerspricht dabei auch der verbreiteten Krisendiagnose: „Die heutigen Ergebnisse waren erwartbar: Deutschland liegt im OECD-Mittelwert, international wie national eine leichte Verschlechterung, kein dramatischer Einbruch, aber auch keine echte Trendwende.“
Tatsächlich liegen die deutschen 15-Jährigen mit durchschnittlich 486 Punkten in Naturwissenschaften, 464 in Mathematik und 465 im Lesen ungefähr im OECD-Mittel. Allerdings ging die Leistung gegenüber der vorherigen Erhebung in allen drei Bereichen etwas stärker zurück als im OECD-Durchschnitt. Der DPhV verweist deshalb darauf, dass die deutsche Entwicklung Teil eines internationalen Abwärtstrends ist.
„Wer mehr Chancengerechtigkeit will, muss dafür sorgen, dass Kinder die deutsche Sprache altersgemäß beherrschen, wenn sie eingeschult werden“
Die Frage ist für den Verband deshalb weniger, wer für die Ergebnisse verantwortlich gemacht werden kann, sondern welche Voraussetzungen verändert werden müssen. „Genau das zeigt: Werden die Ursachen nicht systematisch vorschulisch angegangen, wird auch eine nachhaltige Besserung ausbleiben!“, erklärt Lin-Klitzing.
Für sie gehören Chancengerechtigkeit und Leistung ausdrücklich zusammen: „Wer mehr Chancengerechtigkeit will, muss dafür sorgen, dass Kinder die deutsche Sprache altersgemäß beherrschen, wenn sie eingeschult werden. Und wer bessere Leistungen will, muss lesestarke Kinder besser fördern und zugleich in gut ausgebildete, fachqualifizierte Lehrkräfte investieren, statt sie immer mehr mit unterrichtsfernen Aufgaben zu belasten oder ihre Ausbildung stetig weiter zu verkürzen.“
Der DPhV fordert deshalb eine konsequente vorschulische Sprachdiagnostik mit verbindlicher Förderung bei festgestelltem Bedarf. Die Schulen sollen nach dieser Argumentation nicht erst nach der Einschulung kompensieren müssen, was zuvor versäumt wurde. Gleichzeitig verlangt der Verband eine stärkere Förderung leistungsstarker Kinder.
Dabei verweist der DPhV auf eine Entwicklung, die in der Diskussion über die vielen Jugendlichen ohne ausreichende Basiskompetenzen leicht aus dem Blick geraten kann. Nach den von ihm angeführten OECD-Daten liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf den hohen Kompetenzstufen V und VI in Deutschland in Naturwissenschaften mit neun Prozent über dem OECD-Durchschnitt von sieben Prozent, beim Lesen mit sieben gegenüber sechs Prozent ebenfalls darüber; in Mathematik entspricht er mit jeweils acht Prozent dem OECD-Mittel.
Gleichzeitig ist der Anteil der Jugendlichen unterhalb des Basiskompetenzniveaus seit 2015 erheblich gestiegen: nach Angaben des Verbands um 17 Prozentpunkte in Mathematik, 15 im Lesen und zehn in Naturwissenschaften. Zwischen 2022 und 2025 habe sich der Abstand zwischen den jeweils zehn Prozent leistungsstärksten und leistungsschwächsten Jugendlichen dagegen in keinem der drei Kompetenzbereiche signifikant verändert. Das Bild ist also differenzierter als eine durchgängig auseinandergehende Leistungsschere.
Besondere Bedeutung misst der Verband der Entwicklung beim Lesen bei. Der DPhV verweist auf OECD-Befunde, wonach sich der Anteil sogenannter „flüchtig Lesender“ zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt habe. Gemeint sind Schülerinnen und Schüler, die Texte hastig überfliegen und anschließend schnell, aber falsch antworten. Auffällig sei zudem, dass das sozioökonomisch privilegierteste Viertel der Schülerinnen und Schüler besonders starke Leistungsrückgänge verzeichnet habe.
Der DPhV sieht darin ein Argument für mehr fachliche Tiefe und vertieftes Lesen. Gerade im Umgang mit Künstlicher Intelligenz würden Fähigkeiten wichtiger, Informationen einzuordnen, Quellenbezüge herzustellen und Aussagen kritisch zu prüfen. Unterricht müsse deshalb Gelegenheit geben, ausgewählte Inhalte gründlich zu durchdringen, statt möglichst viel Stoff oberflächlich abzuarbeiten. Zugleich plädiert der Verband dafür, vermeidbare digitale Ablenkungen aus dem Unterricht herauszuhalten.
Dass digitale Kompetenzen keineswegs durchweg schwach ausgeprägt sind, zeigt aus Sicht des Verbands auch der erstmals untersuchte Bereich des modellbasierten Problemlösens. Deutschland erreicht hier 498 Punkte und liegt damit nahe am OECD-Durchschnitt von 500 Punkten.
Die zweite große Stellschraube sieht der Philologenverband bei den Lehrkräften. Nach den von ihm angeführten PISA-Daten besuchen 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland eine Schule, deren Leitung eine Beeinträchtigung des Unterrichts durch Lehrkräftemangel meldet. Im OECD-Durchschnitt seien es 39 Prozent. Gegenüber 2022, als der deutsche Wert noch bei 73 Prozent lag, hat sich die Situation damit zwar verbessert; Deutschland liegt jedoch weiterhin deutlich über dem OECD-Mittel.
Für den DPhV folgt daraus nicht nur die Forderung nach mehr Personal. Entscheidend sei dessen Qualifikation. Der Verband verlangt eine Rückbesinnung auf das Fachlehrerprinzip und wendet sich gegen fachfremden Unterricht als dauerhafte Antwort auf den Personalmangel. Auch eine weitere Verkürzung des Referendariats lehnt er ab. Stattdessen fordert er eine Entlastung der Lehrkräfte von unterrichtsfremden Aufgaben und eine Senkung des Unterrichtsdeputats.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz will der Verband dabei keineswegs aus den Schulen heraushalten. Gefordert werden ein unterrichtsbezogener Einsatz von KI etwa für Feedback und Übung, eine geeignete digitale Infrastruktur sowie entsprechende Fortbildungen. Die Linie lautet damit nicht weniger Digitalisierung, sondern eine stärkere Konzentration auf deren Nutzen für das Lernen.
„Schuldzuweisungen an Lehrkräfte und an das deutsche Schulsystem haben uns bisher keinen einzigen Schritt vorangebracht – im Gegenteil, sie verengten den Blick und verhindern echte Verbesserung“
Mit seiner Stellungnahme kehrt der DPhV schließlich zu der Frage zurück, gegen die er sich zu Beginn verwahrt: Wer trägt die Verantwortung für die Entwicklung? „Schuldzuweisungen an Lehrkräfte und an das deutsche Schulsystem haben uns bisher keinen einzigen Schritt vorangebracht – im Gegenteil, sie verengten den Blick und verhindern echte Verbesserung“, erklärt Lin-Klitzing.
Die Verantwortung verortet sie entsprechend breiter – und schließt ausdrücklich die öffentliche Debatte ein: „Es ist Zeit, den Fokus auf die frühkindliche Sprachförderung, die Ausbildung und Wertschätzung unserer Lehrkräfte und auf eine Politik zu legen, die umfassend konsequent handelt, statt zu verwalten oder gar abzubauen. Die Bildungspolitik hat es in der Hand, die bisherige negative Entwicklung umzukehren. Es gilt nun gemeinsam anzupacken: in den Elternhäusern, in der Frühförderung, in den Schulen, in der Politik.“
Und Lin-Klitzing nimmt auch die Medien in die Pflicht: „Das gilt auch für die mediale Berichterstattung, die ebenso verantwortungsvoll mit den Ergebnissen umgehen muss wie die Politik – kritisch, konstruktiv, nicht stereotyp, mit klarem Kompass für unsere Schülerinnen und Schüler.“ News4teachers










Ein gesellschaftliches Tabu. Es gibt eine Art unausgesprochenen Pakt und zwar schon sehr lange Zeit. Niemand will das Problem beim Namen nennen, weil alle Seiten unter Druck stehen.
Eltern trauen sich oft nicht, die Schule oder Lehrer offen zu kritisieren, aus Angst, dass ihr Kind dann schlechter benotet oder benachteiligt wird.
Lehrerverbände betonen vor allem die Überlastung der Lehrkräfte, um mehr Personal zu fordern, verteidigen aber gleichzeitig die Professionalität ihrer Mitglieder.
Das Ergebnis ist eine Bildungsungerechtigkeit. Familien, die Zeit haben oder das Geld und sich Nachhilfe leisten können, gleichen die Defizite des Systems aus und wer das nicht kann, fällt durchs Raster.
Ah, Feindbild „Lehrkraft“ könnte man Ihren Post zusammenfassen.
Die Lehrkräfte sind also an allem schuld.
Sind Sie eigentlich echt? Ich finde Ihre Beiträge immer sehr, sehr weltfremd.
Und ich Ihre. Es wirkt, als könnten Sie sich gar nicht mehr vom Lehrerpult lösen und sich einmal in die Lage der Schüler hineinversetzen.
Damit meine ich nicht nur Sie, sondern viele Lehrkräfte heute, die durch das Schulsystem und die vielen Vorgaben inzwischen eher zu Bürokraten als zu Pädagogen geworden sind.
In der Praxis (also nicht auf dem Papier) führt die heutige Kompetenzorientierung oft zu einem grundlegenden Problem. Die Rolle der Lehrkraft hat sich stark verändert. Früher war die Lehrkraft vor allem die Person, die einen Stoff erklärt, gemeinsam mit der Klasse erarbeitet und so lange übt, bis die Grundlagen sitzen. Heute soll sie häufig eher „Lernbegleiter“ oder „Lerncoach“ sein. Es werden Wochenpläne, Arbeitsblätter, Kompetenzraster oder Gruppenaufgaben verteilt, und die Schüler sollen sich einen großen Teil des Stoffes selbst erschließen. Weltfremd?
Gleichzeitig geht im Unterricht viel Zeit für Gruppenarbeit, Präsentationen, Freiarbeit oder Selbsteinschätzungen verloren. Für das eigentliche Erklären, Üben und Festigen bleibt dann oft zu wenig Raum. Die Folge ist, dass das wirkliche Verstehen des Stoffes immer häufiger nach Hause verlagert wird. Weltfremd?
Damit entsteht eine Art „Verelterung“ der Schule. Das System funktioniert oft nur noch deshalb, weil Eltern am Nachmittag Aufgaben übernehmen, die eigentlich in die Schule gehören. Sie erklären Mathematik, wiederholen Grammatik, suchen zusätzliche Materialien oder finanzieren Nachhilfe. Kinder, deren Eltern dafür keine Zeit, keine sprachlichen Möglichkeiten oder nicht das notwendige Fachwissen haben, sind klar im Nachteil. Weltfremd?
Selbstständiges Lernen ist sinnvoll, aber nur dann, wenn vorher eine solide fachliche Grundlage gelegt wurde. Schüler können sich Wissen vertiefen, anwenden und übertragen, aber man kann nicht erwarten, dass sie sich zentrale Grundlagen dauerhaft selbst beibringen. Auch weltfremd?
Vollkommen richtig beschrieben. Einziger Denkfehler: Dies alles ist politisch so gewollt – und keineswegs das, was die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer möchte. Die sind nämlich für etwas anderes ausgebildet worden – und nicht als „Lernbegleiter“/Psychologe/Sozialarbeiter/Therapeut/Koch/Finanzdienstleister/Reisebüro/Schreibwarenhändler (der nichts verkauft, sondern nur verschenkt, was er selbst zuvor für die SuS gekauft hat), IT-Fachmann, der dem Software-Anbieter die Bugs in seiner nicht marktreifen, dilletantisch programmierten Beta-Software vorführt etc. etc.
In irgendeiner Reihenfolge.
Auf welche Lehrer denn hören – die vom Philologenverband oder die von der GEW?
Und was passiert dann beim Kinderzeugen ohne Führerschein – Zwangssterilisation?
„Experten“ sinnvolle Arbeit geben – also auch Ihnen?
Fragen über Fragen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Kinderführerschein ist Unsinn; aber warum nicht ein System, in dem werdenden Mütter und Vätern ein Gutscheinpaket ( gerne sponsern) und Kurse und aufsuchende Gemeindehelferinnen bekommen? Das wären dann auch Jobs für Mütter, die die Sprachen der Fluchtländer sprechen beziehungsweise überhaupt Arbeit für erfahrene Mütter. Die Botschaft darf ruhig sein: “ Wir kümmern uns, ihr seid uns wichtig“
Themen: Gesundheit und Bildung. Ich bin mir sicher, dass jeder investierte Euro doppelt zurück käme.
So ist es in Dänemark, aber auch in Japan. Wichtig dabei ist, dass jede Familie aufgesucht wird, sogar die Prinzessinnen. Man kann Gießkanne kritisieren, aber man verhindert damit das Etikett “ bildungsfern“ oder sogar “ asozial“ Den Grad der Betreuung kann man später noch variieren.
Und ja: Gerade Aufklärung über Kleinkinder, ihre Gehirnentwicklung und Handys wäre wichtig. Die Eltern meinen das nicht böse. Für sie ist das modern und je nach Herkunft sogar westlicher Lifestyle.
„So ist es in Dänemark, aber auch in Japan.„
Wobei die SuS in DK bei PISA 2025 signifikant schlechter abschnitten als die in DE.
In Naturwissenschaften SuS ohne Migrationshintergrund in DE 521 Pkt / DK 490 Pkt, SuS mit Migrationshintergrund DE 438 Pkt / DK 427 Pkt.
Japan 540 / 514.
Kinderführerschein ist Unsinn;… = im zumeist verstandenen Sinne: Ja!
Tatsächlich könnte ich mir – nach der Geburt (des ersten Kindes?) – „eine Art“ verpflichtenden Kurs über Entwicklung, Erziehung, Gesundheit und frühkundliche Bildung sowie
[Gerade] Aufklärung über Kleinkinder allgemein, ihre Gehirnentwicklung und Handys,Tablets u. ä. [wäre wichtig] vorstellen…
Auf
Deputate senken
kleinere Klassen
Beruf attraktiver machen –> mehr Lehrer einstellen
können sich sicher alle Lehrer einigen – sogar die in Verbänden 😉
Dafür haben wir in Berlin sogar ein Dutzend Mal gestreikt. Die Teilnahme der Kollegen war allerdings ziemlich mau. Vielleicht 10%? Nein, an Veranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeit nahmen auch nicht mehr teil, wenn sie die nicht streikfähigen Beamten meinen.
Die Demos sind vielleicht nach der Unterrichtszeit, also um 14 oder 15 Uhr. Aber wie soll ich bis dahin nach Düsseldorf kommen, wenn ich bis 13.45 Uhr Unterricht habe? Freigestellt werde ich dafür sicher nicht.
Wieso Düsseldorf? Ich schrieb von Streiks und Demos in Berlin! Und ich schrieb nirgends von 14 oder 15 Uhr, wo man gleich nach der Arbeit hinkommen soll. Hä? Ausreden!
Wenn man Lehrer in NRW ist, dann sind die Demos immer in Düsseldorf. Aus Velbert, Dortmund oder Hamm ist man aber nicht mal eben da. Das erklärt nicht die Beteiligung in Berlin, aber in einem anderen Bundesland. Nur mal so … und ja, hat nicht direkt was mit dem Artikel zu tun.
Das wird eher nicht passieren. Stattdessen: noch weniger Ressourcen, Mehrbelastung für Lehrer, größere, heterogene Re Klassen +allein schon deshalb, weil Kinder mit Förderbedarf bald nicht mehr doppelt zählen), falls Schulbegleitung erforderlich, dann nicht mehr nur für ein Kind usw…
Das ist ein Nothing-Burger.
Was noch?
6. Alles richtig machen.
7. Die 120% geben.
8. Das ist mein Junge!
9. Alles soll funktionieren.
Daumendrück! 😀
Und schon wieder ein Artikel über die Deutschkenntnisse. Sprache lernt man vor allem durch Lesen. Aber wo sind die verpflichtenden Lektüren an den Schulen? Fast nirgends.
Einmal im Jahr vielleicht ein kleines Buch irgendeines halbwegs modernen Autors, oft nur oberflächlich und manchmal nicht einmal vollständig behandelt, irgendwie schnell zwischen zwei Schulaufgaben hineingepresst und das war’s dann.
Schon ab der ersten Klasse wird Lesen bei Kindern viel zu wenig gefördert. Kaum ein Bildungssystem kommt ohne regelmäßige Pflichtlektüre aus, die sich von Jahr zu Jahr durch den Lehrplan zieht. Aber Hauptsache, es werden schon ab der zweiten Klasse der Grundschule immer wieder Sachaufsätze geschrieben. Kaum zu fassen, dass sich noch jemand fragt, was genau in diesem System nicht stimmt. Und Grammatik?
Vielleicht sollte man sich wirklich einmal fragen, was wichtiger ist zu erkennen, ob es sich in einem Satz um einen Konjuktiv, Konsekutivsatz, oder ein Attribut handelt oder ob man einen Teil der Zeit, die mit Grammatikpauken verbracht wird, sinnvoller in mehrere Pflichtlektüren pro Jahrgang investieren sollte, am besten auch in Klassiker.
Man kann Kinder zu Hause sehr wohl schon früh zum Lesen motivieren und fördern. Aber dann kommt das Kind in die Schule und damit ist es oft vorbei. Das Erste was das Kind dort lernt, dass nur Noten wichtig sind. System error detected.
Plötzlich scheint es viel wichtiger zu sein, jede Woche unzählige Noten von immer wieder neuem Stoff zu produzieren, anstatt sich wirklich intensiv mit den Lerninhalten und Materialien zu beschäftigen, bis man sie auch tatsächlich verstanden hat und den Kindern außerdem viel Zeit zum Lesen lassen.
Aber es geht um politischen und systemischen Selbstschutz. Würden Kultusministerien und Schulbehörden offiziell eingestehen, dass der Unterricht an Schulen häufig oberflächlich bleibt und ohne die Unterstützung der Eltern oder teuren Nachhilfeunterricht oft nicht ausreicht, müssten sie ein Versagen des Systems eingestehen. Und genau das geschieht nicht, niemals und nie.
keine Ahnung, wo sie sich schon wieder bewegen. mein Kind hat ab der 3. Klasse in der Schule Bücher gelesen. zu Hause gab es Bücher, sobald es gucken konnte. man muss halt auch zu Hause Bücher anbieten, ein Buch für die Schule kaufen reicht da nicht. Ach ja, ich erlebe von Elternseite das genaue Gegenteil. wenn man eine Lektüre lesen möchte (nicht in deutsch) wir gemeckert, weil die Kinder lesen müssen. Die Kinder meckern ebenfalls bei 30 Seiten pro Woche in einem Kindertaschenbuch. so viel also dazu. Wir haben mittlerweile viele Lektüren zum ausleihen angeschafft, damit es nicht an den 7€ scheitert. Einige schaffen es nicht mal in die Bücherei. wie soll man da bitte lesen fördern, bei solchem Desinteresse. Und zum Thema Unterstützung, bei uns gibt es in allen Hauptfächern kostenfreie Förderkurse. Da tauchen einige Kinder gar nicht auf oder die Eltern legen ab. Aber ruhig alles auf die Schule schieben.
Naja, Meine Kinder hatten nur 1(!) Buch in der Grundschule gelesen (ich meine hier das Buch, dass die Schule verlangte zu lesen), ein Paar Gedichte auswendig gelernt und das war es. Mir fehlt ein separates Fach Literatur, damit Kinder mehr Textverständnis und Text Analyse üben würden und das Gefühl für die Sprache weiter entwickeln würden.
Ab der Grundschule bekamen wir Bücher in Literatur mit Gedichten, kurzen und längeren Geschichten, Informationen über Autore und bunten Bildern. Das machte Spaß am Anfang des Jahres, das Buch zu blättern und einiges daraus zu lesen. Eine andere Erfahrung, als eine Hausbibliothek.
„Sprache lernt man vor allem durch Lesen.“ Sorry, nein. Sprache lernt man durch sprechen. Oder wie haben Ihre Kinder sprechen gelernt? Konnten die mit 1 Jahr schon lesen?
es ging hier auch um die Probleme beim sinnentnehmenden Lesen. Natürlich kommt zuerst das Sprechen. Allerdings passiert ja auch das in manchen Familien nicht mehr, ebenfalls gibt es kein Vorlesen, keine Hörspiele o.à. und ohne Sprache, ohne Lesen wird es irgendwann schwierig.
In dem Bildungssystem, das Frau Lin-Klitzing als Cheflobbyistin des dreigliedrigen Schulsystems in verantwortlicher Position maßgeblich mitgeprägt hat, läuft nichts falsch. Alles übertrieben und verzerrt. Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen…
Hat sie nicht gesagt. Sie äußert Reformbedarf und deutet Elemente einer Lösung an.
Ich sage so:
wenn ich schon Vorschläge von Außen höre
individuell auf jeden einzelnen Schüler eingehen und dann werden zu kleine Klassen an Berufsschulen geschlossen
Gerade da wird es auch immer schwieriger, da die Versäumnisse der vorherigen Jahren nicht verschwinden
Und dann soll man mit 30 Schülern Unterricht machen, auf alle Bedürfnisse eingehen und auf die sprachlichen Probleme, die ich als Hauptursache vieler Probleme sehe.
Pisa hat viele Ursachen, auch den Versuch den damaligen Sieger zu kopieren, der kurz zuvor seinen Unterricht auf selbstorganisiertes Lernen umgestellt hatte
die haben den Fehler schnell bemerkt, wir haben leider immer noch viele Lehrpläne, die es vorsehen Es überfordert vor allem schwache Schüler, nur keiner will zugeben, dass der Frontalunterricht nicht so verkehrt ist
„die haben den Fehler schnell bemerkt, „
Dann haben sie aber nicht ausreichend reagiert, denn die SuS mit Migrationshintergrund schneiden dort bei PISA schlechter ab als in DE, die ohne Migrationshintergrund ebenfalls.
Jetzt wird wieder viel lamentiert, aber es ändert sich leider nichts. Wir werden weiterhin mit zu wenig Personal in zu großen Klassen unterrichten. Inklusion und Integration werden immer noch auf Sparflamme umgesetzt. In der Regel werden Kinder mit Förderbedarf in die vollen Klassen gesetzt, der Sonderpädagoge kommt einmal pro Woche kurz vorbei, und das war’s.
Die frühkindliche Bildung ist megawichtig. Wenn sie aber in den Familien nicht passiert und die Kitas die gleichen Personalprobleme haben wie wir, weiß ich nicht wie man das umsetzen soll.
Man sollte sich ein Beispiel an England nehmen. Die haben es seit den 2010er Jahren geschafft mit ihren Reformen immer weiter nach oben zu kommen.
Die Reformen in Deutschland – eingeleitet nach dem „Pisa-Schock“, die Auswirkungen spürt man dann 10 Jahre später – haben ja scheinbar nicht das gebracht, was sie bringen sollten.
Auch sollte man sich die skandinavischen Länder nicht als Vorbild nehmen, die befinden sich auch im Sinkflug – was wurde die geplante Abschaffung der Fächer in Finnland gehyped, das problembased Learning, die Lernlandschaften. Scheinbar schaffen es nicht mal die überragenden LehrerInnen in Finnland, diese Methoden gewinnbringend umzusetzen (ähnlich wie mittlerweile Schweden, Norwegen und Dänemark).
„Man sollte sich ein Beispiel an England nehmen. Die haben es seit den 2010er Jahren geschafft mit ihren Reformen immer weiter nach oben zu kommen.“
Welche waren diese bzw. lassen die sich auf Deutschland übertragen?
Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/09/von-england-lernen-wie-grossbritannien-der-sprung-in-die-pisa-leistungsspitze-gelang-spoiler-mit-einem-fokus-auf-fachwissen/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Genau mein Ding dieser Mathematiklehrplan. Ein logischer Aufbau, bei dem sofort klar ist, an was es hakt, wenn es hakt. Wenn Unterricht schrittweise aufgebaut wird, kann ein Schüler einen Schritt zurück oder voraus sein, doch der Weg, der zurückzulegen ist, liegt deutlich vor ihm. ( und vor mir auch)
Ich bin begeistert.
„Genau mein Ding dieser Mathematiklehrplan.“
Haben Sie eventuell einen Link dazu?
„Schluss mit Schuldzuweisungen“
Neineinein!
Die Lehrkäfte übernehmen Schuld, jemand muss doch den Anfang machen!
Trotz all dem Respekt, den wir über die Pandemie erhielten, sind wir tatsächlich nicht unermüdlich und unerschöpflich – wir brauchen mehr Lehrkräfte, um den gestellten Anforderung gerecht werden zu können!
Wir sind trotz Fortbildungsbereitschaft nicht in der Lage, beispielsweise Kinder mit DaZ und DaF mühelos in den Schulalltag zu integrieren. Wir brauchen systemische Sprachförderung – bereits schon im Kindergarten (Sorry, die Kolleg*innen dort mit hineinzuziehen)
Auch bleiben es viele Kolleg*innen „schuldig“ ohne bessere Rahmenbedingungen Kinder in der Inklusion angemessen einzubeziehen und bilden zu können – da ist bei den Ressourcen noch viel Luft nach oben.
Zuletzt der schwierigste Teil: Kill your Babies…
Da die Bildungspolitik immer neue, tolle und sinnvolle Einfälle hat, was Neues gelernt werden kann, müsste sie sich mal langsam überlegen, was entsprechend an anderer Stelle wegfallen soll, weil es nicht mehr zeitgemäß oder mit Blick auf die Ressourcen nicht mehr verhältnismäßig ist
…
So! Da nun alle Lehrkräfte die „Schuld“ eingestanden habe, was gedenken die VERANTWORTLICHEN, welche Konequenzen sie zur VERBESSERUNG anstoßen zu wollen?
Der Fehler liegt ja bei uns, blutleere Appelle an „die Eigenverantwortung“ von Familien, welche dieser nicht nachkommen (wollen), könnn wir uns also sparen 😉
Jetzt kommt die übliche öffentliche Empörung über die unfähigen Schulen und Lehrer. Man muss die Zahlen aber genauer ansehen. Schüler ohne Migrationshintergrund liegen in der Studie 2025 zum Beispiel in Naturwissenschaften bei 521 Punkten, also deutlich über dem Durchschnitt von 486 Punkten, haben sich also nicht gegenüber der vorherigen Studie verschlechtert, wie gerne suggeriert wird. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund ist nur weiter gewachsen und es ist in den deutschen Schulen nicht gelungen, die Defizite dieser Kinder insbesondere in der deutschen Sprache auszugleichen. Die frühe Sprachbildung ist ein Ansatzpunkt den auch die Studie benennt. Aber so weit lesen die meisten Empörten gar nicht. Die Schlagzeilen reicht ja für die eigene Selbstvergewisserung und den Journalisten ist es offenbar auch klar, dass man Umsatz nur mit reißerischen Überschriften macht.
Warum gilt es in Deutschland nach wie vor als cool, nichts von Mathe zu verstehen, von der Schule geflogen zu sein, das Studium abzubrechen und dann doch erfolgreich zu sein; nicht etwa dank der Schule sondern trotz der eigentlich sinnlosen Schule?
War sollten sollen junge Menschen fleißig und strebsam sein, wenn „Prominente“ glauben, das immer betonen zu müssen.
PISA, PISA, PISA…
Schaut man sich die meisten Spitzenländer, va in Südostasien, an, fällt mir sofort auf, dass diese Länder in der Regel entweder klein oder sehe homogen mit Blick auf die Schülerschaft sind. Kulturell homogen.
Das ist in den großen Flächenländern in Europa anders. Viele Kinder kommen aus migrantisch geprägten Milieus, mitunter bildungsfernen migrantischen Milieus. Sie kommen an die Schule und sprechen zT kein oder nur wenig Deutsch.
Das dann mit zB Südkoreac China, Japan oder Singapur zu vergleichen, ist gerade lachhaft.
Hinzu kommt, dass in SOA-Ländern vom unmittelbaren Schulerfolg oft der lebenslangr Status, zB Zugang zu Unis abhängt. Das erzeugt massiven Leistungsdruck. In D ist das nicht so. Mit HSA kann ich – über Umwege, vergleichsweise einfach auch später noch an eine Hochschule. Der Lernaufwand ist überschaubar, der Leistungsdruck dadurch geringer. Das Fachabitur – und selbst das Abi – ist kaum mit den Prüfungsanforderungen des chinesischen GaoKao zu vergleichen. Da liegen WELTEN dazwischen.
Solche Aspekte werden bei Pisa kaum miteinbezogen.
Eine Verwandte von mir war in Singapur Sprachassistent, und sie hat mir berichtet: Singapur ist sehr heterogen und multikulturell. Es gibt defacto alle Religionen.
(Ein Unterschied ist viel mehr, dass die regierende Partei autokratisch regiert und für 20, 30 Jahre Bildungsziele schmieden und auch erreichen kann. )
Aber ansonsten gibt es gedeihliche Ansätze:
– Schulsprache ist für alle Englisch, um keine Gruppe zu benachteiligen.
– Alle Religionen sind akzeptiert. Die Kinder gehen selbstverständlich in Gebetsräume oder nehmen sich ihr spezielles Mittagessen. Aber es ist absolut verpönt, sich in die Religion eines Mitschülers einzumischen oder sie zu kommentieren.
– Ehrgeiz und konfuzianische Ideale teilen alle Bevölkerungsgruppen.
– Lehrer sind gesellschaftlich sehr angesehen.
Was bezwecken eigentlich diese Tests? Vergleich von Leistungsfähigkeit? Hinweise auf andere Länder, wie diese die geforderten Leistungen erreichen- ne doch nicht, erbringen keine geforderten Ergebnisse mehr- aber halt, Länder x und y haben es jetzt im Ranking geschafft… bis zum nächsten Test. Wichtig ist doch die grundlegende Einstellung: Alle Kinder nach besten Wissen und Gewissen zu fördern! Räume zu schaffen, die es Kindern ermöglichen, Sprache zu entwickeln, in Ruhe, ohne vorgegebenen Stress durch „Ranking-Drohungen“, Lernen zu fördern. Drive rausnehmen; dies tut der Lehrerschaft gut, den Kindern und Jugendlichen ebenso. Menschen sind keine Zitronen.