Start Politik “Kein Mensch versteht mehr dieses Schulsystem”: SPD kündigt radikalen Umbau an

“Kein Mensch versteht mehr dieses Schulsystem”: SPD kündigt radikalen Umbau an

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DÜSSELDORF. Ein übersichtlicheres Schulsystem, weniger Abschulung und klare politische Verantwortung: Der designierte SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott skizziert für den Fall eines Wahlsiegs 2027 einen grundlegenden Umbau der Bildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen. Gymnasien und Gesamtschulen sollen künftig das System prägen, flankiert von sozialen und finanziellen Reformen – vom handyfreien Schulvormittag bis zu einem «Kinder-Chancen-Geld».

Schulstruktur (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, Jochen Ott, will im Falle eines Wahlsiegs ein zweigliedriges Schulsystem in Nordrhein-Westfalen einführen. Bis zum Ende der nächsten Wahlperiode im Jahr 2032 strebe er ein Schulsystem an, das nach den Grundschulen im Wesentlichen nur noch Gymnasien und Gesamtschulen haben solle, kündigte Ott in Düsseldorf an. Die Forderung ist Teil eines Positionspapiers, das der SPD-Landesvorstand am Wochenende beschlossen hatte.

Derzeit gibt es in NRW zahlreiche Schulformen, die unter anderem neben Haupt-, Real-, Sekundar- und Berufsschulen noch eine Reihe von experimentellen Formen beinhalten, wie etwa Gemeinschafts- oder Primus-Schulen. Bei letzteren bleiben die Kinder von Klasse 1 bis 10 ohne Schulwechsel zusammen.

Der Versuch läuft seit 2013/2014. Aktuell gibt es das Angebot noch in Minden, Münster, Schalksmühle, Titz und Viersen. Es sei zu prüfen, ob das weiterentwickelt werden sollte, sagte Ott. Klar sei, dass es eine solche gravierende Schulreform nicht von heute auf morgen geben werde und jeder einen Anspruch darauf habe, seinen Bildungsgang zu beenden. Klar sei aber auch, dass eine Reform angestoßen werden müsse.

«Kein Mensch versteht mehr dieses Schulsystem», sagte der ehemalige Oberstudienrat. «Wir haben so viele Schulformen, dass nicht einmal die Schulministerin noch alle aufzählen kann.» Jedes Jahr müssten enorm viele Kinder in weiter unten rangierende Formen der Schul-Hierarchie «abgeschult werden». Jeder fünfte Schulabsolvent sei nicht in der Lage, direkt in eine berufliche Ausbildung zu gehen.

«Wir wollen das Schulsystem wieder in Ordnung bringen», sagte Ott. «Es gibt zu viele Kinder, die verlieren, und zu viele Eltern, die nicht wissen, wo sie ihre Kinder gut unterbringen können.» Ott will im Falle eines Wahlsiegs auch für den «handyfreien Vormittag» an Schulen sorgen. «Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass es für Kinder extrem wichtig ist, dass sie analoge Zeiten haben.» Wie das im Einzelnen umzusetzen sei, darüber werde noch zu reden sein. Eine SPD-geführte Landesregierung wolle in solchen strittigen Fragen aber Verantwortung übernehmen, statt alles nach unten zu delegieren.

Weitere Punkte aus dem Positionspapier:

  • Die NRW-SPD will die Zukunftschancen von Kindern verbessern. «Zentral ist das Kinder-Chancen-Geld, das wir einführen werden: Jedes Kind in NRW bekommt mit seiner Geburt automatisch 5.000 Euro vom Land. Dieses Geld wird angelegt und soll Kindern zum 18. Geburtstag für gleichwertige Startchancen ins Berufsleben ausgezahlt werden.»
  • Familien von Kita- und Schulkindern sollen entlastet werden. Im Wortlaut heißt es: «Unser Anspruch ist klar: Wir werden Familien den Alltag erleichtern – durch ein umfassendes Ausbauprogramm für Kita- und Kindertagespflegeplätze. Und wir entlasten Familien finanziell: Zunächst übernehmen wir Kita-Gebühren gestaffelt für niedrige und mittlere Einkommen, danach schaffen wir bis 2032 alle Kita-Gebühren ab. Zusätzlich machen wir das Mittagessen in Kitas und Schulen kostenfrei. Dadurch werden Familien um bis zu 2.500 Euro pro Kind und Jahr entlastet.»
  • Die Ausgaben ins Bildungssystem sollen «spürbar» gesteigert werden. «Wofür? Für Instandsetzung und Modernisierung der Schulen, deutliche Reduzierung von Unterrichtsausfall und einen stärkeren Fokus auf das soziale Miteinander. Dabei nehmen wir besonders die Kinder in den Blick, die mehr Unterstützung brauchen. Mit einem Chancenjahr für Kinder mit Förderbedarf schaffen wir zusätzliche Zeit und gezielte Förderung für ihre ganzheitliche Entwicklung – sprachlich, sozial, emotional und motorisch. Kein Kind darf wegen fehlender Unterstützung früh den Anschluss verlieren.»
  • «Außerdem ist Mobbing – analog wie digital – eine ernsthafte Gefahr für den Bildungserfolg vieler Kinder und Jugendlicher. Deshalb wollen wir Maßnahmen zur Stärkung des sozialen Klimas an Schulen ausbauen. Als Beispiel dient uns dafür das Konzept der dänischen Klassenzeit, in der soziale Kompetenzen trainiert werden.»
  • «Lehrpläne richten wir stärker an den tatsächlichen Bedarfen der Schülerinnen und Schüler aus.»
  • Für Kitas und Schulen soll es mehr Personalressourcen geben. Im Wortlaut: «Gute Bildung geht nur mit guten Fachkräften, die den Freiraum haben, den es braucht, um unsere Kinder zu begleiten. Das gilt sowohl für unsere Kitas als auch für unsere Schulen. Ab 2027 sorgen wir für mehr Personal: Mit einer bezahlten Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, die für Entlastung an Kitas und im Ganztag sorgt. Wir holen die Alltagshelferinnen und Alltagshelfer zurück in unsere Kitas, um den pädagogischen Fachkräften Raum und Zeit für frühkindliche Bildung zu geben. Wir setzen auf eine praxisnähere Lehrkraftausbildung. Dafür starten wir ein Pilotprojekt, das in Kooperation mit den Hochschulen, Ausbildungszentren und Schulen die Masterstudierenden praxisnah auf den Schulalltag vorbereitet. Und wir entlasten unsere Schulleitungen, indem wir ihnen mehr Gestaltungsmöglichkeiten geben und sie von Berichtspflichten lösen.» News4teachers / mit Material der dpa

“Wir haben hier praktisch kein klares Schulsystem mehr”: Wie Lehrer Jochen Ott die Bildungspolitik aufmischt

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Rüdiger Vehrenkamp
2 Monate zuvor

Da lese ich wieder viele Allgemeinplätze. Als die SPD in Baden-Württemberg unter Herrn Stoch das Schulsystem “radikal umbaute”, wurde mit der Gemeinschaftsschule eine weitere Schulart eingeführt, das Profil anderer Schularten verwässert und das Land rauschte im Bildungsmonitor kolossal von oben auf die unteren Ränge. Daher sind solche Ankündigungen seitens der Sozialdemokraten durchaus mit Vorsicht zu genießen.

ed840
2 Monate zuvor

NRW steht zwar beim Bildungsmonitor nicht “oben”, aber bei IQB-2024-Mathematik schnitten zumindest die Schüler*innen mit Migrationshintergrund besser ab als die Pendants aus Hamburg oder Schleswig Holstein, wo es nur Gymnasium + GEM oder Stadtteilschule gibt.

unfassbar
2 Monate zuvor

Nur Gymnasien und Gesamtschulen macht durchaus Sinn, wenn man die derzeit prognostizierte deutliche Abnahme der Kinderzahlen in den kommenden Jahrzehnten berücksichtigt. Dadurch reduzieren sich auch automatisch die Abschulungen, weil alle Schulformwechsel innerhalb der Sek I-Schulformen entfallen.

Dieses Kinderchancengeld verstehe ich nicht so genau. Bei 2% jährlich werden inkl. Zinseszins, aber ohne Berücksichtigung der Inflation in 18 Jahren etwas über 7000€, was gleichmäßig verteilt 33€ pro Monat entspräche. Wie das die Chancen angleichen soll und wieso Jugendliche bei freier Verfügbarkeit nicht einfach in den Urlaub fliegen, weiß ich nicht.

ed840
2 Monate zuvor
Antwortet  unfassbar

Wenn man die Schulsysteme der Bundesländer betrachtet, in denen die IQB-Leistungen von SuS mit Migrationshintergrund und aus niedrigem familiären Hintergrund besonders niedrig sind und die Quoten ohne ESA besonders hoch, fällt allerdings auf, dass dort überwiegend BL vertreten sind, in denen es nur Gymnasium und GEM o.ä. gibt.

Muss aber natürlich kein kausaler Zusammenhang bestehen.

HarneEinrichson
2 Monate zuvor

Vielleicht sollte Herr Clemens sich mal mit NRW austauschen, die schaffen es reale Probleme zu bearbeiten und starten keine Hetzkampagne bei der Bild.

GraueMaus
2 Monate zuvor

Aber die SPD hatte doch zusammen mit Schulministerin Löhrmann von den Grünen jahrelang die Gelegenheit, ihre Schulreformen zu realisieren. Warum geschah das denn nicht? Daraufhin wurde sie abgewählt. Liebesentzug vom Wähler.

Unfassbar
2 Monate zuvor
Antwortet  GraueMaus

Opposition ist viel einfacher…

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  GraueMaus

War nur anders. Ihr erstes Interesse bestand in der Wahrung des Schulfriedens. Zudem oblag es ihr, die von Schwarz-Gelb aufgegleiste Gymnasialreform (Umstellung auf G8) umzusetzen. Des Weiteren hat sie den Schulversuch der GemS als kooperative SekI-Schule fortgeführt, der auf Wunsch einiger CDU-Politiker im ländlichen Raum eingerichtet worden war.
Dem Elternwunsch nach mehr GE konnte sie nur bedingt nachkommen, da durch die Anmeldezahlen die erforderliche Vierzügigkeit nicht überall erreichbar war. Aus diesem Grund wurde die SekI als integrative Schulform ohne eigene Oberstufe quasi als GE Light implementiert.
Ich will Frau Löhrmann nicht über den Klee loben, aber im direkten Vergleich zu ihrer Amtsnachfolgerin von der FDP kann sie in der Rückschau sogar glänzen.

GraueMaus
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Ach, und die “erforderliche Vierzügigkeit” ist von Gott persönlich vorgeschrieben worden? Die Gemeinschaftsschule war eine Idee von CDU-Politikern? Und das verschweigt Herr Ott jetzt?

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  GraueMaus

Nein, aber eine “kleine” GE hat so gut wie keine Möglichkeit eine GOSt mit mindestens zwei Stammgruppen a 28 +/- 2 SuS zusammen zu bekommen, vor allem dann, wenn keine HS oder RS noch in der näheren Nachbarschaft existieren. Das Kurssystem in der GOSt brauch eine ausreichende Anzahl von Teilnehmern, ansonsten muss die Wahlmöglichkeit extrem eingeschränkt werden, da für viele Kurse nicht die erforderliche Mindestzahl an Teilnehmern vorhanden sein wird. Das wiederum trägt nicht zur Attraktivität der GOSt bei.
Eine ausdehnung der Zahl von Schulen der SekI+II ist weder wünschens- noch erstrebenswert.

GraueMaus
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Aber aus dem pädagogischen Paradies Finnland hörte man doch, dass es dort in dem dünn besiedelten nördlichen Teil sogar Schulen mit 50 Schülern gibt, natürlich nur Gemeinschaftsschulen, in denen jeder individuell optimal gefördert wird. Bei uns brauchen Schulen ja mindestens 50 Lehrer.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  GraueMaus

Nur in NRW gibt es eben Untergrenzen für das Zustandekommen eines Kurses.
Die Zahl der Lehrerstellen in der SekII hängt halt im Verhältnis 1 : 12,x von der Zahl der SuS ab.
Ein Kurs mit 8 Teilnehmern kann man einrichten, wenn dann andere Kurse mit mehr als 25 Teilnehmern geplant werden.

Heinrich der 9.
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

im Vergleich zu der FDP Dame könnte sogar das Putzpersonal glänzen 😉

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Frau Löhrmann ist zurecht im politischen Orkus verschwunden…
Die Abschaffung der Fächer Chemie, Physik und Biologie an Realschulen zugunsten von NW unter gleichzeitiger Einsparung von Unterrichtsstunden war wohl das dämlichste, was ich bisher in meiner Schulzeit erlebt habe. Ich habe noch ein Schulbuch aus der Zeit … da muss sich keiner Wundern, wenn wir keine Naturwissenschaftler mehr haben…

Allein deshalb ist sie die schlechteste Schuliministerin aller Zeiten – SchleSchaz eben…

Die Immobilienkauffrau ist dagegen einfach nur genauso ahnunglos, wie die Verwaltungsjuristin … Leider kam da Corona hinzu, sonst wäre das wahrscheinlich gar nicht weiter aufgefallen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Der integrierte naturwissenschaftliche unterricht war ein Angebot. In den naturwissenschaftlichen Fächern und selbst im Fach Technik/Arbeitslehre gab es bei den KLP sowohl die Variante für den integrierten wie auch für den separierten Unterricht. Es ist somit in den meisten Fällen eine Entscheidung von SL und FaKos gewesen, wie der KLP an einer Schule implementiert worden ist. Und als Folge fehlender Fachlehrkräfte in den naturwissenschaftzlichen Fächern hat man vor die Alternative gestellt , fachfremder Unterricht oder fächerintegrierter Unterricht, das kleinere Übel gewählt.

Im übrigen weiß ich, wovon ich spreche, ich habe sowohl AL und NW als auch GL unterrichtet. Da ich Fakultas erdkunde habe, können Sie sich denken wo ich Schwerpunkte aufgrund Fachwissens gesetzt habe und wie ich historische Inhalte abgerissen habe.

Brennpunktschule
2 Monate zuvor

Nach diesem Katalog von Horrorszenarien ist es nur erfreulich, dass die SPD in NRW zur Zeit bei ca. 14% liegt.

Wobei gute Chancen bestehen, dass dieser Wert weiter sinkt.

Bildungsnah
2 Monate zuvor
Antwortet  Brennpunktschule

Da weiß man zumindest, wo man sein Kreuz nicht machen sollte.

Der Weg ist klar vorgezeichnet. Zuerst räumt man die kleineren Schulformen ab, die nicht so viel Widerstand hervorrufen. Dann wird das Gymnasium beseitigt, die Forderung ist ja keineswegs neu und wird an vielen Stellen propagiert. Dann haben wir endlich Chancengleichheit. Jede Vergleichbarkeit der Schulformen und der Wettstreit zwischen ihnen ist beseitigt. Bei schlechten Ergebnissen kann, je nach Geschmack, den Eltern, Lehrern oder der fehlenden Finanzierung die Schuld gegeben werden.

Endlich die Deutsche Einheitsschule. Was soll schon groß schief gehen.

blau
2 Monate zuvor

Ex Gesamtschülerin, heute Lehrerin an Gesamtschule und Ref an Realschule, Kinder in Gymnasium und Grundschule: Ich bin dagegen.
An Gesamtschulen werden nicht differenzierte Fächer wie GL und NW auf Hauptschulniveau benotet. Entsprechend sieht dann auch die Leistung aus, denn man bekommt dort als Schüler mit Real- oder Gymnasialempfehlung sehr leicht eine 1. Das Niveau an einer Realschule ist wesentlich höher. Daher bin ich dagegen, das führt zu weniger Bildung.

dr.kerie
2 Monate zuvor
Antwortet  blau

Das ist aber jetzt sehr pauschalisiert! Vielleicht war dies an Ihrer eigenen Gesamtschule der Fall. An meiner Gesamtschule, ich leite bei uns den naturwissenschaftlichen Fachbereich, ist dies ganz und gar nicht so und auch nicht an den anderen Gesamtschulen in der Region Hannover. Im Gegenteil, meistens haben die Schülerinnen und Schüler, die vom Gymnasium zu uns kommen, große Probleme in einigen Themenfeldern, da sie diese durch den epochalen Unterricht im Gymnasium noch gar nicht hatten.

ed840
2 Monate zuvor
Antwortet  dr.kerie

Hängt vermutlich auch vom Bundesland ab.
Bei IQB-2024-Mathematik war die mittlere Punktzahl an Gymnasien im Bundesschnitt 552 Pkt, in Bundesländern mit Gesamtschulen wie in NRW 530, in NDS 528 Pkt.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  dr.kerie

In NRW kenne ich gaaanz viele Gesamtschulen und das ist das MINT-Niveau gruselig. Vor allem in den Großstädten.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Ein Lernbereich bei dem gerne Stunden gekürzt werden oder fachfremd unterrichtet wird, weil die wenigen gut ausgebildeten Fachlehrkräfte vermutlich eher einen großen Bogen um die GE im Brennpunkt machen.

Achin
2 Monate zuvor

Kein Schulpraktiker (m/w/d) versteht (leider) die SPD mehr!

Einfach traurig, dass eine historisch so verdiente und dringend benötigte Partei in bildungspolitischen Fragen auf die immergleichen Schlagwörter setzt (“Stärkung des sozialen Miteinanders”) und die wachsenden Privatschulen mit keiner Silbe erwähnt, aber auf Haupt- und Realschulen (Ort für unzählige Bildungsaufstiege) eindrischt.
Wohlfeil!

Achin
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Vielen Dank, daher meine Formulierung. In den Vorjahren wuchsen jedoch auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler.

Wie war das noch mit Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit?

ed840
2 Monate zuvor

In Wahlkämpfen wird oft viel versprochen, allerdings zeigen Politiker*innen erfahrungsgemäß große Flexibilität, wenn sie nach der Wahl von der Wirklichkeit umzingelt werden.

Das war scheinbar auch schon im Jahr 2010 so.

“NRW-Bildungspolitik: Rot-grünes Schulreförmchen empört Eltern und Lehrer”

Früher oder später verlieren manche Wähler dann auch die Geduld, so wie 2017:

Landtagswahl in NRW : Wie Schulpolitik die NRW-Wahl entschieden hat”

DAgent005
2 Monate zuvor

Das klingt alles sehr schön, was hier versprochen wird. Doch woher will die SPD das Geld nehmen?
Gab es dazu irgendwelche Infos?

Bildungsnah
2 Monate zuvor
Antwortet  DAgent005

Das wird natürlich über Schulden finanziert und dann “angelegt”. Vermutlich in deutsche oder europäische Staatsanleihen. Kann man dann also noch mal ausgeben.

Hat da jemand ein Perpetuum Mobile erfunden?

Die Balkon
2 Monate zuvor

Gute Pädagogik ist der Mut zu kleinen Schritten. Große Reformen (Mengenlehre, Realitätsbezug, PISA, Bologna) haben wir in der Vergangenheit alle an die Wand gefahren.

Unfassbar
2 Monate zuvor
Antwortet  Die Balkon

Oder sorgten die Reformen dafür, dass die Schulbildung an die Wand gefahren wurde? Eine Kausalität hat stets zwei Richtungen…

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Inhaltliche Reformen hat es doch fast keine gegeben, lieber hat man sich seit den 60ern in Strukturreformdebatten die Schädel eingeschlagen. Bleibt die Frage, was hat im Bildungsbereich die Organisation mit den Inhalten zu tun? Die Diskussion welche Inhalte unverzichtbar sind, ist zu kurz gekommen.

Hans Malz
2 Monate zuvor

Da haben wir doch schon das Impulspapier. Die Arbeit der Politik ist getan, jetzt bitte unten umsetzen. Wer will sich da oben auch schon mit Details auseinandersetzen? Die nächste Weltenrettung wartet doch schon.

Ich erinnere mich noch an Rot/Grün mit einer ehemaligen Lehrerin als Kultusministerin. Das war schon weltklasse! Jetzt also wieder mal ein Angriff auf die verbliebenen Real- und Hauptschulen … demnächst also Gymnasium und Restschule. Zumindest kommt das dann dabei raus…

AlexB
2 Monate zuvor

Mit diesem Programm – insbesondere mit der geplanten Schulform-Reform – wird sich Herr Ott nicht nur Freunde machen. Persönlich finde ich es aber sehr begrüßenswert, dass endlich jemand Politik mit dem Fokus auf die Bildung macht.

Die SPD in NRW hat zwischenzeitlich verschiedene Grundsatzfragen angesprochen, u.a. die einer Besoldungsreform bei fairer Besoldung. Schon zu den letzten Landtagswahlen hatten Herr Kutschaty und Herr Ott den Finger in viele Wunden gelegt. Alle diese Dinge zeigen, dass sich mit den Themen ernsthaft auseinandergesetzt wurde, und dass es Lösungsideen gibt, die ich bei den anderen Parteien vermisse.

Ob die SPD bei den nächsten Wahlen soweit kommt, dass sie mitregieren könnnen, bleibt natürlich abzuwarten. Was Koalitions- und andere Verhandlungen im Falle des Falles aus den SPD-Ideen machen würden, ist natürlich nicht vorhersehbar. Insbesondere die Schulformen bedürfen eines breiten gesellschaftlichen Konsenses.Trotzdem bleibe ich dabei:
Es ist gut, dass Herr Ott die Bildung in den Blick nimmt.

Heinrich der 9.
2 Monate zuvor

Wieder der Versuch der SPD eine Einheits(brei)schule zu schaffen.
Gibt es (zu) viele verschiedene Schulformen? Könnte man so sagen. Muss alles zur Gesamtschule werden? Nein.
Ich finde es ziemlich arrogant von dem Herrn, dass er gute Arbeit an Schulen, die nicht seiner parteipolitischen Vorstellung entsprechend, zerschlagen will.
Gab es nicht unter rot-grün so viele neue Schulversuche und Formen?

AlexB
1 Monat zuvor
Antwortet  Heinrich der 9.

Ich sehe das anders, und mich würde tatsächlich interessieren, aus welchem Blickwinkel Sie das schreiben. (Eltern? Lehrer? Wenn ja, welche Schulform?)

Ich erkenne die unersprüngliche Idee hinter dem dreigliedrigen Schulsystem an, die auch eine längere Zeit einigermaßen funktioniert hat. Ganz grob selektierend (und da merkt man schon, es wird problematisch): Kognitiv eher schwache Schüler gehen zur Hauptschule, gefördert in Richtung Handwerk oder manuelle Tätigkeiten, die Realschule bereitet Kinder auf Bürotätigkeiten vor und das Gymnasium bildet die “Elite” aus, die studieren geht.

Aber heute funktioniert diese Aufteilung nicht mehr. Nicht nur, dass sich die Berufsfelder verändert haben – die Eltern stimmen mit den Füßen ab. An den Grundschulen erleben wir bei den Übergängen zu den weiterführenden Schulen immer wieder: Niemand will mehr zur Hauptschule, diese wird als Resteschule für schwer beschulbare Kinder empfunden (nicht meine Worte 😉 ). Kinder mit einer Hauptschulempfehlung landen dann an den Realschulen, die nicht gut darauf vorbereitet sind. Die Hauptschulen bluten aus. Kinder mit Realschulempfehlungen gehen fast alle zum Gymnasium. Eltern sitzen händeringend bei uns und betteln, klagen oder auch verklagen uns, wenn sie nicht die gewünschte Empfehlung bekommen. Aber alle Schulformen klagen über sinkende Fähig- und Fertigkeiten der Kinder.

Wenn Herr Ott nun den Vorschlag macht, neben dem Gymnasium nur noch die Gesamtschule zu haben, so ist dies erst einmal eine Lösungsidee für ein längst bestehendes Problem und weniger “Ideologie”. Und ja, ich weiß, die SPD fordert das seit langem. Vielleicht, weil sie die Probleme des aktuellen Systems schon lange durchschaut haben?

Ich sehe darin auch keine Abwertung der an den Schulen geleisteten Arbeit. Unsere Hauptschule vor Ort macht hervorragende Arbeit, und liebend gern würde ich so manches Kind dort gut gefördert sehen anstatt an einer höheren Schulform, wo es sicherlich “untergehen” wird. Aber des guten Rufs will niemand zu dieser Hauptschule.

Ich bin mir selbst nicht sicher, ob der Vorschlag von Herrn Ott schon der Weisheit letzter Schluss ist. Wenn daraus etwas Gutes werden soll, müssten sicherlich noch viele Rahmenbedingungen geändert werden. Dies aber auch, wenn man das aktuelle System “retten” will, denn so, wie es jetzt läuft, kann es nicht weiterlaufen. Die fortschreitende Schließung von Haupschulen zeigt das doch. Und was bringt es Kindern, an einer Schulform unterrichtet zu werden, die sie gar nicht haben will? Ist das nicht eher Ideologie?

Heinrich der 9.
1 Monat zuvor
Antwortet  AlexB

Ich schreibe das aus dreierlei Sicht.
Früher als Schüler Gymnasium (GS war 200 m entfernt und Kontakt-Austausch zu Schülern war da).Elternsicht und Lehrersicht.
Bin Sonderpädagoge und habe Berufserfahrung an der Förderschule, an der Hauptschule und an der Realschule.
Klar gehen die Schülerzahlen an der Hauptschule zurück. Dies ist aber auch dadurch bedingt, dass die HS oft schlecht geredet wird.
Die SPD will ihre Einheitsschule. Ans Gymnasium traut man sich nicht ran, also darf es (noch) parallel zur GS existieren.
Das gesamte System darf/kann/muss überarbeitet werden. Das sehe ich aber primär in den Bereichen: Personal, Eigenverantwortung und Bürokratie.
Gesamtschulen sind meist sehr große Systeme, die recht anonym sind. Die Schulen, an denen ich tätig war hatten zwischen 80 (Förderschule) und 600 Schülern. Da kennt man sich noch untereinander.
Anderes Thema: Gebäude. Wenn es einen Gesamtschulzwang geben sollte, wird es darauf hinauslaufen, in einer Stadt mehrere kleine Standworte zu haben. Absoluter tödlich für das Miteinander im Schulalltag.
Neubau? Mit welchem Geld und wo?
Sorry, aber diese Forderung ist meiner Meinung nach einfach populistischer Wahlkampf.
Opposition ist halt einfacher. Das gilt für alle Parteien.