
Hamburgs Schulbehörde hat angehende Lehrerinnen und Lehrer der Hansestadt zu einem aktiven Eintreten für Demokratie und Menschenrechte aufgefordert. «Lehrkräfte sind nie neutral gewesen», erklärte Bildungsstaatsrätin Katharina von Fintel laut einer Mitteilung bei der Vereidigung von 393 neuen Lehramts-Referendarinnen und Referendaren. «Neutral im Sinne von Parteipolitik – ja. Aber nicht neutral gegenüber Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit oder Angriffen auf Demokratie und Rechtsstaat.»
Behörde: «Zeigen Sie Haltung!»
Demokratiebildung sei keine zusätzliche Aufgabe nebenbei, sondern sie sei Bestandteil des pädagogischen Auftrags. Genau das mache Schule zu einem so entscheidenden Ort. «Deshalb, liebe neue Kolleginnen und Kollegen, appelliere ich an Sie: Zeigen Sie Haltung!», sagte von Fintel am Morgen beim Senatsempfang im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses.
«Vielleicht haben Sie in letzter Zeit selbst erlebt, wie sich Gespräche verändern und plötzlich Dinge gesagt werden, die früher unaussprechlich schienen», sagte von Fintel. Viele Menschen seien verunsichert, suchten Halt und landeten manchmal bei denen, die einfache Antworten gäben, weil sie mit komplexen Antworten überfordert seien. «Diese Entwicklungen werden Ihnen begegnen, auf dem Pausenhof, in Elterngesprächen und vielleicht sogar im Lehrerzimmer. Genau da sind Sie gefragt. Als Menschen mit Haltung!»
Mehr als doppelt so viele Bewerbungen wie Plätze
Nach Angaben der Schulbehörde gab es trotz bundesweit steigenden Lehrermangels in Hamburg mehr als doppelt so viele Bewerbungen wie Studienplätze – dabei sei die Zahl bereits von 855 auf 1.350 erhöht worden. Um einen der 393 Referendariatsplätze hätten sich diesmal 938 junge Menschen beworben – 43 mehr als im Vorjahr. Die Einstellungsquote liege damit bei rund 42 Prozent. Der Notendurchschnitt aus dem Studium liege derzeit bei 1,66.
Am begehrtesten waren erneut die Plätze für den Vorbereitungsdienst zum Lehramt Sekundarstufe I und II, also für Stadtteilschulen und Gymnasien. Danach folgten die Grundschulen. Während in anderen Bundesländern nach Angaben der Schulbehörde mangels Bewerbungen inzwischen zum Teil mehr als ein Drittel der Plätze mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern besetzt werden, waren es in Hamburg nur 3,4 Prozent – nach 6,6 Prozent vor einem Jahr.
Nur 24,3 Prozent Männer
Das Durchschnittsalter der Nachwuchslehrkräfte, die nun 18 Monate im Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung und in den Schulen ausgebildet werden, liege bei 29,5 Jahren, die älteste Person sei 54, die jüngsten seien 23 Jahre alt. 75,7 Prozent der angehenden Lehrkräfte seien Frauen. Der Männeranteil sei erneut gesunken – im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozentpunkte. News4teachers / mit Material der dpa









Durchschnittsalter für Beginn des Referenadiarts 29 Jahre???? Wie konnte das denn passieren?
Naja, man bekommt heute den Refplatz deutlich schneller als früher. Zu meiner Zeit gab es Wartefristen von mehreren Jahren.
«Vielleicht haben Sie in letzter Zeit selbst erlebt, wie sich Gespräche verändern und plötzlich Dinge gesagt werden, die früher unaussprechlich schienen»
Nun, die Gesellschaft verändert sich doch, die ganze Art zu reden verändert sich, in einer heterogenen Migrationsgesellschaft reden immer mal die einen abfällig über die anderen. Und das geht nicht nur in eine Richtung. Zum Beispiel hat das Wort “Hure” bzw. “Hurensohn” durch einen offenbar beliebten Rapper einen neuen Klang bekommen:
https://www.spiegel.de/politik/gruene-jugend-chef-luis-bobga-beschimpft-markus-soeder-als-hurensohn-a-1f2329c2-9b51-48db-bd79-2a6362aed4ba
Das ist seltsam, denn ein wirklicher Hurensohn kann ja gar nichts dafür, er kam so auf die Welt. Warum soll man ihn DESHALB tadeln? Sippenhaft?
Aber ist das Umgekehrte nicht auch Realität? Früher durfte man vieles sagen, was heute als “unaussprechlich” bezeichnet wird, z.B. Vorstellungen über nicht-sesshafte Leute, ein Wort, das mit “Z” beginnt. Ich stelle mir vor, dass das oft genauso gedankenlos verwendet wurde wie “Hurensohn”, also ohne präzise Vorstellungen. Franz Josef Strauß nannte mal politische Gegner “politische Pygmäen”, auch nicht sehr freundlich. Aber man hat es ihm damals nicht verübelt, heute würde er als “Rassist” gelten. Alles nicht so einfach.
“Aber man hat es ihm damals nicht verübelt, heute würde er als ‘Rassist’ gelten.”
Strauß galt auch damals schon als Rassist – bei Menschen jedenfalls, die wussten was Rassismus ist (was in Deutschland seinerzeit kaum jemand auf dem Plan hatte): “Der südafrikanische Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu beschuldigte Kanzler Helmut Kohl, Ronald Reagan und Margaret Thatcher, das Apartheidsystem zu unterstützen – alles »Leute, die nur vorgeben, gegen den Rassismus zu sein«. Ein anderer sei noch schlimmer: Franz Josef Strauß »verhält sich wie ein Rassist«.” Quelle: https://www.spiegel.de/politik/macht-etwas-a-4570faa3-0002-0001-0000-000013515874
Und verübelt hat man Strauß eine ganze Menge, da fiel die Beschimpfung von politischen Gegnern nicht allzu sehr ins Gewicht. Gerne hier nachlesen: https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/franz-josef-30-jahre-tot-strauss-prozesse-politik-recht
Herzliche Grüße
Die Redaktion