Start Tagesthemen Gewaltwelle in Kitas (vor allem durch Kinder): Familienministerin zeigt sich alarmiert

Gewaltwelle in Kitas (vor allem durch Kinder): Familienministerin zeigt sich alarmiert

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DÜSSELDORF. Mehr als 4.700 Gewaltfälle wurden im vergangenen Jahr in NRW-Kitas registriert – ein Anstieg von 76 Prozent. Dabei geht es um Übergriffe gegen Kinder, aber auch von Kindern. Die neue Familienministerin Schäffer will die Ursachen erforschen.

Geladen (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Nordrhein-Westfalens neue Kinder- und Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) hat den steilen Anstieg an Gewaltvorfällen in den Kitas des Landes als erschreckend bezeichnet. Dass mehr Vorfälle gemeldet würden, sei aber auch ein Zeichen für eine höhere Sensibilität bei Fachkräften, sagte Schäffer bei der Vorstellung der neuen NRW-Kinderschutzbeauftragten Petra Ladenburger. So werde auch ein Dunkelfeld aufgehellt.

Die Zahl der den Landesjugendämtern offiziell gemeldeten Gewaltvorfälle an Kitas in NRW ist im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt. Aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion geht hervor, dass 2025 landesweit mehr als 4.700 Fälle von sexueller Gewalt sowie körperlichen und psychischen Übergriffen registriert wurden. Im Jahr davor waren es noch 2.680 Meldungen. Das entspricht einem Anstieg von gut 76 Prozent.

«Die Zahl der Fälle von Gewalt und pädagogischem Fehlverhalten durch Kita-Kräfte aber auch Peer-to-Peer in Nordrhein-Westfalen hatten zuletzt zugenommen. Zahlen der Landesjugendämter bestätigten eine steigende Anzahl an Meldungen. In einer Kita in Erkrath wurden zuletzt Vorwürfe erhoben, ein Kind sei zum Essen gezwungen worden», so heißt es in der Antwort.

Schäffer will Ursachen verstehen

Schäffer verwies darauf, dass viele Vorfälle zunächst nur als Ereignis ohne weitere Informationen registriert würden. Seit Ende 2024 stehe dafür ein neues digitales Meldungstool zur Verfügung. Sie wolle den steilen Anstieg damit aber nicht relativieren, betonte die Ministerin, die seit gut einer Woche im Amt ist. Ihr Ministerium werde bei den Zahlen und Statistiken jetzt «tiefer graben, um zu verstehen, was die Ursache ist».

Vielleicht habe der Anstieg an Gewalt auch damit zu tun, dass Familien insgesamt belastet seien, so Schäffer. Es gebe auch einen hohen Anstieg von Gewalt unter Kindern, nicht nur von Gewalt durch Fachkräfte oder Erwachsene gegen Kinder. «Kinder scheinen das ja in die Kita reinzutragen», sagte die Ministerin.

Auch die Kinderschutzbeauftragte Ladenburger betonte, es müsse nach der Ursache der gestiegenen Gewalt oder der gestiegenen Meldungen geforscht werden. Möglicherweise gebe es mehrere Erklärungen dafür. Zum einen, dass tatsächlich die Gewalt gestiegen sei. Denkbar sei aber auch, dass in den Kitas aufmerksamer hingeschaut werde und die Meldewege verbessert würden.

Steiler Anstieg bei Gewalt durch Kinder

Den weitaus größten Teil der Gewaltvorfälle in Kitas machten 2025 mit 3.565 Meldungen körperliche Übergriffe aus. Unterschieden wird zwischen Übergriffen durch Erwachsene oder durch andere Kinder. Demnach kam es allein in diesem Bereich zu 2.481 Übergriffen oder Körperverletzungen durch Kinder. 2024 waren es noch halb so viele. Außerdem wurden 1.084 körperliche Übergriffe durch Erwachsene registriert.

Die Gesamtzahl der Fälle von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt von Erwachsenen in Kitas stieg von 1.052 erfassten Vorgängen im Jahr 2024 auf 1.621 Meldungen in 2025. News4teachers / mit Material der dpa

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2 Kommentare
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Rainer Zufall
1 Stunde zuvor

“tiefer graben, um zu verstehen, was die Ursache ist”
Personalmangel.

Gerne kann erforscht werden, ob es Anspannungen in den Familien gibt, die sich weniger leisten können und ggf. von Parteien aus dem Land geworfen werden sollen – woher die Angst?
Aber bitte BEGLEITEND zu der Lösung: MEHR Personal (einhergehend mit entsprechender Attraktivität des Berufs).

Frau Schäffer kann mich gerne auch fragen, was meine Empfehlung zum “explosiven Anstieg” an Gewalt in Schulen ist 😉

Gelbe Tulpe
16 Minuten zuvor

Die Einstellung von Politik und Wirtschaft ggü. den Bürgern wird immer brutaler. Jeder sei ersetzbar und habe auch kein Anrecht auf Gegenleistung für die Bildungsanstrengungen, die er geleistet hat, wird ihm vermittelt. Dies erzeugt natürlich Frustration und Aggression bei vielen Menschen, was sich schon auf kleine Kinder überträgt.