BERLIN. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (KMK) und die KMK selbst drängen auf eine systematischere Nutzung von Daten im Bildungssystem. Ein neues Gutachten beschreibt, wie Lernstandserhebungen, Diagnostik und Bildungsmonitoring stärker verzahnt werden sollen – und benennt zugleich die strukturellen Defizite, die bislang einer wirksamen Umsetzung entgegenstehen.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz hat ein Gutachten zur „datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung“ vorgelegt und damit eine seit Jahren geführte Debatte neu justiert. Im Zentrum steht die These, dass die Qualität des Bildungssystems maßgeblich davon abhängt, ob vorhandene Daten systematisch erhoben, sinnvoll aufbereitet und im Alltag tatsächlich genutzt werden.
Das Gutachten knüpft an die seit 2006 bestehende Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring an, in deren Folge zahlreiche Instrumente zur Datenerhebung entwickelt wurden. Die Kommission stellt jedoch fest, dass diese Instrumente bislang nicht hinreichend miteinander verzahnt sind. Eine wirksame Qualitätsentwicklung entstehe nur dann, wenn Daten auf allen Ebenen des Systems zusammenwirken und „eine Kultur des Hinschauens auf allen Ebenen verankert wird“.
Vor diesem Hintergrund analysiert die SWK bestehende Verfahren der Datenerhebung und -nutzung und formuliert konkrete Empfehlungen. Im Fokus stehen dabei zentrale Lernstandserhebungen, lernprozessbegleitende Diagnostik sowie Rückmeldungen zur Unterrichtsqualität. Diese Daten sollen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in konkrete Maßnahmen münden, die Unterricht und Förderung unmittelbar beeinflussen.
Die Kommission betont, dass Daten unterschiedliche Funktionen im System erfüllen. Für Lehrkräfte seien sie ein Instrument der diagnosegeleiteten Lernförderung und Unterrichtsentwicklung. Schulleitungen benötigten sie für Schulentwicklung und Management, während Schulaufsichten auf dieser Grundlage Unterstützung organisieren und Zielvereinbarungen treffen könnten. Auf Systemebene schließlich dienten Daten aus nationalen und internationalen Studien dazu, Leistungsfähigkeit sichtbar zu machen und Reformbedarf zu identifizieren.
„Wir stärken eine datengestützte Qualitätsentwicklung, die Lehrkräfte gezielt unterstützt und für bessere Bildung für alle Kinder sorgt“
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz im Rahmen der KMK, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz, sieht darin vor allem eine Umsetzungsaufgabe. „Das Gutachten der SWK zeigt sehr klar: Entscheidend ist, dass wir vorhandene Daten und Erkenntnisse im Bildungssystem konsequent nutzen. Es geht darum, sie in konkrete Maßnahmen zu übersetzen und in der Praxis konkret umzusetzen. Wir müssen von Daten zu Taten zu kommen. Daran arbeiten die Länder gemeinsam, wir stärken eine datengestützte Qualitätsentwicklung, die Lehrkräfte gezielt unterstützt und für bessere Bildung für alle Kinder sorgt.“
Die SWK formuliert zugleich Bedingungen, unter denen datengestützte Steuerung überhaupt wirksam werden kann. Dazu gehört ein kohärentes, an Bildungsstandards orientiertes Testsystem ebenso wie der niedrigschwellige Zugang zu Fördermaterialien und fachlicher Beratung. Daten allein genügten nicht, entscheidend sei ihre Einbettung in konkrete Unterstützungsstrukturen.
„Daten dürfen nicht zur zusätzlichen Belastung für Lehrkräfte werden“
Prof. Dr. Felicitas Thiel, Co-Vorsitzende der Kommission, hebt die Verbindung von Diagnose und Förderung hervor. „Unser Ziel ist es, die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards nicht erreichen, deutlich zu verringern. Dafür brauchen wir nicht nur zentrale Lernstandserhebungen, die frühzeitig anzeigen, wenn Kinder und Jugendliche basale Kompetenzen nicht erwerben, sondern auch lernprozessbegleitende Diagnosetools, die mit Fördermaterialien eng verknüpft sind.“
Zugleich warnt sie vor zusätzlicher Belastung im Schulalltag: „Daten dürfen nicht zur zusätzlichen Belastung für Lehrkräfte werden, sondern müssen in die Prozesse der Lernförderung und Unterrichtsentwicklung selbstverständlich integriert werden. Datenrückmeldungen sollten sich deshalb am Grundsatz der Datensparsamkeit orientieren und sich auf wesentliche, aussagekräftige Daten beschränken.“
Ein zentrales Element der Empfehlungen ist die Regelmäßigkeit von Datenrückmeldungen. Lehrkräfte sollten mindestens alle zwei Jahre Ergebnisse aus zentralen Lernstandserhebungen erhalten, die direkt mit Fördermaterialien und Beratung verknüpft sind. Erst diese Verbindung ermögliche eine adaptive Unterrichtsentwicklung.
Auch das Systemmonitoring wird als entscheidend beschrieben. Prof. Dr. Olaf Köller, ebenfalls Co-Vorsitzender der SWK, betont die politische Dimension: „Daten aus nationalen und internationalen Bildungsstudien machen für die Politik nicht nur Handlungsbedarf sichtbar, sie sind auch unverzichtbar für die Identifikation von Ansatzpunkten für Reformprogramme und länderübergreifende Maßnahmen. Wir raten deshalb dazu, nationale und internationale Schulleistungsstudien weiterzuentwickeln und die Bildungsberichterstattung zu verstetigen. Sie sind einer effektiven Lern- und Entwicklungsförderung aller Kinder und Jugendlichen verpflichtet.“
Eine besondere Rolle weist das Gutachten der Zusammenarbeit mit Eltern und weiteren Fachkräften zu. Datenrückmeldungen sollen auch Grundlage für Erziehungs- und Bildungspartnerschaften sein. Gerade bei Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf könne eine abgestimmte Nutzung von Informationen dazu beitragen, Fördermaßnahmen kohärent zu gestalten.
Über den schulischen Bereich hinaus nimmt die Kommission auch die frühkindliche Bildung in den Blick. Dort sieht sie erheblichen Nachholbedarf beim Monitoring von Entwicklungsverläufen und bei der Evaluation der Interaktionsqualität. Eine systematische Nutzung valider Daten könne hier „entscheidend zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität beitragen“, heißt es. News4teachers
Hier lässt sich das vollständige Gutachten herunterladen.
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Die KMK verkündet also stolz ihre neue „Kultur des Hinschauens“.
Datengestützte Qualitätsentwicklung, gezielte Unterstützung der Lehrkräfte, bessere Bildung für alle – das volle Programm der pädagogischen PR‑Poesie.
Dabei hat die KMK längst andere Kulturen zur Meisterschaft geführt:
Und nun also die „Kultur des Hinschauens“.
Vielleicht schaut man diesmal wirklich hin – allerdings vermutlich wieder nur auf die Daten, die man selbst vorher so lange massiert hat, bis sie politisch gut aussehen.
„Über den schulischen Bereich hinaus nimmt die Kommission auch die frühkindliche Bildung in den Blick. Dort sieht sie erheblichen Nachholbedarf beim Monitoring von Entwicklungsverläufen und bei der Evaluation der Interaktionsqualität„
Ich vermisse im frühkindlichen Bereich vor allem die Bildung und Förderung von Ruhe, Stille und die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Überall, wo Kinder sind, scheint es alternativlos zu sein, dass es laut ist. Es gibt zwar gelegentlich ein Pssst oder einen lauten Aufruf um Ruhe, die kognitive Erfassung von Ruhe als Lernfeld und Erfahrung scheint aber oft zu fehlen. Durch den ständigen Lärm können viele Kinder rein kognitiv nicht von sich aus lernen, leise zu reden oder zu fragen und still zu sein, wenn andere etwas sagen oder erzählen. Häufig wird Kinderlärm als ein natürlicher Bestandteil der Kindheit gesehen, was zum Teil selbstverständlich zutrifft. Mir fehlt dann die bewusste Abgrenzung zum Lautsein in Form von Übung zu gemeinsamer Stille, so dass Kinder diese als angenehm empfinden und selbst dafür sorgen wollen und auch können. Flüstern, Achtsamkeit, langsame, bewusste Bewegungen, ruhige Musik, beruhigende Geschichten, dabei Einkuscheln, Geborgenheit. Übungen, die eigene Stimme in verschiedenen Lautstärken und Tonlagen zu erproben, am besten von laut nach leise. Wie fühlt sich das an? Wie mag ich meine Stimme am liebsten? Wie mag ich die Stimmen der anderen am liebsten? … so viele Möglichkeiten.
Nur wenn Kinder ein selbstverständliches gutes Gefühl bei Ruhe haben, können sie Ruhe in der Grundschule ertragen, mittragen und sich selbst regulieren.
Ich empfinde es als Unterlassung von Erziehung im frühkindlichen Bereich, wenn Lärm normal und Stille so gut wie unmöglich ist. Kinder können beides lernen, wenn man sie dazu ermutigt und ständig liebevoll und achtsam übt und das in die Konzeption aufnimmt. So würde man Chancengleichheit herstellen und verhindern, dass die Lauten die Leisen dominieren, wie es bisher der Fall ist. Ohne Erziehung zur Stille fehlt in den Schulklassen die Ruhe und Konzentration und damit die Fähigkeit, effektiv zu lernen.
Das ist wunderbar formuliert. Genauso läuft es bei uns. Für die sensiblen Kinder gibt es 2 Kopfhörer. Fragt man aber die Kinder, fühlt sich fast die Hälfte der Klasse vom Lärm gestört und kann sich nicht konzentrieren. So viele Kopfhörer gibt es gar nicht. Die leisen Kinder gehen komplett unter, weil die anderen den Alltag dominieren. Und die Lehrer haben irgendwie kapituliert. Fragt man nach, heißt es, ist ja normal, ist einfach rege Beteiligung. Ich kann es verstehen, dass es denen auch auf den Zeiger geht, weil das etwas ist, was von Zuhause mitgegeben wird. Aber was ist die Lösung?
Im Anfangsunterricht kann man durchaus noch Stille lehren. Das klappt anfangs je nach Klasse 1- 2 Minuten. Es ist ein Erfolgserlebnis für Schüler, wenn sie es alle schaffen. Das ist nicht zu unterschätzen, gerade bei Kindern, die “nicht wirklich viel können” Sogar der oft geschmähte Schweigefuchs hat in dieser Stufe seine Berechtigung.
Lärm ist gar nicht so ein neues Problem, denn mein Tutor in den Achtziger Jahren hat mich schon darauf hingewiesen. Lärm ist auch gesundheitsschädlich für Schüler und Lehrer.
Deshalb ist Stille für mich bereits in der frühkindlichen Betreuung, Erziehung und Bildung notwendig. Niemand muss im normalen Leben schreien, wenn er über das Säuglingsalter hinaus ist. Darauf sollten Erwachsene mit den Kindern achtsam hinarbeiten. Kinder kommen nicht unbedingt von alleine darauf, in normaler Lautstärke zu kommunizieren und in manchen Situationen ganz still zu sein. Das muss geübt werden und sollte zur frühkindlichen Bildung dazugehören, was heute fast komplett in Vergessenheit geraten ist aufgrund der Behauptung, dass Kinder einfach laut sind und dass das normal sei.
In der Schule ist es im Kollektiv zu spät. Da kann man höchstens noch mit Kindern einzeln daran arbeiten, was aber sehr mühsam für alle ist.
Monitoring kennt man aus anderen Feldern. Man denke an Naturkatastrophen, wie z. B. Erdbeben oder Vulkane. Oder auch an Patienten auf Intensivstationen.
Was sagt es über uns aus, dass wir unsere Kinder wie Intensivpatienten und Naturkatastrophen behandeln? Wie groß muss die Verunsicherung der Erwachsenen sein, um so etwas in Erwägung zu ziehen?
Ein Vierteljahrhundert ist seit dem “PISA-Schock” vergangen und immer noch ist nicht erkannt worden, dass die Innovationsmanie in der Bildung nicht zu Fortschritt, sondern zu rasendem Stillstand führt.
Was das System und seine Mitarbeiter -und vor allem auch die Kinder- brauchen, ist Ruhe. Ständiges Rumschrauben und Umorientieren zermürbt das Personal.
Welche Innovationsmanie? (Was hat sich denn seit PISA 2000 verändert? Wir sehen da eher Stillstand.)
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Vielleicht bekommt man das außerhalb des Systems, also in der breiten Öffentlichkeit, ja überhaupt nicht mit, aber es wird natürlich ständig etwas reformiert.
Nehmen Sie als Beispiel Baden-Württemberg, und hier die Schulform Gymnasium in den letzten 20 Jahren:
Wechsel zu G8, Abschaffung der Grundschulempfehlung, neuer Bildungsplan, neue Oberstufe, Wechsel zu G9, damit verbunden neuer Bildungsplan, Einführung Vergleichsarbeiten, Abschaffen von Vergleichsarbeiten, Gründung von Bildungsinstituten, Wiedereinführen von Vergleichsarbeiten, Wiedereinführung der Grundschulempfehlung, Bildungspläne werden inzwischen mitunter während des Schuljahres “weiterentwickelt”, Neuorganisation der Fortbildungspraxis, Einführung sog. “Dienstbesprechungen”, Schulen werden evaluiert, die Evaluation wird umoganisiert, Schulen evaluieren sich jetzt selbst, Pädagogik der “Kompetenzorientierung” wird eingeführt, Digitalisierung, Digitalpakt, Digitalpakt 2.0, “Lernen mit Rückenwind”, neue Förderkonzepte mit “G9neu”, Einführung eines “Leitfadens Demokratiebildung”, Einführung eines “Rechtschreiberahmens”, Einführung sog. “Innovationselemente”, weniger Stunden für Geographie und Gemeinschaftskunde, mehr Stunden für MINT, Einführung eines Fachs für Wirtschaft, “Stärkung” der Fächer Geographie und Gemeinschaftskunde, Schüler bewerten jetzt Lehrer, Einführung eines Monitorings… und und und.
Das meine ich mit “Innovationsmanie” und “rasendem Stillstand”. Nichts davon hat irgendetwas merklich verbessert.
Viele Grüße
Es gab seit 2000 zwei Bildungsreformen in Deutschland, die Geld gekostet haben: der Umbau der Gymnasien von G9 auf G8 – und wieder zurück. Und der Ausbau der Ganztagsbetreuung, damit die Frauenerwerbsquote gesteigert werden konnte. Ersteres war völlig sinnlos, zweiteres wurde lediglich als billiges Betreuungsmodell umgesetzt.
Hatte beides nichts mit PISA zu tun. Alles andere war Kosmetik bzw. ein Verschiebebahnhof. Kompetenzorientierung? Es wurden Kompetenzen in die Lehrpläne hineingeschrieben, aber keine Inhalte hinausgenommen. Die Folge: Die Lehrpläne quellen derart über, dass nichts mehr vertieft werden kann. Wenn Sie das “Reform” nennen wollen…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das sind die großen öffentlichwirksamen Dinge. Das meiste, was ich aufgezählt habe, bekommen ja Laien gar nicht so mit, weil es eher technische Details sind.
Trotzdem sorgen sie permanent für ein Gefühl der Diffusion, da man sich ständig auf Neues einstellen muss.
Es wäre vielleicht erträglich, wenn man den Sinn erkennen dahinter könnte. Oder wenn es jeweils positive Effekte erzielte. Meistens ändern sich Dinge aber einfach nur und machen dabei eingespielte Prozesse zunichte, ohne etwas zu verbessern.
Antwort eines Fachreferenten des Regierungspräsidiums bei einer Dienstbesprechung zum Thema “Demokratiebildung” auf die Frage, ob die vorgestellten Wirkungszusammenhänge von Unterrichtsmethoden, Lernkompetenzen und Demokratiefähigkeit bei der Schülerschaft in irgendeiner Form auf bildungswissenschaftlichen oder empirischen Befunden beruht: “Hm.. keine Ahnung, ich glaube schon.”
Viele Grüße
Da es kein einheitliches Schulsystem in Deutschland gibt, sondern gleich 16 verschiedene an der Zahl, sollte man schon etwas genauer hinschauen.
In SH ist der Unterschied doch schon sehr deutlich: Während es im Jahr 2000 noch Haupt- und Realschulen neben den Gymnasien und IGS sowie KGS gab, gib es jetzt nur noch GemS (mit und ohne Oberstufe) und Gymnasien.
Die Inklusionsquote liegt bei 68 – 70% im Vergleich zu 2000 mit 13,2 % (laut Paritätischem Wohlfahrstverband).
S*S müssen die ESA-Prüfungen bestehen, wenn sie einen Schulabschluss haben wollen, ohne in die 10. Klasse versetzt worden zu sein. Das war zuvor anders, da ging es allein über den Notenschnitt!
…
Danke,
eine andere, aber ähnlich volle Liste könnte ich für Niedersachsen schreiben.
Nach Pisa, nach 2000 wurde alles Mögliche in die Schulen gegeben.
Was nicht erfasst wird:
Vielleicht fangen wir damit an,
danach wird man überlegen müssen, wie man beides auf ein Maß bringt, das Innovationen zulässt.
Die Lehrer sollen Daten generieren.
Wer keinen Stress will, liefert die „richtigen“ Daten.
Zack, fertig: Ersatzrealität.
Und das Ganze als „Hinschauen“ zu verkaufen… köstlich!
Es wird hingeschaut: auf die Excel-Tabelle mit Fake-Zahlen.
Es wird allerdings auch viel weggeschaut, insbesondere im Bereich „Realität“.
Wie sagte mein ehemaliger Chef immer so schön?
“Vom vielen Wiegen wird das Schwein auch nicht fetter.”
Schleswig-holsteinische Binsenweisheit;-)
Als nächstes kommt “bestellt, wie geliefert” , “ich hol Popkorn” etc.- neue Sprüche braucht das Land !
Ist kein neuer Spruch, sondern ein alter sowie weiser Spruch.
Wenn Sie mal nachdenken würden, kommen Sie auch drauf, wie er gemeint ist.
Ihre selbstgerechten Unterstellungen scheinen Sie auch nicht erneueren zu wollen, naja, jede so wie sie kann.
Wer hat angefangen? Richtig, nicht ich.
https://www.fischer-sauerlaender.de/buch/david-mckee-du-hast-angefangen-nein-du-978373
Oder auch zu empfehlen:
https://arsedition.de/products/blode-ziege-dumme-gans
https://www.jugendliteratur.org/buch/immer-ich-2978 🙂
Sie haben vor vielen Jahren einmal getippt, dass Sie meine Beiträge gut nachvollziehen können.
Weiter stellt sich die Frage, womit aufhören, wenn es um Ihnen um anfangen geht.
Herzlichen Gruß @derechteunverzagteSüden
Obwohl sich meine Buchempfehlungen an @derechteNorden richten, dürfen Sie sich dennoch gerne mitgemeint fühlen. 😉
Herzlichst
derechteunverzagteSüden
Geliefert wie bestellt.
So viel Zeit muss sein.
“Für Lehrkräfte seien sie ein Instrument der diagnosegeleiteten Lernförderung”
Die diagnosegeleitete Lernförderung findet aber nicht statt, nicht wegen fehlender Daten, sondern wegen fehlender Lehrer!
“und Unterrichtsentwicklung”.
Momentan besteht die Unterrichtsentwicklung darin, Apps und Arbeitsblätter vorzugsweise in Vertretungsstunden zu verteilen, die niemand braucht und die niemanden hilft, egal ob “datengestützt” oder nicht! Sorgt dafür, dass nicht so viel Unterricht ausfällt, das ist wertvoller als datengestützte Unterrichtsentwicklung!
“Schulleitungen benötigten sie für Schulentwicklung”
An welcher Schule findet in der momentanen Situation denn diese noch statt,- außer auf dem Papier, um das Schulamt glücklich zu machen?
“während Schulaufsichten auf dieser Grundlage Unterstützung organisieren und Zielvereinbarungen treffen könnten”.
Woher soll denn die Unterstützung kommen, mehr Personal, mehr Hilfskräfte, bessere Ausstattungen? Wir Lehrkräfte sind ja schon glücklich, wenn das Schulamt unsere pädagogische Arbeit nicht behindert, eine Unterstützung ist so weit weg wie eine Rodelbahn in der Wüste.
Wenn unsere Kinder irgendwas nicht brauchen, dann ist es, von einem Kind in eine Datensammlung verwandelt zu werden!
Und schon wieder ein Artikel, bei dem ich denke, dass die Alemannenschule Wutöschingen da schon viel weiter ist. Dadurch, dass dort DiLer eingesetzt wird, ist mit einem Knopfdruck erkennbar, was der SuS kann und was nicht. Wenn in einem Gelingensnachweise erkennbar ist, dass gewisse Teilbereiche nicht verstanden wurden, muss dieser Bereich weiter bearbeitet werden und wird erneut abgeprüft. So entstehen direkt keine großen Lücken.
Der Vorschlag, alle 2 Jahre Daten zu sammeln, erscheint mir da geradezu schlampig. Wie soll man diese Lücken denn wieder schließen können?
Ich verstehe echt nicht, warum nicht alle Schulen ein digitales System nutzen, um sofort zu erkennen, was verstanden wurde und was nicht – und wenn auch nur zwischendurch und bei Hsusaufgaben. So entlastet man LuL und lässt keine großen Lücken entstehen.
Ich möchte mal behaupten, dass jede Lehrkraft innerhalb von Minuten ohne KI erkennt, was verstanden wurde und was nicht, dafür sind wir umfassend ausgebildet! nur haben wir keine Kapazitäten für Förderung.
Der Unterschied zur Alemannenschule ist, dass dort viel mehr Möglichkeiten der Förderung bestehen, weil es eine Vorzeigeschule ist!
Das ist doch nur im Nachhinein eine Vorzeigeschule geworden. Das war keine Universitätsschule oder sonstiges. Da hat sich das Kollegium auf den Weg gemacht und Schritt für Schritt mit Hilfe von Sponsoren denUmbau gestemmt.
Und ich glaube nicht, dass LuL in einer 30er Klasse erkennen können, ob alle SuS alles verstanden haben. Dafür ist doch gar keine Zeit. Dazu müsste sie immer alle Aufgaben kontrollieren und das ist nicht leistbar.
Die ASW hat vor allem Zeit für Förderung, weil sie nicht mehr oder fast nicht mehr unterrichtet. So bleibt Zeit für Beziehung, Coachen und Fördern.
Ohne Dashboard mit bling bling und Evidenzlametta zählt es nicht!
Mindestens die Hälfte unserer Schüler würde bei der supertollen Alemannenschule “wegberaten” werden. Dieses System ist mittlerweile von mehreren, die dort gearbeitet haben, bestätigt worden. Erstaunlicherweise sind das genau die Schüler, wo man genau hinschauen muss. Haben Sie eigentlich Erfahrungen mit Problemschulen?
“Haben Sie eigentlich Erfahrungen mit Problemschulen?”
Nein, ich habe ja nie behauptet, dass diese für alle funktioniert. Ich wünschte nur, dass es mehr von ihnen gäbe, weil ich glaube, dass viele SuS davon profitieren würden. Wir selektieren doch eh, warum mal nicht nach anderen Kriterien; freie Lerner und instruierte Lerner.
Ich verstehe echt nicht, warum nicht alle Schulen ein digitales System nutzen, um sofort zu erkennen, was verstanden wurde und was nicht – und wenn auch nur zwischendurch und bei Hsusaufgaben. So entlastet man LuL und lässt keine großen Lücken entstehen.
Solche tollen Systeme gibt es auch bei uns. Man stellt Aufgaben-Sammlungen ein und die Schüler müssen ihre Antworten reinschreiben bzw. reinkopieren. Die Lehrkraft kann immer schauen, wer was wann hochgeladen hat.
Total tolle Idee, dann sitzen alle Kids vor den iPads und keiner redet mehr miteinander. Die Kollgen freue sich, dass sie keine Kopien mehr machen müssen bzw. die Dateien nicht mehr an unsere Schulassistenz schicken müssen.
Was passiert mit den digitalen Daten? – Gar nichts. Denn in welcher Zeit soll man regelmäßig Antworten von 28 Schülern pro Klasse lesen, beurteilen und ein feedback geben?
Da gehe ich doch lieber als Lehrer in Arbeitsphasen rum, schaue den Kids über die Schulter und setze mich ggf. dazu.
Wenn in einem Gelingensnachweise erkennbar ist, dass gewisse Teilbereiche nicht verstanden wurden, muss dieser Bereich weiter bearbeitet werden und wird erneut abgeprüft. So entstehen direkt keine großen Lücken.
Wann soll das eigentlich passieren? Wir haben zumindest in den Naturwissenschaften immer ziemliche Zeitnot. Wenn jemand bei einem Gelingensnachweis, altmodisch: einer Klassenarbeit, nur schlechte Kenntnisse zeigt, dann müssen wir dennoch mit dem Stoff weitermachen. Jetzt stellen wir uns ein paar schlecht organisierte Schüler vor, die das auch noch alleine nacharbeiten sollen, während die Anderen längst im Stoff weitermachen. Dann öffnet sich die Schere immer weiter und die Leistungsunterschiede werden immer größer.
Ich denke, wir haben unterschiedliche Ansprüche an ein Tool. Ich erwarte von einem Tool, dass die SuS darin arbeiten und wo dann das Tool direkt eine Auswertung rausschmeißt (als Entlastung der LuL). Mit Dateien hochladen, die dann die LuL doch selber bewerten muss, ist doch keinem geholfen.
Dadurch, dass bei SOL kein Unterricht stattfindet, hat man erstmal viel mehr Zeit, wodurch die Zeitnot etwas relativiert wird. Außerdem ist es doch der Vorteil, dass nicht alle gleichzeit fertig werden müssen. Dann bin ich in Mathe vielleicht schnell und hab dann mehr Zeit für die schwachen Fächer wie vielleicht Englisch. Wie oft sitzen SuS gelangweilt in dem einen Fach ihre Zeit ab, wo sie diese sinnvoller in einem anderen Fach gebraucht hätten.
Zu “dann geht die Schere” immer weiter auseinander – das ist doch erstmal völlig egal. Wichtig ist, dass man in seinem Tempo alles verstanden hat. Was kann passieren – man braucht vielleicht ein Jahr länger? Wenn man sitzen bleibt, hat man auch ein Jahr verloren und hat trotzdem noch viele Lücken, die nie aufgefüllt werden, weil die ja vielleicht schon im Jahr davor entstanden sind.Um sich darauf einlassen zu können, müssen sie den IST-Zustand vergessen und neu denken. Dann gibt es auch nicht so vieler ABER.
Und ja, wie alle hier immer sagen, dass schaffen die doch gar nicht selbstorganisiert….wenn man ihnen nix zutraut, werden sie auch nie was können. Mit langsamen Einstieg in die Selbstverantwortung, Nachhaken, Tipps geben, werden sie da hinein wachsen. Vielleicht nicht alle, so wie nicht alle Abitur machen, aber ich glaube, dass viele das könnten.
Nur mal ein Praxisbeispiel für diese “tools”:
Für Englisch wurde neulich genau so eines fachseminarlich empfohlen. Logo war ein gelber Fisch, soweit ok, ich bin ja pro bunte Fische.
Und ja, es gab selber Rückmeldungen raus.
Diese klangen auch (genau wie bei Chatty & Co.) sensiiiiiiiiibel und so wunderbar verschwurbelt, wie das heute sein soll.
Meine optischen Sensoren erstrahlten!
Das jetzt aufs Handy…Klassenarbeit…das Träumen wurde jäh unterbrochen:
1. Nach 100 Rückmeldungen (haha, guter Witz, das wäre bei mir keine ganze Schulwoche) wirds kostenpflichtig – über 100 Eurodollar/Monat. LOL, am A***** die Räuber!
Ausdruckbar ohne x Umwege? “Naaaaiiin! Wo denken user hin!”
2. Die OBJEKTIVE Qualität der Rückmeldungen sah aus, roch und kam daher wie….hmnnh….ChatGTP 4.0-Modell…*optische Sensoren verengen sich zu misstrauischen Schlitzen*
Gut, die ist mir ehrlich gesagt auch egal, wichtig ist ja nur, dass es GEFÄLLT und die Fühli-fühlis nicht beeinträchtigt werden durch sowas wie reale Aussagen a.k.a. “Lern endlich irreguläre Verben Du Faulpelz, Du bist in Klasse 10, das war Stoff der 5!”
3. Der Chatbot war so “klug”, das feedback so “Ey-ai!!!11”, das hervorragende SuS-Texte fette rote Warnfarbe erhielten, wenn es statt 150 Wörtern 155 waren…
Was geht auf diesem Markt also ab?
—>
1. Informatik studieren und/oder geschäftstüchtig sein
2. Holzfällerhemd kaufen und Haardut machen lassen, Apfel-Schlepptop erwerben
3. Seminarleiter-Sabines schöne Augen machen und vollquasseln vom “individuell-sensiblen feedback tool”
4. Zu sehr hohen Kosten ein GUI vor Chatty & Co. legen, sich das Umleiten der Daten fürstlich bezahlen lassen
5. Steuerkohle abgreifen
6. ????
7. Profit!
Was ich immer sage:
In der Überschrift steht immer, dass es jetzt 358837 tolle KI-Tools gäbe, die mir die Arbeit erleichtern.
Sobald ich eine Sekunde hinschaue, merke ich:
– unbezahlbar
– unbenutzbar
– setzt digitale Eingabe voraus
– setzt sehr lesbare Handschrift und standardisierte Aufgaben voraus
– setzt sehr viel Vorarbeit voraus
– läuft nicht auf unseren Billo-IPads
– setzt einen echten PC voraus (gut, dass wir die PC-Räume im Rahmen der Digitalisierung weitgehend abgeschafft und durch Tablets ersetzt haben)
– kann gar nicht das, was beworben wird
– ist doch wieder nur ein LMS mit ein paar drangeklatschten KI-Funktionen
Im Grunde ist das false advertising, zum Glück wird es als Pressemitteilung getarnt.
Genau das.
Die Liste bringt es auf den Punkt.
Wenigstens verdienen ein paar Findige daran.
Liebe Technokraten,
schulische Bildung basiert auf der Beziehung zwischen zwei Menschen: Lehrer und Lerner.
Bildung lässt sich nicht erzwingen.
Sie passiert, wenn es eine gute Beziehung zwischen Lehrern und ihren Schülern gibt.
Genau diese Beziehung macht ihr aber kaputt. Seit Jahren. Jahrzehnten.
Ihr steht quasi im Klassenraum, haut alle 5 Minuten mit der Faust auf den Tisch und schreit: Jetzt habt euch doch mal lieb, verdammte Scheiße!
Ihr seid das Problem.
Lehrer und Schüler sagen schon lange, was ihre Beziehung verbessern könnte: Kleine Klassen, weniger Stunden, mehr Zeit.
Eure Antwort: Große Klassen, mehr Stunden, weniger Zeit.
Um das zu erkennen, braucht man nicht mal ein Dashboard für 5657632498 Euro von der Agentur für Bildungssimulation.
Da würde der viel geschmähte “gesunde Menschenverstand” reichen.
Und der geht euch ganz offensichtlich komplett ab.
Menschliche Grüße von der menschlichen Basis
Wenn wir die Kinder anschauen würden anstatt nur Daten, wären wir weiter. Ceterum censeo KMK esse delendam.
Warten wir also die punischen Kriege ab.
Nur mittlerweile steht FRONTEX zwischen der nordafrikanischen und der südeuropäischen Küste.
Dazu muss man leider sein Büro verlassen und hinabsteigen in die Niederungen der Ebene. Unangenehm.
Dann doch lieber viel Geld für eine Ersatzrealität ausgeben, die man am ergonomischen Arbeitsplatz bequem konsumieren kann – Kontrollillusion inklusive. Zur Begründung irgendwas mit Evidenz blubbern, so hat der bildungsindustrielle Komplex das KM ja auch „überzeugt“ – halb zog es ihn, halb sank er hin.