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Kultusministerin macht Förderpläne für Haupt- und Realschüler verpflichtend

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HANNOVER. Mehr Zeit für Mathe und Deutsch in den Klassen 5 und 6 und zusammengelegte Fächer: Wie sich das Lernen an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen ändern soll – und warum es daran Kritik gibt.

“Echte Chance”: Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Foto: Simona Bednarek / Die Grünen

Mit einer Reihe von Änderungen will Niedersachsens Landesregierung den Schülerinnen und Schülern von Haupt-, Real- und Oberschulen eine bessere Förderung ermöglichen. Kultusministerin Julia Willie Hamburg stellte dazu einen neuen Grundsatzerlass vor, der zum kommenden Schuljahr in Kraft treten soll. Änderungen an den Plänen sind noch möglich.

«Jeder junge Mensch soll eine echte Chance auf einen erfolgreichen Schulabschluss haben», sagte die Grünen-Politikerin. «Unser Ziel ist es, Schulen so aufzustellen, dass sie Lernwege besser begleiten können – klar in den Anforderungen, aber flexibel in der Umsetzung.»

Das sind die wichtigsten Änderungen:

  • Offene Ausgangsstufe: Wer einen Haupt- oder Oberschulabschluss anstrebt, soll künftig die Möglichkeit haben, die Lerninhalte der 9. Klasse in zwei Jahren statt in einem durchzunehmen. Diese Option soll laut Ministerium nicht zuletzt Jugendlichen, die nach Deutschland geflüchtet sind, etwa aus der Ukraine, mehr Zeit verschaffen – ohne das Gefühl des Scheiterns wie beim Sitzenbleiben. Ob die Schulen dafür gesonderte Lerngruppen einrichten oder ein zweispuriges Lernen in vorhandenen Klassen umsetzen, können sie selbst entscheiden.
  • Fokus auf Deutsch und Mathe: In den Jahrgängen 5 und 6 sollen die Schulen mehr Zeit für die Fächer Deutsch und Mathematik als sogenannte Basiskompetenzen einplanen können. Da es aber für die Schülerinnen und Schüler bei 29 Wochenstunden an Unterricht bleibt, müssen andere Fächer dafür gekürzt werden – welche, entscheidet der Schulvorstand. In den höheren Jahrgängen sollen diese Fächer dafür dann stärker gewichtet werden. Die zusätzlichen Stunden in Deutsch und Mathe werden somit lediglich vorgezogen und die anderen Fächer später nachgeholt.
  • Zusammenlegung von Fächern: Biologie, Chemie und Physik sollen zum Fach Naturwissenschaften zusammengelegt werden können, ebenso wie Politik, Geschichte und Erdkunde zum Fach Gesellschaftslehre. Die Lerninhalte der einzelnen Fächer werden dabei nicht reduziert, die Schülerinnen und Schüler sollen aber besser an die Einzelfächer herangeführt werden. So könnten etwa Politikinhalte im Sinne der Demokratiebildung schon ab Jahrgang 5 statt 7 thematisiert werden.
  • Verpflichtende Förderpläne: Bislang sind individuelle Förderpläne, etwa zur Sprachförderung, für die Schülerinnen und Schüler nicht verpflichtend, sondern bedürfen einer Zustimmung der Eltern – diese sind dem Ministerium zufolge für die Schulen aber immer schwieriger zu erreichen. Zukünftig sollen die Förderpläne deshalb verpflichtend in den Wochenstundenplan eingebettet werden.

Ministerium: Keine geringeren Leistungsstandards – trotzdem Kritik vom Lehrerverband

«Es geht nicht darum, Leistungsstandards in irgendeiner Art und Weise zu schmälern oder zu reduzieren», betonte eine Sprecherin des Ministeriums. Vielmehr würden die Wege hin zu einem erfolgreichen Schulabschluss geweitet, da es heute mehr Schülerinnen und Schüler gebe, die die Basiskompetenzen nicht beherrschen, und auch die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss bundesweit steige.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) sieht die geplanten Reformen kritisch. Zwar sei das Ziel, die Basiskompetenzen und individuelle Förderung zu stärken, richtig. Es scheitere jedoch an der schulischen Realität, sagte der VNL-Vorsitzende Torsten Neumann: «Grundsätzlich ist die Stärkung von Basiskompetenzen und individueller Förderung richtig, scheitert jedoch in der aktuellen Ausgestaltung an der schulischen Realität. Zentrale Aufgaben werden auf die einzelne Schule verlagert – ohne zusätzliche personelle Ressourcen.»

Und weiter: «Was als Stärkung dargestellt wird, ist in Wahrheit eine Verlagerung von Verantwortung ohne die nötigen Mittel. Besonders deutlich wird dies bei der verpflichtenden individuellen Förderung. Zwar werden entsprechende Instrumente und Förderkonzepte vorgegeben, die Umsetzung bleibt jedoch vollständig bei den Schulen. Lehrkräfte müssen Lernstände diagnostizieren, Maßnahmen im Unterricht umsetzen und kontinuierlich begleiten – zusätzlich zum regulären Unterricht. Individuelle Förderung ist notwendig, aber ohne Zeit und Personal nicht umsetzbar.» News4teachers / mit Material der dpa

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