Start Leben Was ist überhaupt Bildung? Es wird Zeit für eine gesellschaftliche Debatte darüber,...

Was ist überhaupt Bildung? Es wird Zeit für eine gesellschaftliche Debatte darüber, was Kinder in der Schule künftig lernen sollen

66
Anzeige

DÜSSELDORF. Die Bildungsdebatte wirkt derzeit merkwürdig orientierungslos. Einerseits wächst die Sorge über immer schlechtere Leistungen von Schülerinnen und Schülern im Lesen, Schreiben oder Rechnen. Andererseits verändert künstliche Intelligenz gerade grundlegend den Umgang mit Wissen: Informationen sind jederzeit verfügbar, Texte lassen sich automatisiert erzeugen, Antworten liefert auf Knopfdruck die Maschine. Dabei scheint immer unklarer zu werden, was Bildung künftig überhaupt noch bedeuten soll. Wir brauchen dringend eine gesellschaftliche Debatte darüber – meint News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

“Fragen wir doch mal die KI”: News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek

„Wie gebildet sind Sie?“ Mit dieser Frage eröffnet die Zeit ihren aktuellen Schwerpunkt zur Bildungskrise („Bildung? Wozu?“). Leserinnen und Leser sollen sich durch 22 Wissenskategorien testen – Politik, Wirtschaft, Geschichte, Kunst, Naturwissenschaften, Popkultur. Eine der Fragen lautet: „Wen findet man im aktuellen Kabinett der Bundesregierung?“ Zur Auswahl stehen unter anderem „Karsten und Carsten“. Die richtige Antwort: Carsten Schneider (SPD) und Karsten Wildberger (CDU). Eine andere Frage lautet: „Welcher heutige EU-Mitgliedsstaat grenzte 1989 ausschließlich an Staaten, die es heute nicht mehr gibt?“ Antwort: Polen.

Natürlich kann man solche Fragen beantworten. Man kann sie auch unterhaltsam finden. Aber die Frage drängt sich trotzdem auf: Ist das Bildung? Ist Bildung das Wissen darüber, dass zwei Bundesminister ähnlich klingende Vornamen tragen? Oder die Erinnerung an historische Grenzkonstellationen Europas?

Mit dieser Irritation beginnt der Bildungsschwerpunkt der Zeit – vermutlich unbeabsichtigt. Denn hinter dem Quiz steht eine deutlich größere Frage: Was bedeutet Bildung eigentlich noch in einer Zeit, in der Wissen jederzeit digital verfügbar ist – und künstliche Intelligenz zunehmend Aufgaben übernimmt, die früher als intellektuelle Leistungen galten?

„Aus der Bildungskrise, die Schlagzeilen macht, erwächst längst still und leise eine zweite“

Die Zeit beschreibt die Lage so: „Es ist dramatisch: Viele Schülerinnen und Schüler verfehlen die Mindeststandards im Lesen, Rechnen, Verstehen, Zuhören“, heißt es im Schwerpunkt. Die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie und des IQB-Bildungstrends zeigten, dass die Leistungen „noch tiefer abgesackt sind als vor 25 Jahren, beim ,PISA-Schock‘“.

Noch schlimmer: „Aus der Bildungskrise, die Schlagzeilen macht, erwächst längst still und leise eine zweite“, so meint das Blatt. „Diese zweite Bildungskrise könnte in eine Zukunft führen, in der das Gebildetsein keinen Wert mehr hat. In der es salonfähig ist, Dinge nicht zu wissen (denn dafür gibt’s Google). In der nicht erwartet wird, eigene Gedanken zu formulieren (das übernimmt ChatGPT).“

Die renommierte Wochenzeitung beschreibt damit eine kulturelle Verunsicherung, die den Kern von Schule berührt. Die Frage lautet nicht mehr nur, warum Schülerinnen und Schüler schlechter lesen oder rechnen können. Sondern auch: Welche Rolle spielt Wissen überhaupt noch in einer digitalen Gesellschaft?

Die Bildungsjournalistin Anna-Lena Scholz beschreibt das in ihrem Beitrag als historischen Umbruch. „Heute herrscht Ratlosigkeit, und eine Ahnung: Die leichte Verfügbarkeit des Weltwissens und die Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz markieren einen Epochenbruch wie einst der Buchdruck: Ab jetzt wird alles anders. Vielleicht wohnen wir dem beginnenden Niedergang einer – unserer – Hochkultur bei. Und dem Beginn einer neuen.“

Gleichzeitig benennt Scholz ein Paradox. Deutschland sei formal so gebildet wie nie zuvor. Rund die Hälfte eines Jahrgangs mache Abitur. Fast 2,9 Millionen Menschen studieren. Die Akademikerquote bei den 25- bis 34 Jährigen liege bei fast 40 Prozent. „Deutschland hat im 20. Jahrhundert eine nie da gewesene Bildungsexpansion erlebt“, schreibt Scholz. „Mädchen, Gastarbeiternachkommen, Arbeiterkinder – ganze Generationen haben sich mit ihren Schul- und Hochschulabschlüssen die Bildungsleiter hinaufgelernt.“

Und doch bleibt die Unsicherheit. „Was hilft der Vergleich mit der Vergangenheit“, fragt Scholz, „wenn die Kinder der Gegenwart immer schlechter lesen, verstehen, schreiben, rechnen können? Während die künstlichen Intelligenzen zugleich immer schlauer werden.“

„Gebildet sein heißt heute: Kann ich in einer neuen Welt aufwachen und mich zurechtfinden?“

Auffällig ist allerdings, wie vage inzwischen die Vorstellungen von Bildung geworden sind. Was ist überhaupt Bildung? PISA-Koordinator Andreas Schleicher antwortet: „Früher stand vorgefertigtes Wissen im Zentrum von Bildung, drum herum gruppierten sich Werte, Fähigkeiten, Charaktereigenschaften. Heute ist es andersherum: Zentral ist, was wir als Menschen können.“ Schleicher warnt ausdrücklich vor einem festen Kanonwissen. „Gebildet sein heißt heute: Kann ich in einer neuen Welt aufwachen und mich zurechtfinden?“ Reicht das aus – Bildung als Anpassungsfähigkeit?

Auch die Antworten weiterer prominenter Persönlichkeiten, die die Zeit gesammelt hat, bleiben bemerkenswert nebulös. Eine gebildete Person „achtet bewusst auf ihre Umgebung und ihre Mitmenschen“, sagt die Schriftstellerin Olga Grjasnowa. Wer gebildet sei, könne „über sich selbst lachen“, meint Moderatorin Linda Zervakis. Der CDU-Politiker Philipp Amthor erklärt: „Bildung bedeutet auch die Fähigkeit, Nöte und Bedürfnisse der menschlichen Seele zu erkennen.“ Konkrete Inhalte spielen in vielen dieser Antworten kaum noch eine Rolle.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass die Frage aufgeworfen wurde, was genau zum Bildungskanon gehört (dass es einen solchen geben muss, schien völlig klar). Ende der 1990-er Jahre erschien der Bestseller „Bildung. Alles, was man wissen muß“ des Anglistik-Professors Dietrich Schwanitz. Das Buch verstand sich ausdrücklich als Versuch einer kulturellen Selbstvergewisserung in einer Zeit, in der auch damals bereits über Krise, Orientierungslosigkeit und den Zustand des Bildungssystems diskutiert wurde. Schwanitz schrieb, das deutsche Bildungssystem habe „Schiffbruch erlitten“ – offenbar eine immer wiederkehrende Erzählung, auch schon vor PISA –; notwendig sei eine „Neubesinnung“ darüber, was überhaupt noch zum Bildungskanon gehören solle.

Der Kanon, den Schwanitz auf immerhin rund 500 Seiten entwarf, war breit und ausdrücklich europäisch gedacht. Er reichte von Bibel und antiker Mythologie über europäische Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Musik bis hin zu Naturwissenschaften, Ideengeschichte und Geschlechterdebatten. Bildung bedeutete für Schwanitz nicht bloß Faktenwissen, sondern die Fähigkeit, sich in kulturellen Zusammenhängen orientieren zu können.

Gleichzeitig beschrieb er Bildung auch als gesellschaftliche Praxis: als Sprachfähigkeit, als Wissen darüber, wie kulturelle Kommunikation funktioniert, als Fähigkeit zur Selbstreflexion. Auffällig ist aus heutiger Sicht allerdings auch, wie stark dieses Bildungsverständnis noch von der Vorstellung eines gemeinsamen kulturellen Referenzrahmens ausging – also genau jener Idee eines Kanons, die heute zunehmend umstritten ist. MINT kommt dabei nur am Rande vor (was grotesk wirkt in einer Welt, die von Naturwissenschaft und Technik so stark geprägt ist wie unsere).

Heute, nur knapp 30 Jahre später, wird Schwanitz’ Kanon auf Medimops für 2,69 Euro verramscht.

„Bildung ist ein vielschichtiger Begriff und bedeutet mehr als nur Wissen anzusammeln“

Die Journalistin Scholz unternimmt nun in der Zeit einen eigenen mutigen Versuch, Bildung zu definieren – und einen Mindestkanon aufzustellen. „Man muss mindestens eine Fremdsprache beherrschen“, so listet sie auf. „Fremde Länder bereisen. Man muss Orte der Vergangenheit zu seiner Gegenwart machen: Kirchen, Denkmäler, Museen.“ Sie nennt europäische Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Literatur, Musik, Politik, Klimakrise und Weltwirtschaft. Weil? „Ein solches Gerüst, egal wie wacklig, braucht man aus einem Grund: Es versetzt einen in die Lage, Fragen zu formulieren.“

Das erscheint nun aber gar nicht so schwer. Fragen wir doch mal eben die KI, was Bildung bedeutet. ChatGPT antwortet: „Bildung ist ein vielschichtiger Begriff und bedeutet mehr als nur Wissen anzusammeln. Im Allgemeinen versteht man darunter den Prozess, in dem ein Mensch seine Fähigkeiten, sein Wissen, seine Persönlichkeit und sein Verständnis von sich selbst und der Welt entwickelt.“ Weiter heißt es: „Bildung hilft Menschen, aktiv und verantwortungsvoll am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ Und mit Verweis auf Wilhelm von Humboldt formuliert die KI: „Bildung bedeutet die ganzheitliche Entwicklung des Menschen – also nicht nur Fachwissen, sondern auch Charakter, Kreativität und kritisches Denken.“

Sieh mal an – keine doofe Antwort: Bildung ist demnach nichts Statisches. Nichts, was man einmal erwirbt und dann dauerhaft besitzt. Bildung ist ein Prozess. Vielleicht lässt es sich tatsächlich relativ einfach formulieren: Bildung ist die Bereitschaft, sich die Welt immer wieder neu zu erschließen.

Das klingt banal. Ist es aber nicht. Denn in einer digitalen Wissensgesellschaft verändern sich die Voraussetzungen dafür ständig. Lesen und Schreiben allein reichen längst nicht mehr aus. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien, mit den Informationsquellen der Welt, gehört inzwischen selbstverständlich dazu.

Gerade deshalb braucht die Gesellschaft möglicherweise eine neue Bildungsdebatte. Eine Debatte, die nicht darauf fokussiert ist, ob Schiller noch in die überquellenden Lehrpläne gehört oder die schriftliche Division in die Grundschule. Sondern die zunächst mal die grundlegende Frage klärt: Wofür sollen Kinder und Jugendliche eigentlich lernen? Was brauchen sie künftig, um sich neue Perspektiven – Bildung – überhaupt aneignen zu können? Erst wenn darüber mehr Klarheit herrscht, wird sich auch beantworten lassen, wohin sich Schule entwickeln soll. Im Moment allerdings dominiert vor allem ein anderer Eindruck: Die Gesellschaft ist sich sehr sicher, dass Bildung wichtig ist – aber immer unsicherer darüber, was sie darunter versteht. News4teachers

Hin zu einer “lernenden Organisation”: 17 Bildungsforscher legen ein umfassendes Bild von der Schule der Zukunft vor

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
66 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Stephan
1 Tag zuvor

Bildet Schule?
Sie formt die Kinder zu den Erwachsenen die unsere Gesellschaft braucht. Die Debatte richtet sich im Grunde nach der Frage aus: welche Erwachsenen brauchen wir in 5 bis 80 Jahren als neue Eltern/Arbeiter/Akademiker/Stimmvieh?
Früher war das klarer, strukturierter, heute ist alles im Fluss. Neue Technologien, Klimawandel, demografischer Wandel. Und diese Unsicherheit findet sich in den kompetenzorientierten Lehrplänen (die in Summe die schulische Bildung widerspiegeln) mit all ihren didaktischen Verirrungen und Wirrungen. Wer keine konkreten Ziele vorgibt, kann sie nicht verfehlen.
So fischt der extremistische Rand nach Stimmen und Zustimmung. Der normale Mensch braucht halt. Bildung gibt Halt.

Katze
1 Tag zuvor

Man fragt inzwischen ernsthaft eine KI, was Bildung sei – offenbar in der Hoffnung, dass wenigstens die KI noch weiß, wofür Schule einmal gedacht war. Sie antwortet dann, „mit Verweis auf Wilhelm von Humboldt, Bildung bedeute „die ganzheitliche Entwicklung des Menschen – also nicht nur Fachwissen, sondern auch Charakter, Kreativität und kritisches Denken.“
Ein Satz wie ein pädagogisches Duftspray: angenehm, wohlig, verdampft aber sofort.
Humboldt meinte mit „Aneignung der Welt“ nichts Schwebendes, sondern schlicht: Wissen. Genau das, was man heute am liebsten überspringt, weil die Leistungen in Lesen, Schreiben und Rechnen seit Jahren im Sinkflug sind. Also verlegt man Bildung in die Sphäre des Unmessbaren – „Seele“, „Ganzheitlichkeit“, „Kreativität“. Alles wunderbar, weil niemand je nachprüfen kann, ob davon irgendetwas tatsächlich stattfindet. Auch Philipp Amthor erklärt, Bildung sei vor allem die Fähigkeit, „Nöte und Bedürfnisse der menschlichen Seele zu erkennen“. Ein Paradebeispiel für Laber‑Rhabarber: Sobald es um Inhalte geht, wechselt man elegant ins Metaphysische.
Und leider rangiert Wissen im neuen Normal oft nur noch in der Kategorie „nice to have“. Ein Add‑on. Ein Bonuslevel. Wenn noch Zeit ist. Wie sollen dann jedoch Kreativität und kritisches Denken als Bildungsideale funktionieren???

  • Kreativität kombiniert Wissen.
  • Kritisches Denken bewertet Wissen.
  • Wer kein Wissen hat, kann weder kombinieren noch bewerten.

Und genau an dieser Stelle stolpert die Bildungsdebatte zuverlässig über ihr eigenes Ei des Kolumbus: Die Lösung liegt offen vor ihr, aber man starrt lieber auf die Schale und diskutiert über deren „ganzheitliche Rundheit“. 

Maybe
21 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Man nehme:

– 1Tasse Monotonie
(Leieieistung)
– 2 Tassen Selbstmitleid
– bisherige Menge mal 3 von Forumszustimmung (MitInhaber selbiger vorhergehenden 3 Tassen)
– mindestens 1 Tasse Ichweißalles auch wenn nicht
– 2 Tassen Unzugänglichkeit/ Sturheit für Vorschläge aus dem Forum
– 2 Tassen unglaubliche Ignoranz bei Einwürfen anderer – ausgenommen Flugobjekte ohne Eigensteuerung
– 3 Tassen hervorstechende, wenn auch oft rhetorisch polemische Artikulationsfähigkeit
– 10 Tassen Geschick, Lehrerleidenswege zu erkennen/ bestätigen/ nutzen
– mische das ohne abgebrochene Krallen zu entfernen
– stelle es Stunden, Tage , Monate beiseite
– der Brei wird der gleiche bleiben –

Humboldt war weiter.

Sorry @ Forum, sucht man hier die Möglichkeit, konstruktiv in Diskussion unser aller Situation zu verbessern
oder soll es zum vorherrschenden Ziel werden, n4t als Frustventil
(ab und zu ganz ok – mit Streicheleinheiten durch @ Redaktion noch besser 🙂 werden
und auch stage für IchhabRecht und Deshalb- funktioniert- Schule- nicht ; der Olymp macht das doch schon 🙂
Ich, als echter Dino, gehe bestimmt nicht mit vielem, was in Schule und Bildung läuft, konform, habe aber unverbittert überlebt, weil ein Humboldtsches Axiom, die (konstruktive) Auseinandersetzung mit einer sich wandelnden Umwelt
MMn wichtig und grundlegend ist.

Sry at dear cat – von der Schreibe her schreiben Sie wunderschön.

laromir
21 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Jedoch ist nicht anzustreiten, dass es vor langer Zeit noch Mode war, sich tatsächlich möglichst ganzheitlich zu bilden. Körper und Geist, sprachlich und naturwissenschaftlich. Möglichst breit gefächertes Wissen hatte einen Wert.

Mika BB
17 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

„Körper und Geist – ist schon mehr als “breit gefächertes Wissen” (das hat Google auch).“

Nee, ne Suchmaschine hat genausowenig „Wissen“ wie eine KI.

potschemutschka
17 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

… aber die hat keinen Körper. 🙂

dickebank
17 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

Körper und Geist – darüber unterhalte ich mich lieber mit einem Winzer/einer Winzerin meines Vertrauens.

Faktensammler
16 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

Ganz genau!
KI = S p r a c hmodelle, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.
Und wenn (nicht nur) Schüler sie dann stumpf als Suchmaschine benutzen, damit inhaltlich unzureichende Texte produzieren und diese (inkl. allen Halbwissens) schlimmstenfalls auch noch wieder ins Netz stellen, dann trainieren sie die KI damit – und sie wird (für den Laien gesprochen) “immer doofer”.

Philanthrop
15 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

Wenn es um gespeicherte Inhalte geht, hat eine KI mehr Wissen als ein Mensch haben kann. Wissen ohne Bildung und Kompetenzen ist jedoch weitgehend nutzlos. Aber das verstehen einige Apologeten wie The Cat nicht, die Vermittlung von Haltung und Kompetenzen ablehnen und meinen, Unterricht solle nahezu nur aus Vermittlung von Fachinhalten bestehen. Alles andere käme dann von selbst.

laromir
5 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

Und ich würde Wissen auch nicht mit Geist gleich setzen.
Und ich sehe Probleme darin, dass wir uns bei dem “Google” wissen sehr auf die Maschinen verlassen.
Was passiert, wenn die Maschinen ausfallen, wenn sie gehackt werden, wenn man ein Problem hat und gerade keinen Empfang? Oder, oder, oder…
Wir häufen Wissen irgendwo digital an und verlieren dabei selbst immer mehr Wissen. Und viele verlieren dabei auch die Fähigkeit, zu kombinieren und Lösungen zu finden. Sie lernen höchstens.dur kurze Zeit auswendig und eigenen sich das Wissen aber nicht wirklich an.
Und ja, das ist schon ein Problem. Und die Idee, dass man Wissen nicht mehr braucht, weil bei Google alles steht greift zu kurz
Davor gab es Bibliotheken und trotzdem hat keiner gesagt, da gibt es tausende von Bücher und deshalb lerne ich nicht mehr, ich kann ja nachschlagen gehen. Wissen nützt auch nu etwas, wenn ich es woanders anknüpfen kann. Egal, ob dazu was lese, im TV sehe oder einen Podcast höre. Fehlt mir die Verbindung wird es schwierig. Und je weniger Vorwissen in meinem Kopf, desto weniger Anknüpfen von neuen Informationen ist möglich. Im übrigen entwickelt man ja auch keine Interessen, wenn es nur um zusammenhanglose Infos geht.
Aber wahrscheinlich kommt jetzt der Einwand, dass man in der Schule eh nur zusammenhanglose Infos bekomme.

MerleMelzer
1 Tag zuvor

“.. Im Moment allerdings dominiert vor allem ein anderer Eindruck: Die Gesellschaft ist sich sehr sicher, dass Bildung wichtig ist – aber immer unsicherer darüber, was sie darunter versteht. “

Deutschland kommt aus seiner PISA- Endlosschleife nicht raus, dass ist wie ein Sprung in der Platte, eine nie verwundene Kränkung. Und jetzt kommt auch noch KI daher und schlimme Algorithmen, und machen Kinder dümmer und Goethe kaputt.

Ich glaube die Unsicherheit liegt zum guten Teil darin, dass Bildung ungleich ökonomischer Verwertbarkeit ist. Wenn Politiker betonen wie wichtig Bildung doch sei, meinen sie eigentlich wie wichtig künftige Steuereinnahmen sind, dürfen das aber nicht so direkt sagen, weil Land der Dichter und Denker und so. Die unbehagliche Dissonanz wird immer größer, formal mögen viele gebildet sein, doch die Produktion wird ins Ausland verlagert.
Und so wird ein Museumszustand konserviert, Goethe ist der Größte und PISA-Ergebnisse sind das wichtigste, weil es geschreiben steht und immer so geschrieben stand.

447
20 Stunden zuvor
Antwortet  MerleMelzer

Randbeobachtung:

Eine mittlerweile typisch deutsch gewordene Unart ist es, moralisch aufgeladene Gefühle und/oder “Mehrheitsmeinungen” (=was man so sagt/zu glauben hat) mit “Bildung” oder (noch schlimmer) “Wissen” zu verwechseln.

447
4 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Unter “rääääächtz!” machen wir es nicht mehr, gelle? 😀

Hat zwar (noch nicht mal im Entferntesten, noch nicht mal irgendeiner Art und Weise) was mit dem Beitrag zu tun…aber schön, dass wir es mal wieder gehört haben.

Kleine Gedankenübung: Was haben die strukturell völlig identisch-dummen Aussagen:

A) “Wenn wir alleallealle Leute die es gibt in eine Schulform tun, den ganzen Tag bis 18:00 da lassen und die den ganzen Tag ganzheitliche Rundgefühle haben, steigt die Bildung und alles wird super!”

und

B)”Wenn wir absolut nur identische Leute auf 547 Schularten verteilen und alle ganz dolle mega-gleich sein müssen und die den ganzen Tag Wörtbuchdefinitionen von Wissen auswendig lernen lassen sowie um 10:30 aus der Schule werfen, dann bricht das Bildungsparadies herein!”

gemeinsam?

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

Gutes Thema, Danke dafür, aber mit Blick auf das Forum zu hoch angesetzt!

WESSEN Auftrag ist die Bildung, scheint bei manchen freudig herumgeschoben zu werden, während die eigene Belastung über die Ansprüche von Kindern gestellt wird, während bei den Familien anderes Maß angelegt wird…

Kinder, welche die kognitiven Ressourcen fürs Gymnasium erfüllen, werden bei entsprechenden Voraussetzungen bei Sprachbarriere, (finanzieller) Unterstützung durchs Elternhaus oder emotional-sozialen Kompetenzen aus historischer Gewohnheit aussortiert und unterhalb ihrer Möglichkeiten beschult.

WAS Bildung ist, spielt hier rein, aber – soweit ich das Forum lese – fühlen sich nicht alle überhaupt dazu berufen, Bildung zu ermöglichen, sofern die Kinder nicht zu ihrer Schule/ Wunschvorstellung “passen”.
Früher peinlich und auf “gute Lehrkräfte” angewiesen, heute wirtschaftlich nicht mehr zu dulden!

“Bildung ist demnach nichts Statisches. Nichts, was man einmal erwirbt und dann dauerhaft besitzt. Bildung ist ein Prozess.”
Volle Zustimmung, aber was, wenn ein Kind abgeschrieben und nach Unten gereicht wird weil die Eltern “faul” sind oder es nich der Wunschvorstellung von vor 40 Jahren entspricht? (augenroll)

ed840
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

 “und unterhalb ihrer Möglichkeiten beschult.

Warum zweifeln Sie hier ständig an, dass Kinder an Gemeinschaftsschulen bestmöglich individuell gefördert werden und dort ihr maximales Lern- und Leistungspotential ausschöpfen können. 

Rainer Zufall
23 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Ich sprach nicht von Gemeinschaftsschulen.

Richtete mich mehr gegen Menschen, welche es von der “Eigenverantwortung” von Familien, welcher dieser nicht gerecht werden (können/ wollen), abhängig machen wollen, ob ein Kind seinen Möglichkeiten entsprechend gefördert wird.

ed840
23 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wovon sprachen Sie dann?

In einem anderen thread haben Sie ja geschrieben, dass auch Sie gegen die Bildungsbiografie der Kinder handeln würden. Meinten Sie das?

DerechteNorden
23 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Fragt sich aber immer, wie man folgendes Dilemma löst, das unsere Gesellschaft prägt: Einerseits soll die Gesellschaft die Kinder mit dem fehlenden familiären Support auffangen, andererseits ist nicht klar, was eigentlich Bildung ist und das vor dem Hintergrund, dass man niemandem etwas vorschreiben sollte.

Das kann doch nur schief gehen.

Palim
22 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Die Gesellschaft muss sich des fehlenden familiären Supports bewusst sein und diesen auffangen, um den Kindern bessere Chancen zu ermöglichen.
Nur dadurch kann man die Dauerschleife unterbrechen und Kinder, die später wieder Kinder haben werden, so viel Bildung vermitteln, dass sie diese später weitergeben können.
Dazu gehört dann eben nicht allein das Wissen, sondern auch die Skills, die andere innerhalb der Familie vermittelt bekommen. Und dafür muss die Gesellschaft in der Schule Zeit, Raum und Personal bereitstellen.

Das bedeutet nicht, dass andere deshalb schneller oder langsamer lernen, es muss insgesamt vielfältiger sein und die Übergänge fließend, da vordergründig benachteiligte Kinder aufschließen können und vordergründig begünstigte manchmal mehr Hürden meistern müssen, als gedacht.

447
20 Stunden zuvor
Antwortet  Palim

Das geht nicht.

Denn dazu müsste man (politisch legitimiert) Macht in die Familie hinein projezieren.

GG / BVG sagt “nö”.
Aus der Traum.

Palim
20 Stunden zuvor
Antwortet  447

Woraus lesen Sie denn, dass man Macht in die Familie setzen müsste?

DerechteNorden
18 Stunden zuvor
Antwortet  Palim

Der Staat müsste mehr eingreifen dürfen, anstatt Eltern einfach machen zu lassen.
Wenn ich mir vor Augen führe, wie oft Eltern benachteiligter Kinder nicht kooperieren und ihrem Nachwuchs damit schaden, dann müsste doch mehr Eingreifen möglich sein.

Palim
13 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Hatte ich ja schon geschrieben:
Die Gesellschaft muss sich des fehlenden familiären Supports bewusst sein und diesen auffangen, um den Kindern bessere Chancen zu ermöglichen.
Nur dadurch kann man die Dauerschleife unterbrechen und Kinder, die später wieder Kinder haben werden, so viel Bildung vermitteln, dass sie diese später weitergeben können.
Dazu gehört dann eben nicht allein das Wissen, sondern auch die Skills, die andere innerhalb der Familie vermittelt bekommen. Und dafür muss die Gesellschaft in der Schule Zeit, Raum und Personal bereitstellen.“

Dann muss Schule und Ganztag entsprechend ausgestattet sein und es braucht zusätzliches Personal für zusätzliche Aufgaben.

Aber wir jammern lieber, schieben die Schuld auf die Benachteiligten oder gar die Kinder, sparen im Bildungsbereich …
… und sehen seit vielen Jahren dabei zu, dass Kinder nicht unterstützt werden können. Als Eltern wissen sie es dann selbst nicht, wie sie ihre Kinder unterstützen könnten.

DerechteNorden
1 Stunde zuvor
Antwortet  Palim

Nein, Sie und ich jammern nicht oder schieben die Schuld auf die Benachteiligten.
Aber ich denke, dass Schule nur Defizite, die durch das soziale Umfeld entstanden sind, ausgleichen kann, wenn der Staat mehr eingreifen könnte, als er es jetzt tut.
Wir hatten vor einigen Wochen ein Fortbildung zur Kindeswohlgefährdung. Man kann nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen, wenn man weiß, wie schlecht Kinder in Deutschland geschützt werden. Wenn nur ein*e Richter*in irgendwann einmal darüber entscheiden darf, dass ein Kind wirklich stark gefährdet ist, man aber weiß, wie überlastet Gerichte sind, dann versteht man inzwischen sehr gut, warum Kinder in Familien zu Tode kommen, obwohl die Schule oder Kita schon lange Alarm geschlagen hatten.
Wen in solchen Fällen kaum etwas passiert, weil es per Gesetz quasi kaum möglich ist, dann kann man sich an den Fingern einer Hand ausrechnen, wie wenig die Schule tatsächlich ausrichten kann.

447
3 Stunden zuvor
Antwortet  Palim

Das “lese” ich nicht, sondern wusste es schon vorher und dieses Wissen bestätigt sich an meiner aktuellen Schule ganz drastisch.

Nein, keine Traumschule, aber eine wo SL und Schulsozialarbeit plus Kollegium den Unfug der “Schülerorientierung” vom Kopf auf die Füsse gestellt haben.
Sprich:
1) Gegen AusrasterInnen und Co. wird durchgegriffen, Chaos und Aufmuckerei wird nicht toleriert, auch nicht von Eltern.
2) Wir machen in der Regel das, was für die SuS das RICHTIGE ist und NICHT, was sich “gut anfühlt”. Denn was sich (kurzfristig) gut anfühlt ist meistens genau das falsche Zeug.

Ergebnis: Trotz schlechtem Sozialindex und den üblichen 50% oder so NDH-Anteil an GS (hab es nie nachgeschaut) werden die Ergebnisse jährlich leicht besser, konsistent – und vor allem kann man in Ruhe seine Arbeit machen.

Selbst den kommenden Vollunfug Richtung “offene Lernlandschaft” werden wir daher recht gut überstehen.
Weil “unter der Haube” klar ist, dass es verbindliche Regeln gibt und die auch durchgesetzt werden.

Genau so müsste man es bundesweit und definitiv auch und gerade in Familien hinein machen, die GANZ OFFENSICHTLICH ihre Kinder schädigen, verwahrlosen lassen, zur Schulabstinenz anstiften usw. Und ja, natürlich gegen deren Willen, was denn sonst?
Würden diese Leute zuhören und Ratschläge befolgen können – wären sie (und ihre Kinder) ja garnicht erst die Problemfälle geworden, die sie sind.

Was aber (wie oben bereits gesagt) völlig unmöglich ist. Da mache ich mir auch garkeine Illusionen.

Maybe
2 Stunden zuvor
Antwortet  447

Warum reden Sie nicht öfters Klartext – kommt gut.
🙂 Wir arbeiten in “1” und “2” ähnlich und unsere älteren SuS (ab 16 bis 50) sind einverstanden, teils dankbar für die ruhigere, angenehme Lernatmosphäre.
Blödeln tun wir aber auch – muss sein.
UND: manche Klassen schaffen es ‘Störendes’ selbständig zu regeln – mMn ein Zeichen für besondere Bildung.

Maybe
1 Stunde zuvor
Antwortet  Maybe

Ohje, bayerischer Fatalfehler
Verbesserung: ” Wir blödeln aber auch “

Alese20
1 Stunde zuvor
Antwortet  447

Ein klares Regelwerk ist in jeder Schule unabhängig vom Schulkonzept geboten und ich denke nicht, dass Ihnen da jemand widersprechen würde. Für die Alemannenschule Wutöschingen hab ich folgendes gefunden: https://editor.mnweg.org/alemannenschule-wutoschingen/sammlung/allgemeine-lernhausordnung.pdf?t=3211

447
20 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

…und wird es auch.

🙁

vhh
23 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Bestmöglich ist nicht identisch mit optimal, damit ist auch nicht das Ausschöpfen des maximalen Lern- und Leistungspotential gesichert.
Dieses ‘bestmöglich’ wird nicht mehr, sondern weniger, jedes Jahr, weil die Aufgaben mehr werden, die Heterogenität zunimmt und das alles bei gleichbleibender Personal- und Ressourcenversorgung zu bewältigen ist. Wo liegt der Sinn, vorhandene Probleme zu negieren, nur weil @Rainer eine entsprechende Gegenposition vertritt? Ich stimme auch oft nicht mit ihm überein, schon überhaupt nicht mit der These, Elternhaus u.ä. würden über ‘Abschulung’ entscheiden (meistens kenne ich dieses Elternhaus kaum), außerdem ging es da um Gymnasien! Gesamt- und Gemeinschaftsschulen in der bestehenden Form haben jede Menge kritische Betrachtung nötig und mit bestmöglicher Förderung aller Kinder leider wenig zu tun.

ed840
23 Stunden zuvor
Antwortet  vhh

Bestmöglich ist nicht identisch mit optimal,

Wenn Sie einen andere Meinung vertreten wollen als der Duden und andere Wörterbücher, kann ich das natürlich tolerieren.

vhh
20 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Mein Sprachgefühl: bestmöglich=im Rahmen dessen, was unter den Voraussetzungen möglich ist, optimal=absolut beste Lösung, aber bitte, das ist die kleinere Frage.
Irgendetwas Substantielles zum Rest? Sind sie wirklich ernsthaft der Meinung, die bestehenden Gemeinschaftsschulen seien die Lösung? Oder sind das nur die ideologischen Scheuklappen? Kinder mit Gymnasialempfehlung können so nicht die beste Förderung bekommen. In meinen Klassen kann ich mich nur minimal um sie kümmern, sprachliche, soziale und Förderfragen fressen die meiste Zeit. Abgesehen davon, dass eine Lernatmosphäre selten aufkommt (nein, nicht nur bei mir, bitte beliebige KuK fragen) und auch sie irgendwann durch Unterforderung demotiviert sind. ist das sicherlich keine ‘gute’ Förderung.
Den anderen geht es nicht viel besser: wenn nur die Hälfte der Zeit da ist, die man bräuchte, wirkt das wie keine Förderung. Probleme nicht geklärt, trotzdem weiter – aha, ich bin ja sowieso egal.

ed840
20 Stunden zuvor
Antwortet  vhh

Sind sie wirklich ernsthaft der Meinung, die bestehenden Gemeinschaftsschulen seien die Lösung?

Wenn man liest was Bildungswissenschaftler , Politiker, Gewerkschaften etc. dazu schreiben, müsste man mit “Ja” antworten.

Wenn ich hier die Kommentare von Leuten lese, die angeben an GEM zu unterrichten, dann müsste die Antwort “Nein” lauten.

DerechteNorden
16 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Das Problem ist, dass die meisten bestehenden GemS weder gut organisiert noch gut genug ausgestattet sind.
Ich habe viel zu kritisieren, denke aber, dass GemS gut funktionieren wprden, wenn die Ministerien sie nicht als Sparmaßnahme (“alle – also auch alle I-Kids – werden immer gemeinsam von meistens nur einer Lehrkraft unterrichtet) betrachten würden.
In SH hat die CDU seit 2017 das BiMi inne. Die hat das enorme Sparpotenzial erkannt.

Maybe
23 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

“Gutes Thema, Danke dafür, aber mit Blick auf das Forum zu hoch angesetzt!”

Wow – in welchen Sphären bewegen Sie sich – bitte lassen Sie das Forum einmal! an Ihrem Überhabensein teilhaben, –
wenn Sie nicht gerade die zahlreichen Knochenbrüche pflegen, die durch Ihr Zu-HochWollen/stapeln entstehen.

🙂 ich erinnere eigentlich nur 2 Foristen, dies noch besser drauf hatten als Sie

Mariechen
22 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

,.. mit Blick auf das Forum zu hoch angesetzt!‘… unfassbar und an Arroganz nicht zu übertreffen. Ihre Kommentare sind peinlich. Sie haben null
Ahnung was Lehrkräfte tagtäglich leisten.

Philanthrop
15 Stunden zuvor
Antwortet  Mariechen

Peinlich sind Kommentare, die sich in verabsolutierenden Behauptungen ergehen (“nicht zu übertreffen”, “null Ahnung”). Ich hoffe daher, dass Sie keine Lehrkraft sind, denn von akademisch Gebildeten erwarte ich deutlich mehr Differenziertheit und Offenheit anderen Meinungen gegenüber.

Peipei
1 Tag zuvor

Solche Grundsatzdiskussionen verwundern mich immer wieder.
Em Ende ist es doch so: in der Schule wird Allgemeinbildung und Erwachsenwerden (iS von Vermittlung von Werten und Moral) unterrichtet, daneben idealerweise noch fachbezogenes Interesse geweckt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die gesamte Kompetenz- und Bildungsdebatte hingegen will verwertbare Menschen erzeugen. Und seitdem krankt das Bildungssystem. Kein Wunder, denn Neugier und kritisches Denken ,,lernt‘‘ nicht, man erfährt es und wächst daran. Schüler erschließen sich die Welt und ihre Sichtweise auf diese so Schritt für Schritt selbst. Das ist dann Bildung.

Faktensammler
22 Stunden zuvor
Antwortet  Peipei

Peipei schrieb: “Die gesamte Kompetenz- und Bildungsdebatte hingegen will verwertbare Menschen erzeugen. Und seitdem krankt das Bildungssystem.”
Perfekt auf den Punkt gebracht. Danke!

Philanthrop
15 Stunden zuvor
Antwortet  Peipei

Vielen Dank, denn das ist der Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung, den viel zu viele nicht sehen (wollen).

Eachoneteachone
1 Tag zuvor

Diese Debatte ist immer wünschenswert, man darf aber nicht glauben, dass es eine definitive Antwort geben kann.

Diesen Denkfehler begehen z. B. viele: zu glauben, man könne pauschal vorhersagen, wofür die Kids welche Dinge mal werden brauchen können. Bloß um daraus dann abzuleiten, dass man nur das dann lernen solle. Gerne in der Variante, die behauptet, neue Technologie würde irgendetwas mit langer Tradition “obsolet” machen.

Dabei kann niemand vorhersagen, wie jemand anderes von der Auseinandersetzung mit einer Sache berührt oder verändert wird, eine Leidenschaft oder Neugier entwickelt.

Im Text steht es ja richtig, dass Bildung ein individueller Prozess ist, den jeder Mensch subjektiv erlebt oder angeht. Was Schule machen kann, ist besagte Auseinandersetzungen bereitzustellen, in einem bestimmten Kanon an Fächern.

Die Erwachsenen sollten ihre Unsicherheit überwinden und auf Basis ihres Horizonts, einem Kanon an Fächern und Themen, den Kids die Welt erklären, wie sie sie selbst erlebt und gemacht haben. Und darauf vertrauen, dass von diesem Fixpunkt ausgehend die Jungen, wenn sie dann die Erwachsenen sind, schon genug Ideen entwickeln werden, um aus all dem dann “ihre” Welt zu machen.

Das wäre das Übernehmen von Verantwortung und damit das Gegenteil davon, durch immer neue Versuche und “Antworten” der Jugend gegenüber andauernd auszustrahlen, man wisse selbst auch nicht mehr weiter und wünsche vom Seitenrand zuschauend aber viel Erfolg beim selbstorientierten Aufwachsen.

Innovationsagent
1 Tag zuvor

“Die Gesellschaft ist sich sehr sicher, dass Bildung wichtig ist – aber immer unsicherer darüber, was sie darunter versteht.”

Und all diejenigen, die immer eine “Transformation” fordern, die “Schule neu denken” wollen und auf jeden Fall Schule “zu einem modernen Schulsystem verändern” wollen, wissen eben auch nicht, WAS sie genau wollen, WIE sie das wollen in WELCHE Richtung sie verändern wollen, oder sie wollen es nicht sagen. Was heißt schon “modern” ? Diejenigen, die von Visionen oder Missionen reden, lassen gern im Nebel, WELCHE Visionen bzw. Missionen sie meinen, und diejenigen, die gern von “den Akteuren” sprechen, lassen offen, WELCHE Akteure letztlich das Sagen haben sollen, wenn es eben KEINE Einigkeit in wichtigen Fragen gibt.

Auch die Digitalisierung wird ja nur zu immer mehr Computereinsatz führen, aber nicht zu einer Klärung, was man unter Bildung verstehen soll. Die Computer selbst werden das auf absehbare Zeit auch nicht sagen können. Und die Unternehmen der Bildungsindustrie können auch nichts beitragen, sie verfolgen finanzielle Ziele, und ihre “Project Manager” wissen auch nicht, welche Bildung angestrebt werden sollte, sie managen halt nur ihr Projekt. Niemand überblickt mehr das große Ganze, dazu fehlt überall die nötige umfassende Kenntnis der Literatur zum Thema “Bildung”. Kenntnisreiche Philosophen wie Julian Nida-Rümelin könnten hier vielleicht helfen. Oder man lässt mehrere Bildungskonzepte konkurrierend zu (statt Einheitsbildung für alle), was ja auch mal die Idee hinter dem gegliederten Schulsystem mit den zahlreichen Sonderformen (auch Reformpädagogik, auch spezielle Profile) war.

In einer demokratischen (aber heterogenen) Gesellschaft kann es dazu auch keine Einigkeit geben. Sätze wie “WIR gestalten gemeinsam die Zukunft” sind Unsinn, wenn es einander entgegengesetzte Perspektiven gibt, wenn politische Parteien gegeneinander arbeiten, verschiedene Verbände ebenso, wenn die einen den Leistungsdruck beklagen und die anderen gleichzeitig den Verfall von Leistungsanforderungen. Wenn die einen eine “elitäre Standesschule” beklagen und die anderen gleichzeitig die Gleichmacherei durch Senken der Anforderungen, wenn die einen den (empirisch erfolgreichen) Frontalunterricht beklagen und die anderen die enormen Schwierigkeiten für Schüler, das Postulat des selbstorganisierten Lernens erfolgreich umzusetzen. Wenn so ziemlich alles, was für die einen gut ist, für andere schlecht ist.

Maybe
1 Tag zuvor

“Sieh mal an – keine doofe Antwort: Bildung ist demnach nichts Statisches. Nichts, was man einmal erwirbt und dann dauerhaft besitzt. Bildung ist ein Prozess. Vielleicht lässt es sich tatsächlich relativ einfach formulieren: Bildung ist die Bereitschaft, sich die Welt immer wieder neu zu erschließen”

Passt, lebenslang.
Nur dazu brauche ich Grundbildung in allen Bereichen, Handwerkszeug, Unterstützung….
Spesen, Schreiben, Rechnen – wobei, warum Lesen, kann ich mir ja vorlesen lassen? – ne, zwecks Phantasie, Vorstellungskraft und Auszeit/ Erholung.
Wie und wofür kann ich diese Fertigkeiten verwenden, mein Erfahrungsspektrum erweitern, fakes erkennen, zB das Werkzeug KI kontrolliert anwenden, wäre dann die 2te Stufe – und bitte auch die Bildung nicht vernachlässigen, die mir sagt, Leistung bringt MICH vorwärts, dazu muss ich aber nicht andere rausmobben “Herzens- und Charakterbildung” als durchgängiges
( Grund) prinzip.?
》„Gebildet sein heißt heute: Kann ich in einer neuen Welt aufwachen und mich zurechtfinden?“(Dieses Zurechfinden ist nicht einfach inf führt häufig zu Konflikten der Jugendlichen, mit sich selbst und auch anderen, zu verbaler und physischer Gewalt – auch hier muss “gebildet” werden (unsere Abteilung zieht dies gerade gnadenlos durch und siehe da, so manche Verhaltensanormalität “bildet” sich zurück)
Ich mag ihn sehr, diesen Satz:
》”Bildung bedeutet die ganzheitliche Entwicklung des Menschen – also nicht nur Fachwissen, sondern auch Charakter, Kreativität und kritisches Denken.“

Vielen Dank H. Priboschek, für Ihre grundlegend weiterführenden Gedanken.

Augenblickfang
1 Tag zuvor

Ich möchte es eigentlich mit meinem Studium vergleichen:

Ich hatte eine 2-jährige Grundausbildung, bei der wir den Stoff meiner zwei Fächer vertieft, aber systematisch durchgegangen sind, also alles, was später in der Schule drankommt mit mehr Tiefe und Hintergrundwissen. Es hieß immer und heute möchte ich es bestätigen, der Lehrer müsse mehr wissen als seine Schüler.

Danach hatte ich 3 Jahre alle möglichen Seminare zu allen möglichen Themen, auch solche, die ich nie in der Schule brauchte. Da war auch keine Systematik mehr erkennbar, da wählte man einfach aus, was einem interessant erschien (im Idealfall) oder wofür man noch Zeit hatte. Aber da ging es hauptsächlich darum, sich selber Wissen anzueignen und DAS brauchte ich dann später durchaus, weil ich dann Fächer unterrichtet, für die ich nicht ausgebildet worden war. Da musste ich mir alles selbst aneignen.

So sehe ich das für die Schule auch. Die Grundschule soll Basiswissen und Basisfertigkeiten vermitteln: Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch Grundwissen über unser Land, über Pflanzen und Tiere, über den Menschen und seinen Körper, aber auch sportliche, musische, künstlerische Aktivitäten… Am besten 6 Jahre lang wie in Brandenburg und Berlin.

Danach kann das Spezialwissen folgen, wo es eher darum geht, wie man sich Wissen aneignet, aufbereitet, präsentiert und das eigentliche Thema ist nur Mittel zum Zweck.

Hans Malz
1 Tag zuvor

Bevor diese Frage nicht geklärt ist und dann auf dem Tisch liegt, was Schulen überhaupt so leisten sollten, braucht mir auch keiner mit irgendwelchen Reformen zu kommen. Ich habe mal gelernt, dass man erst das große Ziel festlegt, bevor man an den Symptomen herumdoktert.

Und dann bitte ein strukturierter Umbau des Systems (mit Klärung der Ressourcenfrage) und nicht der Kurzeitmist, der derzeit von allen Seiten produziert wird.

Götz
1 Tag zuvor

Dass Dietrich Schwanitz’ Buch heute “verramscht” wird, sagt mehr als alle Gutachten zur Bildung. Natürlich wollen sich die wenigsten offen zur “Unbildung” bekennen, aber wenn es anstrengend und herausfordernd wird, siegt die Bequemlichkeit. Ob und wie sich diese Mentalität auswirken wird, kann allein die Zukunft zeigen.

ed840
1 Tag zuvor
Antwortet  Götz

Natürlich wollen sich die wenigsten offen zur “Unbildung” bekennen, “

Ist aber m.M. schon nahe dran, wenn Politiker*innen mit Abitur auf die Frage nach dem Gründungsjahr der BRD mit “1945 oder war es doch erst 1946?” antworten oder behaupten die soziale Marktwirtschaft wäre in den 1960ern von der SPD auf den Weg gebracht worden usw. usw.

Götz
1 Tag zuvor
Antwortet  ed840

Trotzdem würden sich auch diese wohl keineswegs als “ungebildet” betrachten wollen, eventuell sogar mit der Begründung, hier handle es sich um reine Reproduktion. Gerade auch die Diffamierung von Faktenwissen hat zur jetzigen Bildungsmisere geführt.

ed840
23 Stunden zuvor
Antwortet  Götz

Da würde ich nicht widersprechen.

Ich persönlich halte es da lieber mit dem Spruch eines klugen Mannes aus Jamaika:

in this great future, you can’t forget your past

Philanthrop
15 Stunden zuvor
Antwortet  Götz

Fachwissen ist eben nicht Bildung – und ein von einigen hier immer wieder gefordertes Primat der Fachinhalte wird die Bildungsmisere nicht beheben. Bildung ergibt sich nicht emergent, wenn man nur genügend Wissen in Köpfe presst.

Marion
1 Tag zuvor

“Lesen und Schreiben allein reichen längst nicht mehr aus. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien gehört inzwischen selbstverständlich dazu.”
Aber: Ohne Lesen und Schreiben – kein kompetenter Ungang mit digitalen Medien.

Ich kann da nur von meiner bescheidenen Warte als pädagogische Fachkraft für die Bildung und Erziehung Drei- bis Sechsjähriger drauf blicken. Hier sollten ja die Grundlagen gelegt werden, um Kinder zu befähigen am zukünftigen Schulbesuch mit Erfolg teilzunehmen.

Bisher habe ich das immer so verstanden, dass ich Kinder darin fördere, bestimmte Basisfertigkeiten zu entwickeln, die sie brauchen, um Lesen, Schreiben, Rechnen in der Grundschule lernen zu können. Dazu kommen natürlich noch soziale und motorische Fähigkeiten, die nötig sind, um den Schulalltag bewältigen zu können.

Ich glaube, trotz aller Veränderungen hin zu einer durchdigitalisierten Welt in der der Umgang mit KI immer selbstverständlicher wird, brauchen Kinder diese Grundlagen.
In der Grundschule wird dann auf diesen Grundlagen aufgebaut.
Die Kinder lernen Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten – ob nun besser einschließlich schriftlicher Division oder nicht, kann ich nicht beurteilen.

Erst danach sollte m.E. der (kritische) Umgang mit digitalen Medien und KI Einzug in die Schulen halten.
BEVOR Kinder sich Themen virtuell auf einem flachen Bildschirm erschließen, müssen sie Dinge BEGREIFEN.

Im Kindergarten habe ich mit meinen Vorschulkindern nahezu alle Themenbereiche sowohl auf der kognitiven als auch der sinnlich-greifbaren Ebene bearbeitet. In der sprachlichen Bildung z.B. was die Frage betrifft “was ist ein Satz?” Wenn ich sage, “sprich in ganzen Sätzen mit mir”, was meine ich damit? Ein Satz besteht aus mehreren einzelnen Wörtern. Als Beispiel: Beim Frühstück zu rufen “Apfelscholle”, ist kein Satz. “Ich habe Durst” ist ein Satz. Wir BAUEN Sätze – mit Bauklötzen. Jeder Klotz ist ein Wort. Zuerst bauen wir kurze, einfache Sätze, z.B. Ich – habe – Durst.
Wieviele Wörter hat dieser Satz? Wir könnten auch sagen “Kann ich bitte Apfelscholle haben?”. Wir bauen den Satz. Welcher Satz hat mehr Wörter? Dabei fließt gleich noch ein bißchen Mengenverständnis mit ein. Am lustigsten wurde es immer dann, wenn jedes Kind selbst ein Wort sein durfte. Bei acht/zehn/zwölf Vorschulkindern war es dann an mir, mir einen Satz mit eben acht, zehn oder zwölf Wörtern auszudenken. Die Kinder stellten sich auf ihren Stuhl und ich teilte reihum jedem ein Wort des Satzes zu. Bsp.: “Bei – schönem – Wetter – gehen – wir – heute – in – den -Garten.” Waren es mehr als neun Kinder kam halt noch dazu “zum – Spielen”. Bei weniger fiel das “heute” weg.
Jedes Kind merkt sich sein einzelnes Wort. Nun springt reihum nacheinander in Reihenfolge des Satzes immer ein Kind vom Stuhl und spricht dabei sein Wort.
Aus der Welt der Zahlen: Wir üben das Zahlen- und Mengenverständnis mit bunten Muggelsteinen. Wir lernen plus und minus. Plus heißt, ich hole mir Muggelsteine dazu, minus heißt, ich lege Muggelsteine weg.
Ich mal mit Kleber die Punkteanordnungen eines Würfels auf sechs kleine Pappkarten und bestreue sie mit Dekosand.
Genauso fertige ich Karten mit den Zahlen von eins bis sechs. Mit verbundenen Augen betasten wir die Punktetafeln und versuchen herauszufinden, wieviele Punkte sich darauf befinden.
Mit offenen Augen ordnen wir sie der entsprechenden Zahl zu.
Das Ganze dann auch mal umgekehrt – Zahl ertasten und den Punkten zuordnen.
Reimwörter – wir denken uns welche aus: Kognitive Erfassung.
Wir gehen in den Turnraum, rennen, gehen, schleichen, hüpfen….
Auf Zurauf eines Wortes, z.B. “Tanne” suchen wir die Ecke, in der ein Bild des richtigen Wortes hängt – z.B. die “Kanne”: Sinnlich-körperlich-greifbare Erfassung. Gleichzeitig haben wir ‘ne Turnstunde mit Schulung der mitorischen Entwicklung.
Da finden Verknüpfungen im Gehirn statt, die nicht stattfinden, wenn ich mir die Welt auf einem flachen Bildschirm erschließe.
Deshalb: Erst real – dann digital. Mein Motto. Und das bleibt es auch.

potschemutschka
21 Stunden zuvor
Antwortet  Marion

Danke, Marion, so sollte es überall in der vorschulischen Bildung sein, egal ob in der Kita oder zu Hause (idealerweise sowohl als auch).

Maybe
1 Stunde zuvor
Antwortet  potschemutschka

Tolles Fundament – nicht nur für Schule, fürs Leben, vielen Dank

potschemutschka
1 Stunde zuvor
Antwortet  Maybe

Der Dank gebührt Marion,sie hat gut meine Erfahrungen und Wünsche der vorschuliscjen Bildung und Erziehung in Worte gefasst.

Maybe
43 Minuten zuvor
Antwortet  potschemutschka

🙂 ja, war zu begeistert.
Nehmen Sie trotzdem ein bisschen davon für Ihr Engagement hier und! fürs Ehrenamt.

Marion
15 Stunden zuvor
Antwortet  Marion

Man vergebe mir den ein oder anderen Tippfehler. War in Eile.

Innovationsagent
22 Stunden zuvor

Herr Thümler schreibt in seinem Booster-Text zur Innovation von Schule:
“Der Blick auf hochinnovative Bereiche wie etwa die Informationstechnologie oder Elektromobilität legt eine weitaus optimistischere Sichtweise nahe. Die eingangs genannten Beispiele zeigen, dass Innovationsprozesse mit einem Motor zu vergleichen sind.” 
Für technische Fortschritte ist das wohl richtig, aber es wird übersehen, dass der Mensch eben keine Maschine ist und Bildung kein Industrieprodukt, das man mit den Methoden der Technologienentwicklung verbessern kann. Man kann den Menschen nicht “innovativ” umändern und neuen Maschinen anpassen. Da wurde auch schon gesagt: “Kein Mensch ist digital”. Aber gelegentlich habe ich den Eindruck, dass die “Kultur der Digitalität” genau dies unterstellt. Lesen, Schreiben, Rechnen in der Grundschule geht gewiss auch ohne Computer. Das war in der Vor-Computer-Zeit auch gar kein so gravierendes Problem, man praktizierte das konsequent. Jetzt erzählt man uns, dass man dafür digitale Geräte benötigt. Und die das sagen, sind keine Pädagogen, keine Lehrer, sondern Leute aus dem Werbebereich oder PR-Speziaisten. Das wird dann mit den üblichen Buzzwords als “Vision” oder “Mission” verkauft, ist aber eine sehr eingeschränkte Sichtweise.
Ich denke, man sollte bei der Frage “was ist Bildung?” vom Menschen ausgehen, nicht von irgendwelchen Maschinen. Also müssten mehr kenntnisreiche Pädagogen zu Wort kommen und weniger Leute aus dem IT-Bereich.

potschemutschka
16 Stunden zuvor
Antwortet  Innovationsagent

Der Erfinder des 1. digitalen Computers schrieb schon vor einigen Jahren:

„Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer.“ Konrad Zuse

„Nur zu oft ist der Erfinder der faustische Idealist, der die Welt verbessern möchte, aber an den harten Realitäten scheitert. Will er seine Ideen durchsetzen, muß er sich mit Mächten einlassen, deren Realitätssinn schärfer und ausgeprägter ist. In der heutigen Zeit sind solche Mächte, ohne daß ich damit ein Werturteil aussprechen möchte, vornehmlich Militärs und Manager. […] Nach meiner Erfahrung sind die Chancen des Einzelnen, sich gegen solches Paktieren zu wehren, gering.“ Konrad Zuse

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/konrad-zuse/
Konrad Zuse Zitate (8 Zitate) | Zitate berühmter Personen

dickebank
17 Stunden zuvor

Bildung – nun ja der Verfassungsschutz und die Kriminalämter – also die Innenministerien müssten doch zum Thema Bildung Erkenntnisse beitragen können, zumindest zur Bildung krimineller oder verfassungsfeindlicher Gruppierungen.

GBS-Mensch
14 Stunden zuvor

Ich meine, dass Richard David Precht das vor über einem Jahrzehnt, oder so hinreichend und überwiegend richtig betrachtet hat.

Unser Bildungssystem muss auf eine Zukunft ausgerichtet sein, in der ein Großteil der Menschen nicht mehr gebraucht wird und Menschen nur noch réussieren, nicht nur ökonomisch sondern auch im Sinne von Lebensfreude, wenn sie auf ihrer Talentkurve sind.

Historisch ist unser Bildungssystem auf die Verwertbarkeit von Menschen für Staat und Wirtschaft ausgerichtet. Das ist ein völlig anderes Paradigma, das sich in Luft auflöst, sobald es in der Breite keine Verwendung für Menschen mehr geben wird.

Für (Allgemein-) Bildung, wie wir sie verstehen und betreiben, gibt es bereits jetzt zunehmend keine pragmatische Verwendung mehr. Dafür brauchte es keine KI, dafür haben Internet und Suchmaschinen bereits gesorgt.

Das einzig verbliebene valide Argument für breite Bildung ist neurowissenschaftlicher Natur im Sinne von neuronalen Netzwerken.

Insofern sind, und dafür plädiere ich bereits seit einiger Zeit, (möglichst autonome) Talentschulen mit festen Schwerpunkten die Lösung.

Marion
24 Minuten zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

“Für (Allgemein-) Bildung, wie wir sie verstehen und betreiben, gibt es bereits jetzt zunehmend keine pragmatische Verwendung mehr.”
Wirklich nicht? Kein Basiswissen mehr nötig über z.B. historische Ereignisse, die uns helfen politische und gesamtgesellschaftliche Debatten, Reaktionen, Entwicklungen zu verstehen?
Oben im Artikel mit der Frage nach dem europäischen Land, dass 1989 ausschließlich an Staaten grenzte, die es heute nicht mehr gibt – da musste ich echt erst mal gründlich überlegen, aber natürlich war mir sofort klar, dass es gedanklich gen Osten gehen muss.
Man muss diese Frage auch nicht aus dem Stehgreif beantworten können. Aber man denkt natürlich unwillkürlich in eine bestimmte Richtung, wenn man um die Ereignisse von damals weiß. Ohne das historische Wissen um den Zusammenbruch der kommunistischen Staaten Osteuropas, würde man aber eher blöd aus der Wäsche gucken mit einem dicken “Häääh?” im Gesicht. Schüler, die kein Interesse an Geschichte haben, würden sich mit solchen Themen wohl nicht näher auseinandersetzen. Sie würden im Laufe ihres Lebens sicher am Rande mitkriegen, dass es da mal ‘ne Mauer gab und Deutschland geteilt war, dass Teile Europas 1989 hinter einem sog. “eisernen Vorhang” existierten unter diktatorischen Regimen.
Und irgendwann brach das Ganze halt zusammen. Aber wo und in welchen Ländern nun genau und was das mit heutigen politischen Verwicklungen zu tun hat – Schulterzuck, was geht’s mich an?
Sorry – aber ohne sog. Allgemeinwissen verstehen wir die Welt nicht.
Und gehen wir noch ein bisschen weiter zurück. Halten Sie es tatsächlich für überflüssig, in Schulen die unselige Zeit zwischen 1933 und 1945 nur noch mit Schülern zu thematisieren, die eine “Talentschule” mit dem Schwerpunkt historisches Wissen besuchen, weil das “einzige valide Argument für breite Bildung neurowissenschaftlicher Natur ist, im Sinne von neuronalen Netzwerken” und somit praktisch überflüssig? M.E. übrigens ein durchaus gewichtiges Argument. Neben einigen anderen gewichtigen Argumenten.
Denn die Existenz von Suchmaschinen und KI allein führt ja nicht dazu, dass Schüler auch die entsprechenden Fragen stellen. Wer keinen Bock auf Geschichte hat, googelt auch nicht nach den entsprechenden Themen, oder fragt die KI danach.
Es gibt Themenbereiche, die sind so immanent wichtig für das Verständnis der Welt und gleichzeitig unglaublich komplex – da braucht es einen fundierten Unterricht FÜR ALLE dazu. Da kann man nicht davon ausgehen, dass sich die Leute das im Laufe ihres Lebens schon irgendwie selbst zusammengoogeln oder von der KI erklären lassen.
Und das hat längst nicht nur mit einer “Ausrichtung unseres Bildungssystems auf die Verwertbarkeit des Menschen für Staat und Wirtschaft” zu tun. Das geht weit darüber hinaus und wird deshalb auch in Zukunft von enormer Bedeutung bleiben müssen.
Ich finde das immer wieder ziemlich erschreckend, wenn ich von, offenbar doch durchaus gebildeten Menschen, sinngemäß solche Sätze lesen muss: Breite Allgemeinbildung ist überflüssig, gibt ja Google und KI. Unterrichten wir die Kinder ausschließlich nach persönlichem Talent und Interesse. Echt jetzt? Das soll die Lösung für irgendwas sein?
Oder habe ich Sie da komplett missverstanden?

Marion
15 Minuten zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Nachtrag: Da ist mir doch glatt wieder ein Satz total entglitten:
“Halten sie es tatsächlich für überflüssig, in Schulen die unselige Zeit zwischen 1933 und 1945 nur noch mit Schülern zu thematisieren…….” Da habe ich einen Satz angefangen und während des Schreibens umgedacht, sorry.
Streichen Sie das Wort “überflüssig” und fügen stattdessen das Wort “richtig” ein. Dann ergibt es wieder Sinn.