Start Nachrichten Jugend-forscht-Sieger: KI gegen Telefon-Betrug und die Physik einer Sanduhr

Jugend-forscht-Sieger: KI gegen Telefon-Betrug und die Physik einer Sanduhr

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HERZOGENAURACH. Was Sanduhren, Peptide und Vakuumpinzetten gemeinsam haben? Junge Tüftler verblüffen mit cleveren Ideen aus vielen Bereichen der Wissenschaft – und räumen Preise bei «Jugend forscht» ab.

Honoratiorenauflauf um eine Siegerin: Bundesbildungsministerin Karin Prien (2.v.r.), Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (l.), Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG (Mitte), sowie die Geschäftsführende Vorständin der Stiftung Jugend forscht e. V. Dr. Jessica Bönsch (r.) gratulieren Jamila-Cate Tran (20) aus Niedersachsen zum Bundessieg im Fachgebiet Biologie. Foto: Jugend forscht

Die Siegerinnen und Sieger des 61. Bundesfinales von «Jugend forscht» stehen fest. Bei der Siegerehrung bei Schaeffler in Herzogenaurach wurden Deutschlands beste Nachwuchstalente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ausgezeichnet.

Die Preise überreichte unter anderem Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU). An der Veranstaltung nahmen zudem Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft teil. Insgesamt hatten sich 159 junge Forscherinnen und Forscher mit 116 Projekten für das Bundesfinale qualifiziert.

Spiegelbildliche Peptide

Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit erhielten Viyona Singh (14) und Aarav Singh (14) von der German International School of Silicon Valley im US-amerikanischen Mountain View (USA). Ihre Arbeit im Fachgebiet Biologie befasste sich mit Proteinen, die in spiegelbildlicher Struktur vorliegen. Obwohl sie die gleichen Bausteine enthalten, verhalten sie sich biologisch unterschiedlich. KI-basierte Programme haben Schwierigkeiten, solche spiegelverkehrten Moleküle zuverlässig zu erkennen. Das bringt Probleme in der medizinischen Forschung mit sich. Die beiden jungen Forschenden kamen nun zu dem Ergebnis, dass für eine genauere Strukturvorhersage eine Kombination mit physikbasierten Modellen nötig ist.

Bundessieger im Fachgebiet Arbeitswelt wurde Götz Anft (19) aus Niedersachsen. Er befasste sich mit Filamenten für den 3D-Druck und untersuchte, ob unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte dieser drahtförmigen Kunststoffwerkstoffe die Druckqualität und die mechanischen Eigenschaften eines Druckmodells beeinflussen. Jamila-Cate Tran (20) aus Niedersachsen überzeugte die Jury im Fachgebiet Biologie. Die Jungforscherin zeigte in einer statistischen Studie, dass sogenannte SGLT-2-Hemmer, die zur Behandlung von Diabetes eingesetzt werden, auch Patientinnen und Patienten nach Nierentransplantationen helfen können.

Chemie-Bundessieger wurden Levi Jekic (16), Lennart Antritter (16) und Alexander Kluge (18) aus Bayern. Die drei analysierten eine komplexe Metallverbindung aus Bismut, Zinn, Zink und Aluminium. In einer Vielzahl von Messreihen fanden sie ein Mischungsverhältnis, das verhindert, dass die Legierung bei hohen Temperaturen spröde und brüchig wird. Im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften siegten Alexander Leukert (17) und Leon Heinisch (18) aus Baden-Württemberg. Sie zeigten mit einer selbst programmierten Simulation, wie ein Satellit auf stabilen Bahnen sicher durch ein komplexes System aus mehreren Himmelskörpern navigieren kann.

«Wie tickt die Sanduhr?»

Den Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit holte der 18-jährige Tim Kammel aus Nordrhein-Westfalen. Unter dem Titel «Wie tickt eine Sanduhr?» analysierte er die Physik von Sanduhren und den Einfluss von Öffnungsgröße, Trichterform und Sandmenge auf das Strömungsverhalten des Sandes. Er zeigte, dass selbst minimale geometrische Veränderungen die Messdauer deutlich beeinflussen. Zudem wies er nach, dass die Fließgeschwindigkeit des Sandes unabhängig vom Füllstand weitgehend konstant bleibt.

Von neuen Pinzetten bis zu Echtzeit-Erkennung von Telefonbetrug

Der Preis der Bundesbildungsministerin für die beste interdisziplinäre Arbeit ging an Julian Scharnowski (20, Baden-Württemberg). Er entwickelte eine kostengünstige Vakuumpinzette, mit der sich winzige Elektronikbauteile präzise auf Platinen platzieren lassen.

Der Preis der Bundesforschungsministerin für die innovativste Arbeit wurde an Vincent Nack (19, Bayern) vergeben. Er konzipierte ein KI-gestütztes System zum Schutz vor Telefonbetrug, das umgewandelte Gesprächsinhalte analysiert und Täuschungsmuster in Echtzeit erkennt.

Weitere Bundessiege gingen unter anderem an Nachwuchsforschende in den Bereichen Chemie, Mathematik/Informatik, Technik, Arbeitswelt und Geo- und Raumwissenschaften. Unter anderem ging es um Diabetesmedikamente, Metalllegierungen, eine Simulation zu Satellitenbahnen und ein Modell zur Erklärung der Entstehung der ersten Sterne. Den Sonderpreis «Jugend forscht Schule 2026» erhielt das Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach. News4teachers / mit Material der dpa

Unterstützung für Roboter: Künstliche Intelligenz steht bei “Jugend forscht” im Fokus

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