MÜNCHEN. Tausende Jugendliche sitzen in Bayern über ihren Abschlussprüfungen – vielerorts in Turnhallen, in denen die Temperaturen deutlich über 30 Grad steigen. Schulen versuchen mit Lüften, Rollos, Wasser oder kurzfristig verlegten Prüfungsräumen gegenzusteuern. Doch die improvisierten Maßnahmen ändern nichts an einer grundsätzlichen Frage: Können zentrale Prüfungen unter solchen Bedingungen überhaupt noch vergleichbare Chancen für alle bieten? Die Münchner Medizinpädagogin Julia Hellmann bezweifelt das.

Rund 35.000 Schülerinnen und Schüler legen nach Angaben des Bayerischen Kultusministeriums in diesen Tagen ihre zentralen Abschlussprüfungen an den Realschulen ab. Geprüft wird in Deutsch, Englisch und Mathematik. Für die konkrete Durchführung vor Ort sind die Schulen verantwortlich. Das Ministerium verweist laut Bayerischem Rundfunk darauf, dass die Schulen regelmäßig lüften, Räume abdunkeln und das Trinken während der Prüfungen ausdrücklich erlauben.
An der Wolffskeel-Realschule in Würzburg entschied sich Schulleiter Ingolf John kurzfristig, die Prüfungen in eine andere Turnhalle zu verlegen, weil die ursprünglich vorgesehene Halle bei Temperaturen von mehr als 30 Grad aus seiner Sicht nicht zumutbar gewesen wäre. Landesschülersprecher Antonio Ferreira Barrozo schilderte dem BR seine Erfahrungen aus der Deutschprüfung: „Ich musste eine Pause machen, kurz zur Toilette gehen und mit einem feuchten Tuch mein Gesicht abkühlen. Es war so warm, ich war komplett nass.“
„Wir verlangen von den Kindern und Jugendlichen oft Dinge, die Erwachsene nicht zu leisten imstande sind“
Auch in München setzen die hohen Temperaturen den Prüflingen zu. „Es kämpfen alle Schulen damit“, sagte Philipp Volkmer vom Bildungsreferat der Landeshauptstadt München dem Bericht zufolge. Klimaanlagen gebe es an den städtischen Realschulen nicht. Selbst neuere Gebäude seien nicht automatisch im Vorteil. Ältere Schulbauten mit dicken Wänden könnten Hitze teilweise besser abhalten. Gleichzeitig bleibe die Wärme, wenn sie einmal im Gebäude sei, oft lange gespeichert.
Volkmer verweist zugleich auf die besonderen Anforderungen an die Jugendlichen. „Wir verlangen von den Kindern und Jugendlichen oft Dinge, die Erwachsene nicht zu leisten imstande sind. Die können nicht während der Arbeit aufstehen und sich etwas zu trinken holen oder früh anfangen, wenn es noch kühler ist“, sagte er dem BR.
Schüler berichten von improvisierten Lösungen. Rollos hätten zwar geholfen, so berichtete ein Schüler einer Münchner Realschule. Dennoch werde eine Turnhalle mit mehr als 100 Prüflingen und Aufsichtspersonal im Verlauf der vierstündigen Prüfung zunehmend stickig. Positiv hob er hervor, dass seine Schule gekühltes Trinkwasser bereitgestellt habe.
Dass Hitze nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen trifft, betont die Münchner Medizinpädagogin Julia Hellmann. Sie verweist im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk auf gesundheitliche Vorbelastungen und unterschiedliche Wohnsituationen. Wer mehrere Nächte in einer aufgeheizten Wohnung schlecht schlafe, gehe bereits mit einer höheren Belastung in die Prüfung. „Das hat dann auch etwas mit Umweltungerechtigkeit zu tun“, sagte Hellmann. Kurzfristig empfiehlt sie kostenlose Getränke und Kühltücher, langfristig Hitzeschutzkonzepte für Schulen.
Einige Schulen haben bereits bauliche Maßnahmen umgesetzt. Bernd Friedrich, Schulleiter der Karl-Meichelbeck-Realschule in Freising, berichtete dem BR, dass sich nach einer Sanierung mit Rollos und LED-Beleuchtung die Situation in der Turnhalle deutlich verbessert habe. Angesichts regelmäßig hoher Temperaturen während der Prüfungszeit seien entsprechende Investitionen notwendig.
Daneben wird über organisatorische Änderungen diskutiert. In Würzburg wurde vorgeschlagen, die Prüfungen bereits um 7 Uhr beginnen zu lassen oder den gesamten Prüfungszeitraum einige Wochen vorzuziehen – ähnlich wie an den Gymnasien. Schulleiter Ingolf John hält diese Überlegungen grundsätzlich für diskussionswürdig. Zugleich verweist er auf praktische Hürden wie Busverbindungen sowie die landesweit einheitlichen Prüfungszeiträume, die auch dem Schutz vor Informationsweitergabe dienen. Änderungen seien deshalb nur bayernweit und gemeinsam mit dem Kultusministerium möglich.
Wie unterschiedlich Schulen inzwischen auf die Hitze reagieren, zeigt auch eine Reportage des Münchner Merkur aus dem Landkreis Erding. An der Realschule Taufkirchen öffnet Schulleiterin Melanie Aufleger bereits um 5.30 Uhr persönlich sämtliche Fenster zum Lüften. Sie sagt: Die Hitze falle regelmäßig mit den Abschlussprüfungen zusammen. „Da kann man die Uhr danach stellen.“
Andere Schulen verfügen inzwischen über technische Möglichkeiten. Die Realschule Oberding nutzt laut Merkur eine klimatisierte Mehrzweckhalle und hatte den Prüfungsablauf bereits in der Vorwoche unter realistischen Bedingungen getestet. An der Mädchenrealschule Heilig Blut in Erding dürfen Schülerinnen Tischventilatoren mitbringen. Schulleiter Markus Rassiller verwies gegenüber der Zeitung zudem auf ein vorhandenes Kühlsystem und einen Hitzeschutzplan mit Empfehlungen zum Trinkverhalten.
Die Frage bleibt: Wie gewährleisten zentrale Prüfungen unter solchen Bedingungen noch vergleichbare Voraussetzungen für alle Prüflinge? News4teachers










Gibt es denn in Afrika oder in Südeuropa keine Prüfungen? Ja klar, die sind es gewöhnt, aber wir müssen uns halt auch dran gewöhnen.
Wie wäre es, wenn wir unter dem geschmacklos gewählten Begriff der „Eigenverantwortung“ SuS zum Selbststudium o.ä. verpflichten, sobald wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden angemessene Angebote und Rahmenbedingungen schaffen zu wollen (!), geschweige den Lehrplan an eine Realität anzupassen, wo wir durch Lehrkräftemangel aktuell keine weiteren Angebote anbieten können und keine Klimaanlagen verbauen wollen?
Und jetzt bitte alle mal wieder ganz fest neidisch sein auf Bayerns späten Ferienbeginn!
Das habe ich heute auch gesagt.
Und bitte auch neidisch darauf, dass das Wetter ab Mitte August unbeständiger wird und die Tage wieder kürzer werden.
Einzig auf den Rhythmus zwischen Unterrichtszeit und unterrichtsfreier Zeit kann man wirklich neidisch sein.
Ich hatte damals bei meinem Abschluss Glück gehabt, dass es kühl war. Und das war in Bayern.
Die heutigen SuS tun mir wirklich leid.
Das Ganze wäre relativ einfach zu lösen mit früher beginnenden Sommerferien. Wenn wir hier im Süden ab Anfang Juli in die Sommerferien gehen würden, dann fänden die Prüfungen und Klassenarbeiten bis Mitte Juni statt.
Im August kann es zwar auch noch mal heiß werden, aber da sind die Nächte schon deutlich kühler.
Vielleicht müssen wir auch über längere Sommerferien nachdenken und von Weihnachten und Ostern Ferientage abknapsen.
Der Klimawandel ist da, es wäre Zeit, sich damit zu befassen, wie Schule auch damit sinnvoll funktionieren kann.
In anderen Ländern gibt es tatsächlich nochmal längere Sommerferien, dafür aber keine Herbstferien.
Ob das die Eltern in Deutschland gut fänden?
Vielleicht müsste man dann auch überdenken, ob Schulen wirklich dafür da sein sollten, Kinder und Jugendliche möglichst lange „aufzubewahren“. Vermutlich bräuchte man da ein umfassendes Angebot von Summer Camps, in die Schüler gehen und spannrnde Erlebnisse haben könnten.
Bei uns dauerten Sommerferien 3 Monate. Herbst-, Winter- und Frühjahrferien hatten wir auch, allerdings im Herbst und Frühjahr waren sie nur eine Woche lang. Und nur 11 Jahren Schule gegen 13 in Deutschland, ab Klasse 5 aber auch samstags mussten Schüler in Klassen. Sommerprüfungen endeten meistens bis mitten Juni. Deshalb kann ich mich nie daran erinnern, dass es in Klassenzimmern heiß wäre.
Das mit den Summer Camps ist doch eine sehr gute Möglichkeit- ich begrüße das. Stadtjugend ab aufs Land!
Das Ganze wäre noch leichter mit Klimaanlagen in Schulen zu lösen.
Den Ferienbeginn zu verschieben löst kein Problem. Schließlich ist der August in der Regel ein heißerer Monat als der Juni.
Der war gut. Es ist ja nicht mal Geld da für einen Anstrich in Klassenzimmern oder Fluren, in denen seit 20 Jahren die Farbe abblättert. Woher soll das Geld für die Klimaanlagen und deren Strombedarf kommen? Dass man auf Schuldächer Solaranlagen bauen könnte um die Klimaanlagen zu betreiben scheitert an der Ausrede dass vielleicht die Statik der maroden Gebäude das nicht zulässt. In konkreten Fällen geprüft hat das wohl noch niemand.
Und mal angenommen, man würde doch Klimaanlagen installieren. Was passiert dann mit alle den hypersensiblen Kindern, die keine Geräusche vertragen und sich gerade erst an das Gekreische der Mitschüler gewöhnt hatten, das sie dann nicht mehr so gut hören können?
Sonst wird immer gemeckert, dass die heutigen SuS „nix gebacken bekommen“.
Die Meckerer wissen auch ni, was sie wollen
Man sollte zwischen Backen, Kochen und Braten differenzieren. Außerdem war mit „nix gebacken bekommen“ auch gemeint , dass wir nix gebacken bekommen, nämlich keine gebackenen Schüler.
Ob ich bei der Hitze im eigenen Saft schmore, im Klassenraum gebraten oder in der Gluthitze gebacken werde, ist lediglich eine Frage der Zubereitung.
Um in der Kulinarik zu bleiben:
Wären wir dann dank hoher Luftfeuchtigkeit nicht eher beim schonenden „Dünsten“?
Die Schüler und Lehrer werden ja eher weich bis matschig statt ganz knusper und entwickeln alles andere als appetitliche Röst-Aromen…
Ich würde es ja fritieren nennen, natürlich in der Heißluftfritöse, also genau im Trend und nicht so fettig
Man muss doch nicht jeden Trend mitmachen:)
Übrigens für belgische SuS ist diese Zubereitungsmethode ein absolutes „no go“.
You made my day!!!
Klassenraum statt Dampfgarer.
Bei den Temperaturen kann man viel backen.
Zentrale Abschlussprüfungen sind auch ohne Hitze nicht gerecht und nicht valide. Intelligente Lösung: Die zentralen Abschlussprüfungen generell sein lassen und die dadurch eingesparten Millionen in Bildung investieren.
Ich gehöre ja sonst eigentlich nicht zu der Fraktion „früher-war-alles-besser“, aber ich frage mich wirklich, wozu es die ZP10 überhaupt braucht – gab es früher auch nicht. Vor allem auf den Gymnasien sind Vorgaben, wie ZP10 oder dass in der 9. Kl. kein Prognostisches Zeugnis (z.B. bei langer Krankheit) mehr möglich ist, für völligen Blödsinn.
Das gehört wirklich wieder abgeschafft.
Fair ist es ganz sicher nicht.
Aber ernsthaft was dagegen tun will auch keiner.