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ASD: „Lehrkräfte können die komplexen Herausforderungen nicht allein bewältigen“

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BERLIN. Der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschlands (ASD) sieht im Nationalen Bildungsbericht 2026 vor allem einen Auftrag zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Bildungspolitik. Schulen an sozial belasteten Standorten bräuchten mehr – multiprofessionelles! – Personal, mehr Zeit und mehr Unterstützung als Schulen unter günstigeren Bedingungen. Die bisherige Verteilung von Ressourcen werde den unterschiedlichen Herausforderungen vielerorts nicht gerecht.

With a little help… (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

„Gleiche Ressourcen führen unter ungleichen Bedingungen nicht zu gleichen Chancen. Wer mehr Integration leisten muss, wer mehr Sprachförderung benötigt und wer mehr Kinder aus belasteten Lebenslagen begleitet, braucht auch mehr Personal, mehr Zeit und mehr Unterstützung. Chancengerechtigkeit entsteht nicht durch Gleichverteilung, sondern durch bedarfsgerechte Förderung“, erklärt ASD-Vorsitzender Sven Winkler. Der Verband fordert deshalb eine verbindliche und bundesweit konsequente Orientierung der Ressourcenzuweisung an sozialen Belastungsfaktoren.

Aus Sicht der Schulleitungen bestätigt der Bildungsbericht zahlreiche Entwicklungen, die an Schulen seit Jahren spürbar seien. Steigende soziale Ungleichheiten, Fachkräftemangel, Integration, Inklusion, Ganztagsausbau, Digitalisierung und wachsende psychosoziale Belastungen von Kindern und Jugendlichen träfen gleichzeitig auf Schulen. Die Probleme des Bildungssystems lägen deshalb längst nicht mehr ausschließlich innerhalb des Bildungssystems selbst.

„Der Bildungsbericht 2026 macht deutlich, dass wir kein Erkenntnisproblem mehr haben. Die Herausforderungen sind bekannt, die Daten liegen auf dem Tisch und die Problemlagen werden seit Jahren beschrieben. Was fehlt, ist die konsequente Umsetzung der notwendigen politischen Konsequenzen“, betont Winkler.

Besonders besorgniserregend bewertet der Verband die weiterhin starke Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Der Bildungsbericht zeige erneut, dass viele Unterschiede bereits lange vor der Einschulung entstünden und sich im weiteren Bildungsverlauf häufig verfestigten. Gleichzeitig werde von Schulen erwartet, diese gesellschaftlichen Ungleichheiten auszugleichen.

„Schulen leisten hier Tag für Tag Außergewöhnliches. Aber Schule allein kann gesellschaftliche Ungleichheiten nicht beseitigen. Wer Bildungsgerechtigkeit fordert, muss auch über Kinderarmut, Familienunterstützung, Gesundheitsversorgung, Integration und soziale Teilhabe sprechen. Bildungspolitik darf nicht länger isoliert betrachtet werden“, erklärt Winkler.

Mit großer Sorge blickt der ASD auf die anhaltenden Kompetenzrückgänge in zentralen Bereichen wie Lesen, Mathematik und digitalen Kompetenzen. Die Folgen reichten weit über individuelle Bildungsbiografien hinaus. „Wenn immer mehr junge Menschen die Mindeststandards nicht erreichen, dann sprechen wir nicht nur über Schule. Wir sprechen über die zukünftige Fachkräftesicherung, über wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und letztlich auch über die Stabilität unserer demokratischen Gesellschaft“, warnt der Verbandsvorsitzende.

„Multiprofessionelle Teams sind längst kein Zusatzangebot mehr, sondern eine Grundvoraussetzung erfolgreicher Bildungsarbeit“

Die Stellungnahme zeichnet zugleich das Bild einer Institution, deren Aufgaben in den vergangenen Jahren stetig gewachsen sind. Schulen übernähmen heute neben ihrem Bildungsauftrag Integrationsarbeit, Prävention, Demokratiebildung, Berufsorientierung, Gesundheitsförderung und Krisenbewältigung. Viele seien längst zu zentralen sozialen Ankerpunkten in ihren Stadtteilen geworden. „Viele Schulen sind heute weit mehr als Lernorte. Sie sind oft die letzte dauerhaft verlässliche Institution im Lebensumfeld vieler Kinder und Jugendlicher. Diese gesellschaftliche Bedeutung wird politisch anerkannt, die notwendige Ausstattung bleibt jedoch vielerorts hinter den Erwartungen zurück“, heißt es.

Als Konsequenz fordert der ASD einen flächendeckenden Ausbau multiprofessioneller Teams. Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, pädagogische Fachkräfte und weitere Professionen müssten dauerhaft finanziert werden. „Lehrkräfte können die komplexen Herausforderungen moderner Schulen nicht allein bewältigen. Multiprofessionelle Teams sind längst kein Zusatzangebot mehr, sondern eine Grundvoraussetzung erfolgreicher Bildungsarbeit“, betont Winkler.

Zugleich verlangt der Verband eine stärkere Unterstützung von Schulleitungen. Diese seien heute für Personalentwicklung, Digitalisierung, Ganztag, Inklusion, Integration, Qualitätsentwicklung und Krisenmanagement verantwortlich. „Die Stärkung von Schulleitungen ist keine Standesforderung. Wer leistungsfähige Schulen will, braucht leistungsfähige Führung“, erklärt der ASD-Vorsitzende.

Der Bildungsbericht beschreibe keine kurzfristige Krise, sondern tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, lautet das Fazit des Verbands. Die entscheidende Frage sei deshalb nicht mehr, ob gehandelt werden müsse, sondern ob Politik bereit sei, die dafür notwendigen Investitionen und Strukturentscheidungen zu treffen. Winkler: „Bildung ist keine Belastung für den Staatshaushalt. Bildung ist die wichtigste Zukunftsinvestition unseres Landes.“ News4teachers 

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