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Nationaler Bildungsbericht: Deutschland kennt die Probleme, handelt aber nicht (Kommentar)

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HAMBURG. Kaum erscheint ein neuer Bildungsbericht (wie gestern), beginnt die vertraute Debatte über Leistungsrückstände, Bildungsungleichheit und Personalmangel. Die Probleme sind bekannt, die Befunde oft nicht neu. Der Bildungsexperte Udo Beckmann fragt in seinem Gastkommentar deshalb, ob Deutschland tatsächlich ein Erkenntnisdefizit hat – oder ob die eigentliche Schwäche des Bildungssystems längst woanders liegt: bei der Umsetzung dessen, was Politik, Wissenschaft und Praxis seit Jahren wissen.

„Wir diskutieren so lange, bis niemand mehr handeln muss“: Udo Beckmann. Illustration: News4teachers

Bildungsbericht 2026: Deutschland, das Land der Bildungsdiagnosen

Der neue Bildungsbericht liegt auf dem Tisch. Die Schlagzeilen sind vorhersehbar: zu viele Schülerinnen und Schüler mit unzureichenden Kompetenzen, anhaltende Bildungsungleichheit, Fachkräftemangel, Lehrkräftemangel, wachsende Herausforderungen durch soziale Herkunft und Migration.

Man kann die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen. Man kann sie beklagen. Man kann neue Arbeitsgruppen gründen. Man kann neue Programme auflegen. Oder man kann endlich aussprechen, was seit Jahren offensichtlich ist: Deutschland hat kein Erkenntnisproblem. Deutschland hat ein Umsetzungsproblem.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Seit mehr als vier Jahrzehnten begleite ich die Bildungspolitik und die pädagogische Praxis. In dieser Zeit habe ich unzählige Studien, Gutachten, Kommissionen und Bildungsberichte gelesen. Die ernüchternde Erkenntnis lautet: Die meisten Probleme, die heute beschrieben werden, waren bereits vor zehn, zwanzig oder mehr Jahren bekannt.

„Von Weckrufen hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten genug. Wer jetzt noch auf neue Erkenntnisse wartet, wird sie kaum finden“

Natürlich verändern sich Rahmenbedingungen. Die Digitalisierung, die Zuwanderung, der demografische Wandel und gesellschaftliche Umbrüche stellen Schulen vor neue Aufgaben. Aber die zentralen Herausforderungen sind keineswegs neu. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass frühe Förderung entscheidend ist. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass Bildungsbenachteiligung möglichst früh ausgeglichen werden muss. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass Schulen in schwierigen sozialen Lagen mehr Unterstützung benötigen als andere.

Es mangelt nicht an Wissen. Es mangelt an mutiger Konsequenz.

Was mich zunehmend irritiert, ist die deutsche Neigung, jede Lösung so lange zu diskutieren, bis ihre Umsetzung politisch, finanziell oder organisatorisch unmöglich erscheint. Kaum liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, beginnt die Suche nach Risiken, Nebenwirkungen, Zuständigkeitsfragen und Finanzierungsproblemen. Aus der Kultur des Abwägens wird eine Kultur des Aufschiebens.

Wir diskutieren häufig nicht deshalb so lange, weil wir zu wenig wissen. Wir diskutieren so lange, bis niemand mehr handeln muss.

Dabei wäre die eigentliche Aufgabe klar: Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen und deren Umsetzung konsequent verfolgen. Nicht jede Reform wird perfekt sein. Nicht jede Maßnahme wird sofort wirken. Aber Nichtstun ist inzwischen die teuerste aller bildungspolitischen Optionen.

Der neue Bildungsbericht sollte deshalb nicht als weiterer Weckruf verstanden werden. Von Weckrufen hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten genug. Wer jetzt noch auf neue Erkenntnisse wartet, wird sie kaum finden. Die meisten Antworten liegen längst auf dem Tisch.

Vielleicht braucht das Bildungssystem nicht den nächsten Bericht. Vielleicht braucht es endlich den Mut, aus Berichten Entscheidungen zu machen.

Denn die größte Schwäche unseres Bildungssystems ist heute nicht der Mangel an Wissen. Es ist die bemerkenswerte Fähigkeit, vorhandenes Wissen immer wieder neu zu beschreiben, statt danach zu handeln. News4teachers 

Zur Person

Udo Beckmann ist Grund- und Hauptschullehrer, leitete zehn Jahre eine Hauptschule in herausfordernder Lage mit einer Schülerschaft, die zu 80 Prozent aus Familien mit Migrationshintergrund stammten.

Er war zudem 16 Jahre Vorsitzender der zweitgrößten Lehrergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen (des VBE) und 13 Jahre deren Bundesvorsitzender. Heute ist er Leiter des Programmbeirats beim Deutschen Schulleitungskongress und beim Deutschen Kitaleitungskongress.

Nationaler Bildungsbericht: „Viele Reformen, wenig Fortschritt – das Bildungssystem ist blockiert“

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16 Kommentare
447
1 Monat zuvor

Voll getroffen – und deutlich benannt.
Guter Artikel!

Horst Költze
1 Monat zuvor

„Es mangelt an mutiger Konsequenz.“
 
Die operative Antwort auf das Bildungsdilemma ist in der
ASW-Schule zu besichtigen.

Unsere BildungsministerInnen haben keinen „Mut“,
dieses seit mehr als zehn Jahren bewährte
Bildungskonzept flächendeckend einzuführen.
Erst die Masse ihrer Wählerinnen und Wähler wird sie dazu
bewegen können.
 
Machen WIR uns das bewusst:
Die Masse, das sind wir,
WIR,
Schülerinnen und Schüler,
Mütter und Väter,
Lehrerinnen und Lehrer,
Bildungsinteressierte,                                                                         
Verbände und Bildungsinitiativen,
Parteien und Öffentlichkeit.
 
Wenn wir das ASW-Bildungskonzept als Antwort auf das
Bildungsdilemma wollen, müssen WIR sichtbar werden.
WER setzt dafür den Hut auf?

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Horst Költze

Nichts für ungut, aber das Konzept ist nicht Massentauglich.
Es gibt Konzepte, die nur für eine bestimmte Klientel passten. Und das ist hier der Fall. Außerdem sind die Städte und Kommunen, also die Schulträger, gnadenlos verschuldet, weshalb es komplett illusorisch ist, dass sich ein so teures Konzept überall installieren ließe.

Horst Költze
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„nur für eine bestimmte Klientel“ – diese häufig geäußerte Meinung trifft nicht zu .

Und das Totschlagargument „Verschuldung“ ist irrelevant. Wo

Lebensnotwendigkeiten existieren, gibt es einen Weg, Lösungen zu kreieren.

Dafür gibt es überzeugende Realitäten. Entscheidend ist der Wille, der von der

Überzeugung getragen wird, dass das Bildungskonzept der ASW für die junge

Generation zukunftsfähig ist und für den Bestand unserer freien demokratischen

Gesellschaft höchstnotwendig. Die basisdemokratisch gelebte ASW-

Schule bildet Heranwachsende mit Selbstregulationskompetenz heran

(„aus der Zukunft entsteht“, Matthias Horx) und Bürgerinnen und

Bürger mit internalisierter demokratischer Geisteshaltung, die während ihrer

Schülerexistenz durch Erleben gewachsen ist.

Alese20
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es ist nur zu Beginn teuer, wegen der Umbaumaßnahmen. Danach kostet diese Schule nicht mehr als andere.

Passt es für alle? Wahrscheinlich nicht, nicht für alle SuS und auch LuL (wie man hier immer wieder lesen kann). ABER, es würde für sehr, sehr viele passen und daher sollte es flächendeckend mehr Schule wie die ASW geben – meine Meinung. Man darf nicht immer davon ausgehen, ob die heutigen SuS, die bereits in unserem Schulsystem sozialisiert wurden, da rein passen, sondern wie viele könnten da reinwachsen, wenn sie von Anfang an lernen und angeleitet würden, irgendwann selbstverantwortlich zu lernen.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Alese20

die bereits in unserem Schulsystem sozialisiert“

Sie meinen damit vermutlich in NRW?

So euphorisch wie in den Medien über die ASW berichtet wird, ist es schon irgendwie seltsam, dass scheinbar nicht mal die anderen Gemeinschaftsschulen in „The Länd“ bisher dem Beispiel der ASW gefolgt sind.

Alese20
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Ich meine nicht nur NRW. Es geht mir um das Konzept von Klassen mit Lehrkraft und Gleichschritt. Das ist doch in jedem Bundesland eher der Standard oder irre ich mich da?

Warum nicht mehr dem Konzept in BW folgen ( müssen ja nicht alle, aber mehr dürften es sein), hängt vielleicht auch damit zusammen, dass viele LuL keine Lernbegleitung machen wollen oder dass nicht viele dort hospitieren waren und daher – wie hier auch – skeptisch sind. Who knows?

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Alese20

Das ist doch in jedem Bundesland eher der Standard oder irre ich mich da?“

Wenn man die Beschreibungen der KM-Webseiten zur Gemeinschaftsschule in Baden Württemberg liest, müsste man antworten: „Ja, Sie irren sich“

Die Lehrkräfte bieten dort den SuS Lernangebote an, mit denen sie dann die Möglichkeit haben ihr jeweils maximales Lern- und Leistungspotential ausschöpfen zu können.

Dort wechseln sich lehrerzentrierte Unterrichtsphasen, selbstgesteuerte Lernzeiten und Phasen der Bewegung und Entspannung sinnvoll ab.

Dort hätte auch jede Schüler*in einen Coach mit dem individuelle Zielvereinbarungen getroffen werden und in regelmäßigen Gesprächen die Lernentwicklung gefördert wird.

Statt Noten gibt es dort individuelle Lernentwicklungberichte , kein Sitzenbleiben usw. usw,.

Alese20
29 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Sie hatten doch geschrieben, dass die Gesamtschulen in BW dem Bsp. der ASW nicht folgen würden.

An der Oberfläche klingt das von Ihnen Beschriebene der ASW schon recht ähnlich, aber ich bin mir sicher, dass das Entscheidende am SOL die Lernlevel sind, also dass man sich in der Eigenverantwortlichkeit hocharbeiten muss (vom Lernstarter bis hoch zum Lernprofi) und anhand derer mehr Freiheiten bekommt.
Einfach mehr Freiheiten einführen ohne das Anleiten vorher und das Erlernen des SOL wird das nicht klappen. Ich weiß nicht, inwiefern das in den Gesamtschulen von BW auch umgesetzt wird.

Horst Költze
28 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

in der ASW-Schule werden SuS entwicklungsorientiert organisiert nach NEUSTARTER, STARTER, DURCHSTARTER, LERNPROFIS

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das wollen viele Menschen einfach nicht verstehen…

Es gibt nunmal keine Patentlösung, die für alle greift.
Antwort auf das Bildungsdilemma? Größer geht es wohl nicht…
Außerdem ist die Antwort 42.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Wir können aber festhalten, dass die Reformen der vergangenen Jahrzehnte die Bedingungen zumindest nicht verbessert haben, aber den Lehrern viel Arbeit machen. In der Summe hätte man sie aus rein wirtschaftlichen Erwägungen (Arbeitszeit, wenngleich mit dem Deputat abgegolten) auch sein lassen können.

Die typischen Argumente der Politiker, dass die Abschlüsse immer besser wurden usw. ziehen nur sehr bedingt, weil die Anforderungen gleichzeitig gesenkt wurden.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Horst Költze

„Die operative Antwort auf das Bildungsdilemma ist in der
ASW-Schule zu besichtigen.“

Für einige sicherlich.

„Unsere BildungsministerInnen haben keinen „Mut“,
dieses seit mehr als zehn Jahren bewährte
Bildungskonzept flächendeckend einzuführen.“

Sie haben vor allem gar kein aktuelles Interesse dies überhaupt zu tun.

„Erst die Masse ihrer Wählerinnen und Wähler wird sie dazu
bewegen können.“

Die tatsächlichen Wahlgründe sind primär kaum bis nicht bei Bildung. Daher: Nein.
Da schätzt man wohl das „Topic Bildung“ etwas zu hoch ein meiner Meinung nach.
Viele kritisieren die Bildungsebene, wählen jedoch nicht danach.

Und die Masse hat eben so einige „Struggle“, weil halt „Mütter und Väter“ ebenfalls „ArbeiterInnen und ArbeitgeberInnen“ sind.
Sie müssen auch wo wohnen. Bauen dementsprechend oder mieten.
Dazu haben sie halt mal auch Ausgaben. Müssen daher auch bei Inflationssachen agieren.
Da ist oft ein „Kompromiss bei Bildung“ und „politischen Maßnahmen gegenüber ‚Unkenntnissen‘ “ mehr ausschlaggebend.

„Wenn wir das ASW-Bildungskonzept als Antwort auf das
Bildungsdilemma wollen“

Wollen halt zum einen nicht alle [wie man schon alleine hier in den Beiträgen sieht] und zum anderen v. A. der AG/Staat/Politik will das halt nicht so wirklich.
Viele Eltern usw. kennen die ASW ja auch gar nicht. Von daher …

„müssen WIR sichtbar werden.“

Unsichtbar ist man nicht, man wird nur nicht beachtet.

„WER setzt dafür den Hut auf?“

Und wem wird die Clownsnase dann zugespielt von Politik?

Warum glaubt man, dass Montessori sich nicht staatlich durchsetzen konnte?
Montessori und ASW sind in vielen Punkten und Bereichen pädagogisch deckend.
In dem Aspekt des Techs und der Digitalisierung sind sie auseinander. Also oft moderner [die ASW].
Ansonsten baut die ASW in vielen Aspekten auch auf Montessori auf.
Komisch nur, dass sich ebenfalls Montessori nie so wirklich im staatlichen Bildungsbereich etablieren konnte. Paar staatliche Schulen gibt es. Die allermeisten sind jedoch mit privatisiert.

Funktioniert Montessori? Bei vielen.
Dann stellt sich somit die gleiche Frage wie bei ASW: Warum wird das denn nicht gemacht?

– Skepsis + Elternvertrauen: Da sind wir im Bereich von Projekt-/Pilotschulen und Privatschulen -> Dort sind Montessori und ASW auch „zu finden“
Als Staatssystem? Puh … Riesen Schritt.
– Ressourcen und Rahmenbedingungen: Gebäude müssten saniert werden [müssten sie ja so oder so … Dann aber wirklich und teurer], die Pädagogik müsste „umgestellt“ werden [sind viele nicht „ausgebildet“ zu], dazu müsste man Studium usw. ebenfalls umgestalten [was sowieso sinnvoll wäre] … Das ist alles mit Kosten, Planung, Zeit und mit Aufwand verbunden. Alles nicht so Sachen, welche man unbedingt als AG im Bildungsbereich zugestehen will
-> Zur Sanierung müssten beispielsweise die Brandschutzauflagen erfüllt sein. Diese sind bei offenen Räumen ja anders. Bei Altgebäuden ist das durchaus eine massive Herausforderung. Zwei Fluchtwege Prinzip usw.
– Das Curriculum müsste angepasst werden: Die ASW hat hier massiven Druck und Aufwand denke ich. Alleine schon, damit dies geschehen kann. Das müsste man dann jedoch „generell“ anpassen.
– Der Personalschlüssel müsste gegeben sein. Diesen müsste man dementsprechend nicht nur auf aktuelle Situation anpassen, sondern weit darüber hinaus. Das ist faktisch flächendeckend nicht erfüllbar (aktuell).
-> Wenn man dies nicht macht? Dann ist 1. Das Konzept eben nicht das Konzept. 2. Würde es innerhalb kürzester Zeit kollabieren. [Gleiches gilt für „flächendeckende Doppelbesetzungen“ ja aktuell]
– Die Unternehmen und die Eltern wären aufgrund „mangelnder Noten“ zumindest erstmal skeptisch. Daher müsste man ein funktionierenden Apparat „danach“ und „währenddessen“ tatsächlich aufstellen. Aktuell ist es „Vertrauen“ und „Vergleich zu Noten“.
Daher fragen manche SuS und Eltern auch „was wäre das denn als Note?“ …
– Dann kommt der Bildungsföderalismus dazu: Sind alle gleich. Ist niemand besser.
Dazu liebt man es, Entscheidungen für andere zu treffen, wenn man die Verantwortung letztendlich zugleich delegiert.
– Behördenapparat, Hierarchie, Befugnisse und Trägheit: Eine solche Umstellung ist logistisch eine immense Nummer. Schulleitungen könnten wenig begeistert sein, wenn man von Status Quo einen so gewaltigen „plötzlichen“ Sprung wagt/macht. Die Erfahrung zeigt, dass der Rückhalt des Staates/AG/Politik nämlich gaaanz schnell weg sein kann und bei „Fehlenentscheidung“ man nicht nur alleine da steht, sondern einem die Schul zugespielt wird.
– Zu den Eltern: Viele kennen so eine Systematik nicht. Pilotschule (und Privatschulen) sind „fern“/“unbekannt“ häufig. Also im Sinne von „Schön, dass die das so machen, aber … Würde das auch bei meinem Kind so gehen?“
Die Skepsis gibt es. Erstmal auf jeden Fall. Je nach Durchführung auch sehr lange bis durchgängig. Ist an (vielen/den meisten) Privatschulen auch so.
Nur hätte man dann ja „keine Alternativen“ mehr. Aktuell kann man bspw. an eine Privatschule ohne Noten gehen oder eine Projektschule. Notfalls geht man eben wieder „zurück“. Das wäre bei einem einheitlichen System ohne Noten nicht der Fall.
– Kollegium: Schon mal was von „Gewöhnungseffekt“ gehört? Beispielsweise gibt es diesen auch bei Digitalisierung. Wie kommt man darauf, dass viele hinter dem Konzept der ASW stehen? So als „1:1 Umsetzung“? Wohl noch einige. Aber was … Wenn nicht. Die „Zuversicht“, dass „Konzeptideen“ erst gut klingen und bei Einzelfällen gut sind? Ja. Bei Umsetzung kommt dann aber schnell: Wir haben das Personal nicht, kein Geld, keine Gebäude, kein … Und schon stürzt es zusammen.
– Kontrolle ist für den Staat/AG immens wichtig. Bei Privatschulen gibt man etwas die Kontrolle auf – jedoch nie ganz. Das ist ein Kompromiss des Gelingens. Besteht aus einem „Win-Win-Win-Kompromiss“. Diesen gäbe es allerdings bei einer Umsetzung aller staatlichen Schulen wie die ASW halt nicht. Man verliert die Kontrolle bzw. muss sie reduzieren. Diese liebt man aber. Noten und Zahlen bedeuten erstmal Zuverlässigkeit. Man kennt sie. Man liebt sie. Natürlich weiß man auch, dass diese nur wenig Aussagekraft oft haben. Aber sie geben eine Richtung. Sie stehen da, sie stehen „für etwas“ und das gibt (falsche) „Sicherheit“. Und auch das ist halt ein Kompromiss … „Sicherheit“.

Einige Schulen orientieren sich ja an der ASW. Nur … Manche scheitern eben an der Umsetzung. Schonmal zwecks Grundbedingungen.
Nur „ein Lernatelier“ zu gestalten … Bringt erstmal gar nichts. Da hängt schon wesentlich mehr daran und dahinter.

Also wie kommt man darauf, dass „die Wählerinnen und Wähler“ auch nur im Ansatz „staatliche ASW“ Schulen (zeitnah) „bestimmen“ [Druck] könnten?
Das halte ich schon für sehr sehr sehr … Zuversichtlich [Naiv].

Aber träumen darf man. Halten Sie daran fest.
Wäre tatsächlich ein gewaltig guter und insb. sinnvoller Schritt. Und das „ist auch eines der Probleme“ dabei. Es scheitert nämlich nicht nur am „Mut“, sondern v. A. am „Willen“. Und tatsächlich aktuell [und das könnte man versuchen zu ändern] sogar alleine schon an den Grundbedingungen durch Ressourcen. Eine sofortige Umstellung würde ggf. einen Systemkollaps verursachen. Sooo unrealistisch ist das leider nicht meiner Ansicht nach.

Alese20
29 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Ich sehe das genauso wie Sie. Allerdings denke ich auch, dass diese Schulform nicht für alle passt. Es müsste also gar nicht alles umgekrempelt werden. Ich wäre schon happy, wenn von Seiten der KM den Schulen das Angebot gemacht würde, diese bei einem Umbau zu unterstützen, wenn sie es wollen. Wenn dafür Werbung gemacht würde, Prozessbegleiter genehmigt würde, die Gebäude dann nicht nur saniert, sondern umgebaut würden, LuL gestützt, DiLer bezahlt etc.

Wenn man als Eltern versucht, eine für sein Kind passende Schule zu finden, ist die Auswahl leider nicht flächendeckend gegeben. Ich spreche da aus Erfahrung. Trotz Großstadt, gibt es noch nicht mal eine Privstschule, die alternative Wege (wie bspw. Montessori) geht oder zumindest ein Gymnasium mit inklusiver Expertise. Nur Waldorf und davon halte ich persönlich nicht viel. Also, selbst wenn ich bereit wäre, ziemlich viel Geld zu zahlen, könnte ich mein Kind nicht alternativ lernen lassen. Das ist schon ein Armutszeugnis. Für mein Kind gibt es nichts: schnelle Auffassungsgabe, gute Noten, aber neurodivergent und mittlerweile Dank Rahmenbedingungen in der Schule Burnout, reizüberflutet, depressiv, nicht schulfähig.

Bla
28 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

„Also, selbst wenn ich bereit wäre, ziemlich viel Geld zu zahlen, könnte ich mein Kind nicht alternativ lernen lassen. Das ist schon ein Armutszeugnis. Für mein Kind gibt es nichts: schnelle Auffassungsgabe, gute Noten, aber neurodivergent und mittlerweile Dank Rahmenbedingungen in der Schule Burnout, reizüberflutet, depressiv, nicht schulfähig.“

Das System ist starr.
Daher sage ich immer wieder: Nicht ich (jemand) verändert das System – das System verändert eher jemanden.

Bei mir war die Konsequenz eben auch, dass ich mich umorientierte und wechselte.
Gilt ja nicht nur bei Kindern/Schülern, dass man als neurodivergente Person nicht in den Rahmen immer passt.

Der Unterschied ist:
– Ich habe etwas mehr „Lebenserfahrung“ diesbezüglich
– Ich musste das Schulsystem auch „durchstehen“
– Ich kenne inzwischen bewusste Copings (und nicht nur Zwangscopings) und kann diese gezielt(er) einsetzen
– Ich kann besser und bewusster gegen regulieren als normalerweise Kinder
– Ich kann „notfalls“ den (Arbeits-)Bereich halt wechseln

Kinder können das (leider) oftmals nicht und werden ggf. auch kaum bis gar nicht begleitet in der Hinsicht.
Zudem fehlt es am Wissen im Bereich „Schule“. Was mitunter an der „politischen Richtung“, „den neueren Forschung(sbereichen)“ und dem „Fokus(bereich)“ von Schule geschuldet ist.

Ich bin mal gespannt, ob (und wann) Schule so weit sein wird/kann.
Aktuell gehen wir ja wieder „Rückschritte“ in dem Bereich – schulisch gesehen.

Ich kann da Ihre Sicht und die [das Gefühl von] „Machtlosigkeit“ verstehen.

Alese20
28 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Ja, Machtlosigkeit trifft es ziemlich genau.