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Bald Hitzefrei-Pflicht an Schulen? Kultusminister will geltende Regeln überprüfen

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STUTTGART. Ab wann gibt es eigentlich Hitzefrei an Schulen? Die Politik in Baden-Württemberg diskutiert über verbindlichere Regeln – und warum die Temperatur im Schatten nicht mehr zählen sollte.

Auch wenn wegen des Klimawandels immer öfter Spitzentemperaturen gemessen werden – Hitzefrei gibt’s immer seltener. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die Temperaturen von teils mehr als 35 Grad heizen in Baden-Württemberg auch die Debatte über Hitzefrei an Schulen an. Kultusminister Andreas Jung (CDU) will die bisherigen Regelungen auf den Prüfstand stellen und kann sich verbindlichere Vorgaben vorstellen. «Wir können besondere Hitzelagen nicht ignorieren», sagte er. Schulen sollten nach seiner Vorstellung ab einer bestimmten Temperatur nicht nur Hitzefrei geben können, sondern sie sollten es dann auch tun.

Die Entscheidung solle aber weiterhin bei den Schulleitungen liegen. «Am Ende entscheidet die Schulleitung, und für eine Entscheidungsfindung ist etwas mehr Verbindlichkeit und Klarheit gut», erklärte Jung.

Er verwies auch auf die Folgen des Klimawandels: Es gebe «viermal mehr Hitzetage als in den 1950er-Jahren», gerade der Südwesten sei betroffen. Deshalb sollten die Hitzefrei-Regelungen gemeinsam mit Schulen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern weiterentwickelt werden. Zuvor hatte schon der Radiosender SWR1 über Jungs Vorschläge berichtet.

CDU-Chef Hagel unterstützt Parteifreund auch als Vater

Auch Innenminister Manuel Hagel stellte sich hinter den Vorstoß – und das nicht nur als Politiker, sondern auch als Vater von drei Kindern. «Mein Sohn geht in die erste Klasse einer Grundschule», sagte der CDU-Landeschef in Stuttgart. «Und wir führen diese Diskussionen gerade jeden Tag zu Hause.» Auch er frage sich, warum die maßgebliche Temperatur bislang draußen im Schatten gemessen werde und nicht im Klassenzimmer, in dem die Kinder säßen. Jungs Vorschläge seien daher «sehr pragmatisch».

Mit Blick auf Klimawandel und zunehmende Hitzetage im Land müsse zum neuen Schuljahr «alles auf den Prüfstand gestellt werden», sagte Hagel.

Bislang entscheidet jede Schule selbst

Bislang macht das Kultusministerium keine landesweit einheitlichen Vorgaben dazu, ob und wann Schülerinnen und Schüler wegen Hitze vom Unterricht befreit werden. Auch eine feste Temperaturgrenze, bei der der Unterricht automatisch endet, gibt es nicht. Empfohlen wird unter anderem, Hitzefrei zu ermöglichen, wenn die Außentemperatur um 11.00 Uhr mindestens 25 Grad im Schatten beträgt. Frühestens ist das nach der vierten Unterrichtsstunde vorgesehen.

Die Schulleitungen treffen die Entscheidung über Hitzefrei vor Ort. Sie müssen dabei zwischen Wetterlage und schulischen Belangen wie Klassenarbeiten abwägen. Fallen Prüfungen wegen Hitzefrei aus, soll es einen Nachschreibetermin geben. Hitzefrei bedeutet zudem nicht automatisch, dass Kinder sofort abgeholt werden müssen. Grundschulkinder mit ergänzender Betreuung werden nach Angaben des Landeselternbeirats weiter betreut; es entfällt nur der Unterricht.

Auch sonst müssen Schulen ihre Aufsichtspflichten erfüllen. Schülerinnen und Schüler, die auf Busse oder andere Verkehrsmittel angewiesen sind, müssen bis zur Heimfahrt beaufsichtigt werden. Für berufliche Schulen und die gymnasiale Oberstufe ist Hitzefrei nach Angaben des Ministeriums nicht vorgesehen. Dort müsse stattdessen der Zugang zu Trinkwasser sichergestellt sein. Auch an Ganztagsschulen und sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren ist Hitzefrei in der Praxis oft nur eingeschränkt möglich.

Gewerkschaften dringen auf Sanierungen

Die Bildungsgewerkschaften begrüßen Jungs Vorstoß grundsätzlich, verweisen aber vor allem auf den Sanierungsbedarf. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, sagte, Hitzefrei könne «immer nur eine Notlösung» sein und dürfe «kein Dauerzustand» werden. «Wichtiger» sei es, Kitas und Schulen klimafest zu machen. Dafür brauche es eine Sanierungsoffensive und eine gemeinsame Kraftanstrengung von Kommunen, Land und Bund.

Stein verwies auf sehr unterschiedliche Bedingungen vor Ort – von alten Gebäuden mit dicken Mauern bis zu neueren Schulhäusern, «in denen das Wasser in den Sprudelflaschen der Kinder fast zu kochen beginnt». Einheitliche Empfehlungen seien sinnvoll, aber die einzelnen Schulen müssten weiter entscheiden.

VBE: Gute Lernbedingungen sichern

Auch aus Sicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg kennen die Schulen die Lage vor Ort am besten. Landesvorsitzender Gerhard Brand sagte, er begrüße, dass die Entscheidung über Hitzefrei auch künftig bei den Schulleitungen liegen solle. «Sie kennen die Situation vor Ort am besten und können die individuellen Bedingungen ihrer Schule angemessen berücksichtigen.» Sinnvoll sei auch die stärkere Orientierung an den tatsächlichen Temperaturen in den Klassenzimmern.

Zugleich dürfe sich die Debatte nicht darauf beschränken, ab wann Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt werden. «Angesichts steigender Temperaturen durch den Klimawandel muss die zentrale Frage lauten: Wie schaffen wir es, Schulen so auszustatten, dass auch an heißen Tagen guter Unterricht möglich bleibt?» Nötig seien etwa wirksame Beschattung, bessere Dämmung, Kühldecken oder gegebenenfalls auch Klimatisierung. Land und Kommunen müssten dafür gemeinsam ein Konzept entwickeln. News4teachers / mit Material der dpa

Deutschland unter einer Hitzeglocke – Schulen im Ausnahmezustand! Wir bitten Lehrkräfte: Dokumentieren Sie die Temperaturen in Ihrem Klassenraum!

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18 Kommentare
Rüdiger Vehrenkamp
22 Tage zuvor

Dank klammer Kassen der Kommunen (die gestern in BW in einer Aktion in den sozialen Medien auf die leeren Kassen aufmerksam machten) wird sich da die kommenden Jahre nichts tun. Die Schulbudgets in Mannheim wurden fürs neue Schuljahr z.B. weiter gekürzt. Man hält sich mit Durchhalteparolen über Wasser. Niemand würde den Schulen Heizungen im Winter verweigern (wobei viele ebenfalls nicht richtig funktionieren). Aber im Sommer sollen alle bei der Hitze brüten. Mit Wärmepumpen kann man übrigens auch klimatisieren. Doch so lange wir in Schulen noch immer Glasfronten haben, an denen es keine Jalousien gibt und sich nicht mal alle Fenster öffnen lassen, dürfen Lehrkräfte und Kinder von funktionierenden Klimageräten laaaange träumen…

Rainer Zufall
21 Tage zuvor

„Niemand würde den Schulen Heizungen im Winter verweigern“
Das kann ich leider nicht voll bestäigen -__-

Rainer Zufall
22 Tage zuvor

„Schulen sollten nach seiner Vorstellung ab einer bestimmten Temperatur nicht nur Hitzefrei geben können, sondern sie sollten es dann auch tun.“
Das ist nett gemeint – als Brückenlösung – aber am Problem vorbei, Schulen mit Klimaanlagen auszustatten.

Wie Gymnasien können es sich alle Schulen eigentlich nicht leisten, den zu wenigen Unterricht ausfallen zu lassen.
Wie beim Digitalpakt sind hier dringende Investitionen notwendig.
Schade, dass hier wieder auf die „Komplettlösung“ gewartet wird, anstatt – meinetwegen über Los – eine Verbesserung zumindest anzustoßen 🙁

unfassbar
21 Tage zuvor

Die Ganztagsregelung vieler Schulen konterkariert weitgehende Hitzefreiregelungen, weil die Betreuung bis 16 Uhr oder so in den überhitzten Gebäuden sichergestellt sein muss.

Angesichts klammer Kassen und zunehmend noch klammerer Kassen in den Kommunen wird sich daran auch absehbar nichts ändern.

Feirefiz
21 Tage zuvor

Es wäre viel einfacher, die Sommerferien im Süden nach vorne zu ziehen. Wir haben noch den ganzen Juli vor uns, es stehen noch alle mündlichen Prüfungen und Klassenarbeiten aus. Wenn wir schon ab Juli in die Ferien gehen würden, könnten wir das besser abfedern.

Alex
20 Tage zuvor
Antwortet  Feirefiz

Waren es nicht die Bayern, die so vehement drauf bestanden haben, immer im letzten Ferienturnus zu bleiben?

Götz
20 Tage zuvor
Antwortet  Alex

Flexibilität und intelligente Anpassung an veränderte Bedingungen sind in BY eine Kernkompetenz.

mama51
20 Tage zuvor
Antwortet  Alex

Und was hindert BaWü daran, die Regelung selbstständig zu ändern? Lasst die Bayern doch bei 38 Grad „schmoren“, wenn die das so wollen…

Muxi
21 Tage zuvor

Wir werden wahrlich von einer unfähigen Nichtelite regiert.
Klimaanlage heißt das Zauberwort, und schwupps ist das Problem gelöst. Lässt sich an solchen Tagen auch mittels Photovoltaik betreiben. Hat 2 Vorteile: Ist dann im Betrieb weitgehend klimaneutral und kann einen Beitag dazu leisten, dass wir an Hitzetagen Strom nicht mehr als Müll gegen Entsorgungsgebühr in unsere Nachbarländer entsorgen müssen.
Aber nachdem, was ich die letzten 15-20 Jahre mitbekommen haben erwarte ich von diesem politischen Personal nichts mehr. Zu unfähig.
Und als salvatorische Klausel: Was sich als Alternative (links wie rechts) anbietet ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Deut besser, würde im Gegenteil vermutlich weitere Probleme schaffen.

Alltagstauglich
21 Tage zuvor

Ich verstehe die Diskussion um die Temperaturen in den Klassenzimmern. Was mich aber wundert: Warum wird fast ausschließlich über Hitzefrei gesprochen und so wenig über die Folgen des Unterrichtsausfalls? Wenn Unterricht ausfällt, verschwinden die Lernziele ja nicht. Die Inhalte sollen trotzdem beherrscht werden. Die fehlende Lernzeit wird oft weder nachgeholt noch kompensiert. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen, ab wann Unterricht endet, sondern auch, wie wichtig uns die tatsächlich verfügbare Unterrichtszeit ist.

Alex
21 Tage zuvor

In NRW gibt es eine Klassenraumvorgabe, die liegt bei 27 °. Interessiert unsere SL leider wenig, da es immer noch eine kann-Bestimmung ist und es sich in der Statistik so schlecht macht, wenn Unterricht ausgefallen ist. Bei uns dürfen derzeit nur die Eltern entscheiden, ob ihr Kind eher geht (oder gar nicht erst kommt). Bringt natürlich für Unterricht rein gar nichts, wenn die halbe Klasse weg ist, steht aber offiziell als „erteilt“ in der Liste.
Im Übrigen heißt es gerade auf allen Kanälen, dass es sich um eine der schlimmsten Extremwetterlagen handelt. Da würde ich mir vom Ministerium mal eine Vorgabe zum Schließen der Schulen wünschen. Aber da im Winter sich alle unheimlich über den einen Tag schneefrei aufgeregt haben, wird in der Hinsicht nichts passieren.

MB aus NRW
20 Tage zuvor
Antwortet  Alex

Diejenigen, die uns immer erzählen, wie leicht und locker unser Beruf doch ist und wie überbezahlt wir sind etc. sind halt überfordert, wenn ihr Kind bei Extremwetter (Schnee im Winter, Extremhitze im Sommer) einen Tag zu Hause lernen soll.
Ich bekomme das so ganz ohne Wertung leider nicht geschrieben.
Es ist aber auch krass, dass es einigen Menschen echt total egal zu sein scheint, wie es ihrem eigenen Kind geht, Hauptsache, es ist nicht zu Hause (und ja, ich weiß, wie schwierig das mit der Betreuung sein kann, ich habe selbst zwei kleine Kinder und Elter, die weit weg wohnen).

dickebank
20 Tage zuvor
Antwortet  Alex

27° ist ein spitzer Winkel. Normalerweise sind die Klassenräume aber rechtwinklig, haben also 90°. Da sind 27° doch nur 30%. Und in schulischen Dingen muss braucht es schon 43% für ein “ schwach ausreichend“. Da sind 30% nur mangelhaft – so wie die Temperaturbedingungen in Unterrichtsräumen.
Mit den 27° C ist aber vermutlich nur die Jahresdurchschnittstemperatur gemeint. Also wenn das Jahresmittel überschritten wird, kann die SL hitzefrei geben. Ist das so schwer zu verstehen?

Susanne M.
21 Tage zuvor

Wir hatten in den Siebzigern doch öfter hitzefrei. Wurde das nicht aus versicherungsrechtlichen Gründen abgeschafft? Bei uns hieß es später, dass die Eltern darüber informiert werden müssten, wo ihr Kind ist, und man somit jeden einzeln anrufen müsste. Wer nicht erreichbar ist, dessen Kind darf nicht gehen.
Wird das wieder rückgängig gemacht?

unfassbar
21 Tage zuvor

NRW hat heute hitzefrei, Kurzstunden usw. auch für die Oberstufe grundsätzlich erlaubt, befristet erst einmal bis Schuljahresende.

Marie
21 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Die letztendliche Entscheidung trifft aber immer noch die jeweilige SL. Unsere hat entschieden, dass es in unserer Grundschule kein hitzefrei gibt. Man will halt mit den Nachbarschulen mithalten, die sich rühmen, dass bei ihnen nicht eine einzige Stunde ausfällt. Das Lehrer und Kinder in Räumen hocken, die schon morgens an der 30-Grad-Grenze knabbern – wen interessierts…

Mr X
20 Tage zuvor
Antwortet  Marie

Also manchmal kann man in so Räumen auch als Lehrer oder Lehrerin Kopfschmerzen bekommen…

mama51
20 Tage zuvor

Auch er frage sich, warum die maßgebliche Temperatur bislang draußen im Schatten gemessen werde und nicht im Klassenzimmer, in dem die Kinder säßen. Jungs Vorschläge seien daher «sehr pragmatisch».

Im Ländle regieren ja schon die Oberschlauen und Schnellmerker…
In Hessen ist das seit vielen Jahren so, dass die Temperaturen in den Klassenräumen maßgeblich sind: 26+… Grad um 11 Uhr und um 12h geht`s idR Heim oder in den OGS…= anderes Gebäude, neu und damit dort auch bessere, nicht ideale, aber immerhin, klimatische Bedingungen.

Allerdings ist auch das nicht wirklich zielführend, denn wenn es um 08:00 schon 29 + Grad im Saal sind, dann ist die Zeit bis 12 Uhr vertan und mehr als anstrengend. Und der einzige Baum (= Schatten) im Hof längst besetzt. 🙁