BERLIN. Schulen übernehmen längst Aufgaben, die weit über Unterricht hinausgehen. Sie versorgen verletzte Kinder, begleiten chronisch kranke Schülerinnen und Schüler, reagieren auf psychische Krisen und vermitteln Hilfen bei sozialen Problemen. Eine aktuelle Befragung von Schulleitungen zeigt nun, welche Rolle Schulgesundheitsfachkräfte dabei spielen können. Fast alle Befragten berichten von Verbesserungen. Vor diesem Hintergrund erhöhen Krankenkassen-, Eltern-, Schüler- und Pflegeverbände jetzt den Druck auf die Politik.

Als die Schulleitungen gefragt wurden, fiel das Urteil bemerkenswert eindeutig aus. Mehr als neun von zehn Befragten bewerteten den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften positiv oder sehr positiv. 98 Prozent berichteten von einer Entlastung des Schulpersonals bei gesundheitlichen Aufgaben, die eigentlich nicht zum pädagogischen Kerngeschäft gehören. 96 Prozent sahen Verbesserungen bei der Begleitung chronisch erkrankter Schülerinnen und Schüler, 93 Prozent bei der Akutversorgung gesundheitlicher Probleme.
Die Zahlen stammen aus dem Projekt „Monitor Bildung und Psychische Gesundheit“ (BiPsy-Monitor), das von der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover durchgeführt und von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird. Befragt wurden im November und Dezember 2025 insgesamt 44 Schulleitungen aus sechs Bundesländern, deren Schulen bereits Erfahrungen mit Schulgesundheitsfachkräften gesammelt haben. Die Stichprobe ist klein und nicht repräsentativ. Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass die Ergebnisse deshalb nur eingeschränkt verallgemeinert werden können. Gleichwohl liefert die Untersuchung einen seltenen Einblick in die Praxis eines Modells, das in Deutschland bislang nur punktuell existiert.
Nach Angaben der Studienautorinnen und -autoren berichten rund 80 Prozent der Schulleitungen von einer insgesamt verbesserten gesundheitlichen Versorgung der Schülerinnen und Schüler. Mehr als 70 Prozent sehen eine Entlastung von Lehrkräften und anderem Schulpersonal. Drei Viertel geben an, dass gesundheitliche oder psychische Probleme häufiger früh erkannt würden. Viele Schulen berichten zudem von zusätzlichen Präventionsangeboten und gesundheitsfördernden Projekten. Hinweise gibt es auch auf sinkende Fehlzeiten bei Schülerinnen und Schülern.
Am deutlichsten zeigen sich die Effekte nach Einschätzung der Schulleitungen dort, wo gesundheitliche Unterstützung unmittelbar im Schulalltag benötigt wird: bei chronischen Erkrankungen, akuten Beschwerden und der Entlastung des Personals. Fast alle Befragten sehen Verbesserungen bei der Versorgung chronisch erkrankter Kinder und Jugendlicher. Ebenso deutlich wird die Entlastung bei fachfremden gesundheitlichen Aufgaben bewertet. Gleichzeitig berichten die Schulleitungen mehrheitlich, dass durch den Einsatz der Fachkräfte keine zusätzlichen administrativen Belastungen entstehen.
„Schulgesundheitsfachkräfte sind die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen im Schulalltag“
„Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) – international als School Nurses etabliert – sind fester Bestandteil vieler Bildungssysteme, z. B. in Skandinavien, Großbritannien oder den USA. In Deutschland hingegen steckt ihr Einsatz noch im Modellprojekt-Status und ist bisher nicht flächendeckend etabliert“, sagt Julian Schmitz, Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig. „Schulgesundheitsfachkräfte sind die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen im Schulalltag: Sie versorgen akute Beschwerden und Verletzungen, begleiten Schüler:innen mit chronischen Erkrankungen (zum Beispiel Asthma oder Diabetes) und behalten deren Gesundheitsverläufe im Blick.“
Die Untersuchung verweist allerdings auch auf Grenzen des bisherigen Systems. Der durchschnittliche Stellenumfang der eingesetzten Schulgesundheitsfachkräfte liegt nach Angaben der Schulleitungen bei rund 33 Wochenstunden. Den tatsächlichen Bedarf schätzen die Befragten jedoch auf mehr als 43 Stunden pro Woche. Besonders groß fällt die Lücke an Grundschulen aus.
Vor diesem Hintergrund haben der BKK Dachverband, der Spitzenverband der Betriebskrankenkassen in Deutschland, die Bundesschüler*innenkonferenz, der Bundeselternrat und der Deutsche Pflegerat, die Dachorganisation der Pflegeberufe, nun die bundesweite Einführung von Schulgesundheitsfachkräften gefordert. In einem gemeinsamen Memorandum verlangen die Organisationen, entsprechende Stellen flächendeckend, verbindlich und dauerhaft an Schulen zu etablieren.
Die Verbände verweisen auf eine aus ihrer Sicht zunehmende gesundheitliche Belastung von Kindern und Jugendlichen. In ihrer gemeinsamen Erklärung heißt es, psychische Belastungen, chronische Erkrankungen, Bewegungsmangel und Übergewicht prägten inzwischen den Alltag vieler Schülerinnen und Schüler.
Im Memorandum begründen die Unterzeichner ihre Forderung mit einer Reihe gesundheitlicher Kennzahlen. „Jedes fünfte Kind ist durch psychische Auffälligkeiten belastet. Allein Angststörungen nahmen innerhalb von fünf Jahren um 17 Prozent zu – bei Mädchen sogar um 23 Prozent. Auch problematische Mediennutzung (Prävalenz: 25 Prozent), chronische Erkrankungen und Übergewicht (Prävalenz: rund 15 Prozent), belasten eine ganze Generation“, heißt es dort. Weiter verweisen die Verbände darauf, dass nur noch jedes vierte Kind die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation erreiche. Unter Jugendlichen sei es sogar nur noch jeder Siebte.
„Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit in der Schule. Und genau dort brauchen sie Gesundheitsangebote und eine verlässliche Ansprechperson“
Aus diesen Entwicklungen leiten die Organisationen einen unmittelbaren politischen Handlungsauftrag ab. Wörtlich heißt es: „Ohne Gegenmaßnahmen werden sich diese Trends weiter verschärfen. Die Frage ist also nicht, ob wir handeln müssen, sondern wann und wo. Die Antworten liegen auf der Hand: Jetzt – und an dem Ort, an dem alle Kinder, unabhängig von ihrem sozialen Status, erreicht werden und einen großen Teil ihrer Zeit verbringen: in der Schule.“
Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, sieht Schulen deshalb als zentralen Ort gesundheitlicher Prävention und Versorgung. „Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit in der Schule. Und genau dort brauchen sie Gesundheitsangebote und eine verlässliche Ansprechperson“, erklärt sie. „Schulgesundheitsfachkräfte bringen Gesundheitsförderung, Prävention und medizinisch-pflegerische Versorgung an den Lernort Schule. Sie können Kinder und Jugendliche, ihre Familien sowie Lehrkräfte im Alltag deutlich entlasten.“ Für eine flächendeckende Umsetzung brauche es „endlich einen Schulgesundheitspakt von Bund und Ländern“. Als mögliche Gegenfinanzierung bringt Klemm die von der Finanzkommission Gesundheit vorgeschlagene Zuckersteuer ins Spiel.
Auch die Bundesschülerinnenkonferenz argumentiert, dass die Anforderungen an Schulen inzwischen die Grenzen klassischer pädagogischer Zuständigkeiten überschreiten. Generalsekretärin Amy Kirchhoff erklärt: „Für die mentale und körperliche Gesundheit von Schülerinnen braucht es qualifiziertes und ausreichend unterstützendes Personal. Lehrkräfte müssen bereits im Studium sowie durch verpflichtende Fortbildungen zu Themen wie mentale Gesundheit, Neurodivergenz und Diversität sensibilisiert werden – kommen jedoch bei pflegerisch-medizinischen Problemen an Grenzen.“ Schulgesundheitsfachkräfte könnten diese „Lücke durch präventive Angebote, medizinisch-pflegerische Versorgung und Beratung schließen“. Eingebunden in ein multiprofessionelles Team stärkten sie Schulen und entlasteten Lehrkräfte, „um eine verlässliche und ganzheitliche Unterstützung zu gewährleisten“.
Aus Sicht des Deutschen Pflegerates geht es dabei auch um die stärkere Einbindung pflegerischer Expertise in Bildungseinrichtungen. Jana Luntz, Vizepräsidentin des Verbandes, erklärt: „Die Kompetenz der Pflege gehört in die Schule. Schulgesundheitsfachpersonen sind Pflegefachpersonen. Sie können Beschwerden einschätzen. Sie leisten Erste Hilfe. Sie begleiten und unterstützen Kinder mit chronischen Erkrankungen. Sie stärken Inklusion.“ Daraus entstehe Entlastung „für Kinder, Eltern, Lehrkräfte, Arztpraxen und für das Gesundheitssystem“. Luntz bezeichnet dies als „eine sinnvolle Investition in die Zukunft unserer Kinder, in bessere Bildung und in Teilhabe“.
„Eltern wünschen sich Schulen, in denen Kinder auch gesund aufwachsen. Doch viele Familien erleben, dass Schule Kinder an Belastungsgrenzen bringt – körperlich, psychisch und sozial“
Die Forderungen der Verbände reichen weit über eine Ausweitung bestehender Modellversuche hinaus. Gefordert wird ein gemeinsamer „Schulgesundheitspakt“ von Bund und Ländern. Ziel sei es, bundesweit bis zu 10.000 Stellen für Schulgesundheitsfachkräfte zu schaffen. Nach Angaben des Memorandums könnten damit rund 6,5 Millionen Schülerinnen und Schüler erreicht werden – mehr als 70 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. Zusätzlich verlangen die Verbände gesetzliche Anpassungen in den Ländern, verbindliche Regelungen zu Qualifikation und Aufgabenprofil sowie eine langfristig gesicherte Finanzierung.
Der Bundeselternrat knüpft die Forderung unmittelbar an die Erfahrungen vieler Familien. Dessen Vorsitzender Norman Heise erklärt: „Eltern wünschen sich Schulen, in denen Kinder auch gesund aufwachsen. Doch viele Familien erleben, dass Schule Kinder an Belastungsgrenzen bringt – körperlich, psychisch und sozial. Dauerhafter Druck führt zu Überforderung und gesundheitlichen Problemen, die auch Familien stark belasten.“ Gleichzeitig fehlten vielerorts Zeit, Personal und niedrigschwellige Hilfsangebote. „Schulgesundheitsfachkräfte können diese Lücke schließen, entlasten Familien, unterstützen Lehrkräfte und bieten Kindern eine verlässliche Anlaufstelle im Alltag.“ News4teachers
Gesundheitsfachkräfte an Schulen: Wirksame Unterstützung für Lehrkräfte (sagen Lehrkräfte)









Ok ist natürlich jetzt doof für die Schulministerien, dass hier jetzt mal etwas von Ihnen gefordert wird und nicht vom Unterricht und den Lehrern selbst.
Ich hätte da aber einen Vorschlag, wie diese in Zukunft reagieren könnten und ihrem Muster treu bleiben würden:
“Die Forderungen der Verbände reichen weit über eine Ausweitung bestehender Modellversuche hinaus. Gefordert wird ein gemeinsamer „Schulgesundheitspakt“ von Bund und Ländern. Ziel sei es, bundesweit bis zu 10.000 Stellen für Schulgesundheitsfachkräfte zu schaffen. Nach Angaben des Memorandums könnten damit rund 6,5 Millionen Schülerinnen und Schüler erreicht werden – mehr als 70 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. .”
Meine Forderung reicht weit über Modellversuche hinaus. Gefordert wird ein gemeinsamer “Pakt für mehr Qualität beim Kerngeschäft” von Bund und Ländern. Ziel ist es, bundesweit 350.000 Stellen für pädagogische Assistenten zu schaffen. Nach Adam Riese können damit 9 Millionen Schüler erreicht werden – 100 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.
“Insbesondere das Kerngeschäft profitiert”, so Lera. Dies sei die “absolute Priorität” und müsse bei der Ressourcenallokation unbedingt berücksichtigt werden.
Man fordert also 10.000 Schulgesundheitsfachkräfte, die durch präventive Angebote, medizinisch‑pflegerische Versorgung und Beratung eine „Lücke“ schließen sollen. Eingebunden in ein multiprofessionelles Team, heißt es, würden sie Schulen stärken und Lehrkräfte entlasten. Das multiprofessionelle Team – dieses seit Jahren angekündigte, versprochene, herbeigeredete Einhorn der Bildungspolitik, das angeblich jeden Moment durchs Schulhaus traben müsste, aber in Wirklichkeit nicht einmal als Schatten existiert. Und bitte nicht die “Lücke” der Schul‑IT‑Fachkräfte, der Schulverwaltungsfachkräfte, der Schulrechtfachkräfte, Schulreisefachkräfte und der Schulsozialfachkräfte vergessen.
Denn während man über 10.000 Schulgesundheitsfachkräfte diskutiert, fehlen in der Realität vor allem die Schullehrfachfachkräfte – und zwar nicht knapp, sondern in einer Größenordnung, die selbst die offiziellen 17.400 fehlenden Lehrkräfte der KMK wie Schönrechnerei aus dem Ministeriumskaraoke wirken lässt. Realistische Schätzungen liegen längst bei 30.000 bis über 50.000 fehlenden Schullehrfachfachkräften.
Wenn also 10.000 Schulgesundheitsfachkräfte, X Schulsozialfachkräfte, Y Schul‑IT‑Fachkräfte, Z Schulverwaltungsfachkräfte und ein paar Schulrecht- und Schulreisefachkräfte gebraucht werden – wer soll die alle einstellen, bezahlen und überhaupt finden, wenn schon die eigentlichen Schullehrfachfachkräfte (schönes Wortgeklingel) fehlen – vielleicht die multiprofessionellen Teams “Bildungsidealistischer Elfenbeinturm” und “Bildungspolitisches Wolkenkuckucksheim”, in denen diese Einhörner seit Jahren gezüchtet werden? Wie ist eigentlich das letzte Match dieser Profi-Teams ausgegangen?
Aber gut. Klingt alles supi.
Man wird ja noch träumen dürfen.
Sie plädieren dann also auch für ein Krankenhaus, das nur aus Ärztinnen und Ärzten besteht? Dass die dort nicht auch Betten machen und Medikamente verteilen müssen, entlastet schon enorm. Nennt sich Arbeitsteilung – und ist ein Prinzip menschlicher Zusammenarbeit seit der Zeit der Jäger und Sammler. “Die Arbeitsteilung ist das grundlegende Erfolgsrezept der Menschheit, bei dem Aufgaben in Teilbereiche zerlegt und von Spezialisten übernommen werden.” Könnte ja auch mal in der Schule probiert werden… Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsteilung
Wie Sie dem Beitrag oben entnehmen können, ist auch der Deutsche Pflegerat an der Stellungnahme beteiligt (der die entprechenden Profis vertritt) – so viel zu Ihrer Frage: “Wer soll die alle finden.” Nicht nötig, sie sind schon da. Es geht allein um den politischen Willen, Geld für ein Unterstützungssystem an Schulen auszugeben. Statements wie Ihres vermitteln aber den Eindruck: ist gar nicht gewollt. Prima für die Politik – schlecht für die Kollegien.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Vielen Dank für Ihre Antwort – allerdings setzt sie mir eine Position unter, die ich an keiner Stelle vertreten habe. Ich habe weder gegen Arbeitsteilung argumentiert noch gefordert, dass Schulen ausschließlich aus Lehrkräften bestehen sollen. Der Vergleich mit einem Krankenhaus, das nur aus Ärztinnen und Ärzten besteht, geht daher völlig an meinem Punkt vorbei.
Bevor man immer neue Berufsgruppen in Schulen hineinphantasiert, sollte man zunächst das strukturelle Grundproblem lösen – den massiven Lehrkräftemangel. Arbeitsteilung funktioniert nämlich nur dann, wenn die Kernfunktionen überhaupt besetzt sind. Ein Krankenhaus mit Mangel an Pflegekräften ist ein Problem – aber ein Krankenhaus ohne Ärztinnen und Ärzte ist schlicht nicht funktionsfähig. Genau das ist die Lage vieler Schulen.
Dass der Deutsche Pflegerat die Idee unterstützt, ist schön – löst aber nicht die Frage, woher die Menschen kommen sollen, die all diese zusätzlichen Funktionen übernehmen sollen. „Sie sind schon da“ überzeugt wenig, wenn gleichzeitig in nahezu allen sozialen, pädagogischen und pflegerischen Bereichen Fachkräftemangel herrscht. Politischer Wille ersetzt keine real existierenden Arbeitskräfte.Und selbst wenn man diese Fachkräfte fände: Die Schulträger – also Städte und Gemeinden – können diese zusätzlichen Stellen schlicht nicht finanzieren. Viele kämpfen heute schon damit, die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben zu stemmen.
Ich kritisiere also nicht das Prinzip der Arbeitsteilung, sondern die politische Praxis, ständig neue „multiprofessionelle Teams“ auszurufen, während die Realität an Schulen von Überlastung, Personallücken und organisatorischem Notbetrieb geprägt ist.
“Bevor man immer neue Berufsgruppen in Schulen hineinphantasiert, sollte man zunächst das strukturelle Grundproblem lösen – den massiven Lehrkräftemangel.”
Nicht, wenn das eine mit dem anderen zusammenhängt. Wenn alle unterrichtsfernen Aufgaben auf einen Schlag wegfielen – gäbe es keinen Lehrkräftemangel mehr. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/12/wie-viel-lehrkraefte-arbeiten-und-was-die-reine-unterrichtszeit-macht-nur-noch-ein-drittel-der-arbeitszeit-aus/
Ihre Forderung nach mehr Lehrkräften führt dagegen ins Nichts: Es gibt nicht mehr ausgebildete Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt, weshalb seit Jahren schon massiv Seiteneinsteiger eingestellt werden (ohne dass deshalb alle freien Stellen besetzt werden könnten). Selbst dabei ist langsam das Ende der Fahnestange erreicht, weil es keine Bewerberinnen und Bewerber mehr gibt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Herzliche Grüße
“Wenn alle unterrichtsfernen Aufgaben auf einen Schlag wegfielen – gäbe es keinen Lehrkräftemangel mehr.”
“Unterrichtsferne” Aufgaben machen maximal 25% meiner Arbeitszeit aus – und die meisten davon sind nicht sinnvoll delegierbar.
28 Stunden Deputat bedeuten 21 Zeitstunden Unterricht. Also 50 Prozent meiner Arbeitszeit. Nicht ein Drittel.
Das will natürlich auch vor- und nachbreitet sein, das ist mindestens ein weiteres Viertel der Arbeitszeit, das direkt mit Unterricht zusammenhängt und nicht sinnvoll zu delegieren ist.
Es bleiben Konferenzen, Elterngespräche, Fortbildungen – alles nicht delegierbar, sowie Pausenaufsichten und Kopieren. Wow.
Wir brauchen pädagogische (!) Assistenten, an die kann man dann sinnvoll etwas delegieren, im Kerngeschäft nämlich: Gruppen beaufsichtigen, Team Teaching, Raum für Schülerbeobachtung, Raum für individuelle Hilfestellungen, Feedback, Gespräche – es wäre ein Träumchen.
Da hat man dann zwar keine zusätzlichen Stunden aus dem faulen Pack rausgenudelt, aber den Unterricht massiv verbessert. Soweit verbessert, dass einige der bildungspolitischen Heilsversprechen eventuell sogar ein ganz bisschen eingelöst werden könnten.
Und da sind Gesundheitsfachkräfte halt vergleichsweise… sekundär.
„ Wenn alle unterrichtsfernen Aufgaben auf einen Schlag wegfielen – gäbe es keinen Lehrkräftemangel mehr. “
Ich zitiere aus dem verlinkten Artikel:
„ Im Durchschnitt entfällt nur noch rund ein Drittel der Arbeitszeit auf den eigentlichen Unterricht. Weitere gut 30 Prozent entfallen auf Vor- und Nachbereitung.“
Dazu kommen Elterngespräche, Teilnahme an Klassenfahrten/Exkursionen, Fortbildung, Förderausschussverfahren, Konferenzen etc. -alles nicht auslagerbar.
Der unterrichtsferne Rest macht bei mir ca. 5, maximal 10% aus. Ich arbeite ferienbereinigt 46h/Woche. Würde ich durch wen auch immer um diese 5-10% entlastet werden, hätte ich noch nicht mal eine ferienbereinigte 40h -Woche…
Aus meiner Sicht stimme ich Katze daher voll zu: es braucht Leute, die unterrichten, um Lehrkräfte zu entlasten und Unterricht sicherzustellen. Durch MPTs wird kaum Unterrichtszeit generiert, da „normale“ Lehrer kaum noch unterrichtsferne Aufgaben haben, die sie delegieren können.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika BB
“Dazu kommen Elterngespräche, Teilnahme an Klassenfahrten/Exkursionen, Fortbildung, Förderausschussverfahren, Konferenzen etc. -alles nicht auslagerbar.” Warum nicht (Fortbildung mal ausgenommen)? Passiert in Unternehmen ja auch.
Haben wir immer schon so gemacht/haben wir noch nie so gemacht – ist der Feind jeder Verbesserung. Die Forderung “nur mehr Lehrkräfte, alles andere hilft nicht” freut die Finanzminister. Sie schreiben Lehrerstellen aus (= Arbeitsnachweis), bekommen die nicht besetzt (allein in NRW aktuell 5.000). Und sparen sich die Gehälter.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nicht, dass ich was dagegen hätte (weit davon entfernt sogar, ich fände es super!)…aber für wie realistisch halten Sie @Redaktion ein (dann klar zu änderndes!) Lehrerbild in der Bundesrepublik Deutschland, wo Lehrkräfte zahlreiche bisher gratis mitgenommene Aktivitätenschlicht NICHT mehr ausüben würden?
In vielen Ländern sind Gesundheitsfachkräfte/”Schulkrankenschwestern” (die Übersetzung stimmt so nicht, oft wären es im deutschen System fast schon Ärztinnen=hochqualifiziert) üblich.
Was ich mich frage:
Wenn LuL nur noch Unterricht und ggf. unterrichtsnahe Beratung machen würden (was ich sehr begrüssen würde)…wie lange bis zum Aufschrei, dass “die fauelen S***e” ja nun “nix mehr machen”?
Geht das politisch durch?
Ja. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/05/mehr-personal-in-kitas-und-schulen-multiprofessionelle-teams-mehr-demokratiebildung-kinder-und-erwachsene-verlangen-eine-bildungsoffensive-mit-grosser-mehrheit/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das machen bei uns entweder die Sozialarbeiter oder unsere Sekretärinnen. Entlastet das mich? Ja, durchaus. Stressig ist es trotzdem!