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Grooming: „Herr L. scheint auf Teenager zu stehen“ – warum der Lebensraum Schule Missbrauch begünstigt

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BERLIN. Das Muster ähnelt sich auffällig: Ein älterer Lehrer nähert sich einer pubertierenden Schülerin mit familiären Problemen – und bietet ihr Hilfe, Schutz und vermeintliche Nähe an. Tatsächlich geht es um Sex. Fast im Wochentakt musste News4teachers zuletzt über solche Missbrauchstaten an Schulen berichten. Für das Muster gibt es mittlerweile schon einen Fachbegriff: Grooming. Das Problem wird offenbar in seiner Dimension vielerorts noch nicht wahrgenommen: Eine Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung das Geschehen untersucht, fordert mehr Prävention an Schulen.  

Tatort Schule (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

News4teachers, 16. Juli 2026: Ein Kölner Lehrer muss für fünf Jahre und drei Monate in Haft, weil er eine Schülerin missbrauchte – und sein eigenes Baby vergewaltigte. Der Lehrer hatte die Verbrechen während seiner Zeit als Vertretungslehrer an einem Gymnasium begangen, bevor er Studienrat wurde. Er knüpfte zu einer damals 16-jährigen Schülerin eine sexuelle Beziehung und missbrauchte das Mädchen während einer laufenden Unterrichtsstunde, indem er ein per Fernbedienung gesteuertes Sexspielzeug aktivierte. Darüber hinaus vergewaltigte er seine Tochter, als sie elf Monate alt war, und fertigte Fotos davon an.

News4teachers, 15. Juli 2026: Der stellvertretende Schulleiter eines Kieler Gymnasiums ist wegen einer so genannten Beziehung zu einer minderjährigen Schülerin von einem Gericht aus dem Beamtenverhältnis entfernt worden. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der inzwischen 53-Jährige der minderjährigen Schülerin über ein Jahr nachstellte. Zu Beginn war das Mädchen 16 Jahre alt. Nach Gerichtsangaben hat der stellvertretende Schulleiter gezielt seine Machtposition dafür ausgenutzt, die Schülerin in eine „Beziehung“ zu verwickeln. Er soll ihr Vorteile für ihre schulische Laufbahn versprochen und sie zu sexuellen Handlungen überredet haben.

News4teachers, 12. Juni 2016: Ein inzwischen aus dem Dienst ausgeschiedener Lehrer für Physik und Geografie ist vom Berliner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs von Schülerinnen zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 39-Jährige habe bewusst seine Autoritätsstellung als Lehrer und das Vertrauen der vier betroffenen Schülerinnen ausgenutzt. Der Mann, der an verschiedenen Schulen als Vertretungslehrer tätig war, wurde unter anderem der Vergewaltigung in einem Fall sowie des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 19 Fällen schuldig gesprochen. Die Opfer seien 15 bis 17 Jahre alt gewesen. „Er kannte ihre Lebensumstände, ihre Probleme, er bot Hilfe an, er war der Lehrer auf Augenhöhe, der das Du anbot“, hieß es im Urteil. Der Mann sei jeweils nach ähnlichem Schema vorgegangen. Tatort sei die Gartenlaube des Angeklagten in Berlin gewesen.

„Teilweise wurde geschwiegen, um den Ruf der Schule zu schützen. Damit stellten sie diesen über den Kinder- und Jugendschutz“

Wie viele solcher Fälle es in Deutschland gibt? Ist unbekannt. Das Dunkelfeld dürfte groß sein. Bestätigt wurden zuletzt aber so viele Berichte, dass von Einzelfällen keine Rede mehr sein kann. Auch das Muster ist erkennbar. Immer wieder beschreiben Betroffene ein schrittweises Vorgehen der Täter (über 90 Prozent sind männlich). Sie bauen als Lehrer zunächst Vertrauen auf, schenken einzelnen Schülerinnen oder Schülern besondere Aufmerksamkeit, suchen persönliche Gespräche und verschieben die Grenzen der professionellen Beziehung nach und nach. Für dieses gezielte Vorgehen hat sich der Begriff „Grooming“ etabliert.

Ene Fallstudie der von der Bundesregierung eingesetzten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die über 130 Fälle aus den vergangenen Jahrzehnten nachvollzogen hat, bestätigt dieses Muster. Demnach haben sich die Strategien der Täter im Laufe der Zeit verändert. Während Lehrkräfte Betroffene in den 1960er-Jahren häufig durch autoritäres Auftreten einschüchterten, nutzten Täter später zunehmend emotionale Nähe und persönliche Krisen aus. Besonders auffällig sei die Häufung vermeintlich romantischer Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen oder Schülern. Lehrkräfte näherten sich ihren Schutzbefohlenen häufig über einen längeren Zeitraum verständnisvoll an und „gaukelten ihnen sodann eine große Liebesgeschichte vor“. Vielen Betroffenen sei erst Jahre später bewusst geworden, dass sie gezielt manipuliert worden waren.

Begünstigt werden solche Entwicklungen nach Einschätzung der Aufarbeitungskommission durch die besonderen Bedingungen des Lebensraums Schule. Kinder und Jugendliche verbringen dort einen großen Teil ihres Alltags, Lehrkräfte genießen einen erheblichen Vertrauensvorschuss und verfügen zugleich über Autorität. Genau dieses Machtgefälle könne gezielt ausgenutzt werden. Hinzu komme, dass Täter häufig Orte wählten, an denen sie unbeobachtet mit Schülerinnen oder Schülern allein sein konnten – etwa Vorbereitungsräume naturwissenschaftlicher Fachbereiche, Musik- und Kunsträume, Sporthallen, Lehrerzimmer, Dienstzimmer oder Autos. Auch Unterrichtssituationen selbst wurden von Betroffenen als Orte beschrieben, an denen Grenzüberschreitungen erprobt wurden.

Die Auswertung der Kommission zeigt zudem, dass viele Betroffene bereits vor den Taten besonders verletzlich waren. Häufig berichten sie von belastenden familiären Situationen oder bereits zuvor erlebter Gewalt. Täter hätten solche Lebenslagen gezielt ausgenutzt. Gleichzeitig handelte es sich nur selten um einmalige Vorfälle. Die berichteten Tatzeiträume reichten vielfach von mehreren Wochen bis über ein Jahr.

Auffällig ist nach den Erkenntnissen der Kommission auch das Verhalten des Umfelds. Viele Betroffene schwiegen aus Angst, aus Scham oder weil ihnen die Worte für das Geschehen fehlten. Wer sich anvertraute, wandte sich meist zunächst an gleichaltrige Freundinnen oder Freunde. Lehrkräfte oder Schulleitungen wurden dagegen deutlich seltener als Vertrauenspersonen erlebt. In zahlreichen Fällen wussten Mitschüler, Eltern, Lehrkräfte oder Schulleitungen von den Vorfällen, ohne wirksam einzugreifen. Teilweise, so heißt es in der Studie, sei geschwiegen worden, „um den Ruf der Schule zu schützen. Damit stellten sie diesen über den Kinder- und Jugendschutz.“

Entsprechend ernüchternd fällt die Bilanz der Kommission aus. In den ausgewerteten Berichten konnten lediglich 22 Lehrkräfte identifiziert werden, die Betroffenen aktiv geholfen hätten. Dem standen 48 Fälle gegenüber, in denen Unterstützung ausblieb oder sogar verweigert wurde. Teilweise erhielten Betroffene auch Jahrzehnte später keine Hilfe mehr, wenn sie ihre Schule oder die zuständige Schulaufsicht um Aufarbeitung baten.

Was Opfern passieren kann, illustriert die Fallserie an einem Erfurter Gymnasium, wo gleich zwei Lehrer Jagd auf Mädchen machten. Während der Aufarbeitung des ersten Verfahrens – dabei wurde ein 63-jähriger Lehrer im Oktober 2025 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe wegen Missbrauchs einer 13-jährigen Schülerin verurteilt – wurde bekannt, dass sich das Opfer einem weiteren Lehrer der Schule anvertraut hatte. Der verlangte dann von ihr Nacktfotos. Angeklagt wurde dieser Religions- und Musiklehrer schließlich wegen insgesamt 69 Taten zum Nachteil von drei Schülerinnen. Das Landgericht verurteilte ihn im Februar ebenfalls zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe. Bekannt wurde in dem Verfahren auch, dass die 13-Jährige ebenfalls die Schulleitung informiert hatte, aber von dieser abgewiesen worden war.

Die Zeit hat unlängst zwei weitere Fälle aus Opfersicht dokumentiert, um das Muster offenzulegen. Der erste:

Laura ist 15 Jahre alt, als ihr Physiklehrer den Schülerinnen und Schülern anbietet, ihn bei Fragen zum Unterricht über einen Messenger zu kontaktieren. Auch sie schreibt ihm zunächst wegen schulischer Themen. Nach und nach verlagern sich die Gespräche jedoch auf ihr Privatleben. Der Lehrer interessiert sich für ihre Familie, ihre Freundschaften und ihre persönlichen Probleme. Immer häufiger treffen sich beide nach Unterrichtsschluss allein in Vorbereitungs- und Klassenräumen. Für Laura entsteht der Eindruck, der Lehrer interessiere sich nicht nur für sie als Schülerin, sondern als junger Mensch. Sie fühlt sich gesehen und ernst genommen – und verliebt sich nach eigenen Angaben in den mehr als 50 Jahre alten Pädagogen.

Die Nähe entwickelt sich schrittweise weiter. Nach einer ersten körperlichen Annäherung fordert der Lehrer sie nach ihrer Darstellung auf, niemandem davon zu erzählen. Er begründet dies damit, dass sonst nicht nur seine berufliche Existenz, sondern auch ihr Schulabschluss gefährdet sei. Laura schweigt. In den folgenden Monaten intensiviert sich der Kontakt. Beide schreiben sich regelmäßig Nachrichten und treffen sich weiterhin heimlich. Auf ihrem alten Mobiltelefon sind SMS erhalten geblieben. In einer davon schreibt der Lehrer: „hab es sehr genossen mit dir. es waren wirklich heiße momente“. Für Laura ist all das damals Ausdruck einer Liebesbeziehung.

Erst Jahre später verändert sich ihr Blick auf das Geschehen. Als sie erfährt, dass gegen denselben Lehrer ähnliche Vorwürfe einer anderen ehemaligen Schülerin bekannt geworden sind, beginnt sie die Beziehung neu zu bewerten. Mit einem Mal, erzählt sie der Zeit, sei ihr klar geworden, dass vieles, was sie als Liebe verstanden habe, Teil einer gezielten Strategie gewesen sein könnte. Rückblickend beschreibt sie dieses Gefühl mit den Worten: „Ich bin auf einen Trickbetrüger hereingefallen.“ Sie erstattet Anzeige. Der Lehrer wird später wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen rechtskräftig verurteilt und aus dem Schuldienst entlassen.

„Die häufig geschilderte Unbeholfenheit im Umgang mit sexuellen Übergriffen ist nachhaltig nur durch die verstärkte Thematisierung bei allen Beteiligten im Bereich Schule zu verbessern“

Aus ihren Befunden leitet die Aufarbeitungskommission einen umfassenden Reformbedarf für Schulen ab. Sie macht deutlich, dass Prävention und Aufarbeitung nicht getrennt voneinander gedacht werden können. „Die Ergebnisse dieser Fallstudie haben gezeigt: Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und die Entwicklung von Schutzkonzepten sind ineinandergreifende Aufgaben, die als Prozesse zu verstehen sind und von allen im schulbezogenen Kontext Tätigen mitgetragen werden sollten.“

Als eine der wichtigsten Konsequenzen fordert die Kommission, das Thema sexualisierte Gewalt dauerhaft in Schule und Lehrkräftebildung zu verankern. „Die häufig geschilderte Unbeholfenheit im Umgang mit sexuellen Übergriffen ist nachhaltig nur durch die verstärkte Thematisierung bei allen Beteiligten im Bereich Schule zu verbessern.“ Deshalb müsse das Thema verbindlich in Unterricht, Lehrkräfteausbildung, Fortbildung, Personalentwicklung und Elternarbeit verankert werden. Ziel sei es, „für das Thema [zu] sensibilisieren, die Wahrnehmung für Grenzen [zu] schulen und Sprachfähigkeit [zu] erzeugen“. Neben Wissen brauche es auch konkrete Handlungskompetenz, etwa durch Verhaltenstrainings und die Vermittlung von Gesprächsführung mit Betroffenen.

Zugleich verlangt die Kommission ein deutlich besseres Verständnis für Täterstrategien. „Auf allen Ebenen des Schulwesens muss ein Basiswissen über sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorhanden sein.“ Dazu gehöre Wissen über „Täter- und Täterinnenstrategien und deren Folgen sowie zu möglichen Hilfesignalen oder Traumareaktionen von Betroffenen“. Dieses Wissen dürfe sich nicht auf Lehrkräfte beschränken, sondern müsse ebenso bei Schulleitungen, Schulämtern, Schulaufsichtsbehörden und Kultusministerien vorhanden sein.

Besonderes Gewicht legt die Kommission auf klare Melde- und Beschwerdestrukturen. „Bei Fällen oder Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt sind klar definierte Prozedere und Zuständigkeiten unerlässlich.“ Jede Schülerin und jeder Schüler sowie alle Eltern müssten wissen, an wen sie sich wenden können. Entscheidend sei dabei die Wahlfreiheit: „Wichtig ist hier die Wahlmöglichkeit – auch über Hinweise auf externe unabhängige Anlaufstellen – und nicht die Angewiesenheit auf eine Person.“ Beschwerden müssten deshalb über mehrere Wege möglich sein und durch ein „transparentes Beschwerdemanagement“ abgesichert werden.

Die Kommission plädiert außerdem dafür, Betroffene stärker in Prävention und Aufarbeitung einzubeziehen. Ihre Erfahrungen seien häufig aussagekräftiger als abstrakte Analysen. „Die Einbindung Betroffener gilt es gerade für Aufklärung, Sensibilisierung und Bildung aller Schulbeteiligten zu gewinnen.“ Betroffene sollten deshalb als „Expertinnen und Experten aus Erfahrung“ selbstverständlich an der Entwicklung von Aufarbeitungs-, Interventions- und Präventionskonzepten beteiligt werden.

Darüber hinaus empfiehlt die Kommission verbindliche Strukturen für die Aufarbeitung zurückliegender Fälle. In jedem Bundesland brauche es Ansprechpartner und fachliche Expertise für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Schulen. Dazu gehörten unter anderem die Unterstützung durch spezialisierte Fachberatungsstellen, die Begleitung durch unabhängige Historikerinnen und Historiker bei der Aktenrecherche, „die Verlängerung der Aufbewahrungsfristen von Schulakten“, „die Gewährung von Einsicht in die einschlägigen Sach- und Personalakten für Betroffene“ sowie juristische Unterstützung im individuellen Aufarbeitungsprozess.

Auch den Schulalltag selbst nimmt die Kommission in den Blick. Sie fordert einen „interdisziplinären Blick auf Orte der Gefährdung“ und verweist auf abgelegene Räume oder Bereiche mit exklusivem Zugang, die bei Risikoanalysen stärker berücksichtigt werden müssten. Für Sport-, Musik- und Kunstunterricht fordert sie neue Konzepte, weil bestimmte Unterrichtssituationen körperliche Nähe erforderten. „Es ist Aufgabe der Schulpädagogik und der Fachdidaktiken hierfür Modelle zu entwickeln.“ Diese müssten spätestens im Referendariat vermittelt werden – verbunden mit einer „generellen Sensibilisierung für die Themen Nähe und Distanz in pädagogischen Beziehungen sowie sexualisierte Gewalt an Schulen“.

„Du bist was Besonderes, daß weißt du. Manchmal wenn du Gitarre spielst, siehst du zum anbeißen aus“

Wie dringend Aufklärung geboten ist, illustriert der zweite von der Zeit dokumentierte Fall.

Auch Kira ist 15 Jahre alt, als ihr Spanischlehrer beginnt, ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Jugendliche erlebt damals eine schwierige familiäre Phase. Der Lehrer lobt ihre Leistungen, fördert sie in der Schülerband, bietet zusätzliche Proben an und fährt sie gelegentlich nach Hause. Schließlich gibt er ihr seine Handynummer. Aus den zunächst unverfänglichen Kontakten entwickelt sich nach Kiras Schilderung über Monate ein immer persönlicherer Austausch. In ihrem Tagebuch notiert sie damals den Satz: „Herr L. scheint auf Teenager zu stehen.“

Die Nachrichten werden zunehmend eindeutig. Zu den Unterlagen, die der Zeit vorliegen, gehört unter anderem eine SMS mit den Worten: „Du bist was Besonderes, daß weißt du. Manchmal wenn du Gitarre spielst, siehst du zum anbeißen aus.“ Kira beschreibt, wie sie sich damals durch die Aufmerksamkeit des Lehrers geschmeichelt fühlte und den Kontakt immer enger werden ließ. Erst ihre Freundinnen schöpfen Verdacht. Sie entdecken den Nachrichtenaustausch auf ihrem Handy und informieren die Schulleitung.

Die Reaktion der Schule erlebt Kira bis heute als belastend. Gemeinsam mit ihrem Lehrer wird sie zum Gespräch bei der Schulleitung gebeten. Dort bestreitet sie aus Angst sämtliche Vorwürfe. Erst später vertraut sie sich einer anderen Lehrerin an, woraufhin die Schulaufsicht ein Disziplinarverfahren einleitet. Die Anhörung empfindet sie jedoch nicht als Unterstützung. Sie sei, sagt sie rückblickend, „als Zeugin, nicht als Geschädigte“ behandelt worden. Nach Abschluss des Verfahrens verschwindet der Lehrer zwar von ihrer Schule, später entdeckt Kira ihn jedoch auf der Internetseite einer anderen Schule. Heute engagiert sie sich in einem Pilotprojekt zur institutionellen Aufarbeitung solcher Fälle, um dazu beizutragen, dass Betroffene künftig früher Gehör finden und Behörden angemessener reagieren. News4teachers 

Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen. 

Wie kann so etwas geschehen? Serien-Missbrauch an Erfurter Gymnasium (Richter: „Fassungslos!“) – schon der zweite Lehrer verurteilt

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16 Kommentare
Indra Rupp
1 Tag zuvor

Thematisiert werden sollte in diesem Kontext der Begriff „Vaterkomplex“, der nicht wenige Frauen /Mädchen betrifft. Die Bedeutung von Vätern oder anderer männlicher Bezugspersonen für Mädchen wird immer unterschätzt. Und wenn so eine männliche Bezugsperson da ist, dann nicht selten mit seit der Urzeit verkümmerten Fähigkeiten, weil das ja immer Frauensache war – kurz, mit fehlendem Einfühlungsvermögen. Nicht ohne Grund stehen viele Frauen, aus irgendeinem Grund, auf „böse“ Männer oder „böse“, geheimnisvolle Charaktere,sind fasziniert von Severus Snape, dem Phantom Der Oper und ähnlichen Geschichten. Das ist eine Suche! Ein scheinbar eiskalter, grausamer Mann, der aber in Wahrheit gar nicht so ist und das muss man ans Licht bringen und dem Mann vielleicht auch erstmal selber bewusst werden – und dann ist Happy End. Kann man alles auf den Vater beziehen, der gleichgültig, oberflächlich, unempathisch oder sogar grausam war und wo man herausfinden will, dass er das in Wahrheit gar nicht war, eine Suche eben. Und irgendwann reflektiert man dann auch in Beziehungen gar nicht mehr, für was für Grausamkeiten man da noch Verständnis aufbringt und was man da mitmacht. Später in reellen Beziehungen, angefangen aber vielleicht mit einem, schon lange erwachsenen Mann, zB um die 40,der einen als Teenager als Übergangsspielzeug benutzt – oder eben so jemand als Vertrauensperson im öffentlichen Dienst. Und leider haben vom Vater ungeliebte Mädchen so eine Ausstrahlung, dass sie immer wieder zum Opfer von Männern werden, ihr Leben lang.

Auch thematisiert werden könnte die Häufigkeit, mit der die Gymnasien, wenn es um Missbrauch oder Amokläufer geht, in die Schlagzeilen geraten, obwohl doch angeblich das soziale Klima und das Sozialverhalten dort besser sein sollen. Gymnasiasten scheinen mitunter besonders große Not zu haben, wenn sich dies am Ende durch Amokläufer ausdrückt oder durch Missbrauch – Möglichkeiten.

Dann frage ich mich, wieviel „Pädagoge“ ist ein Studienrat? Bezüglich der Früheinschulung hatte ich mal den Satz gehört :“Wir sind alle Pädagogen!“
Studienräte auch? Einige, die man persönlich kennt, wissen über die frühe Kindheit weniger als Eltern. Genauso manche Kommentatoren hier (nicht alle!!). Wieviel Pädagogik gehört da zu Studium?

Zur Prävention und Früherkennung habe ich meine Zweifel, wie das gehen soll. Wenn das Mädchen letztendlich völlig hinter dem Lehrer steht, von ihm emotional abhängig und von ihm manipuliert ist, wird sie ihn verteidigen und schützen und eher die andere Seite angreifen. Um zu reflektieren, dass man ausgebeutet wurde, braucht es erstmal Reife, Erfahrung, das dauert Jahre. Manipulation zu reflektieren und in Worte zu fassen ist eh immer schwierig, genau wie Mobbing und Diskriminierung als Opfer. Nach 20 Jahren kann man sich dann mal vorstellen, wie es umgekehrt wäre, würde man in dem Alter dann eine Beziehung mit einem viel jüngeren Menschen eingehen und dann wird einem erst richtig bewusst, was das für ein Macht Gefälle war und das man nie auf Augenhöhe war und von vornherein verloren hatte .

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ob man von der Zahl der aufgedeckten Fälle auf die Häufigkeit von Missbrauch durch Lehrer auf die Häufigkeit von Missbrauch an einer Schulform schließen kann, halte ich für fragwürdig.

Dass besonders Fälle an Gymnasien an die Öffentlichkeit gekommen sind, kann auch daran liegen, dass sich die Mädchen dort besser äußern können oder die Familien sich mehr kümmern.

DienstnachVorschrift
1 Tag zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Stimme zu. Merke das auch vermehrt bei Schülerinnen mit einer (überforderten) alleinerziehenden Mutter. Das geht gar nicht von mir aus. Ich behandle die jungen Frauen einfach „normal“ und respektvoll. Aber das sind sie scheinbar gar nicht gewohnt und dann versuchen manche von sich aus eine persönliche Beziehung aufzubauen. Wenn man sehr viele dieser Schülerinnen in einer Klasse hat, dann wird das echt anstrengend und problematisch, weil es mich emotional anstrengt. Ich muss ja trotzdem weiter empathisch sein, aber gleichzeitig auch Grenzen aufzuzeigen. Ach, ja, unterrichten muss ich auch noch. Manchmal gibt es aber auch ältere Mitschüler, die sind dann der „Vaterersatz“ bzw. „Therapeut“. Die Handynummer bekommt sowieso niemand und WA-Gruppen halte ich für höchst problematisch.

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Die (mindestens) relative Häufung bei Gymnasien ist wirklich auffällig.

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Egal aus welchen Motiven die junge Frau, das Mädchen handelt, der Lehrer muss unter allen Umständen die professionelle Distanz wahren.
Aber warum so häufig an Gymnasien? Das ist vielleicht so, weil die Schülerinnen älter sind? Eine interessante Frage!

Biene
1 Tag zuvor

Wenn das „Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, dann sollten auch die Plätze in der Therapie vorhanden sein, was diese aufgrund von „mörderischen“ Wartezeiten von >6 Monaten nicht sind.
Mit diesem Wissen kann ich als Lehrkraft zwar helfen, aber die richtige Hilfe es psychologisch aufzuarbeiten kann von keinem Lehrer und keiner Lehrerin erwartet werden, was allerdings auch von betroffenen Kindern zum Teil erwartet wird. Damit verschieben diese eine Grenze, die nicht verschoben werden sollte.
Schlimm ist es auch, wenn dem betroffenen Kind nicht geglaubt wird, weil der Täter evtl. aus der eignen Familie stammt. Auf der anderen Seite, wenn ein Kind bzgl. einer solchen Tat lügt, dann hat es auch mit den Konsequenzen zu leben.
Da mir schon beides untergekommen ist, bin ich vorsichtig. Abgesehen davon, wenn Lehrkräfte eingreifen, wer verhindert, dass der Täter nicht einfach mit seiner Familie umzieht? Was machen wir dann??? Dann wissen wir etwas und können auch nicht helfen, weil uns der Umzugsort nicht unbedingt bekannt ist, insbesondere wenn der Umzug während der Sommerferien statt findet?
Prävention und Therapie sollten beide von der Politik gestärkt werden, aber beides kostet Geld! Also soll es on Top bitte von den Lehrkräften gemacht werden, die sich via Fortbildung dafür qualifizieren. Wer verhindert an dieser Stelle, dass nicht der Bock zum Gärtner wird?

447
1 Tag zuvor

Was mich wirklich verwundert ist der mangelnde Aufklärungswille bzw. das als häufig geschilderte Motiv, sozusagen „den Ruf der Schule zu beschützen“.

Selbst wenn man die (offensichtliche) Illegalität und Unmoral des Motives ausblendet: Was könnte schlimmer sowohl für den Ruf als auch die entsprechend angegriffenen SuS sein, als ein weiter frei agierender Täter?

Irgendwie kann ich das auf keiner Ebene nachvollziehen, selbst wenn man sich vorstellt dass eine z.B. Schulleitung so dermassen extrem auf den „Ruf“ fixiert wäre.

Ansonsten bleibt es halt bei der „alten Regel“:
– Nie alleine mit SuS sein, besonders w
– keine Kontakte ausserhalb des schulischen Rahmens/schulischer Veranstaltungen
– „Geheimnisse“ & Co. direkt abblocken, Vertrauenslehrer/Schulsozialarbeit unmittelbar informieren

DienstnachVorschrift
9 Stunden zuvor
Antwortet  447

Ist schon ein guter Ansatz. Aber Vertrauenslehrer sind manchmal auch nicht der richtige Ansprechpartner und Schulsozialarbeit gibt es nicht immer. Geheimnisse & Co. kann ich mir schon gefahrlos anhören.

Maybe
1 Tag zuvor

[…] ich“Das immense Dunkelfeld

Die Hellfeldzahlen spiegeln ausschließlich die Taten wider, die der Polizei bekannt und ausermittelt wurden.
Das tatsächliche Ausmaß ist laut Dunkelfeldstudien wie der Opferbefragung „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (SKiD) um ein Vielfaches größer:

Die Anzeigequote bei sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung
liegt bei lediglich 6,2 %.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte (UBSKM) und die WHO gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu eine Million Kinder und Jugendliche von sexueller Gewalt betroffen sind – das betrifft rechnerisch
durchschnittlich 1 bis 2 Kinder pro Schulklasse.“

Quelle: BMI u.a.

……ohne Kommentar

Susanne M.
1 Tag zuvor

Bei der Prävention frage ich mich , was zuerst da war: Sind all diese Täter nasrzistisch Gestörte, die gezielt Schulen für ihre Beutezüge ausgewählt haben oder ganz gewöhnliche Männer, die irgendwann an einem Punkt die professionelle Distanz verloren haben? Im letzteren Fall könnte man eventuell therapieren oder auch Prävention leisten. So wie sich das Vorgehen aber liest, wird ersteres der Fall sein. Diese Täter wissen genau, was die tun, sind gerissen und manipulativ.
Bitte noch einmal über Red Flags reden – verbale Sexualisierung von Schülerinnen beispielsweise. Manche Täter sind aber so geschickt, dass sie das umgehen und sich eher sehr betroffen geben …
Wichtig wäre eine Ombudsfrau außerhalb der Schule und dem Kollegium, der sich Schülerinnen beispielsweise einer Stadt auf neutralem Boden anvertrauen könnten.

Tatsachenbehauptung
22 Stunden zuvor

Schlimm das Ganze, aber komisch, wir brauchten unbedingt einen englischen Begriff, um diese unfassbare Sache zu benennen: Grooming. Auf Deutsch versteht’s ja nun keiner mehr. Wie nannten wir es denn bisher? Oder konnten wir bisher nicht darüber sprechen, weil wir dafür keine Worte hatten? Wie wäre es mit: Missbrauch von Schutzbefohlenen? Sich an jemanden heranmachen? Jemanden um den Finger wickeln? Sich von jemandem das Vertrauen erschleichen? Ich kenne auch noch „einlullen, umgarnen, betören“…

Walter Hasenbrot
9 Stunden zuvor

Wenn es um Kindesmissbrauch durch Lehrer geht, ist Ihre größte Sorge, dass ein Anglizismus verwendet wurde? Ernstaft?

„Grooming“ ist übrigens spezifischer als die von Ihnen genannten deutschen Ausdrücke. Deshalb ist der Anglizismus eine sinnvolle Bereicherung der deutschen Sprache, die unsere Ausdrucksfähigkeit verbessert.

GBS-Mensch
9 Stunden zuvor

„Anbahnung“.

Opossum
13 Stunden zuvor

Einerseits sollten Lehrer eine Bindung zu den Schülern aufbauen, was besonders für Schüler mit schweren familiären Situationen wichtig ist. Andererseits muss die gewisse Distanz behalten bleiben. Es ist nicht immer leicht zu sagen, wo diese Grenzüberschreitung beginnt.

Wo dürfen Lehrer und Schüler sich noch privat zum Fordern/Fördern/zur menschlichen Unterstützung treffen (ich habe mich mehrfach mit dem Kunstlehrer auch bei ihm zu Hause getroffen, er hat aber die professionelle Distanz gehalten), und wo kommt es schon zum Missbrauch (wie im Fall Mary Kay LeTourneau)?

Auf jeden Fall je weniger Aufmerksamkeit und Liebe bekommt ein Kind zu Hause, desto leichter kann es einem Missbrauch zum Opfer fallen.

Utopia
12 Stunden zuvor

Ginge es nach mir, dürfte so ein Lehrer nie wieder seinem Beruf nachgehen.