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Mehr Menschen kommen wegen Cannabis ins Krankenhaus – überraschende Ursache

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HAMBURG. Die Teil-Legalisierung hat Folgen: Seit der Freigabe steigt die Zahl der Vergiftungen und Psychosen durch Cannabis. Forscher meinen: Der illegale Straßenhandel ist daran wohl nicht schuld. Die mutmaßliche Ursache ist überraschend. 

Cannabis schadet den noch nicht ausgereiften Gehirnen Jugendlicher, das haben Studien schon mehrfach gezeigt. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Nachdem Cannabis vor zwei Jahren für Erwachsene freigeben wurde, kamen mehr Menschen wegen der Droge in deutsche Krankenhäuser. Infolge der Gesetzesänderung habe es sowohl mehr akute Vergiftungen durch Cannabis gegeben als auch mehr dadurch ausgelöste Psychosen, schreiben Wissenschaftler aus Hamburg und Leipzig im Fachjournal «Deutsches Ärzteblatt International». Der Anstieg sei jedoch «moderat» und liege im einstelligen Prozentbereich.

Mehr Konsumenten oder mehr besonders potentes Cannabis?

Die Forscher diskutieren zwei mögliche Gründe. «Erstens ist es denkbar, dass sich infolge der Legalisierung mehr Menschen dazu entschlossen haben Cannabis zu probieren.» Weil es weniger Strafen gibt, könnte die Hemmschwelle gesunken sein. Allerdings gebe es genau dafür kaum Belege in der Wissenschaft, und auch Umfragen zeigten das nicht.

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Den zweiten möglichen Grund halten die Wissenschaftler für wahrscheinlicher: Dass mehr Konsumentinnen und Konsumenten auf hochpotentes medizinisches Cannabis umgestiegen sind, das es in Online-Apotheken gibt. Dieses sei «auch für den nichtmedizinischen Gebrauch leicht erhältlich».

Die Konzentration von THC, also dem Wirkstoff der Hanfpflanze, der für ihre berauschende Wirkung verantwortlich ist, sei bei Cannabis auf Rezept viel höher: im Schnitt 24 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 15 Prozent bei Cannabis im Straßenhandel.

Einfach Kiffen auf Rezept

«Da der Konsum von Cannabis mit mehr als 10 Prozent oder 15 Prozent THC
mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden ist, kann der Umstieg auf Medizinalcannabis selbst für erfahrene Konsumierende sowie für Patientinnen und Patienten ein Risiko darstellen», heißt es in der Studie.

Seit 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland Cannabis nicht nur legal besitzen und anbauen. Sondern Cannabis wurde gleichzeitig auch aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen, wodurch es Ärztinnen und Ärzten deutlich leichter fällt, medizinisches Cannabis zu verschreiben.

Moderater Anstieg, aber: «Das ist relevant.»

Für die Untersuchung analysierten die Fachleute um Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Universitätsklinikum Leipzig Daten von mehr aus 70.000 Krankenhausaufnahmen. Im Jahr nach dem Inkrafttreten wurden demnach 1.395 mehr erwachsene Menschen wegen Cannabis eingewiesen. Das seien 7 Prozent mehr als in einem Szenario ohne Legalisierung, schreiben die Forscher. Bei Jugendlichen waren es demnach 91 zusätzliche Einweisungen innerhalb eines Jahres, das seien 3,9 Prozent mehr.

Die Befunde ließen aufhorchen, meint der Psychiater Alkomiet Hasan von der Universität Augsburg, der nicht an der Studie beteiligt war. «Selbst ein moderater Anstieg, wie hier beschrieben, hat immense gesellschaftliche Konsequenzen.» Über die Jahre hinweg könnten einige der Fälle in eine schwere psychische Erkrankung übergehen, etwa Schizophrenie oder Suizide. «Das ist relevant.»

Wissenschaftler hatten schon vor der Teil-Legalisierung davor gewarnt, dass die Zahl der Psychosen steigen könne. «Wer an Psychosen leidet, hört oft Stimmen oder hat Wahngedanken», hatte Stefan Gutwinski, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, erklärt. «In der Regel sind diese Symptome sehr angstmachend.»

Mediziner fordert Konsequenzen

In der aktuellen Studie erklären die Autoren, dass es mehrere Faktoren geben könnte, die ihre Daten verzerren. Zum Beispiel könnten Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern durch die aktuelle Debatte häufiger danach fragen, ob jemand Cannabis konsumiert hat, und daraufhin die Diagnose stellen. Vielleicht suchten Menschen auch häufiger Hilfe, da sie nicht mehr befürchten müssten, stigmatisiert zu werden.

«Selbst wenn wir diese in Betracht ziehen, kann dieser Sachverhalt nicht den gesamten Umfang der Zunahme erklären», meint Hasan. Er hält den Zusammenhang mit medizinischem Cannabis für plausibel und fordert, aus der Nutzung von Medizinalcannabis für Freizeitzwecke nun die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Eine im April veröffentlichte Evaluation zu den Folgen des Cannabisgesetzes kam zu dem Schluss, dass es in Deutschland «den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt» für medizinisches Cannabis in Europa gibt. 2025 seien 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden. Im Vergleich zu 2024 sei das ein Einfuhrplus von 198 Prozent. Mittlerweile hat das Bundeskabinett strengere gesetzliche Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht. News4teachers / mit Material der dpa

Schülerstudie: Acht Prozent konsumieren übermäßig Alkohol, zwei Prozent zu viel Cannabis

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17 Kommentare
Walter Hasenbrot
2 Tage zuvor

Möglicherweise liegt der Anstieg auch einfach daran, dass sich früher Menschen nicht haben behandeln lassen, weil der Konsum von Cannabis illegal war und sie eine Strafverfolgung befürchtet haben.

Schotti
2 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Nein, daran liegt das nicht. Wir reden ja über Psychosen. Da lässt man sich nicht behandeln, sondern wird eingeliefert.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  Schotti

Im Artikel geht es nicht nur um Psychosen, sondern auch um akute Vergiftungen. Das steht gleich im ersten Satz nach dem Lead.

Schotti
5 Stunden zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Ja, aber durch Cannabiskonsum ausgelöste Psychosen sind nun mal enorm angestiegen.
https://www1.wdr.de/nrw/cannabis-freigabe-lvr-kliniken-warnen-100.amp

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  Schotti

Ein etwas längerer Artikel aus der Online- Version der Zeit stützt meine These.

Wer mit einer Psychose eingeliefert wurde, hat früher wahrscheinlich seinen Cannabis-Konsum verschwiegen, weil er strafbar war.

Dass er heute nicht mehr strafbar ist, sollte die Ärzte freuen, weil das für sie die Diagnose erleichtert, wenn der Konsum zugegeben wird.

Schotti
5 Stunden zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Das konnte man gar nicht verschweigen, weil man mit einer Psychose natürlich auch auf Cannabiskonsum getestet wird.

TaMu
1 Tag zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Ja eben! Ich habe von niemandem gehört, der mit noch so schlimmen Symptomen zu einem Arzt gegangen wäre… selbstredend…
Es haben übrigens alle überlebt, auch wenn sie sich währenddessen laut eigener Aussage nicht so gefühlt haben.

447
2 Tage zuvor

Große Überraschung:
Droge legalisiert – neues „legal“ wird zur Baseline – also wird mehr, härter und gefährlicher obendrauf konsumiert.

Diese Kausalkette ist wirklich überraschend und schockierend.

..
.
„Nein!“
„Doch!“
„Ohhhhh!“
https://m.youtube.com/watch?v=w4aLThuU008

Walter Hasenbrot
2 Tage zuvor
Antwortet  447

Schöne Geschichte, die Sie da erzählen.

Allerdings ist der Konsum von Cannabis durch die Legalisierung nicht gestiegen. Die Zahlen gingen ja durch alle Medien.

Dass trotzdem immer wieder das Gegenteil behauptet wird, lässt sich nur durch Ideologie und Lernunwilligeit erklären.

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Darum ja auch der Artikel – weil mit THC alles rund läuft, voller Erfolg.

Ich persönlich habe mich zuerst über die Legalisierung geärgert – allerdings sehr bald nicht mehr.
Immerhin steigert sie Freiheitsgrade (was ich erstmal immer gut finde) und ermöglicht ausserdem das Ausliefern von Bestellungen. Was ich auch gut finde.

Insofern habe ich meine Meinung geändert – die Legalisierung war richtig.

Wenn die Staatskasse dabei noch ein bisschen durch den legalen Verkauf saniert wird, um so besser.

Jetzt muss nur der THC-Gehalt/Wirkstoffgehalt noch ganz freigegeben werden und der Verkauf könnte auch allgemein (so wie bei Alkohol) z.B. gegen Vorlage eines Altersnachweises erlaubt werden.

Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, legal & problemlos in den Verkauf von Cannabis zu investieren, wobei ich aber nach der Ankündigung von „Vereinen“ auch nicht weiter recherchiert habe.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  447

Ihr erster Satz macht gleich klar, dass Sie nicht sachlich diskutieren wollen. Sie unterstellen mir etwas, was niemand behauptet hat. Mit THC ist natürlich nicht alles gut – ebenso wenig wie mit Alkohol. Das Verbot war aber nicht sinnvoll, es war sogar schädlich. Ähnlich wie es während der amerikanischen Prohibition bei Alkohol war.

Im Artikel selbst lehnen die Experten Ihre These ab, dass die höhere Zahl an Krnkenhausbesuchen etwas mit der Legalisierung zu tun habe. Dafür gebe es kaum Belege.

Der Grund wird vielmehr im vermehrten Konsum medizinischen Cannabis gesehen.

Das ist aber eher ein Hinweis darauf, dass die Legalisierung nicht weit genug ging. Weil die legalen, kontrollierten Verkaufsstellen fehlen, greifen User auf medizinisches Cannabis zurück.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  447

„Ich persönlich habe mich zuerst über die Legalisierung geärgert“
Danke für die Erklärung

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  447

Jetzt müssen Sie dies nur noch belegen können.
„mehr, härter und gefährlicher“ Quellen dazu?
Oder beziehen Sie sich damit etwas sehr überzogen auf den „moderaten“ Anstieg, dessen Ursachen noch erhoben werden müssen?

Bla
1 Tag zuvor

„vor zwei Jahren für Erwachsene freigeben wurde“

freigegeben

„Daten von mehr aus 70.000 Krankenhausaufnahmen“

von mehr als …
oder „von über …“
oder „aus über…“
oder halt konkret „aus 70.000“
Tippfehler? u-i nebeneinander oder Sinnfehler? aus [konkrete Zahl] oder mehr als/aus über …

„Über die Jahre hinweg könnten einige der Fälle in eine schwere psychische Erkrankung übergehen, etwa Schizophrenie oder Suizide. «Das ist relevant.»“

Es ist (für mich) auch relevant, dass man Schizophrenie und Suizide nicht so grammatikalisch „ungeschickt“ schreibt.
Bei „etwa“ wird eine Aufzählung grammatikalisch eingeleitet. Diese Aufzählung hat den Bezug zu „schwere psychische Erkrankung(en)“
Schizophrenie stimmt hier.
Suizid(e) sind keine „Krankheit“.
Erkrankungen können in einem Suizid führen/münden. Aber ein Suizid ist keine Krankheit. Es ist eine Handlung – ggf. eine tragische Folge.
„Über die Jahre hinweg könnten einige der Fälle in schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie übergehen und/oder zu Suiziden führen.“
„„Über die Jahre hinweg könnten einige der Fälle schwere psychische Erkrankungen und/oder Suizide nach sich ziehen.““

Könnte man bei Bedarf eventuell „austauschen/ändern“.
Nicht „bös“ gemeint von mir … Kleiner Trigger …

vhh
1 Tag zuvor

Angenommen, die klinischen Fälle wären um 10% zurückgegangen: Erfolg der Legalisierung, verantwortungsvoller Umgang, politisches/gesellschaftliches Experiment geglückt.
Nette Erklärung zum realen Ergebnis: moderater Anstieg, verschiedene Faktoren verzerren die Daten, s.o.
Da sind Erwartung, Überzeugung und Wunsch wohl eingeflossen.
Gut, am Ende kommt dann ‚kann nicht alles erklären‘, aber ist das Ergebnis so unerwartet? Waffen, Zigaretten, Prostitution – alles ‚Märkte‘, die es legal und illegal gibt. Wie konnte man erwarten, dass 50% stärkerer, legaler ‚Stoff‘ auf der legalen Seite bleibt?
Ich hatte Schüler, die wegen Psychosen jeweils einige Monate verschwanden, jeder ist einer zuviel. Natürlich sind die Folgen von Rauchen und Alkohol deutlich größer, aber nachlässige Gesetze von Politikern, die an die Kraft des Marktes glauben? Ja, die hat sich hier perfekt gezeigt.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  vhh

Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Gleich am Anfangsteht die Einschätzung der Experten, dass die Legalisierung wohl nicht der Grund für den Anstieg ist.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

«Das ist relevant.»
Jup, um Folgeuntersuchungen anzustellen, was die Ursache der Zahlen ist, wie heftig die zusätzlichen Fälle sind – und wie viel Luft nach oben unser Gesundheitssystem bei Beratung und Therapie haben, dass Menschen sich vorher an (legalen) Drogen versuchen 🙁