BERLIN. Immer mehr Bundesländer setzen auf verpflichtende Sprachstandserhebungen vor der Einschulung, die Bundesregierung will entsprechende Verfahren bundesweit stärken. Nun hat auch der dbb beamtenbund und tarifunion Position bezogen. In einem jetzt beschlossenen Positionspapier unterstützt der Beamtenbund die frühe Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands von Vierjährigen grundsätzlich – verbindet dies jedoch mit einer klaren Forderung: „Die Diagnostik darf nicht zum Selbstzweck werden.“ Festgestellte Unterstützungsbedarfe müssten „verlässlich in passgenaue Förderung münden und so einen gelingenden Übergang in die Grundschule unterstützen“.

Mit seinem Beschluss reiht sich der dbb in eine bildungspolitische Debatte ein, die zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Hintergrund sind wiederkehrende Befunde aus Bildungsstudien, wonach viele Kinder bereits beim Schuleintritt nicht über ausreichende sprachliche Kompetenzen verfügen. Der Beamtenbund verweist selbst auf diese Entwicklung: „Sprache ist eine zentrale Voraussetzung für den Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit“, heißt es im Positionspapier. Zugleich zeigten „wiederkehrende Befunde aus Bildungsstudien“, dass Basiskompetenzen „bei einem relevanten Teil der Kinder nicht in ausreichendem Maße erreicht werden“. Das verschärfe Bildungsungleichheiten und unterstreiche die Notwendigkeit, sprachliche Bildung „früher und systematischer zu stärken“.
Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb und Vize-Chefin des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), begrüßte deshalb den Ansatz, Unterstützungsbedarfe möglichst früh zu erkennen. „Wir brauchen ein Bildungssystem, das Unterstützungsbedarfe früh erkennt und dann auch handelt“, sagte sie. „Wer Sprache früh stärkt, schafft bessere Voraussetzungen für Lernen, Lesen, Schreiben und gesellschaftliche Teilhabe.“
Im Mittelpunkt des Positionspapiers steht die Forderung, Sprachstandserhebungen von Anfang an mit verbindlichen Fördermaßnahmen zu verknüpfen. Eine verpflichtende Erhebung im Alter von vier Jahren könne „ein sinnvoller Baustein sein“, heißt es darin. Sie ersetze jedoch „keine kontinuierliche Beobachtung, alltagsintegrierte sprachliche Bildung und frühzeitige Unterstützung von Beginn an“.
Nach Auffassung des dbb muss zunächst ein fachlich belastbares Bild des individuellen Förderbedarfs entstehen. Die Verfahren müssten „evidenzbasiert, kindgerecht, ganzheitlich und kontextsensibel sein“ sowie auf der Expertise der Fachkräfte beruhen. „Kontinuierliche Beobachtungsverfahren sollen weiterhin die Grundlage bilden und bei Bedarf durch standardisierte Instrumente in einem mehrstufigen Verfahren ergänzt werden.“ Zugleich betont der Beamtenbund, dass Mehrsprachigkeit „als Ressource wertzuschätzen und angemessen zu berücksichtigen“ sei und „nicht pauschal als Förderbedarf gewertet werden“ dürfe.
Ebenso deutlich macht der dbb, dass die Verantwortung von Bund und Ländern nicht mit der Erhebung endet. „Ein festgestellter Förderbedarf muss verbindlich in passgenaue Förderung überführt werden“, fordert das Positionspapier. Dafür müssten „klare Zuständigkeiten und verbindliche Verfahren für die anschließende Förderung“ geschaffen werden. Gleichzeitig dürfe „Diagnostik keinen zusätzlichen Aufwand ohne pädagogischen Nutzen erzeugen“. Auch der Übergang in die Grundschule müsse so gestaltet werden, dass die Förderung bei Bedarf ohne Brüche fortgesetzt werden könne.
„Es braucht ausreichend Fachkräfte, verlässliche Zeitbudgets und Verfahren, die in der Praxis tatsächlich umsetzbar sind“
Als entscheidende Voraussetzung nennt der dbb bessere Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung. Sprachliche Bildung gehöre bereits heute zum pädagogischen Alltag in den Kindertageseinrichtungen, werde jedoch durch Fachkräftemangel, hohe Belastungen und den Einsatz nicht ausreichend qualifizierten Personals erschwert. Deshalb fordert der Beamtenbund „ausreichende Personalressourcen, eine verlässliche Finanzierung sowie geeignete räumliche und organisatorische Voraussetzungen“. Ebenso seien „verlässliche Zeitbudgets für Beobachtung, Dokumentation, Förderplanung und Elternarbeit“ notwendig. Andernfalls drohe das Vorhaben, „zu einer zusätzlichen Aufgabe in einem ohnehin stark belasteten System zu werden“.
Darüber hinaus spricht sich der dbb für bundesweit vergleichbare Standards bei der Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands aus. Die Förderung müsse beim Übergang von der Kita in die Grundschule anschlussfähig bleiben. Zudem fordert der Beamtenbund eine engere Zusammenarbeit von Kindertagesbetreuung, Schule, Frühförderung und weiteren Fachdiensten sowie verlässliche Zugangswege für Kinder, die keine Kindertageseinrichtung besuchen.
Für Fleischmann entscheidet sich der Erfolg neuer Sprachstandserhebungen deshalb nicht an zusätzlichen Tests, sondern daran, ob sie den Kindern tatsächlich zugutekommen. „Aber testen allein fördert kein Kind“, sagte sie. Eine Erhebung dürfe deshalb nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse „in eine frühe, kontinuierliche und möglichst alltagsintegrierte Förderung eingebettet sein“. Dafür brauche es „ausreichend Fachkräfte, verlässliche Zeitbudgets und Verfahren, die in der Praxis tatsächlich umsetzbar sind.“ News4teachers
Hier lässt sich das Positionspapier herunterladen.










Träumen darf man noch. Die Realität scheitert am Geld. Die Kassen sind leer.
Die Kassen waren noch nie „leer“. Ist bei einer Staatsquote (inkl. Sozialversicherungen) von ca. 50% auch kaum möglich. Das sind über 2 Billionen (= 2000 Milliarden) Euro pro Jahr. Dazu noch 1000 Milliarden „Sondervermögen“ für die Aufrüstung, die innerhalb eines Wochenendes aus dem Hut gezaubert wurden…
Nein, man WILL kein Geld für diese Dinge ausgeben. „Bildungsrepublik“ Deutschland. Ha ha ha…