
Das Armutsrisiko ist in Haushalten von Alleinerziehenden deutlich höher als in solchen mit zwei Elternteilen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden galten zuletzt 28,9 Prozent der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten als armutsgefährdet. Für den Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) sind diese Zahlen alarmierend.
Die Armutsgefährdungsquote sei «überproportional im Vergleich zu anderen Haushalten», sagt Julia Preidel, Wissenschaftliche Referentin beim VAMV. In Haushalten von Paaren mit einem oder mehreren Kindern seien laut den Statistikerinnen und Statistikern lediglich 12,0 Prozent der Menschen von Armut bedroht. Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden und ihren Kindern sei damit mehr als doppelt so hoch.
«Ein dreijähriges Kind kann sich nicht alleine von der Kita abholen»
Eine zentrale Ursache für das hohe Risiko der Armut sieht die Soziologin Katja Möhring von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in den eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten vieler Alleinerziehender. Sie könnten durch die Kinderbetreuung häufig nur in Teilzeit arbeiten oder mit einem geringeren Stundenumfang beschäftigt seien. «Und das führt letztendlich dazu, dass die Armutsbetroffenheit so groß ist», sagt sie.
Fehlende Betreuungsangebote verstärkten das Problem, sagt Preidel vom VAMV. Wer keinen ausreichenden Betreuungsplatz finde, könne die eigene Arbeitszeit oft nicht ausweiten. «Ein dreijähriges Kind kann sich beispielsweise nicht alleine von der Kita abholen und auf sich selbst aufpassen», sagt Preidel. Die Erwerbsmotivation und der Erwerbsdruck seien bei Alleinerziehenden zwar hoch. «Aber die Rahmenbedingungen stimmen oft nicht.»
Eine wichtige Stellschraube ist nach Ansicht des Sozialverbandes Deutschland deshalb der Ausbau der Kinderbetreuung. Das betreffe nicht nur Angebote für jüngere Kinder, sondern auch die Ganztagsbetreuung an Grundschulen.
Kritik an geplanter Kürzung beim Unterhaltsvorschuss
Zusätzliche Auswirkungen auf die Armut bei Alleinerziehenden-Familien könnte den Expertinnen zufolge eine geplante Reform der Bundesregierung haben. Den sogenannten Unterhaltsvorschuss zahlt der Staat für Kinder von Alleinerziehenden, wenn ein Partner seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt. Bundesfamilien- und -bildungsministerin Karin Prien (CDU) plant, den Vorschuss nicht mehr bis zum 18. Geburtstag zu zahlen, sondern nur noch bis 16.
Laut Statistik wären 21,2 Prozent der Alleinerziehenden-Familien von der Änderung betroffen. 2025 lebten demnach rund 373.000 Kinder im Alter von 16 und 17 Jahren in solchen Haushalten.
Der VAMV kritisiert die Pläne scharf. «Sie wird akut das Armutsrisiko von Jugendlichen in alleinerziehenden Familien verstärken. Würde der Unterhaltsvorschuss wegfallen, würden in den Familien auf einen Schlag knapp 400 Euro im Monat fehlen. Das ist eine Lücke im Haushaltsbudget, die viele Alleinerziehende gar nicht ausgleichen können», sagt Preidel. «Das trifft aus unserer Sicht die Falschen.»
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die Pläne von Prien kritisch. «Angesichts dieser Zahlen wird einmal mehr deutlich, warum die Kürzung des Unterhaltsvorschusses ein absolut falsches Zeichen setzen würde», sagt Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende laut einer Mitteilung.
Alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit
Trotz der zusätzlichen Belastung durch Kinderbetreuung arbeiten alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit als Mütter mit Partner oder Partnerin. 2025 waren laut Statistik 38,6 Prozent der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit minderjährigen Kindern in Vollzeit beschäftigt. Bei Müttern in Ehe oder Lebensgemeinschaft lag der Anteil bei 30,7 Prozent.
Anders sieht es bei den Vätern aus: 83,8 Prozent der alleinerziehenden erwerbstätigen Väter mit minderjährigen Kindern arbeiteten demnach in Vollzeit. Bei Vätern mit Partnerin oder Partner waren es 91,5 Prozent. Möhring sieht darin einen gesellschaftlichen Wandel. Väter übernähmen zunehmend häufiger Betreuungsaufgaben und engagierten sich stärker in der Erziehung.
Rund 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland
Insgesamt lebten 2025 laut Statistik rund 1,62 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Damit hatte knapp jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern nur ein Elternteil. Zehn Jahre zuvor waren es noch 1,65 Millionen Alleinerziehende. Ihr Anteil an allen Familien mit Kindern unter 18 Jahren lag damals bei 20,5 Prozent und damit leicht höher als 2025.
Laut den Daten lebten im vergangenen Jahr insgesamt rund 2,36 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit nur einem Elternteil zusammen. Alleinerziehende sind weiterhin überwiegend Frauen: 84,4 Prozent waren 2025 Mütter. Der Anteil alleinerziehender Väter stieg jedoch: von 11,1 Prozent im Jahr 2015 auf 15,6 Prozent 2025.
Als Alleinerziehende gelten laut den Statistikerinnen und Statistikern Mütter und Väter, die ohne Ehe- oder Lebenspartner oder -partnerin mit ihren Kindern in einem Haushalt leben. Die Daten sagen daher nichts darüber aus, wie Betreuung zwischen getrennt lebenden Eltern aufgeteilt wird. News4teachers / Von Lea Winkler, dpa
„Situation hat sich verschärft“: Jeder fünfte Jugendliche von Armut bedroht










Man schaut immer auf denjenigen, der das Geld bekommt und nicht auf denjenigen, der es eigentlich zahlen müsste.
Unterhaltsvorschußkasse zu Alleinerziehenden :“Sie haben ja bei uns Schulden!“
Öhm, nö, oder? Derjenige, der das zahlen müsste, hat die, und nicht derjenige, der es bekommt. Und wenn klar ist, der Zahlungspflichtige muss das nicht, weil er es nicht kann, was meist der Fall ist, dann hat er die Schulden auch nicht , sondern dann sind es Sozialleistungen und keine Vorschussleistungen mehr.
Merz so : „Alleinerziehende könnten mehr arbeiten“
Er hätte auch verlangen können, dass die Zahlungspflichtigen mehr arbeiten, damit sie den Unterhalt leisten können. Wie gesagt, man guckt immer auf diejenigen, die das Geld erhalten und zerreißt sich über die das Maul und überlegt, wie die sich ändern könnten.
Zw 16 und 18 sind Kinder übrigens so ziemlich am teuersten, man könnte also besser bei den Kleinsten sparen. Da war das Leben einfach! Kleidung und Spielzeug Tonnenweise neuwertig für nen Appel und n Ei. ZB bei Kleinanzeigen. Überhäuft von den lieben Verwandten mit selbigem. Sachen nachtragen, kein Ding. Keine Hobbys, keine Gang, kein Mainstream, kein Status.
Aber wie sähe man als Politiker aus, wenn man bei den niedlichen Kindern kürzt und nicht bei den Pickligen ?
Zumal die mit 16 ja auch schon selber was verdienen können. Müssen den Quatsch mit der Schule dann halt nur 9 Jahre mitmachen. ^^
Er hätte auch verlangen können, dass die Zahlungspflichtigen mehr arbeiten, damit sie den Unterhalt leisten können.
Je nach dem, wie die Trennung verlief, würde ich eher noch reduzieren, um den Unterhalt insbesondere für die Mutter zu drücken.
Unterhalt für Mütter gibt es schon Jahrzehnte nicht mehr.
Das trifft den Nagel auf den Kopf, würde ich sagen.
Man muss sich die Unionsdenke einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: „Alleinerziehende könnten mehr arbeiten.“
Äh, nein, wenn man den Staat entlasten wollte, dann ja wohl so: „Die Zahlungspflichtigen könnten mehr arbeiten.“
Will man damit im Grunde erreichen, dass Sechzehnjährige aus Alleinerziehenden – Familien von der Schule abgehen und anfangen zu arbeiten?
Mich macht das Alter stutzig. Wenn es nur um Aufsicht ginge, kann man auch einen Vierzehnjährigen schon alleine lassen. Aber dieser hat noch keinen Abschluss, das ist politisch schlecht zu vermitteln.
Ähnliches war auch vor Jahren Thema in Hartz IV – Familien. Auch hier wurde Jugendlichen nahegelegt, nicht das Abitur anzustreben, sondern besser eine Arbeit aufzunehmen, um die Bedürftigkeit zu verringern.
Dafür wurde die Union ja leider gewählt. Aber bestimmt sind die Betroffenen alle faul oder selbst irgendwie schuld (augenroll)