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Im Krisenmodus gefangen: Warum Schulen heute mehr denn je Hoffnung vermitteln müssen (eine Glücksforscherin erklärt’s)

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FRANKFURT/MAIN. Kriege, Klimakrise, wirtschaftliche Unsicherheit und eine digitale Öffentlichkeit, die schlechte Nachrichten in Echtzeit verbreitet: Viele Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Gefühl auf, in einer Welt permanenter Bedrohungen zu leben. Gleichzeitig steigen psychische Belastungen, während Schulen zunehmend Erwartungen erfüllen sollen, die weit über Wissensvermittlung hinausgehen. Die Psychologin und Glücksforscherin Prof. Judith Mangelsdorf sieht darin keinen Grund für Resignation. Im Gegenteil: Bildung könne jungen Menschen genau das vermitteln, was Krisenzeiten besonders fehlte – Selbstwirksamkeit, tragfähige Beziehungen und eine realistische Zuversicht.

Deutschlands erste (volle) Professorin für Positive Psychologie: Judith Mangelsdorf. Foto: Jammin Photos Köpenick / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Wer heute mit Kindern und Jugendlichen spricht, begegnet oft einer eigentümlichen Spannung. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein: Krieg in Europa und im Nahen Osten, Klimawandel, wirtschaftliche Sorgen, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Polarisisierung. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Krisenmeldungen. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass die objektive Entwicklung vieler Lebensbereiche längst nicht so düster ist, wie sie wahrgenommen wird.

„Objektiv stehen wir in vielen Bereichen nicht kritischer da als früher, aber wir haben alle eine völlig andere Form des Medienkonsums – wir werden von den Negativnachrichten dieser Welt überflutet“, sagt Judith Mangelsdorf im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport verweist auf einen grundlegenden Mechanismus menschlicher Wahrnehmung. Negative Informationen erhielten evolutionär mehr Aufmerksamkeit als positive. Digitale Medien und soziale Netzwerke verstärkten diesen sogenannten Negativity Bias zusätzlich.

Für junge Menschen hat diese Entwicklung besondere Folgen. Anders als frühere Generationen erleben sie Kriege, Katastrophen oder Gewalt nicht mehr nur über die Nachrichtensendung am Abend, sondern unmittelbar auf dem Smartphone. Im Interview mit der taz beschreibt Mangelsdorf diesen Zusammenhang so: „Der Grund ist eher, dass wir und gerade junge Menschen mit den Krisen dieser Welt stärker in Kontakt sind als früher. Dass wir zum Beispiel durch Videos aus unseren Social-Media-Kanälen direkt in die Kriegszonen reingezogen werden.“

Dabei sei nicht allein die Digitalisierung das Problem. Der jährlich erscheinende World Happiness Report, die weltweit umfangreichste Untersuchung zur Lebenszufriedenheit, zeige vielmehr, dass soziale Medien dort deutlich weniger belastend wirkten, wo Jugendliche starke soziale Bindungen erlebten. Entscheidend sei nicht die Plattform selbst, sondern die Qualität der Beziehungen außerhalb des Bildschirms. „Das passive, algorithmisch getriebene Content Scrolling, Tiktok zum Beispiel, ist potenziell sehr destruktiv. Aber die Apps, die soziale Verbindungen der realen Welt in die digitale Welt tragen und verstärken – so was wie WhatsApp oder Telegram –, können durchaus positiv wirken. Denn sie vermitteln ja genau das, was wichtig ist für das persönliche Glück: Zugehörigkeit und Miteinander.“

„Kinder sind vor den negativen Folgen potenziell traumatischer Erfahrungen dann geschützt, wenn es mindestens eine Bezugsperson gibt, die stabil und emotional verfügbar ist“

Gerade deshalb rückt die Schule stärker in den Mittelpunkt. Denn sie ist für viele Kinder der wichtigste Ort außerhalb der Familie, an dem Beziehungen entstehen und Vertrauen wachsen können. Die Resilienzforschung liefert dafür seit Jahren einen bemerkenswert stabilen Befund. „Kinder sind vor den negativen Folgen potenziell traumatischer Erfahrungen dann geschützt, wenn es mindestens eine Bezugsperson gibt, die stabil und emotional verfügbar ist“, erklärt Mangelsdorf im taz-Interview. Und sie ergänzt einen Satz, der die Bedeutung von Lehrkräften weit über den Unterricht hinaus beschreibt: „Selbst wenn das Elternhaus versagt und komplett unter mir zusammenbricht, genügt manchmal schon eine Lehrkraft, die sich an meine Seite stellt, die ansprechbar ist, die mich nicht verlässt in herausfordernden Zeiten.“

Vor diesem Hintergrund bewertet Mangelsdorf auch das inzwischen an einigen Schulen eingeführte Schulfach Glück positiv, das keineswegs nur oberflächliche Fröhlichkeit vermitteln soll. „Es geht nicht darum, zu lernen, wie ich jeden Tag mit einem Lächeln aufwache und wieder ins Bett gehe“, sagt sie der taz. Vielmehr gehe es darum, „wie es gelingt, tiefe Beziehungen aufzubauen, wie ich eine Antwort darauf finde, was meine Stärken und Schwächen sind, wie ich einen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten kann.“

Allerdings warnt sie davor, solche Inhalte auf einzelne Unterrichtsstunden zu beschränken. Wenn im Fach Glück über persönliche Stärken gesprochen werde, im nächsten Unterricht aber Demütigungen oder Abwertungen folgten, verpuffe der Effekt. Nachhaltig könne Lebenszufriedenheit nur entstehen, wenn eine entsprechende Haltung den gesamten Schulalltag präge.

Für Mangelsdorf geht es dabei um mehr als das Wohlbefinden einzelner Schülerinnen und Schüler. Schule müsse Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass Zukunft gestaltbar ist. Entscheidend sei die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Diese Selbstwirksamkeit ist für sie eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Menschen angesichts großer Herausforderungen nicht resignieren, sondern handeln. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt sie dafür drei Voraussetzungen: Zunächst brauche es die Überzeugung, dass eine positive Zukunft grundsätzlich möglich sei. Hinzu komme das Wissen darüber, welche Schritte notwendig seien, um ein Ziel zu erreichen. „Der dritte Faktor ist die Selbstwirksamkeit, dass ich überzeugt bin, die notwendigen Schritte für ein positives Ergebnis realisieren zu können.“

Optimismus versteht Mangelsdorf deshalb ausdrücklich nicht als naiven Zweckoptimismus. Sie unterscheidet zwischen unrealistischem Optimismus, der Fakten ausblendet, und einem realistischen Optimismus, der Schwierigkeiten anerkennt und dennoch Handlungsmöglichkeiten sieht. Als Orientierung verweist sie auf den amerikanischen Psychologen und Philosophen William James (1842–1910), einen der Begründer der modernen Psychologie. Er prägte den Begriff des „Meliorismus“ – die Überzeugung, dass eine bessere Zukunft möglich ist, wenn Menschen selbst zu ihrer Gestaltung beitragen.

Eine solche Vorstellung von Zukunft hält Mangelsdorf nicht nur für Schülerinnen und Schüler für unverzichtbar. Auch Gesellschaft und Politik bräuchten eine überzeugende Vision, an der sich Entscheidungen orientieren könnten. Auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ob Deutschland eine solche Zukunftserzählung fehle, antwortet sie knapp: „Ja, unbedingt.“ Für die Bildung hat das unmittelbare Folgen. Schulen können Kinder und Jugendliche nur schwer auf eine demokratische Zukunft vorbereiten, wenn Politik selbst kaum noch vermittelt, wie diese Zukunft aussehen soll.

Dazu gehört für Mangelsdorf ausdrücklich auch die Bildung. Im FAZ-Interview beschreibt sie eine Zukunftsvision als Antwort auf die Frage, „wie Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Ähnliches in Zukunft aussehen“ sollen. Dahinter steht mehr als die Forderung nach Reformen. Gemeint ist ein Leitbild für die Schule der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts: Welche Fähigkeiten, Haltungen und Erfahrungen sollen junge Menschen dort erwerben – und welches Verständnis von Bildung soll sie dabei leiten? Erst aus einer solchen Vorstellung, so legt Mangelsdorf nahe, können sich politische Entscheidungen und pädagogisches Handeln ableiten. Wo ein gemeinsames Zukunftsbild fehlt, entsteht dagegen ein Vakuum. Genau dieses, so argumentiert die Psychologin, macht Gesellschaften anfälliger für einfache Erklärungen, Angstnarrative und politische Polarisierung.

„Eine Demokratie braucht Optimismus, um arbeitsfähig und überlebensfähig zu bleiben“

Im Interview mit der taz beschreibt Mangelsdorf den Mechanismus, der demokratische Gesellschaften unter Druck setzt. Unzufriedenheit lasse sich politisch nutzen, indem einfache Erklärungen und Sündenböcke angeboten würden. „Man nehme einen mit seinem Leben unzufriedenen Menschen, erkläre ihm, dass für diese Unzufriedenheit eine bestimmte Gruppe verantwortlich ist – Migranten, Eliten, Politik –, und biete sich als Alternative an. Schürt man nun nicht nur Unzufriedenheit, sondern gleichsam Wut, ist gesellschaftliche Polarisierung die direkte Folge.“

Auch der World Happiness Report zeigt nach ihren Worten, dass nicht allein die persönliche Lebenszufriedenheit politische Einstellungen beeinflusst. Mindestens ebenso bedeutsam sei das Vertrauen in staatliche Institutionen. Wo dieses Vertrauen schwinde, wachse die Anfälligkeit für radikale politische Angebote.

Damit schließt sich der Kreis zur Schule. Demokratie beginnt nicht erst bei Wahlen oder im Politikunterricht. Sie lebt davon, dass Menschen überzeugt sind, gemeinsam etwas verändern zu können. Wer schon als Kind erlebt, dass die eigene Stimme zählt und eigenes Handeln Wirkung entfalten kann, entwickelt eher Zuversicht als Ohnmachtsgefühle.

„Eine Demokratie braucht Optimismus, um arbeitsfähig und überlebensfähig zu bleiben“, sagt Mangelsdorf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Optimismus bedeutet dabei nicht, Krisen kleinzureden. Er bedeutet, trotz aller Unsicherheiten daran festzuhalten, dass Zukunft gestaltet werden kann. Vielleicht ist genau das heute eine der wichtigsten Bildungsaufgaben überhaupt. News4teachers

Schule der Zukunft: Warum Angst dumm macht – und wieso sich die Rolle der Lehrkraft fundamental ändern muss

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33 Kommentare
Teacher Andi
15 Tage zuvor

Prima, wieder eine Expertin, die genau weiß, wie Schule zu funktionieren hat, und natürlich muss man explizit ein neues Fach „Glück“ einführen, um die Schüler darauf vorzubereiten, nie und niemals lassen die Lehrer solche Ansätze im allg. Unterricht oder bei sonstigen Anlässen mit einfließen, nein, Unterricht ist ja nur stures Vermitteln von Fachwissen, es wird never ever eine Beziehung zu den Schülern aufgebaut.
Und ….. wie war das nochmal….?`“Schule macht krank“?? War doch der gängige Sermon, auf einmal ist sie wieder der Hafen der Glückseligkeit und gibt vielen Schülern den oft einzigen Halt (was ich schon immer betont habe)?
Liebe Experten, geht doch bitte mal ein Schuljahr lang live an die Schulen um zu entdecken, dass dort schon vieles umgesetzt wird, was dann immer wieder von Experten als DIE profunde und neue Erkenntnis dargelegt wird. Was täten wir nur ohne diese erhellenden theoretischen Ausarbeitungen?

Palim
15 Tage zuvor

„Im Krisenmodus gefangen„… und ich dachte nach den ersten 3 Worten, es ginge um die Krisen, die Lehrkräfte täglich ausbaden und auffangen, den Lehrkräftemangel, der seit 15 Jahren zehrt, die vielen zusätzlichen Aufgaben, das unzureichende Personal, sodass die Unterstützung, die viele Kinder bräuchten, nicht entsprechend gewährt werden kann…
Da auf die Schule der Zukunft in der 2. Hälfte des Jahrhunderts zu verweisen, ist nicht zielführend.

Ich_bin_neu_hier
15 Tage zuvor

„Vielleicht ist genau das heute eine der wichtigsten Bildungsaufgaben überhaupt.“

Wie viele (beinahe) allerwichtigste Bildungsaufgaben gibt es denn inzwischen? Kann da mal jemand eine Liste machen? Es ist nämlich schwer geworden, den Überblick zu behalten…

Anschließend machen wir eine Liste mit den schulischerseits vorhandenen Ressourcen, Orden diese den Bildungsaufgaben zu, und dann priorisieren wir: Triage für Bildungsziele.

Die entscheidende Frage ist schon längst nicht mehr: Was wäre alles sinnvoll?
Sie lautet schon lange: Was ist unter den gegebenen Umständen überhaupt noch erreichbar?

Das ist nur noch nicht allen klar genug, weshalb Schule gerne als bequeme Projektionsfläche für gesellschaftliche Bedürfnisse genutzt wird – immer noch.

Einigt euch auf erreichbare Ziele! – Dafür strenge ich mich dann auch gerne an. (Ansonsten strenge ich mich natürlich auch an – allerdings immer in dem Wissen, dass da nicht annähernd die von der Gesellschaft postulierten und erwarteten Ergebnisse herauskommen können.)00

Canishine
15 Tage zuvor

Und sie ergänzt einen Satz, der die Bedeutung von Lehrkräften weit über den Unterricht hinaus beschreibt: „Selbst wenn das Elternhaus versagt und komplett unter mir zusammenbricht, genügt manchmal schon eine Lehrkraft, die sich an meine Seite stellt, die ansprechbar ist, die mich nicht verlässt in herausfordernden Zeiten.““
Ja, das ist wohl richtig, aber das machen die betreffenden Lehrkräfte dann nicht ihrer Profession wegen, sondern aus persönlicher, zwischenmenschlicher Zuwendung. Und dabei müssen sie dann aufpassen, dass sie nicht selbst in die Knie gehen.

Unverzagte
15 Tage zuvor

Die Welt scheint nicht nur, sie ist aus den Fugen geraten und dazu braucht es vermutlich etwas mehr als eine positiv strahlende Glücksforscherin, die in den abgeleierten Kanon von Schule als Allheilmittel gegen jegliches Übel einsteigt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt und zwar nach dem Lesen solcher Ideen von Lehrenden als „all inclusive Krisenrettende“.

Katze
15 Tage zuvor

Aha, im Glücksunterricht wächst also die neue Pädagogik‑Magie,
verspricht den Kindern Zukunft mit Bildungs‑Poesie.
Der Glückskeks lächelt milde – ganz ohne Strategie,
sein Inhalt klingt nach Positiver Psychologie.

Die Selbstwirksamkeit wie Feenstaub der Elfen vom Turme verteilt,
als wär sie ein Geschenk, das einfach jeden ereilt.
Man spricht vom großen Können, das alle sanft umwabert –
doch am glücklichsten ist am Ende jener, der brav mitgelabert.

In der Wohlfühlschule wird der Keks zur pädagogischen Phantasie,
man deutet jeden Krümel – als wär’s die neueste Theorie.
Man knackt ihn immer neu – voll Hoffnung und Manie,
doch drin steckt nur ein Satz, so dünn wie Glücks‑Rhetorie.

Realist
15 Tage zuvor

Hmm, da Lehrkräfte ja immer „authentisch“ sein sollen, fällt es mir schwer, die Kids von einer „besseren“ Zukunft zu überzeugen, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Karren bewusst und immer schneller gegen die Wand fahren lassen.

Da müsste ich die Kids ja anlügen…

GBS-Mensch
15 Tage zuvor

„Anders als frühere Generationen erleben sie Kriege, Katastrophen oder Gewalt nicht mehr nur über die Nachrichtensendung am Abend, sondern unmittelbar auf dem Smartphone.“

Tja, dann mag es wohl der erste Fehler sein, wenn man Kindern so früh wie möglich ein Smartphone in die Hand drückt und auf social Media loslässt.

„Entscheidend sei die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Diese Selbstwirksamkeit ist für sie eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Menschen angesichts großer Herausforderungen nicht resignieren, sondern handeln.“

Dann ist es wohl eher minder günstig, wenn man alles aus der Schule herausstreicht, bei dem unmittelbare Selbstwirksamkeit erfahrbar ist:

Werken, Sport, Hauswirtschaft/kochen, Garten etc.
Ganztag könntr so etwas leisten, aber will man ja irgendwie auch nicht.

„Dazu gehört für Mangelsdorf ausdrücklich auch die Bildung. Im FAZ-Interview beschreibt sie eine Zukunftsvision als Antwort auf die Frage, „wie Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Ähnliches in Zukunft aussehen“ sollen. (…) Wo ein gemeinsames Zukunftsbild fehlt, entsteht dagegen ein Vakuum.“

Wie soll eine Gesellschaft, die immer weiter fraktioniert und zerfasert, in der ein gesellschaftlicher (Werte-) Konsens nach dem anderen aufgekündigt wird, eine gemeinsame Zukunftsvision entwickeln? Das scheint mir schlechterdings unmöglich. Wir erleben doch, wie die Zentrifugalkräftebin der Gesellschaft immer größer werden und damit auch die Disparitäten der Interessen von einzelnen Gruppen.

Hans Malz
15 Tage zuvor

„Objektiv stehen wir in vielen Bereichen nicht kritischer da als früher, aber wir haben alle eine völlig andere Form des Medienkonsums – wir werden von den Negativnachrichten dieser Welt überflutet“

So wird ein Schuh draus. Die Qualität der Bedrohungen war damals auch nicht kleiner, aber wir hatten zum Glück kein Handy.

„…wenn es mindestens eine Bezugsperson gibt, die stabil und emotional verfügbar ist“

Also schön alles zusammenstreichen, die Arbeitszeit erhöhen und niemanden neu einstellen. Am besten noch jede Woche neue Aufgaben erfinden, die wir machen sollen.

So wie es im Moment läuft? Vergesst es! Optimismus gibt es nur da, wo man auch Licht am Ende des Tunnels sieht. Sehe ich momentan nicht.

Es gibt eben keine Leitbild, weil jeder nur seinen Teil sieht und die Gesellschaft zerstritten ist. Jede Woche kommt wieder einer mit neuen Heilsversprechen um die Ecke und spätestens bei der Ressourcenfrage ducken sich alle weg.

Ja, ist wieder negativ und gar nicht so schön optimistich, wie im Artikel gefordert … geht halt nicht anders.

Frau Schmiddman
14 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

“ „Objektiv stehen wir in vielen Bereichen nicht kritischer da als früher, aber wir haben alle eine völlig andere Form des Medienkonsums – wir werden von den Negativnachrichten dieser Welt überflutet“
So wird ein Schuh draus. Die Qualität der Bedrohungen war damals auch nicht kleiner, aber wir hatten zum Glück kein Handy. -“

Damals wurde in der Schule vor sog. “ Mitschnackern“ gewarnt, die Älteren erinnern sich.

Heute könnte man zusätzlich vor dem „Doomsayer“ warnen. Insbesondere wenn diese sich mit ihren Botschaften an Kinder und Jugendliche wenden. Sie tun dies aus manipulativer Absicht, oder es ist Ausdruck einer psychischen Störung, oder beidem.

Masha
14 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Positive Psychologie klingt sehr gut, ist aber nicht ganz unumstritten, was die Wirksamkeit betrifft. Es wäre vielleicht angebracht, weitere Studien dazu abzuwarten, bevor man das an Schülern, durch Laien (Lehrer, Erzieher) ausprobieren lässt.
Schickt erst einmal Profis (= ausgebildete „Positive Psychologen“) für einen längeren Zeitraum in einzelne, am besten Brennpunkt- Schulen, um die Wirksamkeit wissenschaftlich nachzuweisen. Nehmt eine große Zahl Schüler mit verschiedenen Hintergründen: Geschlecht/ Alter/ soziale, ethnische, religiöse kognitive ….Voraussetzungen! Ist das erfolgreich, dann bitte flächendeckend umsetzen. Aber bitte erst dann!
Positive Psychologie in der Kritik – Schluss mit lustig!
Kritik der Positiven Psychologie. – WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE HEUTE

Hans Malz
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber an eine Schule schicken, um sich die Lage mal realitätsnah anzusehen, wäre schon nicht schlecht.

„Sie unterscheidet zwischen unrealistischem Optimismus, der Fakten ausblendet, und einem realistischen Optimismus, der Schwierigkeiten anerkennt und dennoch Handlungsmöglichkeiten sieht.“

Genau da liegt nämlich das Problem. Wenn man in einem System arbeitet, dass wirklich kaum Anlass zur Hoffnung bietet (zumindest, wenn man sich die Schulpolitik anschaut), fällt das sehr schwer. Man sieht die Kinder jeden Tag und hat im Hinterkopf, dass es ganz viele absehbar sehr schwer haben, bzw. ein Scheitern vorprogrammiert ist … die Ressourcen sind einfach nicht da.

Keine Angst, ich lasse das nicht an den Kindern aus (die sind die letzten, die was dafür können), aber es ist eben kein „realistischer Optimismus“, sondern höchstens gute Miene zum bösen Spiel.

Palim
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich finde das auch eine gute Idee.

Von „der Schule“ wird wieder einmal mehr erwartet, da kann man als Lehrkraft auch Unterstützung erwarten, um die Umsetzung anzugehen, also Personal für die Umsetzung und Zeit für die Kooperation.

Es ist doch gut, wenn positive Psychologie dann von entsprechenden Expert:innen in die Praxis gebracht wird, sie zeichnen sich für diese Lerneinheiten verantwortlich und entwickeln gemeinsam mit den pädagogischen Expert:innen Möglichkeiten und Maßnahmen, die auch im sonst gegebene Rahmen der Unterversorgung fortgesetzt werden können. Sollte dies nicht möglich sein, muss die Forderung um entsprechende Ressourcen ergänzt werden.
Im Anschluss können beide gemeinsam im Team Fortbildungen geben und helfen, dass an anderen Schulen der Trampelpfad weniger Umwege benötigt und viel schneller zum ausgetretenen Weg werden kann.

Palim
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Es gibt auch außerhalb von Schulpreisen oder Professuren Schulen, die das tun.
Gerne mal hospitieren gehen!

Besser und zielführender wäre es, wenn Stellen finanziert würden, sodass das Testen, Ausarbeiten, Evaluieren, an ständig veränderte Vorgaben Anpassen abgesichert ist.…. Oder wie war das nun mit der Uni-Schule und der wissenschaftlichen Begleitung?

Will man, dass jede Lehrkraft sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zieht oder will man, dass Schulen für das, was notwendig ist, unterstützt werden?

Komisch, dass man bei Lehrkräften immer davon ausgeht, dass sie alles unentgeltlich zusätzlich erledigen, bei Unis dann aber darauf verweist, dass die Finanzierung für 4 Stellen fehlt und man deshalb nicht arbeiten kann.

Ich habe es früher schon geschrieben: Ich kann und vor allem will es mir nicht leisten, Kinder in den Flur zu stellen und zu sagen: Dafür bin ich nicht zuständig. Also übernehme ich eine Menge zusätzlicher Aufgaben, um Unterricht mit den bestehenden Klassen differenziert und inklusiv zu gestalten. Aber es ist eben nicht genug systemisch unterstützt, sondern lebt von der dargestellten Annahme, dass Lehrkräfte alles schultern und retten sollen.

Das muss man transparent machen und an allen Stellen deutlich darstellen, dass Schulen nicht wie vorgesehen mit Personal versorgt sind – schon gar nicht für zusätzliche Ideen oder Projekte.

Palim
14 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein, ich will keinen Modellversuch.
Das sind dann Versuche, in denen jede Menge zusätzliches Personal vorhanden ist, Ergebnisse einfährt und sagt: „Guck mal! Ist doch ganz einfach!“ Ja, ist es, wenn denn im Anschluss daran die gleichen Ressourcen an alle Schulen gegeben würden. Aber das ist ja nicht so. Es werden Erwartungen generiert und an „die Schule“ gegeben, aber leider nicht an Bedingungen geknüpft.

An sich will ich, dass alle Schulen gut ausgestattet sind, sodass sie nicht nur mit Mühe den Pflichtunterricht besetzen können und nahezu täglich überlegen, wie sie das bewerkstelligen,
sondern so, dass sie Zeit für den Unterricht, die Förderung und Herausforderung, die Integration, die Inklusion, die Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei vielfältigen Bedürfnissen und Problemen und, ja, auch für innovative Ansätze haben.
Fortbildungen für Lehrkräfte müssten realisiert werden können, ohne dass Unterricht ausfallen muss, es müsste Zeit sein, um sich als Team abzusprechen, und es müsste Personen oder Geld geben, um Schulentwicklung mit Externen begleiten zu lassen, ebenso wie Supervision.

Bis dahin verpuffen alle möglichen Ideen und Anstrengungen, weil sie von den Alltagssorgen gefressen werden und immer die Kraft fehlt, weil immer mehr Lehrkräfte nach vielen Jahren der Überarbeitung schlicht nicht mehr können, sich abgrenzen und einen Stopp setzen, um überhaupt noch Unterricht halten zu können.
An sich haben Lehrkräfte Ideen genug. Sie sind flexibel, erfinderisch, sonst würden sie den Alltag gar nicht schaffen können. Sie sind aber mit anderem beschäftigt, gerade weil sie mit so wenig Personal so viel auffangen müssen.

Mich nervt, dass sehr viele Menschen gar keinen Blick in die Schulen werfen, sich gar nicht mit bestehenden Gegebenheiten beschäftigen, auch gar nicht vorab recherchieren, was es denn schon gibt und was schon umgesetzt wird, um dann – tada – mit einer weiteren Idee oder Forderung in die Öffentlichkeit zu gehen und zu fordern, dass „die Schule“ das bitte auch umsetzen soll – und ja, die Liste dieser stetig neuen Forderungen ist lang.

Dabei wird generell nicht über Ressourcen gesprochen, sondern nur über Aufgaben, die anderen aufgetragen werden. Es will sich aber niemand daran beteiligen, Ideengeber wollen weder Personal stellen noch Kosten übernehmen – sie mochten ihre Ideen von anderen Menschen realisiert sehen, die dafür ihre Kraft und Zeit einsetzen sollen, zusätzlich zu den anderen Aufgaben, die nicht weniger werden.

Wie es wohl wäre, wenn Lehrkräfte auch mal ihre Wünsche formulieren und in andere Berufe geben?

  • Wissenschaftler:innen könnten sich ja mal zusätzlich und unentgeltlich um Bildungsforschung kümmern. Sollten Sie auf findige Ideen kommen, können Sie ja in einer Brennpunktschule unterstützen, eine Klasse übernehmen – da ist immer eine ohne Leitung – und ganz nebenbei ihre Idee evaluieren.
  • Schulärzte kommen vorbei und übernehmen die Förderung, die sie in ihre Berichte schreiben, für die es aber weder einen Erlass noch Stunden gibt.
  • Verlage könnten sich zusätzlich um anständiges Inklusionsmaterial kümmern und dieses auch am Markt mit Personal ausprobieren und evaluieren, damit sie merken, wenn etwas weder im Unterricht funktioniert noch den curricularen Vorgaben entspricht.
  • Menschen aus anderen Bereichen oder Berufen können sich in Schule engagieren – zusätzlich zu ihrer Arbeitszeit, aber mit dem Lohn abgegolten.

Das wäre doch total schön, wenn diese alle ihre Selbstwirksamkeit erleben und Schüler:innen ihre positive Einstellung zum Leben und zur Bildung weitergeben würden.

Warum nur schlägt das niemand vor, sondern trägt immer alles „den Schulen“ auf?

Palim
13 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

„Sorry, das hilft niemandem.“

Ja, das denke ich auch gerade.
Sie fühlen sich selbst unverstanden oder sie wollen es nicht verstehen?

Es hilft nicht, auf „im Schnitt 2 Stunden“ zu verweisen. Sie kennen doch die Studien und die Debatten um die Arbeitszeiterhebung nach EU-Recht.
Sollen die Mitarbeitenden der Pädagogik an der Uni auch „im Schnitt 2 Stunden“ mehr arbeiten? Ist ja nicht so schlimm?
Oder übernehmen sie den Fachbereich Psychologie gerade mit – hat ja Schnittpunkte in der Pädagogischen Psychologie.

Es werden Forderungen ohne Bedingungen gestellt. Das ist der Punkt.

Für andere kann man das machen: die Schule darf gerne noch dies und das übernehmen,
für sich selbst stellt man fest, dass das nicht möglich ist, weil die Finanzierung nicht ausreicht.

Ja, schlimm, da hilft aber nicht, wenn andere von außen zusätzlich dann noch weitere Anforderungen in diesen Bereich geben und sagen: Deine Aufgabe! Kümmere dich!

Frau Langner sagt im Interview: „Die größten Hürden sehe ich jedoch in den bestehenden administrativen und strukturellen Rahmenbedingungen des Bildungssystems.“

War uns Lehrkräften schon aufgefallen. Wir weisen auch gerne noch einmal darauf hin: es fehlt Personal, es fehlen Räume, es fehlt an bestimmten Schulen an Ausstattung. Und das ist schon sehr lange so.

Das werten Sie als Häme.

Ich werte es so, dass jetzt auch andere feststellen, dass Bildung und Schule nicht angemessen ausgestattet ist. Und dass deutlich ist, dass Schule immer „im Rahmen der Möglichkeiten“ agieren kann – ist der Rahmen zu eng, sind es die Möglichkeiten auch. DAS musste Frau Langner nun auch feststellen.

Dennoch wird aber alles Mögliche zusätzlich von „der Schule“ erwartet.

Wenn es den Forscher:innen so wichtig ist, warum nennen Sie zu ihren Aspekten nicht auch gleich die Bedingungen, die notwendig sind, um ein System umzustellen oder Neues mit einzubeziehen? Zum Beispiel:

  • Die Innovationen der Uni-Schule Dresden sind hilfreich in Klasse XY, dazu braucht es Koordinator:in Z mit einem Stundenumfang von 3 UStd pro Woche, damit das Projekt in einer neuen Schule implementiert werden kann. Bestehen die Neuerungen, braucht es weiterhin 1 UStd. pro Woche Entlastung für die Pflege und Organisation im laufenden Betrieb.
  • Lehrkräfte sind für eine positive Einstellung sowie die Beziehungspflege wichtig, um so mehr, als dass Kinder und Jugendliche diese in schwierigen Situationen als Ansprechpartner:in und Fürsprecher:in benötigen. Um so mehr, als dass Schulen gar nicht durchgängig sozialpädagogisch oder schulpsychologisch versorgt sind und Lehrkräfte diese Aufgaben mit übernehmen müssen. Deshalb fordern wir eine entlastende Anrechnung dieser Tätigkeiten bei Lerhkräften. Alternativ werden alle Schulen umfänglich mit Sozialpädagog:innen und Schulpsycholog:innen im Team und in Präsenz in der Schule ausgestattet.
  • Selbstwirksamkeit der Schüler:innen ist wichtig. Schule sollte dazu Erfahrungsräume bieten, gerade angesichts dessen, dass diese im außerschulischen Bereich nicht mehr angemessen und für alle Schüler:innen vorhanden sind. Entsprechend fordern wir die Kultusminister der Länder auf, in bestimmten Klassenstufen projektbezogene Lernzeiten einzusetzen, in denen durch Lehrkräfte/ Sozialpädagog:innen/ Schulpsycholog:innen oder außerschulische Kräfte begleitet die genannten Kompetenzen erlangt werden können.

Und ja:
Die Begleitforschung ist wichtig, um das Projekt weiterführen und die erhobenen wissenschaftlichen Daten auswerten zu können. Dafür werden 4 Stellen benötigt, ohne die das Projekt nicht wie geplant abgeschlossen werden kann.

Zierer weist in der Zeit übrigens darauf hin, dass es Praktiker in der Schulpädagogik braucht. Eine bessere Verzahnung von Forschung und Schule würde ggf. auch helfen, dass die Forderungen nicht weiterhin losgelöst von den Möglichkeiten innerhalb der Schulen ausgesprochen werden. Und zwar nicht allein der Schulen, die in Uni-Nähe stehen oder daran angeschlossen sind.

dickebank
13 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Es läuft nach dem ewig gleichen Schema, aufgrund von Empfehlungen, die auf Erkenntnissen aus Laborversuchen stammen, sollen an der pädagogischen Basis mit den vorhandenen Mitteln Bonbons aus Verdauungsendprodukten gefertigt werden. Wenn es nach kürzester zeit trotz aller Widrigkeiten gelingt, den Bonbons Struktur und eine ansprechende Farbe zu geben, wird von der kritischen Öffentlichkeit der „interessante“ Geschmack kritisiert und die Produzenten gerügt werden.

Hans Malz
13 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Sehr gut geschrieben und auf den Punkt getroffen.

Die Balkon
14 Tage zuvor

„Bei solchen Koryphäen“ – so fangen wissenschaftsfeindliche Sätze an.

Wanda
14 Tage zuvor
Antwortet  Die Balkon

So fingen bei uns die Berichte über den neuesten Bockmist unseres letzten Hausmeisters an.

Hysterican
13 Tage zuvor
Antwortet  Wanda

Dann passt es ja wieder… 🙂

dickebank
13 Tage zuvor
Antwortet  Die Balkon

Heißt das nicht „Koniferen“?

mama51
14 Tage zuvor

Und wodurch oder wie erhalten die LK selbst den positiven Blick auf „die Welt und die Zukunft“? Indem ich mir die „schöne heile Welt“ selbst einrede? Selbst in den Hafen der Glücksseligkeit einlaufe?
Meine Vision seit einigen Jahren wäre tatsächlich, dass alle Nachrichtenformate inkl. sozialer Netzwerke dazu verpflichtet würden, an einem Tag der Woche, 24 Stunden, ausschließlich nur gute, schöne, positive Meldungen zu verbreiten! Die gibt es in der Tat eigentlich zuhauf, besonders lokal und im „Kleinen“,… man müsste nur mal darauf schauen! Die sind aber nicht medienwirksam und steigern nicht die Auflagen.
Obwohl man bestimmt auch „Schönes“ aufreißerisch“ in den Headlines präsentieren könnte, wenn man es nur wollte.
Ich träume weiter 🙂

Hysterican
13 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Dann solltet ihr konsequenterweise nur noch über positive Dinge berichten – wenn ihr die menschliche Kognitionspsyche so gut verstanden habt … ach ne, das geht ja wieder aus monetären Gründen nicht, weil ihr dann massenhaft Lesende verliert … und damit euer Einkommen.

Unverzagte
14 Tage zuvor

“Es zeigt sich, dass es Glück so nicht gibt. Es gibt nur die Fähigkeit, glücklich zu sein.“

frei zitiert nach,,,hmm, vergessen von wem

Bla
13 Tage zuvor
Antwortet  Unverzagte

Haben Sie wahrscheinlich mal im Kontext von Hermann Hesse gelesen?
Glaube das liest man allerdings nirgends so. Ist mehr „Deutungszitat“.

Unverzagte
13 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Nee, eher bei Schopenhauer.