BERLIN. Spektakuläre Experimente, aufwendig inszenierte Aktionstage und kreative Mitmachangebote prägen vielerorts das Bild guter früher Bildung. Doch fördern sie tatsächlich jene Fähigkeiten, auf denen späteres Lernen aufbaut? Der Didaktiker und Privatdozent PD Dr. habil. Gerhard Friedrich, der sich seit Jahrzehnten mit früher Bildung beschäftigt, plädiert für eine grundlegende Neubewertung pädagogischer Prioritäten. Seine These: Nicht der größte Aha-Effekt entscheidet über Bildungsqualität, sondern der systematische Aufbau von Sprache und mathematischem Denken – auch wenn sich das weit weniger spektakulär inszenieren lässt.

Pinterest-Didaktik: Frühe Bildung beginnt mit Sprache und Mathematik. Nicht am Experimentiertisch.
Eine pädagogische Fachkraft bereitet einen Experimentiertisch vor. In der Mitte steht ein kleiner Vulkan aus Knete, daneben Essig, Natron, Pipetten und rote Lebensmittelfarbe. Gleich wird der Vulkan ausbrechen. Die Kinder sind begeistert, Fotos entstehen. Am Ende landet das Ganze auf Instagram.
Am Nachmittag sitzen dieselben Kinder auf dem Boden. Die pädagogische Fachkraft legt einfache Holzplättchen aus der Fröbelkiste aus: drei blaue, zwei rote, drei blaue, zwei rote. „Wer will mitmachen?“, fragt sie. Ein Kind legt die nächsten Plättchen, ein anderes widerspricht. Die Kinder kommen miteinander ins Gespräch. Sie suchen nach der Regel, erklären ihre Überlegungen, verändern das Muster und erfinden schließlich neue Folgen.
Welche dieser beiden Situationen trägt mehr zur frühen Bildung eines Kindes bei? Oder genauer gefragt: Wo und wie beginnt frühe Bildung?
Vor mehr als zwanzig Jahren habe ich in meinem Habilitationsvortrag an der Universität Bielefeld die These vertreten, dass die Pädagogik der frühen Kindheit eine wissenschaftlich fundierte Fachdidaktik braucht. Gemeint war eine Didaktik, die beschreibt, wie Kinder sich grundlegende Begriffe, Zusammenhänge und Denkweisen erschließen. Die Frage lautete damals, worauf Professionalität in der frühen Bildung beruht. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist sie aktueller denn je.
Damals herrschte eine immense Aufbruchstimmung. Der erste PISA-Schock verlieh der frühen Bildung bildungspolitisch eine Aufmerksamkeit, wie sie sie zuvor kaum erfahren hatte. Tatsächlich hat sich seitdem vieles verändert: Bildungspläne wurden überarbeitet, neue Programme entstanden, und die Naturwissenschaften, Technik sowie die Medienbildung erhielten einen festen Platz in den Kindertageseinrichtungen. Insbesondere die naturwissenschaftliche Bildung entwickelte sich zu einem der großen Zukunftsthemen.
Diese Entwicklung war nachvollziehbar und traf auf eine Phase, in der erhebliche öffentliche und private Mittel in den Ausbau früher MINT-Bildung investiert wurden. Wenn Kinder unablässig „Warum?“ fragen, liegt der Schluss nahe, dass sie sich für naturwissenschaftliche Erklärungen interessieren. Genau darin schien für viele die Legitimation zu liegen, die naturwissenschaftliche Bildung bereits im Kindergarten deutlich auszubauen.
Doch stimmt diese Annahme?
Viele Fragen von Vorschulkindern klingen zwar wie kausale Warum-Fragen. Bei genauerem Hinsehen richten sie sich jedoch auf etwas ganz anderes: auf Sinn, Funktion und Handlungszusammenhänge. Kinder möchten oft wissen: Wozu ist das gut? Was kann man damit machen? Wieso gehört das so?
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht diesen Unterschied. Auf die Frage „Warum regnet es?“ würde eine naturwissenschaftlich korrekte Antwort den Regen mit Wasserdampf, Kondensation, der Atmosphäre und dem Wasserkreislauf erklären. Ein Kind antwortet dagegen: „Weil die Blumen Durst haben.“ Naturwissenschaftlich: falsch. Pädagogisch: brillant.
Die Antwort zeigt etwas Grundsätzliches: Viele Warum-Fragen von Vorschulkindern zielen nicht auf kausale Erklärungen, sondern auf finale Antworten. Im Mittelpunkt stehen Sinn, Zweck und Bedeutung, nicht Ursache und Wirkung. Die vermeintliche Warum-Frage erweist sich bei näherem Hinsehen als Wieso- oder Wozu-Frage.
Gewiss, Experimente können Kinder begeistern. Sie wecken Aufmerksamkeit, Neugier und Freude. Befürworter dieser frühen Labor-Offensive argumentieren deshalb gern, dass solche Knalleffekte die Kinder dazu anregen, über ihr eigenes Denken nachzudenken und eigene Vermutungen zu überprüfen. Doch das ist in der Praxis ein Trugschluss. Ein chemischer Knalleffekt ist für ein fünfjähriges Kind kein Lernort, sondern ein Zaubertrick. Es staunt über den Effekt, versteht die zugrunde liegenden Zusammenhänge jedoch noch nicht. Aus Naturwissenschaft wird so ganz leicht bloße Magie.
Das Fundament früher Bildung entsteht stattdessen dort, wo Kinder Begriffe aufbauen, miteinander ins Gespräch kommen, Zusammenhänge entdecken und verlässliche Denkwerkzeuge erwerben. Das geschieht im Normalen und Gewöhnlichen, nicht im Spektakulären. Faszination kann ein wertvoller Ausgangspunkt sein, doch eine echte Bildungswirkung entsteht erst dann, wenn Kinder ihre Beobachtungen sprachlich ausdrücken, ordnen, vergleichen und in ihre bisherigen Erfahrungen einbetten.
Sprache und mathematisches Denken eröffnen Kindern den Zugang zu Naturwissenschaften, Technik und vielen weiteren Bildungsbereichen. Partizipation beginnt dort, wo Kinder Gedanken ausdrücken, Regeln aushandeln und gemeinsam Entscheidungen treffen. Musik lebt von Mustern, Rhythmen und Strukturen, die Informatik baut unmittelbar auf mathematischem Denken auf.
Sprache und Mathematik stehen deshalb nicht einfach gleichrangig neben den anderen Bildungsbereichen. Sie eröffnen Kindern überhaupt erst den Zugang zu ihnen und damit zur gesellschaftlichen Teilhabe. Wer Kindern Sprache und Mathematik erschließt, vermittelt weit mehr als zwei Bildungsbereiche. Es befähigt sie, ihre Welt zu strukturieren und neue Erfahrungen dauerhaft mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen.
Darin liegt der wahre Gehalt früher Bildung. Er besteht nicht in möglichst spektakulären Angeboten, sondern im schrittweisen Aufbau jener Denkwerkzeuge, mit denen Kinder sich ihre Welt immer weiter selbstständig erschließen. Das vermeintlich unspektakuläre Legen der Holzplättchen führt Kinder dazu, Regelmäßigkeiten zu erkennen, Strukturen zu abstrahieren und auf neue Situationen zu übertragen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem einmaligen Erlebnis und einem echten Bildungsprozess.
Wir sollten uns daher eine grundlegende Frage stellen: Wenn Sprache und Mathematik die grundlegenden Denkwerkzeuge aller weiteren Bildungsprozesse sind, weshalb stehen dann in der öffentlichen Wahrnehmung häufig gerade jene Angebote im Mittelpunkt, die vor allem durch ihre optische Inszenierung beeindrucken? An diesem Punkt begann eine Fehlentwicklung, deren Folgen weit über die Naturwissenschaften hinausreichen.
Je stärker sich die Aufmerksamkeit auf spektakuläre Angebote richtet, desto größer wird die Gefahr, dass ihre äußere Form mit ihrem eigentlichen Wert verwechselt wird. Sichtbarkeit ersetzt dann schleichend pädagogische Qualität. Ein Angebot wirkt beeindruckend, weil es Aufmerksamkeit erzeugt, nicht weil es tiefere Denkprozesse anstößt. So entsteht eine Pädagogik, die sich immer stärker an außergewöhnlichen Aktionen orientiert. Aufwendig vorbereitete Experimentiertische, Kinderlabore, Themenwochen, Aktionstage und aufwendig inszenierte Bildungsangebote prägen zunehmend das Bild guter früher Bildung. Die sozialen Medien verstärken diese Entwicklung, denn sichtbare Ergebnisse verbreiten sich dort nun einmal leichter als stille, kognitive Bildungsprozesse.
Ich möchte dieses Phänomen als Pinterest-Didaktik bezeichnen.
Damit meine ich keine Kritik an der Plattform selbst und ebenso wenig an den vielen engagierten pädagogischen Fachkräften, die dort nach kreativen Anregungen suchen. Gemeint ist vielmehr eine Entwicklung, bei der die visuelle Attraktivität eines Angebots zunehmend über seine pädagogische Qualität gestellt wird. Im Vordergrund steht, was sich gut präsentieren lässt. Aus dem Blick gerät dagegen, welche Begriffe Kinder tatsächlich aufbauen, welche Gespräche entstehen und welche nachhaltigen Denkwerkzeuge sie erwerben.
Didaktik beginnt mit der Frage, was Kinder heute verstehen müssen, um ihre Welt zu erschließen und morgen selbstständig weiterlernen zu können. Materialien, Methoden und Aktivitäten erhalten ihren Wert erst durch den Bildungsgehalt, den sie transportieren. Wer diese Grundlagen überspringt, wird später auch ein naturwissenschaftliches Verständnis kaum dauerhaft aufbauen können.
Die aktuellen Bildungsberichte bestätigen diese Zusammenhänge eindrücklich. Seit Jahren zeigen sie erhebliche, alarmierende Defizite im Lesen, Schreiben und im mathematischen Denken. Defizite im naturwissenschaftlichen Verständnis stehen dagegen ausdrücklich nicht im Mittelpunkt der Befunde.
Setzen wir unsere bildungspolitischen Prioritäten also tatsächlich dort, wo sie die größte Wirkung entfalten?
Auch die Schule lebt nicht von spektakulären Erlebnissen. Sie lebt von Sprache und mathematischen Basiskompetenzen als Fundament für jeden weiteren Bildungserfolg. Wenn Kinder in der Grundschule scheitern, dann scheitern sie selten am fehlenden Wissen über Vulkanausbrüche. Sie scheitern, weil ihnen die Werkzeuge fehlen, um Aufgabenstellungen zu verstehen, Strukturen zu erkennen und eigene Gedanken präzise zu formulieren.
Es ist Zeit für eine Kehrtwende in der frühen Bildung: Weg von der bloßen Inszenierung, hin zur echten kognitiven Aktivierung. Wir müssen dem Unspektakulären wieder seinen pädagogischen Wert zurückgeben. Denn die nachhaltigsten Bildungsprozesse hinterlassen selten ein buntes Foto auf Instagram, aber sie hinterlassen tiefe Spuren im Denken der Kinder.
Das würde die Chance eröffnen, den viel beschworenen Übergang zwischen Kita und Schule als Teil eines gemeinsamen Bildungskontinuums zu begreifen. News4teachers
PD Dr. habil. Gerhard Friedrich ist Diplom-Pädagoge und Privatdozent für Allgemeine Didaktik. Er war viele Jahre als Lehrer für Mathematik, Technik, Pädagogik und Psychologie tätig und entwickelt seit Jahrzehnten Konzepte, Lernmaterialien und Fachbeiträge für die frühe Bildung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der frühen Bildung, der Spielpädagogik sowie der Gestaltung von Lernumgebungen für Kinder.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Aus- und Fortbildung“.
Projektitis in Kitas: Warum immer neue Programme die Probleme nicht lösen










Pure Häresie.
Wenn Differenzierung schon als Häresie gilt, dann nehme ich das gern gelassen in Kauf.
Ich lass fast immer die Ironietags weg.
Und ohne Differenzierung hätte ich als tarifbeschäftigte Lehrkraft an einer IGS nicht in Rente gehen können
Dann habe ich Ihre Ironie tatsächlich zu ernst genommen. Umso mehr freue ich mich über Ihre Zustimmung.
Da nich für.
DANKE! Ausgezeichneter Artikel, der anschaulich und überzeugend zeigt, was einen Lehrer von einem Animateur unterscheidet.
In eine ähnliche Richtung zeigen – gerade mit den Möglichkeiten der KI – die Probleme produktorientierten Arbeitens. Man kann heute mit ein paar Klicks ein ganz wunderbares Produkt herstellen, ohne auch nur das Geringste gelernt zu haben. Das eigentlich wichtige „Produkt“ sollte halt im Kopf entstehen.
„Aufwendig vorbereitete Experimentiertische, Kinderlabore, Themenwochen, Aktionstage und aufwendig inszenierte Bildungsangebote prägen zunehmend das Bild guter früher Bildung.“
Frühe Bildung? Hää? Ist das nicht längst die Beschreibung des deutschen Bildungssystems von der Kita über die Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe?
Projektwoche. Nachhaltigkeitswoche. Demokratietag. MINT-Tag. Methodentag. Gesundheitstag. Escape Room. Stationenlernen. Lernbuffet. Galeriegang. Hauptsache, es macht Spaß, fühlt sich nicht zu sehr nach Anstrengung an und sieht nach Aktivität aus. Unterricht scheint nur noch dann als gelungen zu gelten, wenn möglichst viele Scheren, Klebestifte, Tablets und Moderationskarten im Einsatz waren. Dass zwischendurch auch einmal systematisch Wissen und fachliches Können aufgebaut werden müssten – geschenkt!
Chemie- und Physiklehrer dürften sich wiederfinden: „Gewiss, Experimente können Kinder begeistern. Sie wecken Aufmerksamkeit, Neugier und Freude.“ Ja, das tun sie auch bei Neuntklässlern. Nur folgt daraus eben noch lange kein Verständnis.
„Ein chemischer Knalleffekt ist für ein fünfjähriges Kind kein Lernort, sondern ein Zaubertrick.“
Für erstaunlich viele SuS im Gymnasium leider ebenfalls. Der Knall bleibt hängen, die Reaktionsgleichung und der Kausalzusammenhang nicht. Aus Naturwissenschaft wird Eventpädagogik oder Unterhaltung.
Als ob Erkenntnis jemals ohne konzentriertes Denken, Üben, Fachsprache und mathematische Präzision entstanden wäre.
„Viele Warum-Fragen von Vorschulkindern zielen nicht auf kausale Erklärungen, sondern auf finale Antworten. Im Mittelpunkt stehen Sinn, Zweck und Bedeutung, nicht Ursache und Wirkung.“
Welch Ironie. Im Gymnasium sollen Lehrkräfte möglichst gar keine W-Fragen mehr stellen. Stattdessen Operatorenkult: Analysieren. Erläutern. Beurteilen. Bewerten. Wer in einem Test noch „Warum? oder Wie?“ fragt, hat didaktisch offenbar den Schuss nicht gehört.
Die einzigen, die konsequent an den W-Fragen festhalten, sind die SuS: „Warum soll ich das lernen?“ „Wozu brauche ich das?“ Antwort oft: Damit wir das nächste Projekt, den nächsten Aktionstag und den nächsten Escape Room absolvieren können.
Vielleicht wären weniger aufwendige Inszenierungen und Projektitis und wieder mehr fachliche Tiefe tatsächlich die größere Innovation. Sprache, mathematisches Denken, präzise Begriffe und logisches Argumentieren erzeugen nämlich selten Wow-Effekte.
Stattdessen servieren wir, weil bestellt, inzwischen Lernbuffets. LuL als Caterer fachlicher Häppchen: bunt dekoriert, leicht verdaulich und bloß nichts, woran man sich geistig die Zähne ausbeißt. Wissen wird angerichtet wie ein All-inclusive-Buffet – jeder nimmt sich das, worauf er gerade Appetit hat. Nur dummerweise funktionieren Mathematik, Chemie und Physik nicht nach dem Prinzip „Heute lasse ich die Grundlagen einfach mal liegen.“
Also ist mein Ansatz für die Grundschule und damit der seit vielen hundert Jahren praktizierte Ansatz doch nicht so schlecht:
Lesen, Schreiben, Rechnen, sonst nichts
(Sport, Kunst, Sachunterricht usw. als Anreicherung und Ausgleich können bleiben, Englisch höchstens als AG für ansonsten unterforderte Kinder)
Gut, dass dieser Ansatz nicht seit vielen hundert Jahren praktiziert wird.
Oder können Sie eine Schule zeigen, in der das umgesetzt ist?
Ich könnte eine zeigen, an der das vor zig Jahren praktiziert wurde. Da habe ich mehr gelernt als meine Kinder heute. Und die sind sicherlich nicht dümmer als ich damals.
Man kann gern auch an der Grundschule andere Dinge als Lesen, Schreiben, Rechnen unterrichten. Aber bitte erst, wenn diese drei Dinge sitzen (oder meinetwegen begleitend, wenn klar absehbar ist, dass das trotzdem erreicht wird).
Unsere Grundschullehrer vor -zig Jahren haben es trotz Lesen, Schreiben, Rechnen als tägliche “ Paukerei“ geschafft, die Stunden abwechslungsreich zu gestalten. Zum Beispiel der Heimatkundeunterricht, Vorläufer der Sachkunde, trug dazu bei. Oder Aufsatzerziehung, da konnte es schon mal sein, dass wir spontan einen kleinen Lerngang machten, um ein Wetterphänomen, zum Beispiel Raureif, kennenzulernen und zu beschreiben. Das waren die kleinen Highlights.
„Lesen, Schreiben, Rechnen, sonst nichts“
Täglichen Flaggenappell nicht vergessen
… bitte auch Ethik weg, gähn!
Vielen Dank!! Genauso sehe ich das nach Jahrzehnten Berufserfahrung auch. Es sind die kleinen, unscheinbaren Dinge, die in den Bann ziehen können.
Wir haben in Klasse 1 mal das Thema „was lebt“ mit den Kindern erarbeitet. Das Ziel war, dass Kinder darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn etwas lebt bzw. die Definition von Leben in Abgrenzung von unbelebten (Philosophieren mit Kindern)…..Extrem spannend, weil die Kinder ihre Haltungen in Worte fassen sollten……klitzekleine Experimente mit extrem großer Wirkung…..und sprachlich für alle zu bewältigen….
Aber es geht auch einfacher: Bauen mit Bauklötzem, Lego, Arbeiten mit Spiegeln, Bügelperlen, Basteln mit Kastanien…..und dabei Sprechen, sprechen, sprechen…..Witze erzählen, Bildergeschichten, kleine Theaterstücke einüben, szenisches Spielen…..Falten von Flugzeugen, Gräser sammeln und drauf rum Tröten…..Samen von Äpfeln einpflanzen,….
Es braucht echt nicht viel…..
Am Ende braucht es Aktion und Gespräch.
Das beschriebene Vulkan-Experiment ist nicht deshalb schlecht, weil es ein Experiment mit Knalleffekt ist, sondern es ist schlecht, wenn das Gespräch ausbleibt, wenn es nur noch um Aktion oder Show geht.
Experimentieren um des Experiments wegen steht einer inhaltlichen Einbindung gegenüber, die Vermutung, Beobachtung, Beschreibung und Einbindung berücksichtigt. Das geht auch schon in der 1. Klasse und ist eben nicht allein „Lesen, schreiben, rechnen – sonst nichts“, sondern sehr viel Sprachbildung und das Anregen der Auseinandersetzung mit Inhalten.
Das braucht dann übrigens auch Zeit, um zuzuhören, um Gespräche zu führen, um Gedanken noch einmal aufzugreifen, um etwas abwägen zu lernen.
Dazu wären mir schlankere Curricula lieber, in denen eine Auswahl an Themen gestellt ist, vielleicht Beispiele, aber ansonsten klar geäußert wird, dass es darum geht, die Fähigkeiten der Auseinandersetzung zu lernen. Das nennt sich heute „prozessbezogene Kompetenzen“ und ist gar nicht so weit weg von Bauen, Falten, Gräser sammeln.
KiTa haben übrigens eben solche Bildungspläne, es gibt zudem Programme, um das naturwissenschaftliche Denken auch bei kleinen Kindern zu fördern. Das dient auch dazu, überhaupt Interesse zu wecken, steht aber auch im Zusammenhang mit den genanngen Fähigkeiten. Gerade bei der Instagrammisierung der Gesellschaft ist es um so nötiger, Kindern zu zeigen, dass sie selbst etwas ergründen und entdecken können und sich nicht alles digital präsentieren lassen.
Vielen Dank für diese differenzierte Einordnung. Genau darum geht es mir. Mein Beitrag richtet sich nicht gegen Experimente als solche. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass sie in sprachliche und gedankliche Auseinandersetzungen eingebettet sind und nicht zum Selbstzweck werden. Gleichzeitig stellt sich angesichts der aktuellen Bildungsbefunde und der personellen Situation in vielen Einrichtungen für mich die Frage nach den pädagogischen Prioritäten. Wenn Zeit und Ressourcen begrenzt sind, sollten wir sie vor allem dort einsetzen, wo Kinder ihre sprachlichen und mathematischen Grundlagen entwickeln. Genau darüber wollte ich die Diskussion anstoßen.
Das wird dann schulintern schon geregelt, das ist seit über 15 Jahren Mangelsituation immer wieder so.
Die Hauptfächer (also lesen, schreiben, rechnen) werden möglichst mit Lehrkräften besetzt, danach muss man gucken, was noch möglich ist.
Guten Sachunterricht kann man dann oft nicht mehr leisten, aber Experimente allein für den Effekt auch nicht.
Statt Kraft in die Schulentwicklung zu stecken, braucht man Kraft und viel Zeit, um Vertretungen zu organisieren und (ungelernte) Kräfte an die Hand zu nehmen, damit in der Zeit, in der statt Unterricht Betreuung stattfinden muss, etwas Sinnvolles geschieht. Aber gut geführte Gespräche kann man nicht mal eben an andere geben.
Ähnlich sieht es in den anderen Fächern aus.
Wenn die Unterrichtsversorgung nicht stimmt und die Lehrkräfte unter den Zusatzaufgaben ächzen, müssen sie irgendwo streichen, der Tag hat nur 24 Stunden.
Es geht auch so langsam voran, weil man als Lehrkraft in jedem Jahr zig Neuerungen hat und sich ständig neu einarbeiten muss, neues Curriculum, neue Projekte, neue Erlasse, aber auch immer wieder neue Schwerpunkte in Inklusion und Digitalisierung.
Meiner Meinung nach müsste die Versorgung der Schulen sehr viel besser sein und alles, was hinzu kommt, sehr viel besser vorab vorbereitet, an die Praxis angepasst.
Dazu bräuchte es Lehrkräfte, die länger und täglich im Unterricht stehen und den Schulalltag gut kennen, die es vorab sichten, die an den neuen Ideen mitarbeiten dürfen, die bei Forschungsfragen einbezogen werden und Menschen, die es vorab so vorbereiten, dass Lehrkräfte es vorgefertigt erhalten und mit wenig Aufwand einsetzen können. Das bezieht sich auf alle genannten Belange.
Und es braucht Politiker:innen und Beauftragte und Amtsträger:innen und Forschende, die, bevor sie mit Forderungen an „die Schulen“ an die Presse geht, Lehrkräfte fragen: Was braucht ihr dafür, um das umsetzen zu können? Dann könnten sie dies gleich in ihre Forderungen einbeziehen und nicht an „die Schule“ appellieren, sondern gleich die entsprechenden Bedingungen als Voraussetzung benennen.
Und jetzt noch mal: Vielen Dank, Palim!
Der Passus, dass Mehrarbeit ab der dritten im Monat geleisteten Stunde vergütet wird, ist ein Witz. Ich hatte Wochen, in denen ich die drei Stunden erreicht habe. Und das zusätzlich zu einer Dauervertretung mit zwei Deputatsstunden. Und solche Zusatzbelastungen sind bei Mangelfächern kein Einzelfall.
Bei einem 28 oder 29h-Deputat in der GS ist Mehrarbeit nur über den Ganztag möglich.
Viel heftiger finde ich die außerunterrichtlichen Aufgaben. Da könnte man sehr vieles sehr viel besser unterstützen, statt in jeder Schule mehrere Lehrkräfte damit zu beschäftigen. Eine Anpassung vor Ort braucht es sicher, aber in geben Zügen oder Bausteinen oder vorgefertigten Elementen wäre es sicher leichter für alle.
Beispiele?
Warum gibt es bei neuen Curricula keine Synopse zu vorherigen?
Warum gibt es nicht für jedes Fach 3 Jahres-Musterplanungen, in denen ausgewiesen ist, wie die genannten Inhalte und Prozesse ins Schuljahr passen?
Warum gibt es keine Beispiele für gelungenen Unterricht? (An dieser Stelle ein riesiges Danke an alle, die am PikAs vom DZLM mitgewirkt haben. nicht so spektakulär wie täglich ein buntes Bild auf Instagram, aber es ist extrem hilfreich). Das könnte es auch für andere Fächer geben.)
Warum gibt es keinen zentralen medizinisch-pädagogischen Dienst, bei dem ich online 24/7 Informationen zu häufigen Erkrankungen oder Syndromen sowie pädagogische Anregungen bekomme und innerhalb max. 1 Woche eine Rückmeldung auf spezifischere Fragen?
Warum sind Elternbriefe des Ministeriums nicht generell vielfach übersetzt? (Ok, das erledigt nun die KI).
Ob es ein Experiment mit Knalleffekt und dazugehörigem Unterricht geben kann, entscheidet sich leider an der außerunterrichtlichen Belastung. Es ist manchmal einfach nicht mehr möglich, die paar Haushaltsgegenstände zusammenzusuchen (oder die Box aus dem Materialfundus, in dem Wissen, dass es alles sauber und aufgefüllt zurück in den Fundus muss).
Mein persönlicher Fundus ist groß (auch so ein Lehrer-Spleen), aber es ist natürlich einfacher, ein paar AB auszulegen und es „Werkstatt“ zu nennen.
Und das bezieht sich auf alle Fächer und alles, was Vorbereitungszeit benötigt. Die meisten Lehrkräfte haben Spaß daran und wollen es gut machen, aber die Zeitnot lässt einen daran immer wieder verzweifeln oder scheitern.
Ich habe bei meinen Fragen noch etwas Wesentliches vergessen:
Warum gibt es in anderen Bereichen unterschiedliche Berufe mit Assistent:innen (Medizin, Jura, Pharmazie), nicht aber im pädagogischen Bereich?
Nennt sich Erzieher*innen, habe ich jedenfalls mal gehört.
Die Assistenzen gibt es doch, zumindest außerhalb des Geltungsbereiches des GG.
„Warum gibt es in anderen Bereichen unterscäthiedliche Berufe mit Assistent:innen (Medizin, Jura, Pharmazie), nicht aber im pädagogischen Bereich?“
Weil in den Bereichen Geld verdient wird und dann entstehen Opportunitätskosten, deshalb.
Im Bildungsbereich gibt es nur wenige Opportunitätskosten und diesen wenigen Opportunitätskosten haben Sie es zu verdanken, dass Sie nach Unterrichtsschluss nicht noch die Flure feudeln müssen.
Nachtrag:
Wenn Schulen für das Personal ein reines Geldbudget statt eines Deputatstundenbudgets hätten, dann gäbe es plötzlich Opportunigätskosten und ganz viele Dinge würden dann nicht mehr von Lehrern erledigt werden.
Warten wir es ab,
ich finde die Oppertunitätskosten der schlecht ausgestatteten Schulen erheblich.
Ich wollte noch zurückmelden, dass ich es wirklich beeindruckend finde, dass Sie hier mitlesen und sich auch auf Kommentare hin melden und Aussagen einordnen.
Danke dafür.
Genauso ist es, Palim!
Zitat:
„Es ist Zeit für eine Kehrtwende in der frühen Bildung: Weg von der bloßen Inszenierung, hin zur echten kognitiven Aktivierung. Wir müssen dem Unspektakulären wieder seinen pädagogischen Wert zurückgeben. “
Wie wahr – und nicht nur in der frühen Bildung.
Das setzt sich in Schule fort. Pintereske Aktionen bekommen immer viel mehr Aufmerksamkeit als normaler gut geplanter Unterricht und Unterrichtsentwicklung. Schulleitungen lieben pressewirksame Aktionen und es gibt immer Kollegen, die sich gerne in Aufmerksamkeit sonnen. Während die stetige Arbeit im Unterricht und die Vor- und Nachbereitung Zuhause unsichtbar und oft ohne Anerkennung bleiben.
Das liegt daran, dass in der Lehrerausbildung und besonders in den Abschlussstunden so etwas gerne gesehen wird.
Mein Mentor sagte danach haufig: “ Und jetzt machen wir eine ganz gewöhnliche Stunde mit dem Rechenbuch und einer langen Übungsphase, damit die Kinder auch was lernen“
DAS kenne ich auch… 🙁
„Befürworter dieser frühen Labor-Offensive argumentieren deshalb gern, dass solche Knalleffekte die Kinder dazu anregen, über ihr eigenes Denken nachzudenken und eigene Vermutungen zu überprüfen.“
Welche Personen argumentieren dafür, „Knalleffekte“ über mathematische und kommunikative Kompetenzen zu stellen. Gibt es Quellen dazu?
Aber beeindruckend, anscheinend sind Kitas weniger vom Personalmangel betroffen als mit Backpulvervulkanen und Kartoffelbatterien vollgestopft… Dass die Erzieher*innen dazu die Zeit finden, während sie die Gruppen der gesundheitsbedingt ausgefallenen Kolleg*innen mitwuppen müssen :/
Vielen Dank für Ihre Nachfrage.
Ich behaupte keineswegs, dass Fachleute Sprache oder mathematisches Denken ausdrücklich zugunsten spektakulärer Experimente zurückstellen. Meine These ist eine andere: In der öffentlichen Wahrnehmung und nicht selten auch in der Praxis erhalten visuell eindrucksvolle Angebote häufig mehr Aufmerksamkeit als die oft unspektakuläre Arbeit am Aufbau von Sprache, Begriffen und mathematischem Denken.
Ihr Hinweis auf den Personalmangel führt aus meiner Sicht gerade zum Kern der Frage. Wenn Zeit, Personal und Ressourcen begrenzt sind, gewinnt die Frage nach den pädagogischen Prioritäten noch an Bedeutung.
Die aktuellen Bildungsberichte weisen seit Jahren auf erhebliche Defizite beim Lesen, Schreiben und mathematischen Denken hin. Gleichzeitig betont auch der aktuelle Referentenentwurf zum KiTa-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz ausdrücklich die Entwicklung sprachlicher und mathematischer Fähigkeiten sowie deren alltagsintegrierte Förderung als zentrale Aufgabe der Kindertagesbetreuung.
Genau deshalb halte ich die Frage für berechtigt, ob unsere Aufmerksamkeit und unsere begrenzten Ressourcen tatsächlich dort liegen, wo sie für den weiteren Bildungsweg der Kinder die größte Wirkung entfalten.
Aber jetzt mal Hand aufs Herz: welche Kita hat Kapazitäten für eindrucksvolle Experimente? Ich persönlich kenne keine Einzige. Hier geht es nur noch um Betreuung und manchmal auf erschreckend niedrigem Niveau. Manchmal fehlt das Personal, um einen Schukinaclub durchzuführen, manchmal fehlt das Personal, um ein anständiges, anregendes Programm zu ermöglichen. Manchmal ist die Heterogenität der Kinder so riesig, dass fast nichts mehr geht…..
Meine Kinder waren im Zeitraum von 2006 bis 2011 in der Kita. Da wurde gespielt, gesprochen, gefördert, gefordert. Da war genug Personal, alles Sprachvorbilder (ist leider heute auch anders) und meine Kinder kamen sehr gut gerüstet in die Schule. Aber auch da: keine großartigen Experimente, sondern immer alltagsorientierte Dinge, die sie gelernt haben (Spiele, Reime, dies das jenes).
Ich denke nicht, dass man darauf hinweisen muss, etwas zu beschränken, sondern immer und immer wieder fordern sollte, dass wenigstens die niedrigsten Standards eingehalten werden sollten….und das ist schon echt bitter….
Danke für die Antwort.
Ich bin gespannt, inweit Ihre These belegt werden kann. Ihre Priorisieirung ist meiner Meinung nach absolut richtig, bin mir aber nicht sicher, wie weit dies von bspw. den Erzieher*innen und Grundschullehrkräften anders priorisiert wird.
„Genau deshalb halte ich die Frage für berechtigt, ob unsere Aufmerksamkeit und unsere begrenzten Ressourcen tatsächlich dort liegen, wo sie für den weiteren Bildungsweg der Kinder die größte Wirkung entfalten.“
Die beschriebenen Defizite sowie der Referenzentwurf weisen meines Erachtens auf ein Defizit hin (schlechtere Rahmenbedingungen, geringere Vorkenntnisse), nicht auf eine andere Priorisierung.
Unterbesetzte, kranke, schlecht ausgestattete Erzieher*innen bieten das jeden Tag im Rahmen ihrer Möglichkeiten an – der einzige Unterschied ist, dass sowas nicht für Insta fotografiert wird.
Umgekehrt, wenn Ihre These zutrifft, hoffe ich, dass das KiTa-Chancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz hier eine Kurskorrektur vornimmt. Daumendrück!
Danke für den Hinweis, dass der Alltag der meisten nicht auf Instagram zu finden ist.
Danke, Dr. Gerhard Friedrich! Ich hoffe, Sie werden gehört.
„Das geschieht im Normalen und Gewöhnlichen, nicht im Spektakulären.“
Das weiß jeder Lehrer. Unser Seminarlehrer (Physik) hat schon ganz am Anfang gesagt: „Ich will von Ihnen ganz normale Arbeits- und Alltagsstunden sehen in denen die Schüler etwas lernen. Sparen Sie sich die Showeffekt für die Lehrproben auf. In den Lehrproben machen Sie Unterricht für die Prüfer, sonst will ich, dass Sie Unterricht für die Schüler machen.“
Das war etwas überspitzt, aber er hatte Recht.
Solche Artikel müssten an die Berufsgruppen gehen, die i.d.R. keine Ahnung haben wie Bildung funktioniert, also Bildungswissenschaftler und Politiker.
Eine der besten Übungen in Prämathematik ist es, kleine Kinder den Tisch decken zu lassen. Besonders wenn Besuch kommt. (Wer sich um seine Teller sorgt, nimmt nur das Besteck) Das empfahl ich auch Eltern gerne.
Es ist kein abstraktes oder spektakuläres Wissen.Der Sinn erschließt sich sofort.
Nette Idee!
Meine Kinder und Enkel lieben Quarkbällchen. Schon im Vorschulater konnten sie mir ausrechnen, wieviele jedes Familienmitglied bekommt, wenn ich x Bällchen habe, bzw. wie viele ich brauche, damit jeder x Bällchen erhält. Das hatten sie immer sehr schnell mit ihren Fingern „ausgerechnet“ = Multiplikation und Division für Vorschulkinder. 🙂 Es geht so viel nebenbei und spielerisch, beim Kochen, Backen, Einkaufen, Spazierengehen…. wenn man will.
Ein sehr guter Kommentar. Vieles darin gilt auch für Schulen.
Vielleicht noch als Idee:
Wie oft fällt Unterricht aus, damit dieses und jenes Projekt, eine Fahrt, der FußballCup oder
das dreiwöchige Betriebspraktikum stattfinden kann.
Übrigens besonders für die zweistündigen Fächer, wie Naturwissenschaften belastend.
Ich bin in einem Halbjahr mit eigentlich 15 Physik-Doppelstunden nur auf 8 DSt. gekommen.
Hier könnte überall geschaut werden, welche Fahrten und Projekte wirklich sinnvoll sind, ob ein Praktikum nicht auch in 5 Arbeitstagen einen Einblick in einen Beruf leisten kann oder ob ein Fußball-SchulCup nicht auch nur am Nachmittag oder an einem Samstag genauso schön ist. Und Berufsberater des Arbeitsamtes müssen nicht beim Chemielehrer anklopfen, „fragen“, ob es gerade passt (die Antwort ist sowieso egal, sie sind nur an diesem Tag in der Schule), dass die Schüler nacheinander zum Gespräch gehen.
Sie könnten ihre Beratungen auch online oder nachmittags machen.
Adventsbasarvorbereitungen in der Stunde, in der nochmal für die Klassenarbeit geübt werden sollte, Schüler, die im Unterricht aufstehen und erzählen ihre SV Sitzung starte jetzt gleich (dies nicht am Anfang der Stunde besprechen) und Vertrauenslehrer, die genau im Test in Physik „mal mit Jonas“ sprechen müssen. Er sei auch in 10 Minuten wieder da.
Das alles ist schlechte Schulkultur, die den normalen Unterricht nicht wertschätzt und wird hingegen als innvotives, neues Format verkauft.
Auch diese externen Formate bringen aber immer die Bilder auf der Schulhomepage, nicht der Regelunterricht.
Vielen Dank für die vielen differenzierten und anregenden Kommentare. Ich freue mich sehr über die intensive Diskussion.
Vielleicht eine kleine Präzisierung. Mein Beitrag bezieht sich ausdrücklich auf die Vorschulpädagogik und die Realität vieler Kindertageseinrichtungen. Dort hat sich in den vergangenen Jahren im Zuge der starken MINT Orientierung und der Verbreitung entsprechender Programme bis hinein in die Fachschulen aus meiner Sicht der Schwerpunkt teilweise verschoben. Dabei habe ich den Eindruck, dass das M in MINT, also die Mathematik, häufig unterrepräsentiert ist, obwohl gerade mathematisches Denken neben der Sprache zu den wichtigsten Grundlagen für den weiteren Bildungsweg gehört.
Meine Kritik richtet sich deshalb weder gegen Experimente noch gegen MINT an sich. Mir geht es um die Frage, welche pädagogischen Prioritäten wir unter den realen Bedingungen in den Kitas setzen und welche Bildungsbereiche die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen angesichts der aktuellen Bildungsbefunde zukommt.
Ja, denn bei denjenigen die mit „Rechenschwäche“ später auffallen, ist es das fehlende Mengen-/Zahlenverständnis, das ihnen Schwierigkeiten bereitet.