Start Nachrichten Kirchenspaltung ist aufgehoben (in Schulen jedenfalls): Nur noch ein christlicher Religionsunterricht

Kirchenspaltung ist aufgehoben (in Schulen jedenfalls): Nur noch ein christlicher Religionsunterricht

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HANNOVER. Niedersachsen führt den evangelischen und katholischen Religionsunterricht zusammen. Warum das so ist und wie das Fach auch Schülerinnen und Schüler ansprechen soll, die gar nicht christlich sind.

Was würde Luther dazu sagen? Gemälde aus der Werkstatt Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren, 1528. Foto: Wikimedia Commons

Niedersachsen bekommt zum neuen Schuljahr, das am Donnerstag beginnt, ein neues Schulfach: Schrittweise werden die bisher getrennten Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion zum Fach Christliche Religion zusammengeführt. Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sieht darin eine wegweisende Entwicklung.

Warum werden die Fächer zusammengelegt? Der Vorschlag kam von den Kirchen selbst – auch, weil die Fortführung des Religionsunterrichts ansonsten insgesamt gefährdet sein könnte, weil es immer weniger getaufte Schülerinnen und Schüler gibt.

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Das Kultusministerium nahm den Wunsch, auf das Verbindende zu schauen, gerne auf, denn Ministerin Hamburg sieht darin auch eine Signalwirkung über das einzelne Fach hinaus. «Der Ausgangspunkt ist, zu sagen, es gibt die christliche Religion und dann gibt es für Katholiken und Protestanten bestimmte Ausprägungen. Diese Reibung, aber auch das Gemeinsame zu sehen, ist der Hintergrund für die neue Ausrichtung des Religionsunterrichts», sagte sie.

«Ich finde das extrem wegweisend, weil wir sonst in so einer Individualisierung leben, wo wir immer darauf gucken, was macht mich aus und was trennt mich von dem anderen. Wir müssen mehr Räume schaffen für die Debatte, was uns eigentlich eint.»

Ist für die Einführung alles vorbereitet? «Ja, ist es. Und die Lerninhalte sind wirklich hochmodern», verspricht die Kultusministerin. Für sie sei das Fach «unglaublich attraktiv»: «Auf der einen Seite geht es um die christlichen theologischen Inhalte, aber gleichzeitig auch um Anlehnungen und Unterschiede zu anderen Religionen. Es geht auch um eine Übersetzung in die Welt von heute. Was bedeutet etwa Nächstenliebe? Da geht es zum Beispiel um soziales Engagement und Ehrenamt.»

Wie wird das Fach angenommen? Viele Schulen freuten sich auf das neue Fach, so die Einschätzung der Ministerin. Und auch bei Familien, die gar nicht christlich sind, sei der Christliche Religionsunterricht gefragt: «Mir sagen auch Menschen anderer Religionen, sie melden ihr Kind guten Gewissens dort an, weil sie in dem Fach eine Werteauseinandersetzung finden, die auch sie abholt.»

Wie viele Schüler haben überhaupt Religionsunterricht? Etwa jeder zweite Schüler in Niedersachsen gehört der evangelischen oder katholischen Kirche an. Für die Erst- und Fünftklässler unter ihnen ist der neue Religionsunterricht im Schuljahr 2026/27 ein Pflichtfach. Darüber hinaus können die Schulen das Fach Christliche Religion auch in den Jahrgängen 2 bis 4 sowie 6 bis 10 einrichten. Anmelden mussten sie das nicht, sodass die genaue Zahl, wie viele Schulen davon Gebrauch machen, noch unklar ist.

Wie bisher können auch Schüler anderer Konfessionen oder Religionen sowie Schüler ohne Konfession auf Wunsch daran teilnehmen. Gleichzeitig können evangelische und katholische Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet werden. Sie besuchen dann den Werte-und-Normen-Unterricht.

Im Schuljahr 2024/2025 besuchten rund zwei Drittel den evangelischen, katholischen oder konfessionell-kooperativen Religionsunterricht.

Gibt es Überlegungen, weitere Fächer zusammenzulegen? Aktuell sei das landesweit nicht geplant, erklärt Hamburg. «Wir ermöglichen es den Schulen aber, in Eigeninitiative bestimmte Fächer zusammenzulegen.» Gerade in den Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften werde Interdisziplinarität immer wichtiger. Entscheidend seien für sie dabei das pädagogische Konzept und die Überzeugung des Kollegiums, sagte Hamburg. News4teachers / mit Material der dpa

Wie christlich muss Religionsunterricht heute (in einer bunten Gesellschaft) sein ?

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20 Kommentare
Rainer Zufall
28 Tage zuvor

Freut mich, wenn der Religionsunterricht künftig auf Deutsch ist 😛

Dass hiervon die Anzahl der Taufen steigen (bzw. Werbung für die Kirchen gemacht werden?) soll, halte ich persönlich aber für sehr gewagt…

nachdenklich
28 Tage zuvor

Das finde ich gut und richtig. Ein Fach, das alle wesentlichen Religionen und Weltanschauungen zusammenführt und vorstellt und Werte bespricht und vielleicht vermittelt, reicht!

Walter Hasenbrot
28 Tage zuvor
Antwortet  nachdenklich

Das Fach christliche Religion führt nicht „alle wesentlichen Religionen und Weltanschauungen“ zusammen.

unfassbar
28 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Stimmt. Die Evangelikalen, Orthodoxen und Baptisten fehlen noch — um nur bei den christlichen Religionen zu bleiben.

Bla
26 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Kommt jetzt auf die Perspektive an … Haha.
Aus „christlicher Sicht“ eventuell schon …?

Opossum
28 Tage zuvor
Antwortet  nachdenklich

Ich musste aber zusammenzucken wegen der Frage „Gibt es Überlegungen, weitere Fächer zusammenzulegen?“…

Susanne M.
26 Tage zuvor
Antwortet  Opossum

Ich kenne das so aus dem Ausland: „Naturwissenschaften“ = Biologie, Geographie, Chemie und Physik, und „Gesellschaftswissenschaften“ = Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaftslehre.
Spart bestimmt Personal, ist ja auch sehr fächerübergreifend und alles wird ein wenig angeschnitten.

Teacher Andi
28 Tage zuvor
Antwortet  nachdenklich

Das scheint ja wohl nicht Sinn und Zweck dieser Reform zu sein, sonst hieße das Fach „Ethik“ und würde auch den Islam und alle anderen Religionsrichtungen miteinbeziehen. Was von den Kirchen kommt, dient nur dem Fortbestand derselben, sie sehen natürlich, dass die Religionsgruppen immer kleiner werden, in anderen Fächern wäre da der Unterricht längst eingestampft. Das Privileg der Kirchen ist nicht mehr haltbar, in der Vergangenheit hätten die nie und nimmer gemeinsamen Unterricht zugelassen, jetzt geht es aber ums Überleben, da ist plötzlich jedes Mittel recht.
Bitte nur noch Ethik, Religion ist Privatsache. Wenn ich an die Form von Religionsunterricht in meiner Schulzeit zurückdenke, dann schaudert mich. Ab der 12. Klasse war die Teilnahme freiwillig, es ging kein Schüler mehr hin.

Schotti
28 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ethik und RU haben fast identische Lehrpläne. Der Unterschied ist, dass es RU Lehrer in Massen gibt, aber so gut wie keine Ethik Lehrer. In der Praxis wird daher fast der gesamte Ethik Unterricht fachfremd durch Religionslehrer erteilt.

Dann kommen noch die Eltern und Schüler hinzu. Unter dem Fach Ethik kann sich kaum jemand etwas vorstellen. Ständig kommen da Nachfragen von Eltern. Religionsunterricht ist dagegen überall bekannt und gesellschaftlich akzeptiert.

Teacher Andi
27 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

So sehr akzeptiert ist der Religionsunterricht, vor allem in der separierenden Form, schon lange nicht mehr. Und wenn Ihrer Meinung nach Ethik und RU fast identische Lehrpläne haben, dann verstehe ich nicht, warum die Religionslehrer dann fachfremd unterrichten sollten. Unter Ethik kann sich kaum einer was vorstellen? Also bei uns sind die Ethikklassen besser besucht (auch Ev und RK können switchen) als die Religionsklassen.

Schotti
27 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Meine Schüler stammen zum größten Teil aus Syrien, Iran, Irak, Kosovo, Afghanisten und Nordafrika. Da kann niemand etwas mit dem Begriff Ethik oder Praktischer Philosophie anfangen. Das ist völlig wirklichkeitsfremd und fernab von jeglicher Realität in Deutschland.

Unter Religion können sich alle etwas vorstellen. Das ist ja auch ihr Alltag. Getrennten Religionsunterricht gibt es hier schon seit 10 Jahren nicht mehr. Das geht personaltechnisch und von der Raumbelegung her auch nicht.

Jerunda
27 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

„Da kann niemand etwas mit dem Begriff Ethik oder Praktischer Philosophie anfangen….“
Vielleicht sollten die entsprechenden Lehrer auch mehr Werbung für ihr Fach machen und es denn Schülern besser erklären.
Irgendwann hörte ich mal, dass Reli-Lehrer mit Eis (und ähnlichen überzeugenden Argumenten )für Schüler in ihrem Unterricht, andere Schüler vom Ethik-Unterricht weglockten … äääh überzeugten. 🙂

Teacher Andi
26 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Mit einem „christlichen Religionsunterricht“ werden sie noch weniger anzufangen wissen. Verstehen Sie nicht, dass gerade Ethik den Zugang aller Religionsrichtungen ermöglicht? Davon abgesehen, Ihre genannten Schüler können wahrscheinlich mit den wenigsten Fächern an deutschen Schulen etwas anfangen, aber in einem anderen Land kann man sich durchaus auf diese einlassen.

Bla
26 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Könnten sie mit „Moral-Lehre“ etwas anfangen? Ethik ist ja die Lehre der/über Moral.
Oder mit „Werteerziehung“?

Kann man doch ganz kurz mal erklären … Wo ist das Problem?
Viele SuS und Eltern können auch erstmal nichts mit „WiB“ oder „BoW“ anfangen … Erklärt man es ihnen halt kurz. Oder sie lesen es selbst nach. Oder beides …

Soll man jetzt „nur Religion“ anbieten, weil man es den Leuten „weniger erklären“ muss?
Sachma …

Susanne M.
26 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Doch, weil die 15 Punkte sehr leicht zu erreichen waren.

Hansjoachim
27 Tage zuvor
Antwortet  nachdenklich

Aber das Fach heißt „christlicher Religionsunterricht“, dazu gehören eigentlich auch die verschiedenen Orthodoxen (russisch, ukrainisch, serbisch, griechisch, syrisch …). Jetzt könnte man analog ein Fach „islamischer Religionsunterricht“ daneben setzen, aber auch den eben nicht sortiert nach Sunniten, Schiiten usw. Wie wär’s denn damit?
Wenn man ALLE zusammenführt, dann ist es ja ein „allgemeiner Religionsunterricht“ und von „Ethik“ kaum noch zu unterscheiden.

kraweel
28 Tage zuvor

„Für die Erst- und Fünftklässler unter ihnen ist der neue Religionsunterricht im Schuljahr 2026/27 ein Pflichtfach.“ – Unfassbar, dass im 21.Jahrhundert der Aberglaubensunterricht immer noch in den Schulen geduldet wird. Was für eine Zumutung für wissbegierige Kinder, sich dieser Glaubenspropaganda aussetzen zu müssen, und das womöglich zu Lasten des naturwissenschaftlichen Unterrichts, den Schulen demnächst eindampfen dürfen! Wenn ein Kultusministerium tatsächlich den Wunsch hat, auf das Verbindende zu schauen, dann gehört der konfessionelle Religionsunterricht abgeschafft. Es braucht ein Lehrfach für alle Schüler, zum Beispiel Philosophie, Sozialkunde o.ä, gerne auch mit Religionskunde, diese aber fernab von allen Glaubensbekenntnissen.

HarneEinrichson
28 Tage zuvor
Antwortet  kraweel

Ich war auch sehr überrascht, dass 2/3 der SuS im letzten Schuljahr den Religionsunterricht besucht haben…

Religion als Pflichtfach halte ich auch für falsch. Warum sollte der „Normen und Werte“ (oder auch Ethik) Unterricht denn nicht auch im ersten und fünften Schuljahr angeboten werden?

Bla
26 Tage zuvor
Antwortet  kraweel

Kleiner Gag am Rande …
Referendariat:
Sagt die Religionslehrkraft: Wir beten jetzt zu Gott. Gott ist allmächtig, weiß alles und sieht alles. Gott ist für uns alle da.
[Bestanden]
Sagt die Geschichtslehrkraft: Gott gab es im Mittelalter …
[Durchgefallen]

EMCY
26 Tage zuvor

Martin Luther? Ambivalent diskutierte Persönlichkeit. Fettleibig, für Hexenverbrennung und gegen Juden?