
«Eine sinkende Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern auf Lehramtsstellen kann zu einem echten Problem für unser Bildungssystem im Saarland werden», sagte Rechnungshof-Präsidentin Annette Groh auf Anfrage. «Mit unserer Prüfung wollten wir uns selbst ein umfassendes Bild von den maßgeblichen Ursachen machen und die aktuellen Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung analysieren.» Auch wolle man der Landesregierung «eine ganze Reihe von Stellschrauben» aufzeigen.
Die Prognose
«Da die Schülerzahlen aktuell – insbesondere im Grundschulbereich – stark steigen und vermehrte Altersabgänge bei den Lehrkräften in den folgenden Jahren zu erwarten sind, wird in den kommenden Jahren ein erhöhter Einstellungsbedarf entstehen», heißt es im Bericht.
Die prognostizierten Schülerzahlen steigen in den allgemeinbildenden Schulen vom Schuljahr 2020/2021 bis zum Schuljahr 2035/2036 um knapp 16 Prozent – das bedeute etwa 14.442 Schüler mehr. Im aktuellen Schuljahr gibt es rund 128.000 Schülerinnen und Schüler, davon knapp 26.700 an beruflichen Schulen. Laut Prognosen würden von 2023 bis 2035 für alle Lehrämter insgesamt 3.995 neu einzustellende Lehrkräfte erforderlich sein.
«Der zu erwartende Einstellungsbedarf in den nächsten Jahren zeigt, dass das Saarland vor beachtlichen Herausforderungen stehen wird, um die Versorgung seiner Schulen mit Lehrkräften zu sichern», heißt es im Bericht. Verständlicherweise auch vor dem Hintergrund, dass bereits heute in allen Bundesländern ein Lehrkräftemangel und eine Konkurrenzsituation um fertig ausgebildete Lehrkräfte bestehe.
Die Situation
Nach Angaben des Bildungsministeriums haben zum 1. August 13 pädagogische Fachkräfte und 132 neue Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst an saarländischen Schulen angetreten. Darunter befänden sich auch die ersten acht Quereinsteiger, die Anfang 2025 ihren Vorbereitungsdienst aufgenommen hatten. Sie werden künftig in der Sonderpädagogik sowie in den Fächern Bildende Kunst und Musik eingesetzt. Vier weitere Lehrkräfte treten ihren Dienst an Berufsschulen an und kommen über den dort bereits etablierten Quereinstieg in den saarländischen Schuldienst.
«Dass wir nun die ersten Absolventinnen und Absolventen des Quereinstiegs in den Schuldienst übernehmen können, zeigt: Die Öffnung zusätzlicher Zugangswege zum Lehrerberuf war eine richtige und wichtige Entscheidung», so Ministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Sie brächten ihre fachliche Qualifikation sowie vielfältige Erfahrungen aus anderen beruflichen Bereichen mit. «Diese unterschiedlichen Perspektiven bereichern das Schulleben und eröffnen neue Impulse für unsere Schülerinnen und Schüler.»
Bilanz und Vorschläge
Eine Schulnote wollte Rechnungshof-Präsidentin Groh der Landesregierung nicht ausstellen für deren Bemühen, neue Lehrkräfte zu gewinnen. «Gerade solch eine Prüfung, bei der wir einen so komplexen Prozess anschauen, lässt sich mit einem Durchschnittswert nicht abbilden», sagte sie auf Anfrage. Die Zufriedenheit der Prüfer bemesse sich daran, in welchem Umfang es gelungen sei, zu einer echten Verbesserung beizutragen. «Insofern sind wir insgesamt zufrieden», kommentierte sie den Bericht.
Die Prüfung habe gezeigt, dass im Prozess zur Gewinnung des Lehrkräftenachwuchses an unterschiedlichen Stellen «durchaus noch Luft nach oben» sei. Man habe eine ganze Reihe an Handlungsfeldern identifizieren können, «die gute Möglichkeiten für eine verbesserte Lehrkräftegewinnung bieten.» Einige Beispiele:
- Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs und Anpassung an aktuelle Herausforderungen – etwa durch die Einrichtung von Stellen für Schulverwaltungsassistenzen. Außerdem soll eine «anschlussfähige Besoldungsstruktur» im Vergleich zu den anderen Ländern im Blick behalten werden
- Ausreichende Personalisierung bei der Sprachförderung
- Intensivierung und Verbesserung von Werbemaßnahmen
- Auswahlverfahren transparenter und zügiger gestalten
- Mehr Digitalisierung und Nutzung von geeigneten technischen Verfahren
- Lehrerausbildung optimieren – etwa durch mehr Praxisanteile im Studium und Dokumentation von Studienabbrüchen und damit verbundene Ursachenforschung
- Vorbereitungsdienst auch in Teilzeit anbieten
- Möglichkeiten des Quereinstiegs evaluieren und alternative Wege prüfen
Was sagt die Ministerin?
Die Bildungsministerin weist darauf hin, dass der Wettbewerb um Lehrkräfte bundesweit groß sei – deshalb habe man im Saarland den Quereinstieg ausgebaut, Bewerbungswege flexibilisiert und gezielt neue Zugänge für Mangelfächer geschaffen. «Der Rechnungshof bewertet diese Maßnahmen ausdrücklich positiv, zeigt aber zugleich konkrete Verbesserungspotenziale auf. Diese Hinweise nehmen wir sehr ernst», teilte Streichert-Clivot auf Anfrage mit.
Viele Empfehlungen seien bereits umgesetzt oder befänden sich aktuell in Umsetzung. «Unser Anspruch ist klar», so die Ministerin: «Wer gut qualifiziert ist und im Saarland Lehrkraft werden will, soll einen möglichst einfachen und attraktiven Weg in unsere Schulen haben.» News4teachers / Von Katja Sponholz, dpa
Vom Lehrermangel direkt in den Lehrerüberschuss? Demografie schlägt schon durch










Das überzeugt mich alles nicht.
mich auch nicht, aber Homeofficejobs mit 35 Stunden Woche bieten bei höheren Gehältern definitiv den attraktiven Rahmen, oder? 😀
Liebe Petra, ich gebe dir Recht!
Sind halt die üblichen Allgemeinplätze.
Die meisten genannten Vorschläge sind durchaus sinnvoll, nur machen sie vor allem den Weg in den Lehrerberuf einfacher, aber nicht unbedingt den Beruf selbst attraktiver. Warum hört die Betrachtung im Wesentlichen dort auf?
Wenn man wirklich über Attraktivität sprechen möchte, müsste man deshalb auch fragen: Wie hoch ist die tatsächliche Wochenarbeitszeit, insbesondere in korrekturintensiven Fächern? Welche Aufgaben müssen Lehrkräfte tatsächlich erledigen? Wie groß sind oder sollen Klassen und Lerngruppen sein? Wie gut sind Schulen mit Sozialpädagogik, Schulpsychologie, Sonderpädagogik, Sprachförderung und Assistenzkräften ausgestattet? Wie wird mit zunehmender Heterogenität und Inklusion umgegangen? Wie attraktiv sind Arbeitsplätze, Gebäude und technische Ausstattung?… Und besonders wichtig: Warum reduzieren Lehrkräfte ihre Arbeitszeit oder verlassen den Schuldienst vorzeitig?
Schulverwaltungsassistenzen gehen deshalb in die richtige Richtung. Ansonsten scheint mir die entscheidende Frage zu kurz zu kommen: Wie gestalten wir deren Arbeitsbedingungen so, dass sie bleiben bzw. ihren Beruf gut ausüben zu können?
Wer gut qualifiziert ist und im Saarland (und den anderen Bundesländern) Lehrkraft wird, sollte nicht nur einen möglichst einfachen und attraktiven Weg in die Schule haben, sondern dort auch Arbeitsbedingungen vorfinden, die den Beruf dauerhaft attraktiv machen.
100%
Was nützt mir ein Ref in Teilzeit, wenn ich danach meine Arbeitszeit nicht oder nur eingeschränkt bestimmen kann? Arbeitszeiterfassung fehlt ebenfalls, Möglichkeit auf Versetzung, Material und Ausstattung bereitstellen,…. da fielen mir einige Dinge ein.
Teilzeutref ist für Eltern attraktiv. Diese können auch danach in Teilzeit arbeiten
Einfach unnötig. Fragt doch einfach mal die Lehrer, was man tun könnte. Die haben durchaus die ein oder andere Idee. Aber das wäre ja zu sinnvoll.Lieber 155 Seiten Wischi Waschi erstellen lassen.
Das wäre nicht nur sinnvoll, das würde viel Geld kosten, was unbedingt zu vermeiden ist.
@JustMue
„155 Seiten Wischi Waschi“ erstellt eine KI in kürzester Zeit.
„Fragt doch einfach mal die Lehrer, was man tun könnte. Die haben durchaus die ein oder andere Idee. Aber das wäre ja zu sinnvoll.“
DAS passt absolut NICHT zu „Das haben wir schon immer so gemacht!“ sinnvoll 😉 kombiniert mit „Wir werden da jetzt genau hinschauen!“ … Es muss ja nur bis zur nächsten Wahl halten … 🙁
Ref abschaffen, Halbtagsschule, späterer Schulbeginn am Tag und 20 Unterrichtsstunden pro Woche sind meine Vorschläge.
Wie stellen Sie sich eine Halbtagsschule und den späteren Unterrichtsbeginn in Kombination vor? Nach meiner Definition von Halbtag muss die siebte Stunde um spätestens 14:30 enden.
Schön, dass sich letztendlich der Rechnungshof als zuständig empfindet, die Situation benennen und verbessern zu wollen!
„Lehrerausbildung optimieren – etwa durch mehr Praxisanteile im Studium und Dokumentation von Studienabbrüchen und damit verbundene Ursachenforschung“
Weiß jemand, wie dies derzeit im Saarland gestaltet ist bezüglich der Praxisanteile?
Für die nächsten werden vermutlich mehr Lehrer gebraucht, allerdings höre ich von Erzieherinnen in Kindergärten, das weniger Kinder gibt und Kindergärten zusammengelegt oder sogar geschlossen werden.
Das Ganze wird, wie immer, am Budget scheitern. Wie oft schon wurden diese Punkte durchgenudelt und auch von den Lehrkräften gefordert. Passiert ist nichts, eher das Gegenteil. Aber die Ministerien behaupte natürlich gebetsmühlenartig, dass schon sehr viel davon umgesetzt wurde. Konkrete Beispiele gibt es aber kaum, man denkt an, man hat vor, man hat den Anspruch, man ist bemüht, man arbeitet daran, man sieht Potenzial, man diskutiert und bündelt erstmal die Möglichkeiten ……….
Nach spätestens 4 Jahren ist wieder ein neuer Kultusminister im Amt, der das Ganze wieder „beherzt anpackt“ ……..
So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, dass es bleibt, dass es bleibt, wie es war (frei nach Reinhard Mey).
Tipp: Einfach mal den Begriff „Lehrermangel“ oben in die Suchleiste bei n4t eingeben und von hinten (mittlerweile über 130 Seiten werden angezeigt) durchblättern. Schon allein die Artikel-Überschriften sind interessant. Wer Zeit und Lust hat, kann sich auch mal ein paar der Artikel (beginnend so um 2012) durchlesen. 🙂
Seit vielen, vielen Jahren grüßt täglich das Murmeltier!
Nee, nee, ich habe das in Baden-Württemberg an Realschulen live erlebt und ertrage das nicht nochmal.
Noch weniger ertrage ich die permanenten neuen Aufgaben für zuwenig Personal, die den Realschulen vom Kultusministerium in den letzten Jahren aufgetragen wurden, um die eigenen Fehler zu vertuschen. Ich bin es einfach nur noch leid.
Wir haben mal 60% der Hochschulabsolventen in den anfänglichen 2000ern hervorgebracht. Das war anscheinend politisch nicht mehr gewollt.
Geliefert wie bestellt.
Oh, oh, oh, was muss man denn da für oberflächliche Allgemeinsätze lesen? Welcher Junge Mensch wird sich denn durch diese Studie animiert fühlen für ein Lehramtsstudium? Oberflächlicher geht’s ja wohl nicht!! Und dafür wird auch noch Geld ausgegeben!! Bin Lehrer im Ruhestand und verfolge die Situation mit Sorge. Also liebe Landesregierung: SO WIRD DAS NICHTS!
ich bin Lehrer in Teilzeit mit 18 Stunden…Ich hatte aber über Jahre hinweg keinen freien Tag, was in allen anderen Berufen mit 3/4 der Fall ist.
Somit bin ich nochmal einige Stunden runter, um diesen freien Tag zu generieren…. der Antrag ging ohne eine Rücksprache durch, was ich sehr seltsam fand. Gerne hätte ich der Schule gesagt, dass ich mehr Stunden unter Berücksichtigung des freien Tags machen kann. Aber es interessierte wohl keinen. ♂️ Schade
zu unflexibel, da sind Homeofficejobs mit Gleitzeit und höheren Gehältern bei Akademikern attraktiver. Zudem bieten viele dieser Jobs nur ‚7 Stunden‘ Tage.
Klasse, oder?
🙂
Selbst mit 14 Std hab ich nicht immer einen freien Tag. Oft fahre ich für 45min Unterricht zur Schule ..
diese Fahrerei an den vielen Tagen 🙁 oh Schreck
Die wollen nicht noch mehr Förderangebote in ihrer knappen Freizeit. Die wollen anständiges Gehalt, einen Schutz vor tollwütigen Eltern und nicht mehr abends um Zehn Uhr Programm für den nächsten Tag schreiben müssen!
und Homeschooling / Homeoffice!!
ja sofort
Also wenn ich den SuS den Arbeitsauftrag geben würde, mir Sachen zu nennen die den Lehrerberuf attraktiver machen sollen und das als Antwort kriege würd ich sagen ich seh da quasi fast nichts…. Das einzige davon, was Lehrer im Beruf halten könnte wäre „die Einrichtung von Stellen für Schulverwaltungsassistenzen“ sowie „eine «anschlussfähige Besoldungsstruktur»“…
Finanziell möchte sich das Saarland also nur den anderen Bundesländern annähern. Da außerhalb des Saarlandes die Arbeitsbedingungen nicht besser sind, wird der Lehrerberuf somit auch im Saarland höchstens so attraktiv werden wie in den anderen Ländern.
Peti & co kommen dann wieder mit Homeoffice, ich würde erst einmal den attraktivsten Arbeitgeber für Akademiker Deutschlands suchen und den befragen, weshalb er so attraktiv ist. Danach setzt man diese Dinge um, auch wenn sie Geld und politischen Willen kosten. Wenn „überaus angenehmer Kundenkontakt“ dabei sein sollte, was mich nicht überraschen würde, könnte man einen rechtlichen Hebel bauen, der die „Kunden“ (Schüler und Eltern) zumindest angenehm genug macht, weil Zwiderhandlungen z.B. finanziell für die Eltern unangenehm werden können. Es macht keinen Spaß, die Mehrarbeit für Ordnungsmaßnahmen nach dem üblichen Überstundensatz der Lehrer bezahlen zu müssen. Wenn 10 Lehrer mehrere Stunden auf den Beginn der Konferenz warten müssen, geht das schnell in die 1000e Euro.
Peti kommt mit Homeoffice.
Ich komme wieder mal mit Bildungspflicht, statt Präsenzpflicht.
Wird sich eventuell so einspielen künfig.
kaum noch möglich,
erste Schritte wären
Deputatssenkung
A14 am Gym
1 Homeofficetag
Gleitzeit
A14 am Gymnasium? Wo eh schon die meisten Lehrkräfte Hi wollen, weil sie dort ihr Abi gemacht haben. Hä?
ist die richtige Richtung 🙂
Bei den Vorschlägen geht es doch eher um die Ausbildung. Ich hätte noch mehr: kleinere Klassen, am besten um die 18 – 20 Kinder, möglichst Wunschort, Entlastung von Verwaltungsaufgaben durch Verwaltungsfachkräfte ( im Ausland habe ich mir mit vier Kolleginnen eine Verwaltungsangestellte “ geteilt“ , das war optimal), Teamteaching und Schulassistenten, ein eigener Raum ( oder den wenigstens mit nur einer Kollegin teilen), Schulpsychologen und wirkliches Teamwork. Auch ein gesunder Arbeitsplatz, nicht zu heiß und nicht zu kalt und ein ergonomischer Stuhl ( wenn ich einen eigenen Raum habe, würde ich ihn sogar kaufen) gehört bei immer älter werdenden Lehrern in meinen Augen dazu.
Ein schöner Traum
Ein anscheinend wichtiger Punkt der Maßnahmen: Werbung! Kostet fast nichts (?) und bringt viel – Unmut!
Beispiele:
Werbeplakate für Lehrerberuf – Suchen Bilde
Werbekampagne für Lehrer-Beruf in BW erntet Wut und Empörung
Mit Grausen erinnere ich mich noch an Radiowerbung für den Lehrerberuf in Berlin. Leider konnte ich keine Beispiele dafür im Internet finden.
Apropos – Werbung für den Lehrerberuf – hier ein sehr schönes Lied, von einem, der selbst mal auf Lehramt studierte:
Jürgen von der Lippe – Der Lehrer – das Lied zum Schulanfang 🙂
Volker Pispers sagte es auch schon sehr deutlich vor etlichen Jahren
https://m.youtube.com/watch?v=JcyfqQuHKoI
Ab 2h30 min etwa…..
Für diese Vorschläge gibt’s eine A15 ? Unfassbar.
Unfähige, aber unkündbare Lehrer wird man nur durch Beförderungen ins Dezernat los…