
Der Staat sollte aus Sicht der SPD-Opposition in Nordrhein-Westfalen weitaus mehr Kosten für Lernmittel der Schüler übernehmen als bislang. «Lernmittelfreiheit im Jahr 2026 bedeutet mehr als kostenlose Schulbücher», sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dilek Engin.
«Alle Schülerinnen und Schüler müssen unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern das bekommen, was sie für erfolgreiche Bildung benötigen: Schulbücher und notwendige Arbeitsmaterialien, digitale Endgeräte, notwendige Software», forderte sie in Düsseldorf. «Und auch bei Klassenfahrten darf der Geldbeutel der Eltern nicht darüber entscheiden, ob ein Kind dabei sein kann.»
Von Atlas bis Zeichenblock: Tausende Euro Schulkosten
Allein für die Erstausstattung eines Grundschulkindes gäben Eltern durchschnittlich mehr als 300 Euro aus. Beim Wechsel auf eine weiterführende Schule kämen neue Kosten hinzu. «Für Klassenfahrten zahlen Familien während der Schulzeit eines Kindes durchschnittlich circa 2.000 Euro», rechnete Engin vor.
Die gesamte Schulzeit eines Kindes könne eine Familie bis zu 20.000 Euro kosten. Genau wisse das aber niemand. Daher fordert die SPD von der schwarz-grünen Landesregierung eine konkrete Erhebung. Die hatte in ihrem Koalitionsvertrag avisiert, die sogenannte Lernmittelfreiheit weiterzuentwickeln.
Taschenrechner müssen selbst bezahlt werden
Laut NRW-Schulgesetz sind Kindern und Jugendlichen an öffentlichen Schulen und Ersatzschulen die dort eingeführten Lernmittel grundsätzlich kostenlos zur befristeten Nutzung zu überlassen. Nicht dazu gehören etwa Hefte, Zeichenblöcke und Taschenrechner. Überdies kann die Schule Eltern verpflichten, Lernmittel aus eigener Tasche zu finanzieren – bis zu einem Drittel der Gesamtkosten.
Vor der Sommerpause hatten die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen im Landtag bereits einen SPD-Antrag abgelehnt, diesen Eigenanteil in einem ersten Schritt zu streichen. Schritt für Schritt müsse es echte Lernmittelfreiheit geben – analog und digital, sagte Engin.
Lehrerverband: zu viele Aufgaben für zu wenig Personal
Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in der nächsten Woche forderte die SPD darüber hinaus mehr Anstrengungen der Regierung gegen Unterrichtsausfall, gegen den Lehrkräftemangel und für eine konsequente frühkindliche Förderung schon in den Kitas – statt in von Schwarz-Grün geplanten, kostspieligen «Parallelstrukturen» sogenannter ABC-Klassen.
Der Verband Bildung und Erziehung mahnte, zu viele neue Aufgaben träfen auf zu wenig Personal. Das betreffe den ab sofort schrittweise greifenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ebenso wie die ab 2029 startenden ABC-Klassen. Für letztere müssten schon jetzt vor allem sozialpädagogische Fachkräfte gewonnen werden, empfahl die Landesvorsitzende Anne Deimel. News4teachers / mit Material der dpa
SPD: „Vielfachmilliardäre daran beteiligen, dass unsere Kinder eine gute Zukunft haben“










Das war aber in den Jahrzehnten einer SPD-geführten Regierung nicht grundsätzlich anders.
Aus meiner Sicht findet hier wieder das seit Jahrzehnten bekannte Wahlkampfgetöse statt. Alles klingt gut, alles klingt verlockend, sollen doch wieder einmal die so genannten Geldbeutel entlastet werden. Dabei wird geflissentlich an den eigentlichen materiellen und inhaltlichen Baustellen vorbeigeredet.
1. Die Grundschule, die Schule grundlegender Bildung für alle, ist die einzige Schulform, in der die Träger für das Personal zuständig sind und die Eltern für den Ganztag bezahlen müssen. In keiner anderen staatlichen Schulform wird Schulgeld erhoben. Damit bleibt die grundlegende Bildung weiterhin den Kindern vorbehalten, deren Eltern sie sich leisten können.
2. Die personelle und sächliche Ausstattung unserer Schulen ist so schlecht, dass die hier angekündigten Maßnahmen den bisherigen Ausweichmanövern gleichzusetzen sind. Es wird etwas versprochen, das Eltern sofort verstehen, weil sie es in der Haushaltskasse spüren. Die grundsätzliche Problematik wird geflissentlich verschwiegen.
3. Mit den Vorschlägen findet ein weiteres Mal eine Verlagerung der Lasten auf die Kommunen statt. Die Wahlversprechen, das ist vorhersehbar, wwerden wieder einmal nicht an der Stelle umgesetzt, von der sie kommen.
4. Unsere Schulen sind zum größten Teil Schulen für alle. Ausnahmen sind Schulen in freier Trägerschaft und das Gymnasium. Schulen für alle benötigen eine ihrem umfassenden und permanent wachsenden Auftrag entsprechende personelle und sächliche Ausstattung. Würde diese gewährleistet, würden erhebliche Kosten an anderen Stellen entfallen. Mit großer Sicherheit würden die Kommunen entlastet werden, der Schulerfolg würde sich in erfolgreichen Schulabschlüssen, weniger Schulversagen, motivierten Schülerinnen und Schülern zeigen und zu insgesamt gesünderen Schulen führen.
5. Alle, die ein Interesse am Erstarken unserer Demokratie mit demokratischen Parteien haben, sollten sich in den Wahlkämpfen von der Fokussierung auf die eigene Person verabschieden. Ein Wahlkämpfer, eine Wahlkämpferin allein kann kein einziges Versprechen einlösen. Er oder sie benötigt dazu eine funktionierende Regierung mit einem demokratisch ausgerichteten Parlament und dessen mehrheitlicher Aufgeschlossenheit für genau dieses Thema. Diese Gesamtverantwortung gilt es mit den persönlichen Zielen zu thematisieren. Nur so können, im Falle des Erfolgs, für diese Ziele geeignete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.
Was denn: Nur (!) 20.000,- € ???? Ich denke mal, dass die Schulzeit meiner Kinder bis nach dem Abitur jeweils bestimmt noch 10.000,-€ mehr gekostet hat. Trotz „Lehrmittelfreiheit“ in Hessen… Wenn`s reicht!?! (Das jüngste Kind hat 2009 Abitur gemacht.)
Ob die Kosten heutzutage „günstiger“ sind vermag ich nicht zu beurteilen.
Und ob das nun Wahlkampfgetöse (s. Gabriele Kriechbaum, weiter oben) ist oder nicht:
Bildung kostet viel Geld, das „irgendwie“ eigentlich keiner hat. Weder die Kommunen, noch die Eltern der finanziell weniger gut gestellten sozialen Milieus, noch der „Bund“. Und so mancher derer will auch gar nichts für Bildung ausgeben…, sonst gäbe es ja die unendlich vielen Defizite, Baustellen und Probleme an deutschen Schulen gar nicht. (Ich zähle das jetzt hier nicht alles auf, jeder weiß Bescheid!)