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Flexible Unterrichtsräume, individuelles Lernen, multiprofessionelle Teams: Wie sich Schulleitungen die Schule der Zukunft vorstellen

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BERLIN. 93 Prozent der Schulleitungen wünschen sich flexible, adaptive Bau- und Raumstrukturen – nur sechs Prozent sehen sie an ihrer eigenen Schule verwirklicht. Das zeigt die Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026. Der Befund steht für eine große Lücke zwischen den Vorstellungen von einer Schule der Zukunft und dem Alltag. Wie diese Schule aussehen soll, beschreiben die Befragten durchaus konkret: individuelles und gemeinsames Lernen verbinden, Lebenskompetenzen fördern, multiprofessionelle Teams aufbauen. Dafür fordern sie bessere räumliche Bedingungen, mehr Zeit und weniger Bürokratie. Bei Veränderungen an Noten, Jahrgangsklassen und Fächergrenzen gehen die Vorstellungen dagegen auseinander.

Star Trek. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Kaum ein anderer Befund der Studie zeigt den Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit so deutlich wie dieser: Flexible, adaptive Bau- und Raumstrukturen gehören für fast alle befragten Schulleitungen zum Zielbild einer Schule der Zukunft. Doch nur eine kleine Minderheit gibt an, dass sie an der eigenen Schule bereits umgesetzt sind. Mit den ungerundeten Werten – 92,9 Prozent Zustimmung zum Ziel und 6,4 Prozent Umsetzung – beträgt die Differenz 86,5 Prozentpunkte.

Die Studienautoren ordnen die räumlichen Bedingungen damit einer Gruppe von Aufgaben zu, bei denen Schulen besonders stark auf Entscheidungen außerhalb ihres eigenen Einflussbereichs angewiesen sind. „Die größten Lücken zwischen Vision und Realität klaffen dort, wo die Schulen auf Veränderungen auf der System- bzw. politischen Ebene angewiesen sind“, heißt es im Bericht.

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Dabei haben Räume aus Sicht der Schulleitungen erhebliches Gewicht: Was müsste sich im deutschen Schulsystem ändern, damit Schülerinnen und Schüler mehr Lernerfolg erreichen? 64 Prozent der Schulleitungen nennen bessere Räume und Infrastruktur. In Nordrhein-Westfalen sind es sogar 72 Prozent, in Schleswig-Holstein 71 Prozent.

Grundlage der Daten ist die vierte Cornelsen-Schulleitungsstudie, durchgeführt vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Im Frühjahr 2026 beantworteten insgesamt 2.066 Schulleitungen den Onlinefragebogen, darunter 1.819 von allgemeinbildenden und 247 von beruflichen Schulen. Die hier dargestellten Befunde beziehen sich auf die allgemeinbildenden Schulen, für die der Bericht die Ergebnisse insgesamt als repräsentativ einordnet. Ergänzend wurden 16 Interviews geführt; die Namen der darin zitierten Schulleitungen sind pseudonymisiert.

Andere Räume, andere Formen des Lernens

Welche pädagogischen Vorstellungen neben dem Wunsch nach flexibleren Gebäuden stehen, zeigt der Vergleich von Zielbild und Umsetzung. 94 Prozent der Schulleitungen wollen individualisiertes und kooperatives Lernen miteinander verzahnen. An der eigenen Schule umgesetzt sehen dies 48 Prozent. 89 Prozent wünschen eine Orientierung an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler; 58 Prozent beschreiben sie als bestehende Praxis.

Auch die Rollen im Unterricht sollen sich nach den Vorstellungen vieler Befragter verändern: 87 Prozent sehen Lehrkräfte im Zukunftsbild als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter, 42 Prozent geben an, dass dies an ihrer Schule bereits umgesetzt ist. Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung von Lernformen zu beteiligen, befürworten 86 Prozent. Als Realität beschreiben es 19 Prozent. Ein im Bericht zitierter Gymnasialschulleiter formuliert den Veränderungsbedarf so: „Also offene Konzepte, offene Lernräume, anders als dieses klassisch strukturierte 45 Minuten getaktete Ding.“

Zeitlich flexibles Lernen wünschen sich 77 Prozent der Befragten; zwölf Prozent sehen es verwirklicht. Zugleich sollen Schulen stärker mit ihrem Umfeld verbunden sein: 96 Prozent wollen eine Vernetzung als zentraler Akteur im Sozialraum, 52 Prozent berichten von einer entsprechenden Umsetzung.

Breite Zustimmung gibt es außerdem zu multiprofessionellen Teams an der Seite von Schülerinnen, Schülern und Eltern. 93 Prozent wünschen sie sich, 38 Prozent sehen sie an ihrer Schule vorhanden. Dafür benötigen Schulen zusätzliches Fachpersonal – und sind wiederum auf die zuständigen Stellen sowie auf einen Arbeitsmarkt angewiesen, der diese Fachkräfte bereitstellen kann.

Beim Ziel herrscht oft Einigkeit – bei Noten und Jahrgängen weniger

Die große Zustimmung zu veränderten Lernformen bedeutet allerdings nicht, dass Schulleitungen sämtliche bestehenden Strukturen auflösen wollen. Sobald es um Fächer, Noten und Jahrgänge geht, fällt die Zustimmung deutlich geringer aus.

Jeweils rund 60 Prozent befürworten eine starke Eigenständigkeit bei der Entwicklung des Curriculums sowie ein Aufbrechen des Fächerkanons zugunsten transdisziplinären Lernens. Einen Verzicht auf Noten wünschen sich 49 Prozent, durchgehend jahrgangsübergreifendes Lernen 45 Prozent. Dass Schülerinnen, Schüler und Kollegium den ganzen Tag an der Schule verbringen, gehört für 51 Prozent zum Zukunftsbild.

Die Studie unterscheidet deshalb zwischen zwei Problemen: Bei Zielen wie flexiblen Räumen oder multiprofessionellen Teams besteht weitgehend Einigkeit, die Umsetzung bleibt jedoch zurück. Bei weiterreichenden Strukturveränderungen fehlt bereits ein gemeinsames Zielbild.

Diese Unterschiede sind auch für die Bewertung der Reformbereitschaft bedeutsam. Die Befragten wollen in großer Mehrheit die pädagogische Arbeit und ihre Rahmenbedingungen verändern. Welche institutionellen Regeln dafür aufgegeben werden sollten, ist unter ihnen weniger klar.

Basiskompetenzen stehen im Zentrum der Reformagenda

Gefragt nach Veränderungen für mehr Lernerfolg setzen die Schulleitungen an erster Stelle auf die Stärkung der Basiskompetenzen: 79 Prozent nennen diesen Punkt. Es folgen ein besserer Umgang mit Heterogenität mit 71 Prozent, mehr multiprofessionelles Personal mit 69 Prozent und frühere Sprachförderung mit 65 Prozent. Hinter den bereits genannten besseren Räumen und der Infrastruktur mit 64 Prozent stehen grundlegend überarbeitete Rahmenlehrpläne mit 61 Prozent.

Die Reformvorstellungen richten sich damit stark auf die Voraussetzungen, unter denen Kinder und Jugendliche erfolgreich lernen können. An Schulen in herausfordernder Lage werden einige dieser Forderungen noch häufiger genannt: Dort wünschen 86 Prozent eine Stärkung der Basiskompetenzen und 76 Prozent eine frühere Sprachförderung.

Zugleich soll Schule über fachliches Wissen hinausgehen. Die Förderung von Lebenskompetenzen gehört für rund 95 Prozent der Schulleitungen zum Zukunftsbild. Bei der Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule – hierzu wurden die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen befragt – stimmen 91 Prozent zu, dass Schule junge Menschen befähigen müsse, mit den Unsicherheiten der Arbeitswelt umzugehen. 67 Prozent wünschen sich mehr Praxisnähe in der Berufsorientierung.

Die Digitalisierung ist im gewünschten Schulalltag ebenfalls fest verankert. 91 Prozent wollen digitalisierte Lernformate als alltägliche Praxis, 59 Prozent sehen sie umgesetzt. Einen selbstverständlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz wünschen sich 77 Prozent, neun Prozent beschreiben ihn als Realität. Hier verzeichnet die Studie Bewegung: Gegenüber der vorangegangenen Erhebung stieg der Anteil der Schulen mit selbstverständlichem KI-Einsatz von drei auf neun Prozent. Gleichzeitig wuchs die Zustimmung zum Ziel noch stärker.

Für Schulentwicklung fehlen vor allem Zeit und Entlastung

Was benötigen Schulleitungen, um die Entwicklung ihrer Schule voranzutreiben? Die Antworten fallen nahezu einhellig aus: Jeweils 97 Prozent wünschen mehr zeitliche Ressourcen und einen Abbau bürokratischer Anforderungen. 91 Prozent fordern Entlastung auf der Leitungsebene und ebenso viele multiprofessionelle Teams. Rückendeckung durch die Schulaufsicht wünschen sich 89 Prozent, Personalhoheit 87 Prozent.

Wie weit Anspruch und Wirklichkeit beim Bürokratieabbau auseinanderliegen, zeigt schon die Abfrage zum Zukunftsbild: 96 Prozent wünschen eine deutlich reduzierte Bürokratie. Nur drei Prozent geben an, dass dieser Zustand an ihrer Schule erreicht ist – die größte Lücke im gesamten Vergleich.

Auch die Frage nach politischen Prioritäten führt zu besseren Rahmenbedingungen. Könnten die Befragten selbst als Bildungsministerin oder Bildungsminister handeln, würden 56 Prozent zunächst deutlich mehr Geld in die Schulen investieren. Dabei durften sie bis zu drei Sofortmaßnahmen auswählen. Es folgen mehr Schulautonomie mit 36 Prozent, ein massiver Bürokratieabbau mit 34 Prozent und die Gleichbehandlung aller Schulformen mit 33 Prozent. Die Abschaffung des Bildungsföderalismus nennen 26 Prozent, die des gegliederten Schulsystems 22 Prozent.

Trotz der großen Abstände zwischen ihren Vorstellungen und dem Schulalltag blicken die Schulleitungen wieder etwas zuversichtlicher nach vorn: 48 Prozent sind sehr oder eher zuversichtlich, was die Weiterentwicklung ihrer eigenen Schule betrifft. In der vorangegangenen Erhebung waren es 44 Prozent. Der Gestaltungswille ist damit weiterhin vorhanden.

Und der ist auch nötig. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, dem Startchancen-Programm und dem Digitalpakt 2.0 stünden drei große Reformvorhaben an, erklärt Deutschlands renommiertester Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann im Vorwort der Studie – ein riesiges Potenzial für Veränderung. „Jedes dieser Vorhaben für sich ist ambitioniert. Zusammen könnten sie einen Entwicklungsschub auslösen, wie ihn das deutsche Schulsystem seit Langem nicht erlebt hat.“ Für Hurrelmann reicht deren Bedeutung weit über einzelne Maßnahmen hinaus: „Es geht also nicht um einzelne Korrekturen am bestehenden System. Es geht um die Frage, wie Schule in Zukunft arbeiten soll.“ News4teachers 

Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen. 

Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Schulbau & Schulausstattung”. 

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24 Kommentare
Laromir
12 Tage zuvor

Wenn ich den ganzen Tag an der Schule verbringen soll, wann mache ich dann den Rest?
Was ist mit Aufsichten? Was mit den Ergebnissen, dass schwächeren SuS Frontalunterricht und Struktur hilft? Was ist mit SuS mit Verhaltensproblemen, was mit ADHS und co.? Tutan diesen Kindern wirklich einen Gefallen? Wenn das klappen soll, müssten auch die Eltern mit machen. Dafür müssen Kinder ein gewisses Maß an Eigenständigkeit haben..warum wird immer alles über einen Kamm geschoren? Es gibt Lerngruppen, da funktioniert das mit der Kernbegleitung super, in anderen sind viele SuS schon überfordert, wenn sie sich ihr Material abholen sollen und mit der Arbeitsgruppe am Ende Ergebnisse abgleichen muss. Individualität klingt immer so super. Fragen Wie doch mal junge Menschen, wie viele sich einsam fühlen. aber gut,.vor all dem oben gewünschten, braucht man sich so schnell nicht zu fürchten, ist ja eh keine Geld da.

Katze
12 Tage zuvor

Da sind sie wieder, die großen Zukunftsbilder: flexible Unterrichtsräume, individuelles Lernen, offene Lernkonzepte, multiprofessionelle Teams und Lehrkräfte als Lernbegleiter. Man reibt sich verwundert die Augen. Denn vieles davon wird seit Jahrzehnten als Fortschritt verkauft. Die Ergebnisse hingegen werden zuverlässig als Argument dafür präsentiert, dass man noch nicht weit genug gegangen sei.
Der klassische Unterricht erscheint in diesen Visionen fast wie ein dunkles Kapitel der Bildungsgeschichte: Lehrkräfte mit Fachwissen, strukturierter Unterricht, verbindliche Anforderungen, klare Verantwortlichkeiten. Erstaunlicherweise wurden unter diesen Bedingungen ganze Generationen ausgebildet. Lesen, Schreiben, Rechnen, Fremdsprachen und naturwissenschaftliche Grundlagen konnten offenbar vermittelt werden, obwohl die Lernenden weder in flexiblen Lernlandschaften saßen noch ihre Lernwege permanent selbst kuratierten.
Besonders liebenswert ist die Vorstellung, man müsse sich endlich vom „klassisch strukturierten 45-Minuten-getakteten Ding“ lösen. Dabei gibt es schon seit Jahrzehnten Doppelstunden, Blockunterricht und Projektphasen. Der entscheidende Unterschied besteht lediglich darin, dass man damals Unterricht für eine Methode hielt, Wissen zu vermitteln, und nicht für eine Rauminstallation mit pädagogischer Begleitmusik.
Heute heißt die Lehrkraft Lernbegleitung. Das klingt angenehm zeitgemäß, weil es jede Assoziation mit Autorität, Fachwissen und Führung vermeidet. Die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler gerade deshalb in die Schule gehen, weil sie etwas noch nicht wissen oder können, wirkt innerhalb dieser Denkwelt beinahe störend. Lernen erscheint als individueller Selbstfindungsprozess, bei dem die Lehrkraft möglichst nicht durch allzu viel fachliche Anleitung irritieren sollte.
Multiprofessionelle Teams? Ja, wo bleiben sie denn? Lehrerinnen und Lehrer wissen längst, wie das funktioniert. Sie sind Fachlehrer, Erzieher, Sozialarbeiter, Konfliktmanager, Motivationscoach, Verwaltungsfachkraft, Förderpädagoge und IT-Support in Personalunion. Das vielzitierte multiprofessionelle Team sitzt seit Jahren allein am Schreibtisch und korrigiert Klassenarbeiten oder führt Elterngespräche nur noch mit einem Kollegen aus dem örtlichen Personalrat als Begleitschutz und Zeuge für verbale Ausfälle. Streng genommen wäre man damit sogar schon zu zweit. Vielleicht gilt das ja bereits als Multiprofiflexi-Einheit und die Bildungsvision ist näher als gedacht.
Aber gut, vielleicht hat man uns Lehrkräften an der Basis das alles auch nur nicht richtig kommuniziert. Oder wir Trottel haben’s einfach nicht motiviert genug umgesetzt? Wenn offene Lernformen nicht funktionieren, dann war das Konzept noch nicht offen genug. Wenn selbstorganisiertes Lernen scheitert, dann wurde es nicht konsequent genug umgesetzt. Wenn Leistungen sinken, dann braucht es noch mehr Individualisierung. Die Antwort auf schwindende Leistungsfähigkeit lautet stets: mehr von jener Medizin, die an diesem Schwund möglicherweise nicht ganz unbeteiligt ist, würden böse, konservative, renitente Leistungsfetischisten munkeln.
Jene würden an dieser Stelle auch mutmaßen, dass Unterricht, Fachwissen, Verbindlichkeit und Leistungsansprüche vielleicht nie das Problem waren. Doch solche Gedanken stehen einer erfolgreichen Reform bekanntlich nur im Weg.

Katze
12 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein, das war nicht die Botschaft. Schulleitungen sind für mich eher Kundschaft als Architekten.
Viele Schulleitungen außerhalb der Berliner Bildungsblase würden bei solchen Zukunftsvisionen vermutlich deutlich nüchterner abstimmen. Wer täglich Stundenpläne, Personalmangel, Eltern, Schüler und Unterrichtsrealität jongliert, entwickelt oft eine etwas robustere Prioritätenliste. Und nicht wenige Schulleitungen dürften bei den Ursachen sinkender Leistungen zu erstaunlich ähnlichen Einschätzungen gelangen wie die Lehrkräfte, die die Folgen dieser Entwicklungen Tag für Tag im Klassenzimmer beobachten.
Meine eigene Schulleitung übrigens eingeschlossen. Die finde ich super und gar nicht doof.

Jonas
11 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

schulleiter sprechen meiner Erfahrung nach einfach gerne das nach, was sich die Bildungspolitik wünscht. Und in ideologischen Zeiten, ist auch nicht die Bildungspolitik von jener befreit….

Küstenfuchs
12 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein: Schulleitungen sind doof und früher war alles besser.

dickebank
12 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Stimmt, die sind so doof Weisungen der Dezernate und des Ministeriums umzusetzen.

blau
12 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Ja. Genau. So ist es. Wir brauchen mehr und nicht weniger selbständies Lernen. Genau das stand doch gerade erst hier im Artikel über die Schule, die den Schulpreis gewonnen hat.

blau
12 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Ich meinte weniger selbständiges Lernen wie in Bethel

Thomas
12 Tage zuvor

Viele Schulen brechen schon seit längerem den Plan auf, machen verkürzten Unterricht, mehr Pausen, Selbstlernphasen und Projekte. Es gibt auch den Freiday, wo der Freitag online von zuhause stattfindet. Das ist prima.
Aufgrund des Lehrermangels, muss man die Pläne optimieren, mindestens einen Homeofficetag anbieten oder mit mehr Geldanreize locken. Gen Z will flexibles Arbeiten mit gutem Geld und Leistung muss sich wieder lohnen.

Sepp
11 Tage zuvor
Antwortet  Thomas

Es gibt zu wenig Lehrkräfte, also schicken wir diejenigen, die wir haben, ins Homeoffice, so dass sie möglichst wenig in der Schule sind. – Klingt nach einem Plan.

Es gibt auch den Freiday, wo der Freitag online von zuhause stattfindet. Das ist prima.

Nein, das ist eine Fehlinterpretation schlechter und fauler Lehrkräfte!

FREI DAY heißt eben nicht, dass die Lehrer zu Hause rumhängen und die Schüler zu Hause, sondern dass man in der Schule Zeit für spannende Projekte hat. Dabei werden die Schüler von Lehrkräften betreut. Das ist durchaus tolles Arbeiten, aber eben kein Abhängen zu Hause, sondern viel Arbeit.

Gen Z will flexibles Arbeiten mit gutem Geld und Leistung muss sich wieder lohnen.

Ist es Ihre Interpretation von Leistung, sich zu Hause zu verstecken und die Kinder irgendwo dahinvegetieren zu lassen?

Woltemord
11 Tage zuvor
Antwortet  Thomas

Thomas, guter Vorschlag! So muss das sein und klar, Gen Z wird dann vllt auch mal an Schulen denken und bringt neue Lernkonzepte und Digitales mit.
Es soll Kollegen geben, die keinen Computer bedienen können, musste dir mal vorstellen. Ich hoffe, bei dir ist das anders Sepp

Sepp
10 Tage zuvor
Antwortet  Woltemord

Es soll Kollegen geben, die keinen Computer bedienen können, musste dir mal vorstellen. Ich hoffe, bei dir ist das anders Sepp

Auch wenn ich nicht über jedes Stöckchen springen muss – glauben Sie nicht immer alles was „es geben soll“ und machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich bin damals mit C64 und Co. aufgewachsen und muss traurigerweise sagen, dass bzw. viele neue Referendare weniger Ahnung haben, bspw. nichtmal in der Lage sind, eine Abbildung in Photoshop zu überarbeiten o.ä.

Da kommen wir übrigens in das große Problem von falsch verstandener Digitalität:

Unsere heutigen Schüler sind doch „digital natives„, schon von klein auf haben sie ein Display im Gesicht und können auf einem iPad wischen, mit einem Stift drauf schreiben und Spiele spielen. Oft scheitern sie aber schon daran, eine E-Mail mit Anhang zu verschicken. Selbst unsere Oberstufenschüler bekommen schon einfache Formatierungen in Office-Anwendungen oft nicht hin…

Wir haben auch nicht wenig „ältere“ (Ü40-)Lehrkräfte, die mit LLMs experimentieren, nach Grenzen und Problemen suchen, aber auch überlegen, wo man Digitalität sinnvoll einsetzen kann. Denn letztenendes sind das alles nur Tools.

Was nützen die blinkendsten Präsentationsfolien, wenn Schüler nie den Aufbau einer guten Präsentation gelernt haben und nie trainiert haben, vor Gruppen zu präsentieren?
Warum lassen Kollegen ihre Schüler als „Klausurersatzleistung“ irgendwelche sog. „Erklärvideos“ erstellen, ohne je besprochen zu haben, was für Arten davon es überhaupt gibt, was die Vor- und Nachteile sind?
Und haben wir durch Digitalität wirklich einen Mehrwert, wenn ein Schüler für ein naturwissenschaftliches Protokoll nicht etwa den Versuchsaufbau durchdenkt, reduziert und skizziert, sondern mit einem Klick ein Foto davon macht und es einfügt, ohne je darüber nachzudenken?

blau
12 Tage zuvor

Also sorry aber was wollen die immer mit ihrem individuellen Lernen? Der Lehrer ist der Mittler zwischen Stoff und Schüler. Außerdem ist Lernen nichts für die Hinterkammer. Gemeinsam ist es einfach besser.

Emma Goldman
12 Tage zuvor
Antwortet  blau

> was wollen die immer mit ihrem individuellen Lernen?

Auch wenn ich mich jetzt hier als linke Socke oute: die Antwort liegt doch auf der Hand. Sie lautet „neoliberale Hegemonie“. Die Generationen von Lehrer*innen, die in Zeiten von Schröder/Blair, von PISA/Bologna, von Agenda 2010 und Ich-AG großgeworden ist, kennt „Gesellschaft“ nur noch als eine Ansammlung von konkurrierenden Nutzenmaximierern vom Typ homo oeconomicus mit der Devise „unterm Strich zähl‘ ich“. Das schlägt sich dann natürlich auch in deren Pädagogik nieder, die von so etwas wie gemeinschaftliches Arbeiten an einem geteilten Gegenstand nichts wissen will, weil ja jede*r nicht nur des eigenen Glückes Schmied, sondern auch Konstrukteur der exklusiven, ganz persönlichen Wissensblase ist. Kann man machen. Dann aber bitte nicht beschweren, dass die Gesellschaft „zutiefst gespalten“ sei, und auseinanderzubröseln droht.

Opossum
10 Tage zuvor
Antwortet  Emma Goldman

Viele von diesen Menschen, die in diesem System ausgebildet wurden, arbeiten wohl sehr gut in Teams für die gemeinsame Wohl: Projekte in IT, Wissenschaft, Naturschutz wären oft unmöglich ohne solchen Kompetenzen.
Ich kann auch einen Nachteil nennen, wenn Menschen nur in Teams arbeiten ohne persönlichen Vorteilen: der Eifer und die eigene Initiative können irgendwann nachlassen und die Projekte stolpern.
Es sollte eine gute Balance zwischen beiden Extremen sein.

DerechteNorden
11 Tage zuvor
Antwortet  blau

Bedenkt man, dass besonders an den Nicht-Gymnasien die Schüler*innenschaft immer schwieriger wird, ist gemeinsam natürlich nicht besser. Wahrscheinlich haben das viele Schulleitungen im Hinterkopf, wenn sie so antworten.
Beim individuellen Lernen würde man die „Knallis“, die den Unterricht zerschießen, ja quasi ständig separieren können.

Rüdiger Vehrenkamp
11 Tage zuvor

Sehr viele Schulen fahren einige der genannten Konzepte bereits, bessere Schülerinnen und Schüler werden angesichts der neuesten PISA-Ergebnisse trotzdem (oder deswegen) nicht hervorgebracht.

Natürlich lassen sich mit klassischen und autoritäreren Systemen keine Schulpreise gewinnen, aber eventuell sorgen sie dafür, dass die Jugendlichen wieder mit mehr Fachwissen und Kernkompetenzen in Ausbildung oder Studium starten. Tatsächlich erinnert mich die so oft visionierte „Schule von morgen“ wie eine Kinderuniversität mit Therapieansatz, die möglichst viel intrinsische Motivation der Schülerinnen und Schüler verlangt. Dass alle Kinder dort allmorgendlich total motiviert an ihren Aufgaben und Lernplänen arbeiten, sieht auch nur auf den Instagramprofilen der Schulen so aus.

Sepp
11 Tage zuvor

Gefragt nach Veränderungen für mehr Lernerfolg setzen die Schulleitungen an erster Stelle auf die Stärkung der Basiskompetenzen: 79 Prozent nennen diesen Punkt. Es folgen ein besserer Umgang mit Heterogenität mit 71 Prozent

Das ist auch der absolute Grundpfeiler für alle anderen Punkte: Wenn Kinder z.T. in der 8. Klasse noch immer nicht sinnentnehmend lesen können, brauchen wir mit angepassten Materialien gar nicht anfangen. Die können die Aufgabenstellungen und Materailien schlichtweg nicht verstehen!

Zugleich soll Schule über fachliches Wissen hinausgehen.

Und dennoch müssen die Kinder ein solides fachliches Wissen haben, um überhaupt „darüber hinaus“ gehen zu können. Wir brauchen ohne hinreichende Basiskompetenzen und ohne Fachwissen auch nicht anfangen, irgendwelche Projekte zu machen. Die Kinder können dann nichts Vernünftiges lernen.
Das spricht nicht gegen eigene Projekte, deeper-learning, selbstorganisiertes Lernen usw. Aber das ist erst möglich, wenn die Kinder die Voraussetzungen erfüllen und auch die Inhalte selbst gelernt haben.

94 Prozent der Schulleitungen wollen individualisiertes und kooperatives Lernen miteinander verzahnen.

Mit meiner neuen fünften Klasse kämpfe ich bei ganz grundlegenden Fähigkeiten: Ruhig sein, sich konzentrieren, den Arbeitsauftrag zu hören – oder auch nur zu bemerken, dass er wie immer auch an der Tafel steht. Wir bekommen aus den Grundschulen bspw. Kinder, die keine gelochten Blätter in eine Mappe heften können. Wir haben z.T. Kinder, die absolut keine Anstrengungsbereitschaft haben.
Bevor man individualisiert oder gar kooperativ lernen kann, wäre es schön, zumindest in Einzelarbeit arbeiten zu können, im besten Fall auch in Partnerarbeit. Kinder müssen eben auch solche Lernformen erstmal lernen.

Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung von Lernformen zu beteiligen, befürworten 86 Prozent. Als Realität beschreiben es 19 Prozent.

Als Lehrer mit vielen Jahren Erfahrungen und mit genauen Kenntnissen der Inhalte kann man überlegen, wie man etwas sinnvoll vermittelt, welche Schritte dafür benötigt werden, welche Methoden man nutzt und welche Fehlvorstellungen auftreten können.

Die optimale Lernform für einen Lerngegenstand selbst zu wählen, setzt nicht nur mündige Schüler voraus, sondern auch Kenntnisse in Didaktik und Methodik – und in den zu lernenden Inhalten. Wie soll ein Schüler selbst wissen, welche Methode sich am besten eignet, um einen bestimmten, ihm unbekannten Inhalt zu lernen?

Cassiopeia66
11 Tage zuvor

@ Katze
Jupp, alles noch sehr freundlich beschrieben. Kompetenzen zu haben, ist ja schön, Aber wenn das nötige Grundwissen fehlt, bleiben sie in weiter Ferne.