BERLIN. Der Bundeselternrat kritisiert erhebliche Lücken bei der praktischen Umsetzung von Inklusion in Deutschland. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben würden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder neurodivergenten Entwicklungsprofilen im Alltag vielfach nicht ausreichend unterstützt. Rückmeldungen aus nahezu allen Bundesländern zeichnen nach Angaben des Gremiums ein einheitliches Bild struktureller Defizite. Besonders problematisch sei, dass Familien zentrale Aufgaben selbst übernehmen müssten, die eigentlich staatlichen Stellen obliegen. Der Befund fällt deutlich aus: „Das Problem ist nicht die Rechtslage, sondern die fehlende verlässliche Umsetzung im Alltag.“

Der Bundeselternrat (BER) sieht grundlegende Defizite bei der Umsetzung inklusiver Bildung in Deutschland. Zwar sei Inklusion „von allen gewollt und gesetzlich verankert“, im Alltag vieler Kinder und Familien werde sie jedoch „nicht verlässlich umgesetzt“ .
Zu diesem Ergebnis kommen sowohl der Fachausschuss für Förderschulen des Bundeselternrates als auch die Arbeitsgruppe Inklusion & Vielfalt. Nach ihren Angaben ist die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen oder neurodivergenten Entwicklungsprofilen weiterhin unzureichend. In der Praxis fehle es insbesondere an klaren Zuständigkeiten, verlässlicher Begleitung und niedrigschwelligen Beratungsangeboten.
Die Einschätzung stützt sich auf Rückmeldungen aus nahezu allen Bundesländern. Eine Ausnahme bilde lediglich Berlin. Insgesamt zeige sich ein konsistentes Bild: Familien seien häufig gezwungen, den inklusiven Alltag selbst zu organisieren und zu koordinieren – Aufgaben, die nach Auffassung des Bundeselternrates eigentlich von zuständigen Behörden übernommen werden müssten .
Dabei verweist der Bundeselternrat ausdrücklich auf die bestehende Rechtslage. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention, dem Bundesteilhabegesetz sowie den Regelungen des Sozialgesetzbuches IX bestünden „klare und verbindliche Ansprüche auf Teilhabe“. Zentral sei in diesem Zusammenhang das im § 20 SGB IX verankerte Teilhabeplanverfahren, das Leistungen koordinieren und Ansprüche sichern solle.
Nach Darstellung des BER bleibt dieses Instrument jedoch in der Praxis hinter seinem Anspruch zurück. Das Verfahren werde „nicht einheitlich umgesetzt, verzögert angewendet oder bleibt auf einzelne Bereiche beschränkt“ .
Der Vorsitzende des Fachausschusses für Förderschulen, Georg Möller, beschreibt die Situation deutlich: „Das Problem ist nicht die Rechtslage, sondern die fehlende verlässliche Umsetzung im Alltag in den meisten Bundesländern. Familien erleben zu oft unklare Zuständigkeiten und fehlende Unterstützung“ .
Vor diesem Hintergrund formuliert der Bundeselternrat konkrete Forderungen an die Bundesländer. Gefordert werden unter anderem verbindliche und bundesweit einheitliche Regelungen für das Teilhabeplanverfahren, abgestimmte Zuständigkeiten zwischen den beteiligten Systemen sowie eine verbindliche Einbindung des Bildungsbereichs. Zudem müssten Beratungsangebote niedrigschwellig organisiert und Standards zur Umsetzung von Teilhabeansprüchen überprüfbar ausgestaltet werden.
Auch aus Sicht des Vorstands des Bundeselternrates steht dabei die Verlässlichkeit staatlichen Handelns im Zentrum. Aline Sommer-Noack erklärt: „Inklusion darf nicht von Zufall oder der Durchsetzungsfähigkeit einzelner Familien abhängen. Sie ist ein Recht – und muss verlässlich funktionieren“ .
Solange dies nicht gewährleistet sei, bleibe Inklusion für viele Kinder und Jugendliche ein Anspruch, der im Alltag nicht eingelöst werde, so der Bundeselternrat abschließend. News4teachers









Stimmt, bestreitet auch keiner, der beruflich inklusiv arbeiten soll. Und nun?
Wenigstens ist von zuständigen Behörden die Rede und nicht wieder allein von den Schulen, die den inklusiven Alltag organisieren und koordinieren sollen. Oder ist das zu optimistisch interpretiert?
Ihr Wort in Gottes Ohr! Und ein bisschen Optimismus kann ja nicht schaden!
Bundeslehrkräfterat sieht massive Defizite bei der Umsetzung der elterlichen Erziehungspflicht im Familienalltag.
Und durch die bessere Erziehung kann das gehbeeinträchtigte Kind laufen und ist weder auf Rolli noch auf Assistenz angewiesen,
das sehbeeinträchtigte Kind benötigt kein Lesegerät und keine Assistenz, die ihm den Umgang vermittelt, bis es dies alleine schaffen kann,
das hörbeeinträchtigte Kind bekommt nun alles mit und kann alles verarbeiten, sodass nichts wiederholt und erläutert werden muss,
…
Man kann die Liste erweitern.
Eine Beeinträchtigung ist doch nicht in der Erziehung bedingt, Neurodiversität auch nicht.
Das Beantragen von Hilfen ist äußerst schwierig, es sind immer wieder andere Stellen zuständig, man benötigt Diagnosen von Fachärzt:innen, dort Termine zu erhalten dauert lang. Die bei uns umliegenden SPZ haben Wartezeiten von etwa 1 Jahr, Logopäd:innen auch. Dann beginnt im SPZ die Diagnostik, die auch ein halbes Jahr dauert und erst danach kann man mit einer Therapie beginnen (nach etwa 2 Jahren).
Einschulungsuntersuchungen sind wenige Monate vor der Einschulung, fällt erst dort etwas Gravierendes auf, ist es für die Beantragung von Hilfen schon zu spät. Mit einer Therapie ist ja erst Ende des 2. Schuljahres zu rechnen u d nur, wenn die Eltern wirklich alle Hebel in Bewegung setzen können und wollen.
Der Frust ist somit vorprogrammiert, weil die Kinder ohne Hilfen eingeschult werden müssen und gleich zu Beginn Schule als was Negatives erleben müssen, selbst wenn die einzelne Lehrkraft sich darum bemüht, den Unterricht weitestgehend integrativ zu gestalten.
Aber die eine Lehrkraft kann nicht bei jedem dieser Kinder und bei allen anderen sein, sie kann nicht gleichzeitig dem einen die Aufgabe erneut vermitteln und dem anderen das Lesegerät erläutern und dem nächsten helfen und dem vierten auch.
Also ich sitz niemals im Unterricht. Ich bin immer unterwegs, entweder erkläre ich vorne oder in Einzelgesprächen in Arbeitsphasen. Es gibt keine ruhige Minute in meinem Unterricht für mich. Und trotzdem kann ich den autistischen Schüler, den Schüler mit ADHS, den mit LRS usw. nicht ausreichend unterstützen. Es sind einfach zu viele Schüler. Ja und auch wenn es nur 17 Schüler sind, schaffe ich es nicht. Es ist und bleibt eine Massenabfertigung, mit möglichst wenig Geld möglichst viel Bildung verteilen. Ideal wäre nur 1:1 Unterricht.
„Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder neurodivergenten Entwicklungsprofilen im Alltag vielfach nicht ausreichend unterstützt.“
Wer soll es denn machen, wenn das Personal dazu nicht vorhanden ist, um dies flächendeckend zu leisten?
Bevor Personal beschäftigt werden kann, müsste es Stellen (also Geld) dafür geben – hat im Kita-Bereich auch geklappt: https://www.news4teachers.de/2026/04/zehn-jahres-bilanz-fast-50-prozent-mehr-kita-beschaeftigte-und-doppelt-so-viele-maenner/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es gibt Geld. Es bewirbt sich niemand auf Sonderpädagogenstellen in der Inklusion. Daran wird sich auch nichts ändern, denn eine Lehrkraft kann nicht in der Inklusion mehr verdienen als an der Förderschule.
Sind das Naturgesetze? Herzliche Grüße Die Redaktion
Finden Sie A/E13 unterbezahlt für Sonderpädagogen?
Muss man das? Ich arbeite gerne an einer Grundschule und muss dafür nicht mehr Geld bekommen als meine Kolleginnen an der Förderschule. Dennoch hätte ich gerne mehr sonderpädagogisches Personal zur Unterstützung an meiner Seite. Allein für 12 Klassen zuständig zu sein und in jeder Klasse sind Kinder mit Behinderungen oder mit Neurodivergenz… Meine Arbeitszeit ist immer ein Tropfen auf den heißen Stein und nur eine minimale Entlastung für die Klassenleitungen. Und es liegt mir daran, dass die Stellen ausgeschrieben werden und nicht zu besetzen sind. Es ist schlicht keine weiteren Planstelle vorgesehen.
So ist es…..die bei uns ausgeschriebenen Stellen konnten alle besetzt werden und es gab sogar eine SoPäd, die keine Stelle bekommen hat.
Es werden insgesamt keine Stellen ausgeschrieben, alle, die in Pension gehen oder sich versetzen lassen oder kündigen, nehmen ihren Stuhl mit…..keine Nachbesetzung…..so wird gespart und die Schulen rotieren am Rande es Minimums oder darunter…..
Ich kann die Mär vom Lehrermangel langsam nicht mehr hören…..
Auch die Schaffung von Stellen ist oft keine Lösung.
Aus SH: Die GEW hatte die Schaffung neuer Stellen für Förderschullehrkräfte (hauptsächlich für Inklusion) gefordert. Das Ministerium hat daraufhin auch neue Stellen geschaffen.
Die Stellen konnten allerdings nicht besetzt werden.
Die GEW beschwerte sich erneut und erhielt als Antwort, dass man sehr wohl neue Stellen geschaffen hätte. Inzwischen sind diese Stellen natürlich im Zuge der Sparmaßnahmen wieder gestrichen worden.
Hier konnte das Ministerium dann sogar begründen, weshalb man die Stellen gestrichen hat.
Der Punkt ist doch, dass es beliebte Gegenden gibt, wo Lehrkräfte auch gern leben möchten. Dort wird man sämtliche Stellen auch besetzen können. Nicht alle Bewerber*innen kriegen eine Stelle. Wir haben einige junge Kolleg*innen, die ziemlich frustriert sind, weil es bei uns keine festen Stellen gibt.
Im Moment wird in SH die Maßnahme Abordnung+ gefahren, um Stellen in unbeliebten Gegenden besetzt zu kriegen.
So kommt es, dass in den beliebten Gebieten keine normalen unbefristeten Stellen bzw. Planstellen vergeben werden, selbst wenn die Schulen dort Bedarf haben. Dort muss also “geflickschustert” werden. Befristungen, Nullsemester und Studierende stopfen die Lücken.
In meiner Region ist es anders, die Stellen bleiben unbesetzt, stehen dauerhaft im Stellenportal.
Das kommt sicher auch auf bestimmte Schwerpunkte an, aber die Förderschulen sind unterbesetzt, was auch dazu führt, dass die Schulen die laut Erlass bestehende Grundversorgung, die an sich schon winzig ist, nicht erhalten können.
Mit Stellen an Regelschulen ist es zum Teil auch so.
Warum sollte eine SoPäd, die zumindest in NRW immer schon A13 bekommen hat und in Inklusiven Schulen bis dato eine ganze Gehaltsstufe über den GS-Lehrern lag, noch mehr verdienen? Etwa A14 und damit genauso viel wie eine SL?
Sind netto eh nur etwa 150-200 Euro – in der höchsten Stufe etwas mehr.
Alle müssen mehr bekommen – vor allem an der Grundschule: Funktionsstellen für die Lehrer, A15/16 für die SL.
Und wenn ich gelegentlich mal einen Sonderpädagogen live in einem Unterricht erleben würde, den er selbst vorbereitet hat, würde ich auch mehr Geld für diese befürworten 😉
Abzug gibt es aber für die Sätze:
„WIR müssen uns mal an die Förderplanung setzen.“
und
„XY braucht unbedingt einen Lernplan, bitte ordne in meiner Wordtabelle die Phrasen neu an.“
sowie
„Mit welcher Diagnostik hast du das erhoben?“
Sie haben meinen Post nicht verstanden. In unserer Stadt werden genug Stellen ausgeschrieben. Seid Jahren bewirbt sich niemand auf eine Stelle im GL. Die wenigen, die sich bewerben wollen zu den attraktiven Förderschulen. Es kann also noch soviel Geld bereit gestellt werden, wenn es niemand gibt, der hier arbeiten will dann nützt es alles nichts. Wenn ich die Auswahl habe nehme ich eben nicht die unattraktive Inklusionsstelle, mit schlechteren Arbeitsbedingungen und mehr Bürokratie in einer heruntergewirtschafteten Stadt für das gleiche Gehalt. Daher wird sich in meiner Stadt so schnell nichts ändern, selbst wenn der Staat mehr Geld für Stellen ausgibt. Vielleicht wird es in Jahren wieder irgendwelche Sonderpädagogenschwämme geben, so dass die Leute froh sind wenn sie eine Stelle bekommen. Bis dahin werden jedenfalls viele Kinder keine Förderung bekommen, da einfach niemand da ist, der die offenen Stellen besetzt.
Und Sie meinen das Gehalt einer SL lockt die SoPäds dann schon in ein inklusives Setting?
Ich denke, es wären eher die Rahmenbedingungen, die locken können……
Die Rahmenbedingungen können sich aber nicht ändern ohne mehr Personal. Wie soll das bitte funktionieren? Es gibt keine Sopäds auf dem Markt. Ich habe nie davon gesprochen, das ein Schulleitergehalt Sopäds in ein Inklusives Setting lockt. Ich habe nur festgestellt, dass niemand für das gleiche Gehalt eine Arbeitstelle annimmt, an der er mehr Belastung und Arbeitsverdichtung ausgesetzt ist. Wir sind nicht mehr Anfang der 2000er wo es kaum Stellen an Förderschulen gab.
Ich finde es übrigens sehr spannend, dass bei unserer letzten Ausschreibung alle sich vorstellenden SoPäda berichtet haben, dass sie sich auch Förderschulen angeschaut haben und sich bewusst für eine GL Schule entschieden haben….wie kann das sein?
Vielleicht kann Rainer Zufall dazu was schreiben. Er hat ja wohl den direkten Vergleich: Arbeit als Klassenlehrer an einem Fö-Zentrum und stundenweise (beratende) Inklusion an einer Regelschule. Kommt mMn. darauf an, was einem mehr liegt, Verantwortung für eine ganze Klasse zu haben oder beratende Tätigkeit (Hauptverantwortung beim Regellehrer).
Habe vernommen, in diesem Bereich soll gekürzt und 8 Mrd eingespart werden, da laufen diese Forderungen wohl ins Leere.
Warten wir ab, ob seitens der Eltern die gravierende Schlechterversorgung verklagt wird, die derzeit lieber in neue Förderschulen investiert anstelle gleichwertiger Angebote.
Wenn Eltern hier Druck ausüben, können die betroffenen Kinder nur noch gewinnen
An IGS-sen in Hessen sollen 8 Mrd eingespart werden. Somit entfallen pro IGS ca 3 -4 VZ- Stellen, die Förder- und Inklusionskonzepte müssen tw in die Tonne gekloppt werden, die eingesparten (grrrrrrolll!) Stellen werden dann so bald nicht wieder besetzt werden (können)…
Und dann heißt es: Die Schulen sind zu “doof” (Sie wissen wie ich das meine…) für Inklusion. Garantiert wird auch das wieder nach unten getreten, statt für Geld, Personal und Räumlichkeiten,… zu sorgen!
Der BER sollte sich mal mehr anstrengen!
Dazu noch das: https://taz.de/Kuerzungen-bei-Menschen-mit-Behinderung/!6171785/
So viel sind dem Staat behinderte Kinder wert.