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Private Krankenversicherung für Lehrkräfte: Welche Tarife am besten abschneiden

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BERLIN. Private Krankenversicherungen werben gezielt um junge Lehrkräfte – oft schon im Referendariat. Wer verbeamtet wird, bekommt plötzlich Angebote für besonders günstige Tarife, kombiniert mit dem Hinweis auf die staatliche Beihilfe. Doch dieses System macht die Entscheidung kompliziert: unterschiedliche Tarifmodelle, Familienplanung, verschiedene Regelungen der Bundesländer und die Bedingungen für Pensionäre beeinflussen die Kosten langfristig. Ein aktuelles Ranking des Handelsblatts zeigt, welche PKV-Tarife für Lehrer besonders gut abschneiden – für eine erste Orientierung.

Was passt? (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Viele Lehrkräfte treffen die Entscheidung für oder gegen eine private Krankenversicherung (PKV) nicht erst kurz vor dem Berufseinstieg – sondern bereits im Referendariat. Wer als Beamter auf Widerruf verbeamtet wird, bekommt plötzlich Post von Versicherern, Vergleichsportalen und Vermittlern. Oft geht es um dieselbe Botschaft: Wer in den Staatsdienst geht, könne sich „besonders günstig“ privat versichern.

Tatsächlich ist das deutsche Krankenversicherungssystem für Beamte ein Sondermodell. Der Staat übernimmt einen Teil der Krankheitskosten selbst – über die sogenannte Beihilfe. Doch dieses System, so attraktiv es erscheint, macht die Entscheidung kompliziert. Denn Lehrer müssen nicht nur Tarife vergleichen, sondern auch abschätzen, wie Familienplanung, spätere Pensionierung oder ein möglicher Wechsel des Bundeslands ihre Absicherung verändern könnten. Aktuelle Rankings des Handelsblatts weisen zwar Testsieger unter den PKV-Angeboten für Lehrer aus. Sie machen aber auch anschaulich, wie unübersichtlich und kleinteilig das System inzwischen geworden ist.

„In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, weiterhin Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben“

„Wer verbeamtet wird, ist nicht mehr versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Für die meisten Staatsbediensteten zählt das zu den Vorteilen des Beamtentums. Gelten doch die Leistungen der PKV als besser. Außerdem erhalten Privatversicherte in der Regel schneller einen Termin bei Fachärzten“, heißt es dazu bei „Öffentlicher Dienst News“.

Die staatliche Beihilfe beteiligt sich an Krankheits-, Pflege- und Geburtskosten. Anspruch haben Beamte im aktiven Dienst, Versorgungsempfänger und teilweise auch Familienmitglieder. Wie stark der Staat sich beteiligt, hängt von der persönlichen Situation ab. Beamte des Bundes erhalten grundsätzlich 50 Prozent Beihilfe. Mit mindestens zwei Kindern steigt der Zuschuss häufig auf 70 Prozent. Für Kinder übernimmt die Beihilfe sogar 80 Prozent der Krankheitskosten. Pensionäre erhalten ebenfalls meist 70 Prozent.

Das bedeutet: Die private Krankenversicherung muss bei Beamten nur noch den verbleibenden Rest absichern. Deshalb gelten Beamtentarife häufig als vergleichsweise günstig. Allerdings entstehen dadurch hochkomplexe Tarifstrukturen mit zahlreichen Ergänzungsbausteinen. Das Handelsblatt beschreibt Fälle, in denen etwa Zahnersatz oder Laborkosten nur teilweise beihilfefähig sind und Versicherte zusätzliche Ergänzungstarife benötigen, um größere Eigenanteile zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund ließ das Handelsblatt die Tarife für Lehrkräfte von der Ratingagentur Franke und Bornberg analysieren. Unterschieden wurde zwischen klassischen Beihilfetarifen für verbeamtete Lehrer sowie Tarifen für angestellte und freiberufliche Lehrkräfte. Grundlage waren Musterfälle mit festgelegtem Leistungsumfang, Selbstbehalt und Altersprofil.

  • Bei den Beihilfetarifen für verbeamtete Lehrer landete ein Tarif der Deutscher Ring Krankenversicherung, eine Marke der Signal Iduna, auf Platz eins. Der Monatsbeitrag lag laut Handelsblatt bei 321,25 Euro. Auf Platz zwei folgte ein Tarif der Barmenia Krankenversicherung für 336,43 Euro im Monat. Den dritten Rang belegte ein Tarif der ARAG Krankenversicherungs-AG für 303,02 Euro monatlich. Insgesamt vergaben die Tester neunmal die Note „sehr gut“ (bei 20 bewerteten Tarifen). Dazu gehörten außerdem Tarife der DBV Deutschen Beamtenversicherung, der Halleschen Krankenversicherung, der uniVersa, der Bayerischen Beamtenkrankenkasse, der Union Krankenversicherung und der Debeka.

Für angestellte und freiberufliche Lehrer untersuchte Franke und Bornberg gesondert sogenannte Komfort- und Premiumschutz-Tarife. Freiberufliche Lehrkräfte können unabhängig von ihrem Einkommen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Angestellte Lehrer dürfen dagegen erst dann in die PKV wechseln, wenn ihr Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt. Laut Handelsblatt lag diese Grenze 2025 bei 73.800 Euro brutto jährlich.

  • Beim Komfortschutz setzte sich ein Tarif der ARAG an die Spitze. Der Monatsbeitrag lag bei 593,60 Euro. Ebenfalls mit „sehr gut“ bewertet wurden Komforttarife der Continentale Krankenversicherung, des Deutschen Rings, der Bayerischen Beamtenkrankenkasse, der HanseMerkur, der Union Krankenversicherung, der Allianz sowie der Süddeutschen Krankenversicherung.
  • Beim Premiumschutz lagen die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die Union Krankenversicherung gemeinsam vorne (mit Monatsbeiträgen ab 705,32). Dahinter folgten die Hallesche Krankenversicherung und die uniVersa. Ebenfalls ein „sehr gut“ erhielten Tarife der ARAG, AXA, Continentale, Süddeutschen Krankenversicherung, Allianz sowie der HanseMerkur.

Zu beachten ist allerdings auch, dass sich die Grundlage ändern kann: Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung können Familienmitglieder in der PKV nicht kostenlos mitversichert werden. Für Ehepartner und Kinder sind eigene Verträge nötig. Zwar beteiligt sich der Dienstherr bei beihilfeberechtigten Familienangehörigen ebenfalls an den Kosten. Doch insbesondere bei mehreren Kindern kann die finanzielle Belastung steigen.

Hinzu kommen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. „Öffentlicher Dienst News“ verweist darauf, dass einzelne Länder andere Beihilfeverordnungen haben. Berlin übernimmt beispielsweise keine Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung oder Zweibettzimmerzuschläge. Nordrhein-Westfalen verzichtet dagegen auf Zuzahlungen für Arzneimittel. Im Saarland gibt es wiederum Kostendämpfungspauschalen.

Auch politisch gerät das traditionelle Beihilfesystem inzwischen unter Druck. Neun Bundesländer ermöglichen mittlerweile die sogenannte pauschale Beihilfe. Beamte können dort statt der individuellen Beihilfe einen Zuschuss zu den Beiträgen der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten. Nach Angaben von „Öffentlicher Dienst News“ gilt dieses Modell inzwischen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

„In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, weiterhin Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) zu bleiben. Etwa, wenn der angebotene Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherung durch bestehende Vorerkrankungen oder späte Verbeamtung sehr teuer ist“, so heißt es im Bericht. Für kinderreiche Familien könne eine Absicherung in der GKV ebenfalls vorteilhaft sein.

Die Entscheidung – so oder so – ist allerdings folgenreich. „Die Wahl der pauschalen Beihilfe ist unwiderruflich“, heißt es dort. Wer später in ein Bundesland ohne pauschale Beihilfe wechselt, könne erhebliche Nachteile haben.

Für viele Lehrkräfte beginnt die Entscheidung über die Krankenversicherung heute schon mit dem Referendariat – und sie begleitet sie oft über Jahrzehnte. Wer sich privat versichert, entscheidet nicht nur über Arzttermine oder Monatsbeiträge, sondern auch darüber, wie Familie, Wohnort oder ein späterer Berufswechsel finanziell abgesichert sind. Deshalb reicht ein Blick auf Rankings und Einstiegstarife allein nicht aus. News4teachers 

Hier geht es zu den vollständigen Rankings des Handelsblatts. 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Gesunde Schule”. 

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11 Kommentare
S.B.
16 Tage zuvor

Die Köderung von jungen Lehrkräften ist furchtbar. Woher die Versicherungen die Adressdaten wohl haben? Einen Versicherungsvertreter, der partout nicht gehen wollte, habe ich regelrecht rausgeworfen. Die niedrigen Beiträge zu Beginn rächen sich dann im fortgeschrittenen Alter. Sie sollten von Anfang höher sein und dann später nicht mehr steigen. Schließlich geht man damit eine Bindung fürs Leben ein.

HarneEinrichson
16 Tage zuvor
Antwortet  S.B.

Jap dem einen oder anderen Versicherungsvertreter musste ich auch schon anbrüllen und mit der Polizei drohen, damit er endlich gegangen ist. Gleiches gilt für Vertreter vom Grundversorger (Strom).

Schotti
16 Tage zuvor

Generell ist die gesamte Gesetzgebung viel zu vorteilhaft für den Versicherer ausgelegt. Ein Wechsel der Versicherung ist zu schwierig und mit zu vielen Nachteilen verbunden. Da müsste ein viel größerer Wettbewerb herrschen. Das zum Beispiel ein Großteil der Altersrückstellungen bei einem Wechsel verloren geht und nicht übertragbar ist, führt ja quasi zu einer Art von Geiselnahme. Man kommt trotz Unzufrieden dann einfach nicht mehr weg.

Das ganze System der Beihilfe plus PKV ist eine reine Sparmaßnahme der Länder, um bei jungen und gesunden Beamten Kosten zu sparen. Deswegen sperrt sich NRW immer noch gegen die pauschale Beihilfe und wenn sie eingeführt werden sollte, dann natürlich nur wahlweise für Neueinstellungen. Ansonsten würden die privaten Versicherer auf einem Schlag zehntausende Kunden verlieren, was die Lobbyisten in der Regierung natürlich vermeiden müssen.

Omg
16 Tage zuvor

Es erscheinen om Ranking die Platzhirsche. Ich bin einer kleinen aber feinen Versicherung in Münster. Ich nenne sie einfach mal, weil ja auch die anderen genannt werden. Ich bin seit 30 Jahren bei der LVM, erhalte individuell Rückmeldung zu Rechnungen (Sprechen sie Arzt xy gerne an, dass die Berücksichtigung von Position yx beim nächsten Mal gut begründet sein muss), Beratungen bei OPs usw. Der Versicherer kommt in diesem Ranking gar nicht vor, obwohl er schon vor Jahren den bisherigen Primus vom Theon gestoßen hat. Für mich ist aber elementar, Menschen zu haben, die ich ansprechen kann. Das ist zunubdest bei meinem immer der Fall. Ich bereue nicht einen Tag.

Menschenskinder
14 Tage zuvor

Dass diejenigen, die mit am besten verdienen, sich nur vergleichsweise gering am Gesundheitssystem beteiligen, ist mir völlig unverständlich. (Ja, ihr seid nicht schuld daran und ich würde es auch nutzen.)

Ich frage mich nur, wieso ist sowas geschaffen worden und wieso wird es einfach so beibehalten? Ich erinnere mich dunkel, dass das in den 1990er Jahren eingeführt wurde mit der Behauptung, mehr Wettbewerb sei nötig und würde die schon damals steigenden Kosten im Gesundheitssystem senken. Sind sie denn gesunken? Es zahlen nur die Gutverdienenden weniger, jedenfalls so lange sie jung und gesund sind. Wenn sie nicht mehr jung und nicht mehr so gesund sind, dürfen sie aber in die Gesetzlichen Krankenversicherungen zurückkehrer, also kurz vorher, bis 55. Wie unsolidarisch und unfair ist das denn?

Genauso wie bei der Pflegeversicherung. Die wurde damals eingeführt mit der Beschwichtigung, das seien doch nur 0,5%. Ich dachte damals schon, na, das bleibt doch aber nicht so. Wo stehen wir jetzt? Und es reicht wieder nicht. Wozu man aber sagen muss, das wird auch schamlos ausgenutzt. Da lässt man sich eine Haushaltshilfe oder Putzfrau bezahlen, obwohl man das gar nicht nötig hätte. Du musst nur wissen, wie du das anstellen musst, also wie immer die richtigen Leute kennen.

Und dann sagen die eher linken Parteien, der „Missbrauch“ sei so gering, der Aufwand, ihn zu bekämpfen komme teurer als die Einsparungen wären. Aber die eher rechten Parteien halten daran fest, dass weniger zahlen soll, wer besser verdient (kurz ausgedrückt), weil die Gutverdiener sonst alle ins Ausland abwandern, aber vielleicht doch eher, weil man selbst dazu gehört?

Ich verstehe das alles nicht.

Harzer
14 Tage zuvor
Antwortet  Menschenskinder

Und wenn du keine Kinder hast, bist du mal wieder Zielscheibe für einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung. Weil ja die Kinder der anderen deine Rente/Pension zahlen. Aber du hast die gesamte Schul- und Berufsausbildung der Kinder der anderen durch deine Steuern mitfinanziert! Das sieht keiner.

Ale
13 Tage zuvor
Antwortet  Harzer

Ähm kleiner Denkfehler. Ihre Schulausbildung war auch in ihrer Jugend bzw Schulzeit kostenfrei. Sie bezahlen jetzt dafür.

Omg
14 Tage zuvor
Antwortet  Menschenskinder

Ich habe im letzten Jahr eine überraschende OP mit Intensivstationaufenthalt gehabt. Meine Krankenhausrechnungen und Rehakosten betragen 25000 Euro. 7000 davon Eigenanteil, den ich in diesem Jahr zun Teil bei ddr Steuer geltend machen kann. Und nein: Kein Einzelzimmer, kein Chefarzt. Icj Frage mich jetzt, was sie genau wollen?

Nova
14 Tage zuvor
Antwortet  Omg

Ich wäre für die Abschaffung der Zwei Klassen Medizin. Wenn wir ein solidarisches System wollen, dann sollte sich jeder daran beteiligen mit allen Einkünften und ohne Beitragsbemessungsgrundlage und unabhängig vom Status, wer viel verdient, muss viel zahlen. Das ist solidarisch.

ich bin selbst privat krankenversichert, weil ich mich damals dafür entschieden habe, was ich im Nachhinein jetzt als unsolidarisch empfinde, aber die GKV nimmt mich nicht mehr, obwohl ich Höchstbeitrag zahlen würde.

Wir könnten ein einfaches und gerechtes System hier in Deutschland haben, wenn wir wollten, aber leider wollen wir Privilegien und Statusdenken behalten.

Schotti
14 Tage zuvor
Antwortet  Nova

Eine Zweiklassenmedizin wird es immer geben, Stichwort Selbstzahler. Wer Multimillionär ist, wird immer Privatpraxen kontaktieren und sich die beste Behandlung erkaufen. So etwas wird man kaum unterbinden können.

Die Frage ist, ob wir überhaupt noch ein Solidarsystem wollen. Ich kenne viele Menschen, die finden es ungerecht, dass zum Beispiel ein Vergewaltiger im Gefängnis die neuen Zähne auf Kosten des Steuerzahlers bezahlt bekommt. Auch bei dieser neuen Lungenkrebs Vorsorgeuntersuchung für Raucher gab es massive Kritik nach dem Motto, warum sollen die Versicherungen für das vorsätzliche gesundheitszerstörende Verhalten einzelner Raucher aufkommen?

Hinzu kommt der Fakt, dass die Zweiklassenmedizin politisch gewollt ist. Das wird vorallem in politischen Diskussionsrunden deutlich, in welcher Vertreter der großen Lobbyistenparteien vertreten sind. Die wollen natürlich die Zweiklassenmedizin erhalten, weil sie für die Versicherungen und nicht für das Volk Politik machen.

S.B.
14 Tage zuvor
Antwortet  Nova

Was hat das mit dem obigen Bericht zu tun?