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Schülerproteste erreichen Deutschland: Im Netz kursieren Aufrufe zu bundesweiten Aktionen

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BERLIN/PARIS. Die seit Wochen andauernden Schülerproteste in Frankreich haben Deutschland erreicht. In Berlin und Hamburg blockierten jeweils rund 150 Jugendliche ihre Schulen. Die Berliner Bildungssenatorin kritisierte die Aktion in der Bundeshauptstadt scharf. Unterdessen gingen in Frankreich erneut Hunderttausende beziehungsweise nach Behördenangaben mehr als 160.000 Menschen für bessere Bildungsbedingungen auf die Straße. Während der begleitende Lehrerstreik nur wenige Beschäftigte mobilisierte, kursieren in Deutschland inzwischen Aufrufe zu weiteren Schülerprotesten – offenbar bundesweit.

Rund 150 Schülerinnen und Schüler haben am Montagmorgen die Eingänge des Französischen Gymnasiums in Berlin blockiert. Mit Fahrradschlössern, Müllcontainern und E-Scootern versperrten sie den Zugang zum Schulgebäude im Ortsteil Tiergarten. Nach Recherchen der taz hatten sich die beteiligten Jugendlichen bereits in der Vorwoche über eine gemeinsame Protestaktion verständigt. Sie wollten ihre Solidarität mit den Schülerinnen und Schülern in Frankreich zeigen, die seit Mitte September gegen den Lehrkräftemangel, den Zustand ihrer Schulen und die Bildungspolitik der Regierung demonstrieren.

Doch es ging den Berliner Jugendlichen nicht ausschließlich um Frankreich. Einige verwiesen auch auf Probleme an ihrer eigenen Schule, darunter eine seit Jahren andauernde Baustelle. Sie forderten mehr Investitionen in die Bildung – diesseits wie jenseits der Grenze. Nach der Blockade zogen Schülerinnen und Schüler zur französischen Botschaft am Pariser Platz. Dort übergab eine Delegation ihre Anliegen an einen für Kultur und Bildung zuständigen Vertreter der Botschaft.

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Die Aktion löste eine Auseinandersetzung mit der Berliner Bildungsverwaltung aus. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) erklärte gegenüber dem rbb, das Recht von Schülerinnen und Schülern, ihre Meinung zu äußern und sich politisch zu engagieren, sei ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Es rechtfertige aber nicht, den Zugang zu einer Schule zu blockieren. Schule sei kein rechtsfreier Raum. Sie erwarte von den Schulleitungen, bei Bedarf von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Die Schulleitung hatte nach Medienberichten die Polizei verständigt. Zugleich wurde die Auseinandersetzung innerhalb der Schule fortgeführt: Am Dienstag fand nach Angaben der taz eine Versammlung der Oberstufe statt, bei der die Jugendlichen in Anwesenheit der Schulleiterin und von Lehrkräften über die Situation in Frankreich diskutieren konnten. Für Montag angesetzte Klausuren wurden auf Freitag verschoben.

Die Berliner Protestaktion fiel unmittelbar vor einen weiteren landesweiten Mobilisierungstag in Frankreich. Dort gingen am Dienstag erneut Zehntausende Schülerinnen, Schüler und Studierende auf die Straße. Das französische Innenministerium zählte landesweit 161.500 Demonstrierende, darunter 41.500 in Paris. Die beteiligten Schüler- und Studierendenorganisationen sprachen dagegen von 480.000 Teilnehmenden.

Auch die Zahl der betroffenen Schulen ist umstritten. Das französische Bildungsministerium meldete für Dienstag 214 geschlossene Einrichtungen und erklärte, 94,2 Prozent der Lycées seien geöffnet gewesen. Nach einem Bericht von Le Monde erfasst das Ministerium inzwischen allerdings nur noch vollständige Schließungen, nicht mehr sämtliche blockierten oder im Betrieb beeinträchtigten Schulen. In der Region Île-de-France wurden zusätzlich zu den geschlossenen Einrichtungen zahlreiche Lycées mit Unterrichtsstörungen oder Distanzunterricht registriert.

Die Jugendlichen verlangen seit Wochen zusätzliche Lehrkräfte, verlässliche Unterrichtsvertretungen, die Sanierung maroder Schulgebäude und bessere Lernbedingungen. Besonders an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen richtet sich der Protest auch gegen ungleiche Bildungschancen. Die französische Regierung hatte zuletzt angekündigt, mehr als 3.000 bereits beschäftigte Vertretungslehrkräfte kurzfristig an Schulen mit besonders großem Unterrichtsausfall einzusetzen. Zusätzlich sollen mehrere Hundert Vertragslehrkräfte eingestellt werden können. Den Protestierenden und den Bildungsgewerkschaften reichen diese Maßnahmen nicht aus.

„Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Unsere Zukunft wird uns geraubt“

Aufmerksamkeit erhielt der jüngste Aktionstag durch den Besuch der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie erschien am Dienstag vor dem Lycée Paul Éluard in Saint-Denis, einem der Ausgangspunkte der Protestbewegung in der Pariser Hauptstadtregion. Dort stellte sie sich hinter die Forderungen der Jugendlichen.

„Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Unsere Zukunft wird uns geraubt“, sagte Thunberg nach einem Bericht der Tagesschau. Die mangelnden Investitionen in Schulen vermittelten Jugendlichen, dass sie in der Gesellschaft keine Priorität hätten. Thunberg verwies zugleich auf die internationale Bedeutung der Proteste. In mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, haben sich inzwischen Jugendliche mit der französischen Bewegung solidarisiert.

Allerdings gelang es den sechs französischen Bildungsgewerkschaften, die sich dem Aktionstag mit einem landesweiten Streikaufruf angeschlossen hatten, nur in begrenztem Umfang, die Beschäftigten zu mobilisieren. Nach den vorläufigen Zahlen des Bildungsministeriums beteiligten sich 3,71 Prozent der erfassten Beschäftigten am Streik. Unter den Lehrkräften lag die Quote bei 4,52 Prozent. An den Collèges, den französischen Schulen der unteren Sekundarstufe, waren es 5,31 Prozent. Deutlich höher lag die Beteiligung mit 10,31 Prozent beim Personal für Schulaufsicht und Schülerbetreuung. Die Ministeriumsangaben umfassten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht alle Bildungsregionen.

Bei den Demonstrationen kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und einzelnen Gruppen von Protestierenden. Die Behörden berichten von Sachbeschädigungen, Angriffen auf Einsatzkräfte und Schulpersonal sowie zahlreichen Festnahmen. Umgekehrt werden der Polizei unverhältnismäßige Einsätze vorgeworfen. Besonders der Fall eines 15-Jährigen, der durch einen Polizeisprengkörper eine Hand verlor, hat die Kritik verschärft. Nach Angaben der Tagesschau laufen inzwischen mehrere interne Untersuchungen gegen Polizeibeamte.

Vor den französischen Herbstferien stellt sich nun die Frage, wie die Proteste weitergehen. Für Samstag, den 17. Oktober, wird zur Beteiligung an weiteren Demonstrationen aufgerufen. Einige Jugendliche wollen die Bewegung auch nach den Ferien im November fortsetzen. Andere hoffen, dass Studierende und weitere gesellschaftliche Gruppen die Mobilisierung während der unterrichtsfreien Zeit aufrechterhalten.

„Der Protest spiegelt die Frustration der jahrelangen Vernachlässigung der Berliner Schulen wider“

Kann in Deutschland eine größere Schülerbewegung entstehen. Die Vorsitzende des Berliner Landesschülerausschusses, Jennifer Mariella Rosin, sieht in der Blockade des Französischen Gymnasiums ein bildungspolitisches Warnsignal. „Der Protest spiegelt die Frustration der jahrelangen Vernachlässigung der Berliner Schulen wider“, sagte sie der taz. Sie fordert mehr Investitionen und eine Modernisierung des Bildungssystems, rechnet allerdings nicht mit einer Protestwelle französischen Ausmaßes. Die Protestkultur in Deutschland unterscheide sich von der in Frankreich. Allerdings berichtete die taz von zahlreichen Aufrufen in sozialen Medien, die für den 31. Oktober zu bundesweiten Schülerprotesten in Deutschland mobilisieren.

Dass die Solidaritätsproteste inzwischen über Berlin hinausreichen, zeigte sich am Mittwochmorgen auch in Hamburg. Vor der Max-Brauer-Schule im Stadtteil Ottensen versammelten sich nach Angaben des NDR rund 150 Schülerinnen und Schüler. Sie blockierten mit Mülltonnen Eingänge der Stadtteilschule und zeigten ein Banner mit der Aufschrift „Solidarität mit den Schülern in Frankreich“. Die nicht angemeldete Protestaktion löste einen Polizeieinsatz aus. Einsatzkräfte sprachen gemeinsam mit der Schulleitung mit den Jugendlichen; gegen 11 Uhr wurde die Versammlung beendet. Nach Polizeiangaben kehrten die Schülerinnen und Schüler anschließend in den Unterricht zurück. News4teachers 

Frankreichs Schülerproteste eskalieren – Lehrkräfte sollen den Konflikt nun befrieden

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5 Kommentare
Rainer Zufall
7 Stunden zuvor

„Die Berliner Bildungssenatorin kritisierte die Aktion in der Bundeshauptstadt scharf.“
Na, da weiß jemand, wie man mit jungen Leuten sprechen muss…

Warum regen sich die Jungen überhaupt auf? Checken die nicht, dass wir alle den Gürtel enger schnallen, Superreiche beschenkt und Erben geschont werden, Treibstoff verschenkt und verhältnismäßig geringe Investitionen in Bildung und Klimaschutz aufgeschoben werden und später Milliarden mehr kosten müssen?

Woher all der ganze Frust auf ältere Generationen, die sich früher bemühten, bessere Zeiten zu ermöglichen, anstatt die Zukunft der eigenen Nachkommen zu verbrennen? (augenroll)

Sepp
6 Stunden zuvor

Leider sind diese Proteste eine wilde Mischung aus berechtigter Kritik weniger Aktivisten, vielen Mitläufern, die sich über die Tage ohne Schule freuen und gewaltbereiten Jugendlichen, die es als Anlass nehmen, Schulen anzuzünden, Autos zu zerstören usw. . Fast schon nebenbei fanden es Jugendliche clever, einen Lehrer, der ein Feuer an einem Baum löschen wollte, mit Benzin zu übergießen.

Dazu ein Jugendlicher, der in Action-Film-Manier offenbar eine Blendgranate aufheben und zurückwerfen wollte, dabei die Hand verlor und nun als Beispiel für gewalttätige Polizei gilt.

Und mitten drin eine Vollzeit-Aktivistin, der Klimapolitik zu langweilig wurde, die sich dann in internationale Politik eingemischt hat und nun mit Palästinensertuch dekoriert die Aufmerksamkeit von französischen Medien sucht. Und während im Hintergrund Mülltonnen (oder was auch immer) brennen, redet sie von „incredibe and beautiful solidarity“ und einem „extremely violent system„, gegen das gekämpft werden müsse, garniert von weiteren Worthülsen.

Insgesamt haben die „Protestierenden“ nach Angaben der Tagesschau schon Schäden in Millionenhöhe verursacht, außerdem wurden über 65 Lehrer und Schulmitarbeiter verletzt, ca. 200 Schüler und über 300 Polizisten.

Lasst die Schüler legitime Kritik am Bildungssystem äußern oder sich sogar in der Politik engagieren, um Besserungen herbeizuführen. Aber lasst uns hoffen, dass wir derartige „Proteste“ nicht auch in Deutschland bekommen.

Lera
5 Stunden zuvor
Antwortet  Sepp

Wir könnten ja alle eine Kerze ins Fenster stellen und dem KM geharnischte Faxe schicken – Stefan macht das seit Jahren sehr erfolg… los.

Oder eine Online-Petition, das kostet nix, alle kommen pünktlich zur Arbeit und keiner muss das Haus verlassen.

Zum Abschluss lesen am Sonntag Vormittag – damit man den Wochenmarkt nicht stört – noch drei Mädchen im Fürbitten-Singsang irgendwas auf dem Marktplatz vor, das keiner versteht, weil der Hausmeister sich „um die Akustik gekümmert hat“ und das Mikro – völlig überraschend – auch diesmal nach 1,5 Sekunden den Dienst versagt. Gut, dass eh keiner gekommen ist.

447
3 Stunden zuvor
Antwortet  Lera

Also, die BRD hatte da doch zwischen richtigem Protest (Frankreich-Style) und „Problemgedenkpetition“ einen guten Mittelweg gefunden: Modell „Fridays for Future“.

Das hatte viele Vorteile:
– zunächst mal das wichtigste, faktisch „schulfrei“.
– gleichzeitig aber ein sicher eingehegter, quasi kastrierter Protest, den sogar höchste Politik wohlwollend-lächelnd begleitete, am Ende ging es gar zum Papst <3
– nichts wurde so wirklich gemacht oder kaputtgemacht, ergo waren unbeteiligte Dritte nicht von z.B. abgefackelten Autos bedroht
– trotzdem konnten alle (wegen der vielen freigesetzten Fühlis) extrem so tun, als ob nun viel passiert. Für Beschäftigung war also gesorgt.

Diese Kombo sollte schleunigst wiederbelebt werden!

Wo sind erfahrene Greta-Tunberg-Aktivistinnen?

Ihr werdet jetzt (wieder) gebraucht!

Es wäre der perfekte Übergang und der deutschestmögliche Protest vor der besinnlichen (und halt leider auch regenkalten, brrr) Weihnachtssaison:
Zwei bis drei Wochen Schulstreik nach den Herbstferien (gerne auch vier oder fünf, ich sag es ja nur), perfekte Pufferzeitnutzung!

Diese Unterrichtsdrohne sehnt euch herbei – Schul"streiks" jetzt, bitte!
Zeigt es "dem System" mal richtig!

447
3 Stunden zuvor
Antwortet  Sepp

Also…ich fände richtig heftige Proteste gut.

Aber, liebe Schüler:Innen – bitte dann auch alle wegbleiben.
Sobald jemand kommt, muss ich die Stunde halten. 🙁