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Modekrankheit Burnout: Experte warnt vor Fehldiagnosen

LEIPZIG. Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, hat vor dem „inflationären Gebrauch des schwammigen Begriffs Burnout“ gewarnt. Dies könne dazu führen, dass Betroffene verwirrt und möglicherweise falsch behandelt würden.

Auch bei einer Depression fühlen sich Betroffene tief erschöpft. Foto: Tim Caynes / Flickr (CC-BY-NC-2.0)

Auch bei einer Depression fühlen sich Betroffene tief erschöpft. Foto: Tim Caynes / Flickr (CC-BY-NC-2.0)

„Ein Großteil der Menschen, die wegen ‚Burnout‘ eine längere Auszeit nehmen, leidet defacto schlicht an einer depressiven Erkrankung. Alle für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen liegen vor, wozu immer auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit gehört“, erklärt Hegerl. Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend sei dabei, dass der Begriff eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriere. „Auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergeht, ist jedoch nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung“, sagt der Direktor der Klinik für Psychiagtrie und Psychotherapie der Universität Leipzig. „Bei zahlreichen Menschen mit einer depressiven Episode ist beim besten Willen kein bedeutsamer Auslöser festzustellen. Viele depressiv Erkrankte fühlen sich in einer schweren depressiven Episode zu erschöpft, um ihrer Arbeit nachzugehen, ja um sich selbst zu versorgen; nach erfolgreicher Behandlung und Abklingen der Depression empfinden sie die zuvor als völlige Überforderung wahrgenommene berufliche Tätigkeit wieder als befriedigenden und sinnvollen Teil ihres Lebens“, erklärt der Arzt.

Mehr Schlaf hilft Depressiven nicht

Mit dem Begriff Burnout sei die Vorstellung verbunden, dass langsamer treten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien seien. Hegerl: „Verbirgt sich hinter diesem Begriff eine depressive Erkrankung, so sind dies jedoch oft keine empfehlenswerten und oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen.“ Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und Stimmungsverschlechterung. Dagegen sei Schlafentzug eine etablierte antidepressive Behandlung bei stationärer Behandlung.

Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten. „Der eigene Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, wird im Urlaub in fremder Umgebung besonders bedrückend und schmerzlich erlebt wird“, sagt der Mediziner. Ob eine Krankschreibung, die bei schweren Depressionen unvermeidlich sei, auch bei Betroffenen mit leichteren Depressionen sinnvoll sei, müsse im Einzelfall entschieden werden. „Es gibt nicht wenige depressiv Erkrankte, die als besonders belastend erleben, wenn sie nach der Krankschreibung grübelnd zu Hause im Bett liegen“, betont Hegerl.

Lehrer gelten als eine der am häufigsten von Burnout betroffenen Berufsgruppen. Einer Studie von 2009 zufolge sind bei jedem dritten Lehrer in Deutschland Burnout-Symptome nachweisbar. (red)

Ein Kommentar

  1. Heidi Haberland

    Als ich nicht mehr hören konnte und meinem HNO NICHTS mehr einfiel, warum das so sein könnte, sagte er, dass ich ihm sehr gestresst vorkäme, womöglich wäre mein Leiden psychisch.
    Ich antwortete zwar, dass es natürlich die Psyche angreifen würde, wenn man nicht hören könnte, vor einer Klasse und in einer Familie…, aber, mit wem sprach ich da???
    Mir war es egal warum ich nicht hören konnte, warum es mir insgesamt so schlecht ging, ich wollte Besserung und keine Heiligsprechung. Psychisch oder physisch, ich war entspannt, vorurteilsfrei…, klar, als Sonderpädagogin…
    Das die Diagnose IMMER Psyche heißt, bei einer Frau, Lehrerin, um die 40, mit eigenen Kindern, vielleicht mit, oder ohne oder gerade getrennt vom Mann…,
    und, dass es eine Deklassierung beinhaltet, war mir nicht bewusst.
    Nun, obwohl man dann in der Psychiatrie ganz schnell herausfand, dass ich nicht depressiv bin und war, sondern MS habe, …,
    fand ich heraus,
    – dass psychische Krankheiten unanständig sind, schließlich war sogar die Mutter meines HNOs Lehrerin, ohne erschöpft sein zu müssen…
    – dass physische Krankheiten einerseits zwar prestigelastiger sind, schließlich hat man mehr vorzuweisen als ne Macke,…und alle wollen ja auch so gerne…, nur, was denn?????
    – Tja, und meine Schätzung, all die physisch Kranken, die leider so tun müssen, zumal bei dem Verständnis, was Ihnen gezeigt wird, als könnten sie mithalten, kriegen, wenn sich denn die physische Komponente nicht drastisch verschlechtert, psychisch ne tüchtige Macke!!!!

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