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Im Südwesten ist das gegliederte Schulsystem jetzt ein Auslaufmodell

STUTTGART (Mit Kommentar). Baden-Württembergs Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) kann endlich einmal einen Erfolg verbuchen: Der Landtag läutet das Ende des gegliederten Schulsystems im Südwesten ein.

Freut sich über das Abstimmungsergebnis im Landtag: Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Foto: Grüne Baden-Württemberg/Flickr

Freut sich über das Abstimmungsergebnis im Landtag: Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Foto: Grüne Baden-Württemberg/Flickr

Der baden-württembergische Landtag von hat mit seiner grün-roten Mehrheit die Einführung der Gemeinschaftsschule als Regelschule im Südwesten beschlossen. Damit können die 40 Starterschulen im neuen Schuljahr auf einer verlässlichen gesetzlichen Grundlage loslegen.

Die Redner der Koalition betonten, das längere gemeinsame Lernen werde die enge Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Baden-Württemberg auflösen, die Kinder individueller fördern und zu höheren Schulabschlüssen führen. Die Opposition hielt Grün-Rot vor, aus ideologischen Gründen langfristig das gegliederte Schulsystem abzuschaffen und die unterschiedlichen Begabungen und Motivationen der Schülern zu ignorieren.

Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser warf der CDU vor, Ängste vor der Gemeinschaftsschule zu schüren. Die Union hatte in Zeitungsanzeigen die Gemeinschaftsschule kritisiert, weil mit ihr Kinder zu «Versuchskaninchen» gemacht würden. «Doch zum Glück sind die Bürger in diesem Land und viele Ihrer eigenen Bürgermeister und Parteikollegen sehr viel offener und moderner als viele Kollegen hier im Landtag», sagte Boser.

Immerhin sei die Gemeinschaftsschule oder die Gesamtschule mit Ausnahme von Bayern bereits in ganz Deutschland vertreten. Gerhard Kleinböck (SPD) erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr sieben Prozent aller Schulabgänger keinen Abschluss erworben hätten. Diesem Problem könne die Gemeinschaftsschule entgegenwirken.

Scharfe Kritik von CDU und FDP

Zuvor hatte Georg Wacker (CDU) von vielen ungeklärten Fragen gesprochen, etwa hinsichtlich Schulbau und -ausstattung, mangelnden Interesses der Gymnasiallehrer an der Lehre in Gemeinschaftsschulen sowie der Zukunft von Schulstandorten. Und: «Wir werden nicht müde, in der Fläche des Landes zu sagen, dass dieses Projekt nachweislich zulasten aller anderen Schularten in Baden-Württemberg geht.»

Timm Kern (FDP) monierte, dass Grün-Rot alle Innovationen – etwa die Verbünde von Haupt- und Realschulen – außer der Gemeinschaftsschule abblocke. «Das hat mit Freiheit nichts zu tun.» Grün-Rot habe mit einer kompromisslosen Einführung der Gemeinschaftsschule einen «sinnlosen Schulkampf» angezettelt.

Kultusministerin Warminski-Leitheußer sagte mit Blick auf die Anmeldezahlen: «Die Eltern stimmen mit den Füßen ab.» Das Interesse habe sogar ihre Erwartungen übertroffen. Überdies seien nicht nur Kinder mit Haupt- und Werkrealschulempfehlungen angemeldet worden, sondern auch solche mit Real- und Gymnasialempfehlung.

Das Gesetz schaffe verlässliche Rahmenbedingungen für die Kommunen, die sich auf den Weg zur neuen Schule machen wollten, so die Ministerin. Die Kommunen sähen die Gemeinschaftsschulen prinzipiell positiv, verlangten aber eine geregelte Finanzierung der mit der Gemeinschaftsschule verbundenen Ganztagsangebote. Das von der Vorgängerregierung verschlafene Thema Aufteilung der Kosten von Ganztagsschulen wolle sie gemeinsam mit den kommunalen Landesverbänden angehen.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) unterstützt prinzipiell die Einführung der neuen Schulart, bezweifelt aber, dass die Heterogenität der Schüler insgesamt zu besten Leistungen führt. «Ein schneller Läufer wird nicht mit einem sehr viel langsameren für die Meisterschaft trainieren wollen, der langsamere wird die Lust aufs Laufen ganz verlieren», sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand. dpa
(18.4.2012)

Zum Kommentar: „Revolution mit Bahnsteigkarte“

Zum Bericht: „Die GEW kritisiert grün-rote Schulpolitik: ‚Ernüchternd'“

 

Ein Kommentar

  1. Viele Fragen der GMS sind noch ungeklärt, die Kritik des VBE halte ich für berechtigt. Die wahren Gewinner sind übrigens die Privatschulen, deren Anmeldezahlen wären interessant. In meinem Bekanntenkreis wollen die Eltern ihre Kinder auf Schulen ohne Chaoten haben – also ab in die Privatschule

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