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Neue Vorstände, alte Probleme: Keine Ruhe an der Odenwaldschule

HEPPENHEIM. Im Vorstand der Odenwaldschule hat es wegen des Missbrauchsskandals schon etliche Wechsel gegeben. Auch der neue Vorsitzende verspricht einen besseren Umgang mit den Opfern. Viele von ihnen fühlen sich jedoch übergangen.

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Keine Ruhe im Streit um die Odenwaldschule und den vor zwei Jahren aufgedeckten Missbrauchsskandal: Zwar sitzen nun neue Leute im Vorstand, und es gibt einen neuen Vorsitzenden. Opfer der Jahrzehnte zurückliegenden Übergriffe sind aber fassungslos und fühlen sich übergangen. Selbst die Wahl von Heppenheims früherem Bürgermeister Gerhard Herbert an die Spitze des Vorstandes glättet die Wogen nicht. «Dies ist nur eine Feigenblatt-Wahl», kritisierte der Vorsitzende des Opfervereins «Glasbrechen», Adrian Koerfer.

In einem Abschlussbericht ist von 132 Opfern an der Schule im südhessischen Heppenheim die Rede, andere gehen von einer höheren Dunkelziffer aus. Die Übergriffe der Lehrer gelten als verjährt.

„Jetzt müssen Taten folgen“

Landrat Matthias Wilkes (CDU), in dessen Landkreis Bergstraße das Elite-Internat liegt, forderte: «Jetzt müssen Taten folgen.» Die Schule dürfe dem Thema nicht mehr ausweichen, sonst könne ihr Bestehen in Gefahr sein. Mit der Wahl Herberts zum neuen Vorstands-Chef verbindet Wilkes die Hoffnung, dass nun der richtige Weg in Richtung der Missbrauchs-Opfer eingeschlagen wird.

Der am Wochenende gewählte Herbert versprach, «das dunkelste Kapitel der Odenwaldschule» werde aufgearbeitet, Opfer würden ernst genommen und entschädigt. Details sollen in den nächsten Wochen im Vorstand besprochen werden. Zwei in die Kritik geratene Vorstandsmitglieder, Philip von Gleichen und Rolf Bogus, hätten zudem ihr baldiges Ausscheiden für Juli angekündigt.

Damit geben sich aber nicht alle zufrieden. Auf völliges Unverständnis stößt stellenweise die Wahl des Unternehmers Carl Glauner in den Vorstand. Er hatte dem Gremium schon zwischen 2005 und 2010 angehört – und sei von Reformern demonstrativ zum Rücktritt aufgefordert worden. Ein Opfer beschrieb ihn als «einen Verfechter des alten Systems». Der nächste Wechsel im Vorstand sei schon vorprogrammiert. «Oder die Odenwaldschule geht unter.»

Entschädigt – oder nicht?

Auch «Glasbrechen» und «Brücken bauen», die Schul-Stiftung für die Entschädigung von Missbrauchs-Opfern, stehen sich nach wie vor wie erbitterte Gegner gegenüber. Betroffene, die in dem 2010 vorgestellten Abschlussbericht erwähnt sind, würden schnell und unbürokratisch entschädigt, rund 100.000 Euro seien bereits gezahlt worden, sagte die Stiftungs-Vorsitzende Ingelore König-Ouvrier. «Das wird von „Glasbrechen“ anders dargestellt», kritisierte sie. Laut «Glasbrechen»-Chef Koerfer war die für die Stiftung zugesagte Summe von 500.000 Euro «nie da». Nach König-Ouvriers Worten sind jedoch 250.000 Euro überwiesen worden, die andere Hälfte sei zugesagt.

Manchmal scheinen beide Seiten aneinander vorbeizureden. Der neue Vorstandsvorsitzende Herbert will hier ansetzen: «Wir im Vorstand legen größeren Wert darauf, dass der eine vom anderen weiß, was er überhaupt will. Kontakte sollen auf Augenhöhe sein.» JOACHIM BAIER, dpa
(7.5.2012)

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