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Rheinland-Pfalz: Lehrergewerkschaften für mehr gemeinsames Lernen

Mainz. Möglichst viele behinderte und nicht behinderte Kinder in Rheinland-Pfalz sollen gemeinsam lernen – da sind sich Landesregierung und Lehrergewerkschaften weitgehend einig. Unstimmigkeiten gibt es aber darüber, wie das umgesetzt werden soll.

Beim Ausbau des gemeinsamen Unterrichts für behinderte und nicht behinderte Kinder in Rheinland-Pfalz mangelt es nach Ansicht der Lehrergewerkschaft GEW an einer klaren Zielsetzung. «Letztendlich fehlt uns nach wie vor ein klares Konzept, wo es hingehen soll», sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer, in Mainz. Auch müsse das Land dafür sorgen, dass die Schulen gut ausgestattet seien und Lehrer mehr Beratung bekämen. Sonst bestehe die Gefahr der Überforderung.

Der sogenannte inklusive Unterricht wird derzeit laut Bildungsministerium in 229 Schwerpunktschulen im Grundschulbereich und in der Mittelstufe angeboten, im kommenden Schuljahr sollen mehr als 20 hinzukommen. Es werde bereits «eine hohe Integrationsleistung erbracht», heißt es beim Ministerium. Im Schuljahr 2010/2011 besuchte nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung jeder fünfte beeinträchtigte Schüler in Rheinland-Pfalz eine Regelschule. Nach Ansicht der GEW geht die Entwicklung zu langsam voran.

Die GEW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßten aber die Pläne von Rot-Grün, dass die Eltern behinderter Kinder in Rheinland-Pfalz bald eine Schulform frei wählen können. Die Grünen im Landtag hatten dazu eine Entscheidung im nächsten Jahr angekündigt. «In dem Punkt stehen wir an der Seite der Grünen», sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold. Bisher dürfen Eltern nicht entscheiden, ob ihr behindertes Kind in eine Förder- oder Regelschule kommt. Auch forderte Bold, dass der gemeinsame Unterricht an allen Schulen ermöglicht werde. Dazu müsse das Schulsystem aber großflächig weiterentwickelt werden.

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz lehnt eine totale Inklusion dagegen ab und warnt davor, in einen «Inklusions-Aktionismus» zu verfallen. Kinder mit Behinderungen müssten zwar gefördert werden, jedoch nicht zwingend in Regelschulen, erklärte der Landesvorsitzende des Verbands, Malte Blümke.

Die GEW bemängelt zudem die Rahmenbedingungen: Wenn diese an vielen Schulen nicht verbessert würden, drohe der gute Ansatz der Inklusion zu scheitern. Laut Bildungsministerium sind bis zum Jahr 2016 zwar 200 zusätzliche Stellen in Schwerpunktschulen eingeplant. «Aber es reicht nicht», sagte der GEW-Landesvorsitzende Hammer. dpa

(29.6.2012)

Ein Kommentar

  1. Franz Josef Neffe

    Na wenn schon gemeinsames Lernen, warum dann nicht endlich gemeinsames Lernen von Erwachsenen & Kindern in der Schule??? Als Ich-kann-Schule-Lehrer lasse ich mir vom Herkunftswörterbuch sagen, dass LERNEN & LEHREN ohnedies nur zwei Seiten einer Medaille sind. Jeder Mensch lernt & lehrt zugleich. Wird doch Zeit, dass dies auch die Erwachsenen in der Schule erkennen – und danach handeln! Also auf geht´s, Lehrer, Schulleiter, Schulplaner, Schulerverwalter und sonstige Beschuler: Lernt mal mit und lasst mit lehren! Ich freue mich auf Euren Erfolg!
    Franz Josef Neffe

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