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Professoren: Junge Studenten haben Probleme mit der Rechtschreibung

BAYREUTH. Referate, die von Rechtschreibfehlern wimmeln – zumindest bei Erstsemestern ist das nach Erfahrung von Professoren keine Seltenheit. Gefordert sind nach ihrer Ansicht nicht nur die Schulen. Unis sollten Vorschaltkurse anbieten, verlangen Hochschullehrer.

Professoren: Junge Studenten haben Probleme mit Rechtschreibung;  Foto: this.is.seba / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Professoren: Junge Studenten haben Probleme mit Rechtschreibung; Foto: this.is.seba / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Junge Studenten haben nach Erkenntnissen von Hochschullehrern massive Probleme mit der Rechtschreibung. Auch stießen Professoren in schriftlichen Arbeiten häufig auf Grammatikfehler. Zudem fehlten vielen Erst- und Zweitsemestern die Lesekompetenz sowie die Grundlagen der Satzbaulehre, wie aus einer bislang unveröffentlichten Umfrage unter deutschen Philologie-Professoren hervorgeht. Über das Ergebnis hatte auch der Radiosender „Deutschlandradio Kultur“ berichtet.

«Ein Problem ist auch die mangelnde Fähigkeit mancher Studenten, selbstständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben», beklagte Professor Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth. Nur wenige Studenten seien beispielsweise in der Lage, eine Vorlesung mit eigenen Worten angemessen zusammenfassen. «Viele Studenten können kaum noch einen Gedanken im Kern erfassen und Kritik daran üben», sagte Wolf.

«Mit der argumentativen Logik haben es die Studenten immer weniger. Diese Fähigkeiten gehen langsam verloren», fügte der Germanist hinzu, der in Bayreuth deutsche Literatur lehrt. Hier schlage sich anscheinend der schwindende Wortschatz nieder. «Dagegen nimmt die Jargonhaftigkeit zu: Die jungen Studenten verwenden in ihren Arbeiten immer häufiger Begriffe, die sie mal gehört haben, ohne aber zu wissen, was sie eigentlich bedeuten».

Viele Studenten hätten auch Probleme, einer 90-minütigen Vorlesung konzentriert zu folgen. «Viele gehen offenbar mit der Haltung in die Vorlesung, „die Fakten stehen doch eh‘ alle im Internet. Ich muss deshalb in der Vorlesung nicht alles verstehen“.» Dabei hätten heutige Studenten einen höheren Intelligenzquotienten als frühere Studierende, ist Wolf überzeugt. Sie verfügten außerdem über eine größere Medienkompetenz und seien flexibler.

Wolf sieht als Folge dieser Untersuchung nicht nur die Schulen gefordert, die mehr Wert auf die Sprachkompetenz ihrer Schüler legen sollten, sondern auch die Hochschulen. Universitäten sollten überlegen, ob sie für Studienanfänger künftig sogenannte Vorschaltkurse anbieten, in denen Basiswissen vermittelt werde. Wolf räumte allerdings ein, dass dies dem Bestreben vieler Politiker entgegenlaufe, die Studienzeit zu verkürzen.

An der Umfrage hatten sich Professoren an 135 deutschen geisteswissenschaftlichen Fakultäten in 62 deutschen Universitäten beteiligt. Sie war im Jahr 2011 vom Philosophischen Fakultätentag, einem Zusammenschluss von 135 deutschen philologischen Uni-Fakultäten, angeregt worden. Die Geisteswissenschaftler an den deutschen Hochschulen verstehen die Umfrage als Beitrag zur Diskussion über neue Bildungsstandards an deutschen Gymnasien, die derzeit von deutschen Kultusministern geführt wird. dpa

(23.7.2012)

6 Kommentare

  1. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich in schallendes Gelächter ausbrechen oder etwas sehr sarkastisch formuliert: Endlich trägt der jahrzehntelange bildungspolitische Wahnsinn Früchte!
    Mich wundert in der Tat, dass die Unis so lange ruhig geblieben sind. Ich lese: massive Rechtschreibprobleme, erhebliche Defizite in der Grammatik, fehlende Lesekompetenz, Schwierigkeiten, Texte zusammenzufassen und selbstständig zu formulieren sowie ein unzureichender Wortschatz. Mit der Konzentration scheint es auch nicht mehr gut bestellt zu sein. Betrachten wir die Auflistung isoliert, würde doch kaum jemand auf die Idee kommen, dass es sich um Studentinnen/Stundenten handelt.
    Bei dieser intellektuellen Mängelliste darf die Frage schon erlaubt sein, wie die Studenten die Reifeprüfung eigentlich bestehen konnten. Oder sollte es treffender die so genannte Reifeprüfung heißen?
    Aber wir können uns auch gleich wieder beruhigen, verfügt die „geistige Elite“ von morgen doch über einen höheren Intelligenzquotienten als ältere Generationen. Zudem ist ihre Medienkompetenz größer und sie sind flexibler, was immer das heißen mag.
    Dem Übel wollen die Professoren mit „Vorschaltkursen“ begegnen, und sie „verstehen die Umfrage als Beitrag zur Diskussion über neue Bildungsstandards an deutschen Gymnasien“. Mehr scheint den Dammen und Herren Professoren dazu nicht einzufallen. Ich sage ganz klar: Es kann einfach nicht wahr sein, dass Absolventen
    von Gymnasien mit so gravierenden Bildungslücken von deutschen Unis überhaupt eine Studienerlaubnis bekommen.
    Ja, warum erwarten wir eigentlich von den SchülerInnen z.B. eine gute Rechtschreibung, wenn sich selbst die Lehrerschaft in dieser Hinsicht offensichtlich nicht immer vorbildlich verhält. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Diskussion zu dem Beitrag der Redaktion vom 06.07.1912 „Wir danken: 100.000. Besucher bei News4teachers“.
    Das Ergebnis der Umfrage sollte nicht nur jeden Uni-Professor sehr nachdenklich stimmen, sondern vor allem diejenigen, die ständig vorgeben, Bildung zu optimieren, aber m.E. über die Jahrzenhnte eher das Gegenteil erreicht haben. In der deutschen Verlagslandschaft gibt es nach meinem Kenntnisstand nur einen einzigen Verlag, der die großen Irrtümer der Bildungspolitik immer wieder anspricht und scharf kritisiert. Karin Pfeiffer rechnet in ihrem neuesten Buch „Erziehung: Auf die innere Stimme hören. Wider Bürokratie und Zeitgeistpädagogik“ – erscheint im Stolzverlag – sehr pointiert mit vielen bildungsplitischen Fehlentwicklungen ab. Exemplarisch nenne ich einmal einige Themen:
    Pflege des Wortschatzes, echte Selbstständigkeit versus Scheinselbstständigkeit, didaktische und methodische Irrwege im Deutsch- und Mathematikunterricht, Freies Schreiben im Anfangsunterricht, Unsicherheit und falsche Nachgiebigkeit gegenüber Kindern, Legasthenie und ADS.
    Das Ergebnmis der Umfrage fällt nicht plötzlich „vom Himmel“. Für mich ist es Ausdruck einer seit Jahrzehnten verfehlten Bildungspolitik. Besser scheint es leider nicht zu werden.

  2. Ich stimme @ sofawolf ausdrücklich zu, wenn er sich eine zusätzliche Bearbeitungsfunktion wünscht, um z.B. Fehler nachträglich zu korrigieren. Diese fallen trotz gewissenhaften Durchlesens leider erst dann auf, wenn der Beitrag abgeschickt worden ist.

  3. Franz Josef Neffe

    Als Zeichen der Hoffnung würde ich das als Ich-kann-Schule-Lehrer sehen, wenn schon mal die Professoren das Problem = Leck im Schiff entdeckt haben. Umfrageinterpretationen dichten allerdings keine Lecks ab. Da müssen schon die, die das Problem erkannt haben, in die Hände spucken und in der Praxis zeigen, dass sie was Nützliches gelernt haben. Jetzt möcht ich mal konkret erleben, wie & dass Hochschulprofessoren Probleme praktisch lösen.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

  4. Woher stammen diese Infos?? Gibt es einen direkten Link zu dieser Studie??

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