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Humorforscher: Kinder lachen am liebsten über Tabuthemen

BREMEN. Im Kindergarten geht es langsam los. Dann erzählen Kinder die ersten Witze. Und was finden sie komisch? Tabuthemen wie Erwachsenen auch.

Schon im Kindergarten beginnen Kinder damit, Witze zu erzählen. Foto: Xeubix / Flickr (CC BY 2.0)

Schon im Kindergarten beginnen Kinder damit, Witze zu erzählen. Foto: Xeubix / Flickr (CC BY 2.0)

Humor ist auch eine Frage des Alters. Kinder lachen über andere Dinge als Jugendliche oder Erwachsene. Wie Kinder Witze erzählen, hat der Germanist Stefan Hauser untersucht. Wo sie diese aufschnappen und was kindliche Komik ausmacht, erläutert der Co-Leiter des Zentrums Mündlichkeit an der Pädagogischen Hochschule Zug in einem Interview.

Von welchem Alter an erzählen Kinder Witze?

Hauser: «Das hängt ein bisschen von der Definition ab, was man als Witz versteht. Man kann bei Kindern schon recht früh die Faszination und Freude am kreativen Umgang mit Sprache beobachten. Kinder fangen oft schon bevor sie dreijährig sind an, Wörter zu verdrehen, falsche Namen zu verwenden und so weiter. Diese bewussten Sprachspielereien kann man durchaus als eine Vorstufe des Witzes verstehen.»

Und wann legen Kinder richtig mit Witzen los?

Hauser: «Ich würde das Vorschulalter, so fünf, sechs Jahre, als die Phase bezeichnen, in der man von Witzen im engeren Sinne sprechen kann. Natürlich gibt es Kinder – gerade wenn sie ältere Geschwister haben – die ein bisschen früher damit anfangen. Aber oft können Jüngere das Fabulieren und das Witzeerzählen nicht so genau auseinanderhalten. Sie erzählen ad hoc irgendwelche Geschichten, und da kommt dann ein Pointe rein, die sie irgendwo gehört haben.»

Wo schnappen Kinder Witze auf?

Hauser: «Vieles, was sie wiedergeben, schnappen sie bei gleichaltrigen Kindern auf. Mein Sohn ist gerade in den Kindergarten gekommen, und seit ein paar Wochen erzählt er dauernd Witze. Das ist auch etwas, was Erzieherinnen bestätigen. Die Kleinen fangen im Kindergarten irgendwann plötzlich an, Witze zu erzählen, weil sie merken, dass das eine soziale Funktion hat, da kann man sich in den Mittelpunkt stellen, man kommt gut an bei den anderen.»

Was finden Kinder komisch?

Hauser: «Das sind verschiedene Dinge, die realen Gegebenheiten zuwiderlaufen. Komisches Potenzial haben auch Tabuthemen. Bei den Jüngeren – wie bei meinen Sohn – ist das der Fäkalhumor, also alles mit Pipi, Kacka und all diese Geschichten. Später, das ist aber erst in einem Alter so ab acht bis zehn Jahren, kommen die sexuellen Tabubereiche ins Spiel. Dann zeigt sich auch, wie sich die Freude am Verstoß gegen Logik und Normen langsam bemerkbar macht. An der Art der Pointierung sieht man, wie sich die Welt den Kindern zunehmend erschließt – weil sie fähig sind, sich darüber lustig zu machen.»  Interview: IRENA GÜTTEL, dpa

Zum Bericht: „Vor 50 Jahren erfanden Gymnasiasten den Ostfriesenwitz“

 

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