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Logopäden: Sprachstörungen bei Kindern werden meist zu spät behandelt

ERFURT. 12 Prozent der Kinder in Deutschland haben Sprachstörungen. Die meisten werden erst nach der Einschulung behandelt. Zu spät sagen Logopäden.

Kinder mit Defiziten in der Sprachentwicklung erhalten nach Beobachtung von Logopäden oftmals zu spät eine professionelle Therapie. «Meist werden diese Kinder erst kurz vor oder sogar erst nach der Einschulung behandelt, wenn ihre Sprachentwicklungsstörung schon die schulischen Leistungen beeinträchtigt», sagte die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (DBL), Christiane Hoffschildt. Nicht selten gingen Ärzte davon aus, dass sich kindliche Defizite in Wortschatz, Aussprache oder Sprachverständnis von selbst erledigten. «Der Tenor lautet: Das wächst sich aus. Das tut es aber nicht», sagte Hoffschildt.

Lesende Schülerin

Eine gestörte Sprachentwicklung kann zu Problemen beim Lesen führen. Foto: Jallinson01 / Wikimedia Commons.

Nach Angaben Hoffschildts haben in Deutschland etwa zwölf Prozent der Kinder Sprachentwicklungsstörungen. «Sie können zum Beispiel Worte nicht richtig aussprechen, vertauschen Wörter in Sätzen oder lispeln.» Bleibe dies unbehandelt oder setze die Behandlung zu spät ein, seien die Kinder im Unterricht nur schwer in der Lage, sich sprachlich ausdrücken und bekämen auch Probleme beim Lesen und Schreiben. Dem Schulstoff könnten sie dann nicht gut folgen.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Therapien wegen Sprachentwicklungsstörungen waren laut Logopädie-Verband im vergangenen Jahr bei fünf- bis zehnjährigen Kindern mit 222 000 Euro etwa viermal so hoch als bei Kindern unter fünf Jahren.

Bei zunehmend mehr Kindern hingen Sprachdefizite mit unzureichender Förderung in den Familien zusammen, sagte Hoffschildt. «Hier können Kindergarten und Grundschulen durch Sprachförderung viel wettmachen.»

Logopäden sind speziell ausgebildete Heiltherapeuten, die Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen behandeln. Knapp 12 000 von ihnen sind im DBL mit Sitz in Frechen (Nordrhein-Westfalen) organisiert, der vom 30. Mai an zwei Tage in Erfurt seinen Jahreskongress veranstaltet. Dazu werden rund 1100 Fachleute erwartet. (Katrin Zeiß, dpa)

(26.05.2013)

zum Bericht: Sprachstörungen bei Vorschulkindern alarmierend weit verbreitet

zum Bericht: Studie: Ein Drittel der Drei- bis Sechsjährigen mit verzögerter Entwicklung

3 Kommentare

  1. Solange Ärzte Gefahr laufen, mit diesen Verordnungen ihr Budget zu überschreiten, werden sie weiterhin Eltern mit den Worten „das wächst sich aus“ abweisen, statt Logo-, Ergo- oder Physiotherapie zu verschreiben. Und Eltern werden weiterhin den Ärzten vertrauen… bis es ein böses Erwachen gibt

  2. mehrnachdenken

    12 Prozent der Kinder haben in Deutschland Sprachstörungen. Werden die Ursachen dafür aber nicht häufig schon im Babyalter gelegt? Viele Mütter schieben den Kinderwagen so, dass sie nicht mehr mit ihrem Baby kommunizieren können. Hierzu habe ich einen aufschlussreichen Beitrag gefunden.

    http://www.stolzverlag.de/de_blog_permalink_256.html

    Wenn es sich nicht um starkes Stottern handelt, habe ich den Eindruck, dass Spachstörungen einer beruflichen Karriere keineswegs im Wege stehen müssen.
    Wer erinnert sich nicht an den Altkanzler Kohl mit seiner „Gechichte“ oder an den stark lispelnden ehemaligen Regierungschef Rüttgers von NRW. Ich glaube jedenfalls, dass er lispelte.
    Gerade bei Hörfunkjournalisten fallen mir oft Sprachstörungen auf. Da wird nicht nur gelispelt, sondern viele sprechen ein zischendes „S“, wo ein summendes richtig wäre. Auffallend ist auch das oft genug falsch ausgesprochene „sch“, „st“ oder „ch“. Dass mittlerweile auch recht häufig Wörter vollkommen falsch betont werden, sei nur am Rande erwähnt.
    Gerade im Fernsehen oder im Rundunk sollten nur Leute sitzen, die einwandfreies Deutsch sprechen. Bei einigen Sendern frage ich mich jedoch ernsthaft, ob nicht Sprachstörungen zu den Einstellungskriterien gehört.
    Liegt es evtl. daran, dass selbst die Verantwortlichen in den Sendern immer weniger sensibel für diese Problematik sind?

  3. mehrnachdenken

    Korrektur: …, ob nicht Sprachstörungen zu den Einstellungskriterien gehören.

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