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Immer weniger religöse Kinder – VBE fordert Ethikunterricht

STUTTGART. In manchen Grundschulen besuchen 90 Prozent der Kinder keinen Religionsunterricht, weil sie weder evangelisch noch katholisch sind. Deshalb macht sich der Verband Bildung und Erziehung für Ethikunterricht auch in diesen Klassen stark.

Die grün-rote Landesregierung muss nach Überzeugung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) endlich den Ethikunterricht ab Klasse eins auf den Weg bringen. «Grün-Rot hat das versprochen und lässt jetzt alle im Regen stehen – Eltern, Schüler und Lehrer», sagte VBE-Vizechef und -Sprecher Michael Gomolzig in Stuttgart. «Die sind schon mehr als zwei Jahre an der Regierung und haben noch nicht einmal ein Signal gegeben.» Um die Ankündigung im Koalitionsvertrag voll zu erfüllen, wären nach VBE-Berechnung 600 Lehrerstellen notwendig.

In manchen Städten etwa in Mannheim und Offenburg liege der Anteil der Grundschüler, die weder katholisch noch evangelisch seien, bei 90 Prozent. Es handele sich nicht nur um Moslems, Hindus oder Buddhisten, sondern auch um eine wachsende Zahl ungetaufter Kinder, deren Eltern ihnen die Entscheidung über ihre Religionszugehörigkeit in höherem Alter überlassen. Im Koalitionsvertrag wird eine schrittweise Einführung von Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht in Aussicht gestellt, wobei Grün-Rot am Verfassungsrang des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts festhält.

In Großstädten wie sind oft 90 Prozent der Schüler keine Christen. (Foto: Sixtus/Wikimedia CC BY-SA 3.0)

In Großstädten wie Mannheim sind oft 90 Prozent der Schüler keine Christen – hier eine frühe Mosaikdarstellung des Lamm Gottes in der Basilika Santa Prassede. (Foto: Sixtus/Wikimedia CC BY-SA 3.0)

«Die „Heiden-Schüler“ in den Zeiten des Religionsunterrichts unterzubringen, stellt die Schulen vor große Probleme», erläuterte der Leiter einer Grund- und Hauptschule. Wenn der Religionsunterricht nicht in den Randstunden liege, müssten die Kinder in andere Klassen gehen, wo sie nicht selten störten. «Die müssen dann Hausaufgaben machen oder Mandalas ausmalen – das ist eine reine Beschäftigungstherapie.» Überdies bedeute der Besuch fremder Klassen für die jungen Schüler in manchen Fällen ein Überwindung.

Neben den wachsenden organisatorischen Schwierigkeiten sprechen nach Ansicht Gomolzigs auch inhaltliche Gründe für den Ethikunterricht: «Dort werden den Kindern wichtige Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Toleranz, Rücksichtnahme vermittelt.» Auch sei dies der Ort, wo sie über Ängste oder Konflikte in der Gruppe sprechen könnten. «Für die Grundschüler wäre das wertvoll.»

Im Südwesten wird Ethikunterricht in der Haupt-, der Realschule und im neunjährigen Gymnasium ab Klasse acht, und im achtjährigen Gymnasium ab Klasse sieben als Alternative zu den zwei Stunden Religionsunterricht pro Woche angeboten. Wenn die Grundschulen Ethikunterricht bekämen, müsste auch die Lücke zu den höheren Klassen geschlossen werden, forderte Gomolzig.

Die erforderlichen Lehrer für den Ethikunterricht an den 2500 Grundschulen im Südwesten könnten von den Haupt- und Werkrealschulen abgezogen werden, erläuterte der Pädagoge. Denn deren Zahl werde im Laufe der regionalen Schulentwicklung drastisch zurückgehen. Ethiklehrer haben bislang nur eine Fortbildung zu absolvieren. «Wir fordern, dass das künftig an den Pädagogischen Hochschulen als Studienfach angeboten wird», sagte Gomolzig. dpa

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