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Sachsen vorne? Die sächsische GEW hält den Bildungsmonitor für überbewertet

DRESDEN. Die sächsische Bildungsgewerkschaft GEW warnt vor einer Überbewertung des aktuell veröffentlichten „Bildungsmonitors“ des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Dabei handelt es sich laut GEW nicht um eine neue Untersuchung der Bildungssysteme der 16 Bundesländer, sondern um einen Ländervergleich unter vorwiegend bildungsökonomischer Zielstellung. Die Basis dafür sei eine Zusammenstellung und Bewertung offizieller statistischer Daten und vorhandener Untersuchungsergebnisse verschiedener anderer Bildungsstudien (wie zuletzt des IQB-Ländervergleiches 2012). Darauf wiesen die Verfasser des Monitors auch ausdrücklich hin. Effektivität und Effizienz der Bildungssysteme mit Blick auf ihre Ergebnisse stünden im Mittelpunkt – entsprechend seien Handlungsfelder und Indikatoren des Vergleichs formuliert. „Humankapitaltheoretisch begründete Bildungsziele werden als Handlungsfelder formuliert“ – so heiße es in der offiziellen Zieldarstellung der Auftraggeber und Verfasser.

Die GEW-Landesvorsitzende Sabine Gerold meint: „Es ist Herbst – die Saison der Bildungsstudien. Die Inflation der Bildungsvergleiche steht in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen. Sie ist auch deutlich dynamischer als die konkreten politischen Taten, die ihnen folgen. Vor allem die pauschalen Bewertungen machen uns Sorge. Der Bildungsmonitor ist dafür das beste Beispiel: Er untersucht letztendlich, welches Bundesland mit welchem Aufwand (Input) die besten Ergebnisse (Output) in den Handlungsfeldern erzielt, die nach Auffassung der Auftrag gebenden INSM und des ausführenden IW Köln besondere Bedeutung für das zukünftige Humankapital haben. Diesem Ansatz liegt ein verengter Bildungsbegriff zugrunde, der nur einen Aspekt der Entwicklung der Bildungssysteme in den Bundesländern erfasst. Entsprechend begrenzt sind die untersuchten Handlungsfelder – und das muss bei der öffentlichen Darstellung und Bewertung auch deutlich werden.“

Aus Sicht der Gewerkschaft hat auch Sachsen – trotz erneuter Spitzenposition – allen Anlass, die einzelnen Handlungsfelder genauer zu betrachten. Im Vergleich zu den Vorjahren gebe es nicht nur positive Entwicklung zu verzeichnen. Gerade bei den Handlungsfeldern, die besonders personalrelevant seien und damit auch das Potenzial zur individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen beträfen, habe Sachsen seine Position nicht gehalten. Das betreffe zum Beispiel die Betreuungsbedingungen, die Förderinfrastruktur, die Bildungsarmut und die Integration. Sachsen punkte auch mit seiner Billig-Lehrer-Politik im Vergleich zu anderen Bundesländern. „Diese Art von Effizienz ist sicher aus ökonomischer Sicht Spitze, ganz sicher nicht aus Sicht der Bildungsqualität. Schulqualität umfasst auch deutlich mehr Indikatoren als die hier verglichenen“, so die GEW-Landesvorsitzende.

Zum Bericht: Bildungsmonitor: Sachsen vorn, Berlin hinten – und Bayern hat die meisten Sitzenbleiber

 

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