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Studie: Sprachtests für Kindergartenkinder oft schlecht – in Bayern am schlechtesten

KÖLN. Wenn ein Kind vier Jahre alt ist, wird im Kindergarten oder in der Kindertagesstätte getestet, wie gut es Deutsch sprechen kann. Nun hat ein Institut zum ersten Mal die Tests getestet. Das Ergebnis: Viele Sprachtests fallen durch.

Sind die Sprachförderprogramme in den Kindergärten erfolgreich? Zweifel sind angebracht. Foto: Woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Sind die Sprachförderprogramme in den Kindergärten erfolgreich? Zweifel sind angebracht. Foto: Woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Viele Tests zur Sprachfähigkeit von Kindergartenkindern sind einer Studie zufolge mangelhaft. Die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Tests kommen demnach auch zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Mal wird bei zehn Prozent der Kinder Förderbedarf festgestellt, mal bei 50 Prozent. Zehntausende Kinder fallen vermutlich durchs Raster und werden nicht gefördert, obwohl sie Bedarf hätten. Das geht aus einer Studie des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache hervor, die in Köln vorgestellt wurde. Das Institut empfiehlt den Bundesländern, sich auf einige wenige Tests zu einigen und diese gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die Tests wurden vor einigen Jahren verpflichtend eingeführt. Sie sollen feststellen, wie gut vier Jahre alte Kinder Deutsch sprechen. Kinder mit Defiziten sollen dann möglichst so gut gefördert werden, dass sie den Rückstand bis zur Einschulung aufgeholt haben. Bundesweit werden derzeit 21 verschiedene Tests angewandt.

Nur acht davon erfüllten mehr als 16 der von der Studie erfassten 32 Qualitätsmerkmale. Die Forscher verzichteten auf ein Ranking, aber in der Studie ist nachzulesen, dass der in Mecklenburg-Vorpommern angewandte Test «DESK 3-6» und der in Hessen übliche Test «KiSS» jeweils 25 der 32 Qualitätsmerkmale erfüllten, der in Bayern praktizierte Test «Kenntnisse in DaZ erfassen» nur 6. Der in Nordrhein-Westfalen verbindliche Test «Delfin 4» deckte 13 Kriterien ab.

Qualitätsmerkmale waren unter anderem, ob die Ergebnisse der Tests auch belegt waren, ob wirklich die Sprachfähigkeit gemessen wurde – und nicht zum Beispiel die soziale Kompetenz – und ob die Tests so ausgeführt wurden, dass sie die Kinder nicht von vornherein verunsicherten. „Ist der Test nicht an der Lebenswelt der Kinder ausgerichtet, reagieren sie ängstlich und verstummen. Ein Rückschluss auf den Sprachstand ist dann nicht mehr möglich“, erklärt Dr. Uwe Neugebauer, Autor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut. Nur acht Verfahren erfüllen dieses Merkmal, DESK 3-6 (Mecklenburg-Vorpommern) schneidet dabei als einziges Verfahren sehr gut ab. Verbesserungsbedarf sehen die Autoren ebenfalls beim Thema Mehrsprachigkeit. Zwei Drittel der Verfahren berücksichtigen die Sprachbiografie nicht ausreichend. Nicht einmal eine altersangemessene Dauer ist bei allen Tests gewährleistet. Die Durchführung eines Verfahrens sollte im Idealfall nicht länger als 20 Minuten dauern, hieß es. So lange könne sich ein vierjähriges Kind gut konzentrieren. Ein Drittel der Verfahren erfüllt dieses Merkmal nicht.

«Ob ein Kind gefördert wird oder nicht, darf nicht vom Bundesland abhängen, in dem es aufwächst», sagte Prof. Michael Becker-Mrotzek, der Direktor des Mercator-Instituts. Deshalb sollten die Bundesländer eine Koordinierungsstelle einrichten. Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Dorothea Schäfer, meint: «Wir müssen endlich die Sprachförderung in den Kitas konzeptionell auf eine neue Grundlage stellen.» Die GEW habe schon lange die Einstellung von Delfin4 gefordert: Kinder verweigerten sich, die Ergebnisse seien wenig aussagekräftig und die Belastungen für Lehrkräfte und Erzieherinnen enorm.

Prof. Stefan Jeuk von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sagte, man dürfe bei all dem nicht vergessen, dass die Messung der Sprachfähigkeit eine hochkomplexe Angelegenheit sei: «Das größte Problem ist die Alltagstheorie, dass Testen schnell und einfach möglich ist», sagte er. Man könne sich dem Ideal nur annähern, einen perfekten Test werde es nie geben. dpa

Zum Bericht: VBE: Sprachtest Delfin 4 muss durch neues Verfahren ersetzt werden

Hier geht es zu der Studie des Mercator-Instituts.

 

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