Start Leben „Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sollten vorbei sein“: Wie...

„Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sollten vorbei sein“: Wie SPD-Spitzenkandidat Ott das Schulsystem umbauen will

67
Anzeige

DÜSSELDORF. Nordrhein-Westfalen gehört seit Jahren zu den Ländern, die bei Bildungsvergleichen regelmäßig hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleiben. Lehrerverbände beklagen Personalmangel, Kommunen kämpfen mit dem Ausbau des Ganztags, und bei den Schülerleistungen zeigen Studien immer wieder erhebliche Probleme. Nun macht die SPD daraus ein zentrales Wahlkampfthema. Ihr Spitzenkandidat Jochen Ott, selbst Oberstudienrat, versucht die Schulpolitik der schwarz-grünen Landesregierung zu ihrem verwundbarsten Punkt zu machen. Die entscheidende Frage lautet dabei: Reicht die Unzufriedenheit im Bildungssystem aus, um daraus einen politischen Wechselauftrag zu formen?

„Bildung ist die Zukunftsfrage schlechthin“: SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott. Foto: NRW SPD / Pascal Skwara

Als im vergangenen Herbst der Bildungsmonitor Nordrhein-Westfalen erneut auf Platz 14 von 16 Bundesländern einordnete, war die Debatte schnell eröffnet. Wieder einmal stand das bevölkerungsreichste Bundesland auf einem der hinteren Plätze. Wieder einmal verwiesen Lehrerverbände auf strukturelle Probleme. Wieder einmal sah sich Schulministerin Dorothee Feller (CDU) genötigt, die Ergebnisse einzuordnen.

Für die Opposition und die Bildungsverbände war die Studie ein weiteres Indiz für die Probleme des nordrhein-westfälischen Schulsystems. Die SPD sprach von einem „Armutszeugnis“ für die Bildungspolitik der CDU-geführten Landesregierung. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) betonte, das schlechte Abschneiden gehe nicht auf das Konto der Beschäftigten an den Schulen. „Ohne ihr starkes Engagement stünden wir noch schlechter da“, erklärte der NRW-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte kleinere Klassen, mehr Fachkräfte und multiprofessionelle Teams. GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik warnte, das Bildungssystem sei „an vielen Stellen überfordert“.

Tatsächlich lassen sich die Probleme nicht auf einen einzelnen Indikator reduzieren. Der Bildungsmonitor verwies auf vergleichsweise niedrige Ausgaben pro Grundschulkind, große Klassen, Defizite bei Schülerleistungen und erhebliche Schwierigkeiten in Teilen der beruflichen Bildung. Nordrhein-Westfalen schneidet seit Jahren schlechter ab, als es der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes entsprechen würde.

Hier setzt Jochen Ott an. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion soll seine Partei in die Landtagswahl 2027 führen. Dass Bildungspolitik dabei eine Schlüsselrolle spielt, überrascht nicht. Ott war selbst Lehrer für Geschichte, Sozialwissenschaften und katholische Religion. Im Landtag hat er sich über Jahre als einer der profiliertesten Bildungspolitiker seiner Fraktion positioniert. Nun versucht er, aus einem bildungspolitischen Dauerthema eine politische Richtungsentscheidung zu machen.

„Wir haben mehr als ein halbes Dutzend Schulformen allein bei den weiterführenden Schulen“

In einem Interview mit dem Spiegel macht Ott aktuell deutlich, warum er gerade auf dieses Thema setzt. „Bildung ist die Zukunftsfrage schlechthin“, sagt er. „Aktuell verlieren wir jedes Jahr fast 20 Prozent unserer Kinder, weil sie entweder gar keinen Schulabschluss machen oder der Abschluss so schlecht ist, dass sie auf dem Arbeitsmarkt quasi nicht zu gebrauchen sind. Das können wir doch nicht hinnehmen.“ Nicht nur Eltern stellten sich die Frage, ob ihre Kinder ausreichend auf die Welt von morgen vorbereitet würden. „Dieselbe Frage stellen sich Unternehmen, Handwerksbetriebe und die gesamte Wirtschaft, die auf die Fachkräfte von morgen angewiesen sind. Wer über Wirtschafts- und Sozialreformen spricht, muss die Bildung mitdenken.“

Daraus leitet Ott seine wohl weitreichendste Reformidee ab: eine grundlegende Neuordnung der Schulstruktur. „Niemand versteht die Struktur in Nordrhein-Westfalen noch“, sagt er dem Spiegel. „Wir haben mehr als ein halbes Dutzend Schulformen allein bei den weiterführenden Schulen.“ Die frühe Aufteilung der Kinder hält er für problematisch. Wenn die schiefgehe, Schülerinnen und Schüler etwa vom Gymnasium auf eine andere Schulform wechseln müssten, könne das „für die Kinder traumatisch sein und sie zusätzlich demotivieren“. Sein Fazit: „Solche Kinder können wir dann verlieren.“

Als Vorbilder nennt Ott Hamburg – und Sachsen. Über das Hamburger Modell sagt er im „Spiegel“: „Dort führen beide Schulformen, das Gymnasium und die Stadtteilschule, bis zum Abitur.“ Die Stadtteilschulen verfügten über rund 30 Prozent mehr Lehrkräfte und finanzielle Mittel, um auch Schülerinnen und Schüler fördern zu können, die nicht so schnell lernten. In Sachsen gebe es Gymnasien und daneben Oberschulen, die zunächst bis zur zehnten Klasse führten, um dann weitere Bildungswege anzuschließen. Beide Länder seien in Bildungsstudien „sehr erfolgreich“, argumentiert der SPD-Politiker. Gerade der Verweis auf Sachsen ist dabei bemerkenswert: Anders als das SPD-geführte Hamburg wird das Land seit Jahrzehnten von der CDU geprägt.

Sein Ziel beschreibt Ott als „ein zweieinhalbgliedriges Schulsystem für NRW“. Gemeint ist ein System mit zwei dominierenden Schulformen – Gymnasium und Gesamtschule – sowie zusätzlichen kleineren Schulangeboten, die vor allem im ländlichen Raum erhalten bleiben sollen.

Ott beschränkt seine Kritik allerdings nicht auf die Organisation des Schulsystems. Einen zweiten Schwerpunkt setzt er bei der Frage, wie Schule auf die Verbreitung künstlicher Intelligenz reagieren muss. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt seine Aussage im Spiegel, Hausaufgaben seien „in der bisherigen Form nicht mehr sinnvoll“. Schnell entstand der Eindruck, die SPD wolle Hausaufgaben abschaffen. Tatsächlich argumentiert Ott differenzierter.

Im Interview beschreibt er die Veränderungen durch KI anhand konkreter Beispiele: „Früher verlangte es einem Siebtklässler einiges ab, als Hausaufgabe einen lateinischen Text zu übersetzen. Heute erledigt eine KI das in wenigen Sekunden.“ Ähnliches gelte für Präsentationen und Rechercheaufgaben. „Noch vor wenigen Jahren musste die Oberstufenschülerin viel Zeit in die Erstellung einer Präsentation über die Weimarer Republik investieren. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz reichen dafür oft wenige Eingaben.“

Nach den ersten Schlagzeilen präzisiert Ott seine Aussagen gegenüber dem WDR. „Aber wenn der Lateinlehrer früher gesagt hat: ,Übersetz das mal‘, dann hast Du das selbst gemacht. Heute weiß jeder 12-Jährige, ich gebe das bei einer KI ein und habe die Antwort in 30 Sekunden. Dann macht Hausaufgabe im klassischen Sinn keinen Sinn mehr.“

Deshalb gehe es nicht um die Abschaffung von Hausaufgaben, sondern um andere Formen des Lernens. „Durch KI haben wir eine beschleunigte Entwicklung, dass Wissen verfügbar ist“, sagt Ott dem WDR. „Und das bedeutet, dass du anfangen musst, die Kinder anders auf diese Welt vorzubereiten.“ Für Ott reicht die Debatte weit über Hausaufgaben hinaus. „Schule muss sich grundsätzlich verändern“, erklärt er im „Spiegel“. Lehrpläne seien überfrachtet, Schulen würden mit Vorgaben überzogen, Lehrkräfte verbrächten zu viel Zeit mit Dokumentation statt mit Bildung.

„Projektarbeit, Forschung, Verantwortung und Praxisbezug müssen stärker in den Mittelpunkt rücken als das Abarbeiten von Lehrplänen“, fordert Ott. Die entscheidende Frage sei nicht, welches Fach wichtiger sei, sondern „welche Kompetenzen Kinder für die Welt von morgen brauchen“. Sein Bildungsverständnis: „Wenn Wissen jederzeit per KI verfügbar ist, können Lehrpläne nicht länger darauf ausgerichtet sein, Stoff für die nächste Klassenarbeit auswendig zu lernen.“ Schülerinnen und Schüler müssten lernen, „Probleme zu lösen und sich selbstständig Wissen anzueignen“.

Seine Kritik an traditionellen Formen der Wissensabfrage liest sich bereits wie ein Wahlkampfmotto: „Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sollten vorbei sein.“ Dahinter steht eine Vorstellung von Schule, die vielerorts längst diskutiert wird. Lesen, Schreiben und Rechnen bleiben unverzichtbare Grundlagen. Gleichzeitig sollen Problemlösung, kritisches Denken und Selbstständigkeit stärker in den Mittelpunkt rücken. Lehrkräfte würden nach Otts Vorstellung künftig „weniger Wissensvermittler und stärker Coach, Mentor und Orientierungspunkt sein“.

„Selbst bei Kleinkindern sehen wir immer häufiger Suchtverhalten, wenn es um digitale Geräte geht“

Ott verbindet diese Debatte zugleich mit Fragen sozialer Gerechtigkeit und Integration. Im Spiegel verweist er auf Schulen in Köln oder im Ruhrgebiet, an denen vielerorts mehr als 80 Prozent der Kinder eine Migrationsgeschichte hätten. „Wir müssen schon im Kindergarten ansetzen. Denn auch die Kita ist ein Bildungsort, der die Kinder auf den Schulstart vorbereitet.“

Dabei gehe es nicht nur um Sprachförderung. „Wir müssen die Kinder in Gänze betrachten“, sagt Ott. Dann zählt er Fähigkeiten auf, die für einen erfolgreichen Schulstart wichtig seien: „Sprechen sie gut Deutsch? Können sie sich allein die Schuhe binden? Rückwärts laufen?“ Besonders beschäftigt ihn dabei die Wirkung digitaler Medien auf Kinder. „Sind sie in der Lage, ein Bilderbuch anzuschauen, ohne es nach wenigen Sekunden gelangweilt wegzuschieben, weil dort nichts blinkt, man nicht scrollen oder etwas anklicken kann?“, fragt Ott. Seine Beobachtung: „Selbst bei Kleinkindern sehen wir immer häufiger Suchtverhalten, wenn es um digitale Geräte geht.“

Ob daraus tatsächlich ein erfolgreiches Wahlkampfthema wird? Die politische Ausgangslage spricht zunächst gegen die SPD. In Umfragen liegt die CDU deutlich vor den Sozialdemokraten.

Allerdings wird die schwarz-grüne Landesregierung bei der Verteidigung ihrer Bilanz regelmäßig mit neuen Studienergebnissen konfrontiert – wie dem jüngsten IQB-Bildungstrend. In Mathematik verfehlten bundesweit 34,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler den Mindeststandard für die Fachoberschulreife. In NRW lag der Anteil bei 40,8 Prozent. Das Bundesland mit den meisten Einwohnern gehörte zu den Ländern mit den stärksten Kompetenzverlusten. Mal wieder. News4teachers 

„Wir haben hier praktisch kein klares Schulsystem mehr“: Wie Lehrer Jochen Ott die Bildungspolitik aufmischt

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
67 Kommentare
ed840
1 Monat zuvor

Nordrhein-Westfalen gehört seit Jahren zu den Ländern, die bei Bildungsvergleichen regelmäßig hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleiben.

Wenn man einen Blick auf die IQB-Ergebnisse im Nachbarland Niedersachsen werfen würde, könnte das die Hoffnungen auf Besserung bei einer anderen Regierungskoalition in NRW vermutlich deutlich dämpfen.

BrandenburgerLehrer
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Selbst das ist Hörensagen. Wieso Länder besser abschneiden als andere ist unbekannt. Es gibt Indikatoren, wie Finanzierung aber eben nicht nur das. Lehrerstellen, Hilfsangebote, Zusammensetzung der Klassen, Aufteilung der Schüler….

Wir sollten uns einig darüber sein, das diese Tests viel sagen. Hinweise geben und vielleicht Probleme aufzeigen. Aber bestimmt nicht warum.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Das kling wahnsinnig unwissenschaftlich und hilflos ^^
Sorry, in der BildungsWISSENSCHAFT werden solche Unterschiede untersucht. Niemand behauptet, dies wäre einfach und niemand sieht darin einen Grund aufzugeben und zu sagen: „Selbst das ist Hörensagen.“

Mika BB
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Dann verlinken Sie doch bitte die von Ihnen erwähnten Untersuchungen.

Vielen Dank,
Mika BB

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika BB

Es gibt keine Untersuchungen zu Brandenburgslehrer geschilderten „Hörensagen“. Wäre ja auch recht unwissenschaftlich, meinen Sie nicht?

Cornelia Springe
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie schrieben „in der BildungsWISSENSCHAFT werden solche Unterschiede untersucht.“ Dazu möchte Mika Internetlinks.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor

Das stimmt nicht. Warum Hamburg so gut abschneidet und z.B. NRW hinter sich lässt, ist zumindest unter Betrachtung verschiedenster Maßnahmen sehr plausibel. Hamburg testet schon seit Jahren die sprachlichen Fähigkeiten der 4,5-Jährigen, sodass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die 1. Klasse kommt. Der Hamburger Schulfrieden sorgt dafür, dass weder Geld noch Kraft in sinnlose Schulstrukturdebatten fließt. Hamburg nutzt datengestützte Schulentwicklung schon länger. Hamburg fördert Schulen in sozialen Brennpunkten gezielt. In Hamburg können Kinder kostenlos Nachhilfe in der Schule bekommen.
Durchgesetzt hat es mit Ties Rabe ein ehemaliger Lehrer auf dem Posten des Schulsenators.

In NRW wurde mit jedem Regierungswechsel am Schulsystem rumgedocktert, datengestützte Schulentwicklung, freie Nachhilfe oder Förderung von Brennpunktschulen gibt es – wenn überhaupt – erst seit kurzer Zeit, von einer Erfassung und ggf. Förderung von 4,5-Jährigen ganz zu schweigen.

Bei diesen Maßnahmen muss mir keiner erzählen, es sei völlig unklar, warum ein Bundesland gut und ein anderes schlecht abschneidet.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Die 4,5 jährigen Prüfung gibts tatsächlich schon seit Jahrzehnten . Dennoch führt sie nicht immer zu nötigen Sprachkenntnisse vor Schuleintritt, da Geflüchtete diese eher selten mitbringen und dennoch möglichst in altersgemäßen Jahrgängen beschult werden, wenn es keine Daz Klassen gibt, die jahrgangsübergreifend lernen .

Den sog. Hamburger Schulfrieden gibts seit 2010. Könnte sein, dass er ein Resultat auf die leider krachend gescheiterte Verwirklichung von Primarschulen war, aber das ist nur eine Vermutung.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Die nächste Landesregierung NRW schafft immer alles von den Vorgängern ab und plant dann zwei Jahre. Die nächsten zwei macht man einen Pilotversuch. Im letzten überlegt man sich, wie man das flächendeckend einführen kann.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber das tum Optendrenk und Wüst doch – sie messen Bildung einen hohen ideellen Wert bei.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Dafür hat sich bei uns ja in den letzten 20 Jahren auch mal jede Partei im MSB ausgetbt. Varitas delecctat.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber nicht doch. Sonst wäre Löhrmann doch nicht für den G8-Mumpitz der CDU/FDP-Vorgängerregierung an die Wand genagelt worden. War sie nicht wegen des Bildungskonsenses beim G8 geblieben und hat die GemS als Schulversuch beibehalten.
Natürlich haben die Bildungsministerinnen des letzten halben Jahrhunderts nur aus heherem und nicht aus parteipolitischem Interesse gehandelt .

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Naja, Frau Löhrmann aka SchleSchaZ hat schon selber genug dafür getan. Das war die Schlimmste von allen, weil sie dachte, sie hätte Ahnung. Ich fürchte, dass ist bei Herrn Ott ähnlich.

Agamemnon
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Warum eigentlich hatte Frau Löhrmann noch nicht das „Abfragen vorgekauten Wissens“ abgeschafft? Oder SPD-Kultusministerinnen wie Frau Behler? Wir sind jetzt im Jahre 25 nach PISA, seitdem legt man doch eigentlich großen Wert auf die Kompetenzorientierung statt „toten Wissens“.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

@Redaktion,
immer von Vorteil, wenn man als ehemaliges „Teil vons Jantze“ weiß, wovon man spricht Geht doch nix über PR.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Wussten Angie und Olaf im Gegensatz zum Fritze halt nicht.
Und Bruchbau mutiert aufgrund der Kommunikationsstrategen zum versatzlosen Abbau und die Böschungsrutschung zur aktiven Böschungsumbildung.
Früher hieß das jemanden ein X für ein U vormachen wollen.

Das mit den unterschiedlichen Perspektiven ist allerdings ein Punkt, der geht an Sie. Journalismus ist wie Lehramt letztendlich auch nur ein Handwerk. Ja, es gibt in allen Bereichen gute und auch schlechte Handwerker. Entscheidend ist aber die breite Masse, die sich bemüht täglich die bestmögliche Leistung zu erbringen.

Meiomei
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Nicht nur in der Politik.
Die Vorgehensweise ist ja in den Foren hier zu sehen, womit es oft „unterhaltsam“ ist, manchmal aber auch gesundheitsgefährdend, wenn das Kopfschütteln zu heftig wird.

FL62
1 Monat zuvor

Ein Computer kann besser Schach als jeder Mensch. Wenn man sich das vor Augen hält, wird man am Wahltag sein Kreuzchen schon an die richtige Stelle setzen . . .

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  FL62

Ach, gibt’s KI als wählbare Partei ?

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Zum Glück ist KI aktuell noch dümmer als die dümmsten Politiker in Regierungsamt.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Wenn Sie wüssten, wie viel schlechter es noch gehen kann.
Schrieben Sie nicht, noch nie von der AfD enttäuscht worden zu sein? XD

Lera
1 Monat zuvor

Gute Nachricht für Herrn Ott und alle, die irgendwie in einer Zeitschleife festhängen:

Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sind schon vorbei. Seit mindestens zwei Jahrzehnten. Naja. Kann man nicht wissen, wenn man nie mit Praktikern spricht.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Der Herr Ott weiß das ja, nur muss er sowas sagen, weil es gerade voll im Trend liegt, so zu reden.
Die Eltern denken dann, dass ihre Kinder Wissen ohne eigenes Zutun vermittelt bekommen und dadurch erstmal tolle Noten und später einen guten Job bekommen.

Lera
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das ist so wahrscheinlich wie betrüblich. 🙁

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Aber so bekommt der doch wenigstens ein Titelthema und wird in alle Nachrichten gezerrt. Die Welt kann so einfach sein…

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Streng genommen wird der gesamte Schulstoff seit je her von Lehrern vorgekaut (und häppchenweise serviert). Der Unterschied ist nur, dass es in früheren Zeiten eher ein Dozieren, heutzutage eher ein Erarbeiten lassen ist.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Ich weiß es nur aus SH, aber alle Lehrergewerkschaften (also bei uns hauptsächlich GEW und Philologenverband) reden in sehr regelmäßigen Abständen mit der Ministerin, dem Staatssekretär und auch mit den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen. Ich gehe davon aus, dass auch Herr Ott selbiges tut.

Pädagogische Fachkraft
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Dieses dumme Geschwätz vom sturen Auswendiglernen und Reproduzieren stimmt seit vielen Jahren nicht mehr, aber das scheint nicht zu interessieren, wenn man Stimmung machen und Ideologien verbreiten will. Offenbar denken manche – oder geben das zumindest vor – , die Schulen funktionierten noch so wie in ihrer Jugend oder wie in alten Filmen mit Heinz Rühmann. Mal mit aktiven Lehrkräften sprechen würde schon helfen, um wirklich zu sehen, wo die Probleme liegen.

Katze
1 Monat zuvor

Herr Ott verkündet: „Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sollten vorbei sein.“ Lehrpläne sollen „nicht länger darauf ausgerichtet sein, Stoff für die nächste Klassenarbeit auswendig zu lernen“ – wobei auswendig ohnehin nie gereicht hat; verstanden haben musste man Inhalte und kausale Zusammenhänge auch. Stattdessen sollen Schülerinnen und Schüler „Probleme lösen und sich selbstständig Wissen aneignen“. Häää? Motor raus, aber bitte beschleunigen.
Besonders bezeichnend ist diese Medizin, nach der Lehrkräfte künftig „weniger Wissensvermittler und stärker Coach, Mentor und Orientierungspunkt sein“ sollen – genau das Rezept, das in NRW wahrscheinlich seit Jahrzehnten wirkt. Erst ersetzt man Unterricht durch Moderation, dann wundert man sich, dass die Ergebnisse aussehen wie moderiert. Fachlichkeit? Nebensache.
Der Philologenverband bringt es wohltuend klar:
„Die Lehrkraft darf nicht nur als ‚Lernbegleiter‘ verstanden werden. Dies engt die pädagogischen Möglichkeiten ein. Die Lehrkraft hat pädagogische Autonomie.“
Und:
„Offene Unterrichtsformen sind legitim, aber ebenso lehrerzentrierte Konzepte.“
Genau das ist der Punkt: Autonomie heißt nicht, dass alle dieselbe pädagogische Mode tragen müssen. Autonomie heißt, dass Lehrkräfte entscheiden, was funktioniert.
In Sachsen haben sich viele Lehrkräfte – mich eingeschlossen – diese Autonomie nie ausreden lassen. Wir sehen täglich, wie die Medizin des „Neuen Normal“ bei Referendaren und Junglehrern wirkt: viel Methodenschaum, wenig Substanz, und die Hoffnung, die Klasse würde schon irgendwie „selbstständig“ und „intrinsisch motiviert“ lernen. In der Realität heißt das oft: pädagogisch beaufsichtigtes Herumstochern, während die Lehrkraft als Coach zuschaut, wie die SuS „selbstständig“ ins Leere laufen und sich in der Gruppe Inhalte erwursteln, die man in Minuten klarer erklären könnte.
Sachsen war erfolgreich, weil hier an den Gymnasien meist noch so (oldschool) unterrichtet wurde – nicht (nur) begleitet. Weil Fachlichkeit galt. Weil viele LuL nicht glaubten, man könne Inhalte durch Kompetenz‑Vokabeln ersetzen. Aber keine Sorge: Die neue Medizin wirkt auch hier. Die Lehrpläne wurden entrümpelt, die Anforderungen abgespeckt. IOB‑Bildungstrends, Kompetenzbereiche, „Materialpakete“ wirken bis in die MINT‑Abiturprüfungen. All das, was man nun auch uns übergestülpt hat, wird zuverlässig dafür sorgen, dass auch Sachsen langsam aber stetig in dieselbe Richtung driftet.

Bildungsinitiative Schland 2035 – Sachsen kommt mit.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Wenn ich den Artikel richtig verstehe, sieht er aber die IQB-Ergebnisse Hamburgs als Vorbild für NRW, nicht die von Sachsen.

Realist
1 Monat zuvor

Über das Hamburger Modell sagt er im „Spiegel“: „Dort führen beide Schulformen, das Gymnasium und die Stadtteilschule, bis zum Abitur.“ Die Stadtteilschulen verfügten über rund 30 Prozent mehr Lehrkräfte und finanzielle Mittel, um auch Schülerinnen und Schüler fördern zu können, die nicht so schnell lernten.“

Gebt den Gymnasien auch 30% mehr Personal und 30% mehr Geld, dann machen wir auch gerne Inklusion, Integration und indiviiduelle Förderung.

Ansonsten: Weiter so tun, als ob die Lerngruppen homogen bezüglich Leistung, Kultur und Befindlickeiten wären und die unerschämten Forderungen von Politik und Gesellschaft ignorieren lassen… wer bestellt, muss auch die Rechnung bezahlen, sonst gibt’s nur Einheitskost.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Schauen Sie sich wenigstens mal genau an, was Hamburg so alles tut. Wer sich damit befasst, den wundert überhaupt nicht, dass die erfolgreich sind. Da irgendwelche Zahlen in den Raum zu werfen, die nebenbei bemerkt so nicht stimmen (Budget hängt auch stark vom Sozialindex ab: Eine Stadtteilschule im sozialen Brennpunkt hat sicher in HH 30% mehr als ein Gymnasium in Blankenese), und daraus Forderungen abzuleiten, sollte man unterlassen.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Oh, als Staatsbürger nehme ich mir einfach das Recht heraus, Forderungen an die Politik zu stellen.

Ich habe das einmal so gelernt, dass Staat und Politik für den Bürger da sind und nicht umgekehrt.

Aber vielleicht ist das alles nur dummes Boomer-Geschwätz von mir… und die Zeiten haben sich geändert: „Frage nicht was der Staat für dich tun kann, frage, was der Boomer für dich tun kann.“

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Mit „das Schulsystem umbauen“ rennt man neuerdings zwar offene Türen ein, doch geht dies immer mit Niveauabsenkungen einher. Seit Jahren experimentiert man an den Schulsystemen herum und erreicht das Gegenteil vom Gewollten: Keine Stringenz, Schüler, die immer weniger können und sich im Umkehrschluss immer belastet fühlen – kein Wunder, schließlich sollen sie sich selbst und intrinsisch motiviert alles selbst beibringen.

Umbau des Systems gerne, aber dann bitte an Bundesländern wie Bayern ein Vorbild nehmen und zu mehr Führung zurückkehren.

ed840
1 Monat zuvor

Auch Sachsen könnte auf weit überdurchschnittliche IQB-Ergebnisse seiner SuS verweisen.

Warum Herr Ott sich stattdessen lieber an HH orientieren möchte, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch die finanziellen Möglichkeiten in NRW sind ja ganz anders.

NRW hatte zuletzt einen Landeshaushalt von ca. 112 Mrd auf ca. 18 Mio Einwohner, in Hamburg waren es ca. 22 Mrd auf ca. 1,8 Mio Einwohner.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Vergleichen Sie hier ernsthaft Sachsen mit einer Weltstadt ?

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Liegt halt beides an der Elbe.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Du bist keine Weltstadt
Auf deiner Königsallee
Finden keine Modenschau’n statt
Hier, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld
Wer wohnt schon in Dresden?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Das stimmt schon traurig, wenn man bedenkt, welche politischen Parolen die Kultur dort niederzumähen drohen 🙁

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Wenn Sie den Artikel genauer lesen, bräuchten Sie nicht zu fragen wer den Vergleich zieht.

Sepp
1 Monat zuvor

Die frühe Aufteilung der Kinder hält er für problematisch. Wenn die schiefgehe, Schülerinnen und Schüler etwa vom Gymnasium auf eine andere Schulform wechseln müssten, könne das „für die Kinder traumatisch sein und sie zusätzlich demotivieren“. Sein Fazit: „Solche Kinder können wir dann verlieren.“

Es wird doch sicher Statistiken geben, wie oft das wirklich der Fall ist. Dann könnte man sogar mit Fakten argumentieren und nicht mit möglichen Gefühlen einer unklaren Anzahl von Schülern.
Spannend wäre dabei auch, wie groß dabei der Anteil von Schülern ist, die keine Gymnasial-Empfehlung hatte und von den Eltern dennoch hingeschickt wurde…

Sein Ziel beschreibt Ott als „ein zweieinhalbgliedriges Schulsystem für NRW“. Gemeint ist ein System mit zwei dominierenden Schulformen – Gymnasium und Gesamtschule – sowie zusätzlichen kleineren Schulangeboten, die vor allem im ländlichen Raum erhalten bleiben sollen.

Eigentlich sehen wir doch, dass frühere Schulformen wie Haupt- und Realschulen (und deren Abschlüsse) immer weiter abgewertet werden. Wenn fast jeder einen Erweiterten Sek I-Abschluss hinterhergeschmissen bekommt, dann werden Haupt- und Realschulen eben zu „Resteschulen“ abgewertet und man bekommt mit dem Abschluss keine Ausbildung mehr.

Wenn man nun alle Schulformen außer Gesamtschule und Gymnasium abschafft, werden immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder durch das Gymnasium zu „prügeln“. Gesamtschulen werden damit die neuen „Resteschulen“ – und ohne genügend Gymnasial-Schüler werden die Gesamtschul-Konzepte zusammenbrechen…

Eigentlich muss der Trend genau anders herum laufen: Haupt- und Realschulen immer weiter stärken, damit deren Absolventen attraktiv für den Arbeitsmarkt sind.

„Früher verlangte es einem Siebtklässler einiges ab, als Hausaufgabe einen lateinischen Text zu übersetzen. Heute erledigt eine KI das in wenigen Sekunden.“ Ähnliches gelte für Präsentationen und Rechercheaufgaben. „Noch vor wenigen Jahren musste die Oberstufenschülerin viel Zeit in die Erstellung einer Präsentation über die Weimarer Republik investieren. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz reichen dafür oft wenige Eingaben.“

Das kann man so sehen. Dabei ignoriert man aber, dass es gar nicht um das Produkt, den übersetzen Satz oder die Präsentation, geht, sondern um den Prozess, seine Sprachkenntnisse zu verbessern bzw. sich so intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, dass man es anderen vorstellen und erklären kann.

Würde er auch sagen, dass Kinder heute nicht mehr laufen oder gar fahrradfahren lernen müssen, weil Mama sie mit dem SUV fahren kann?

„Projektarbeit, Forschung, Verantwortung und Praxisbezug müssen stärker in den Mittelpunkt rücken als das Abarbeiten von Lehrplänen“, fordert Ott. Die entscheidende Frage sei nicht, welches Fach wichtiger sei, sondern „welche Kompetenzen Kinder für die Welt von morgen brauchen“.

In jedem Fach brauche ich Grundlagen, viel mehr vermittelt die Schule doch gar nicht. Wenn man, wie oben genannt, einen Vortrag zur Weimarer Republik halten soll, kann man sich den auch erstellen lassen, lernt dabei aber nichts.
Wie soll ein Schüler bspw. ein Forschungsprojekt zum Treibhauseffekt machen soll, dann braucht er dafür klares Hintergrundwissen. Man kann nicht einfach in den leeren Raum hinein „forschen“.
Auch Kompetenzen kann man nicht einfach so erlangen, sondern immer nur in thematischen Kontexten.

Seine Kritik an traditionellen Formen der Wissensabfrage liest sich bereits wie ein Wahlkampfmotto: „Die Zeiten, in denen wir vorgekautes Wissen abfragen, sollten vorbei sein.“ Dahinter steht eine Vorstellung von Schule, die vielerorts längst diskutiert wird.

Vielleicht muss man da mal die gymnasiale Bubble verlassen. Wir prüfen in allen Klassenarbeiten die unterschiedlichen Anforderungsbereiche ab. Die reinen 30% AFB-I-Aufgaben (reine Reproduktion) helfen einigen Schülern, überhaupt noch Punkte zu bekommen, da sie mit höheren Anforderungen völlig überfordert sind.
Hält es irgendwer für sinnvoll, nur Aufgaben höherer Anforderungsbereiche abzuprüfen?

Lesen, Schreiben und Rechnen bleiben unverzichtbare Grundlagen. Gleichzeitig sollen Problemlösung, kritisches Denken und Selbstständigkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.

Wie soll man z.B. irgendwelche Aussagen zur o.g. Weimarer Republik kritisch hinterfragen oder in den historischen Kontext einordnen, wenn man gar kein Hintergrundwissen hat?

Lehrkräfte würden nach Otts Vorstellung künftig „weniger Wissensvermittler und stärker Coach, Mentor und Orientierungspunkt sein“.

Fakt ist, dass viele Kinder, gerade Jungen, mit offenen Lernformen hoffnungslos überfordert sind. Also sollen sie sich selbst organisieren und sich Dinge viel mehr selbst beibringen?

Stiller Beobachter
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp

„Dabei ignoriert man aber, dass es gar nicht um das Produkt, den übersetzen Satz oder die Präsentation, geht, sondern um den Prozess, seine Sprachkenntnisse zu verbessern bzw. sich so intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, dass man es anderen vorstellen und erklären kann.“

Dann müsste der Prozess aber auch die Grundlage für die Benotung sein – ist er aber nicht.

Intensiv mit einem Thema kann man sich auch beschäftigen, wenn man nicht den Großteil der Zeit auf Auswendiglernen von Wissen verwendet, das man sowieso innerhalb von Millisekunden immer abrufbar in der Hosentasche hat.

Lera
1 Monat zuvor

Lesen Sie eigentlich die Antworten auf Ihre „Beiträge“?

Ich frage, weil Sie fast nie darauf reagieren und sich am nächsten Tag unbeirrt wiederholen, obwohl Sie 35873 Menschen auf auf die 346774 Unzulänglichkeiten Ihrer „Argumentation“ hingewiesen haben.

Rein zufällig nehme ich daher Abstand, wollte Sie aber vorher nochmal darauf hinweisen, dass ich alles, was Sie schreiben, komplett ablehne.

Ich wünsche weiterhin viel Spaß mit Ihrer originellen Meinung.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Aber er/sie/es ist doch „stiller Beobachter“ und nicht „stiller Diskussionsteilnehmer, der an einem Austausch interessiert ist“.

Einfach mal was in die Runde werfen und still beobachten.

vhh
1 Monat zuvor

Grundlage der Benotung muss die Kompetenzentwicklung sein und die fasst diese erwähnten Prozesse zusammen. Viel Vergnügen mit einer Notenbegründung, die auf weiß es/weiß es nicht beruht!
‚…Grundlage sein, ist er aber nicht‘ – einfach mal eben als Fakt behaupten, davon wird es nicht richtiger.
Das ist es, was solche Politikeraussagen bewirken: ein immer wieder als Entschuldigung hervorgeholtes Zerrbild von Schule wird bestärkt. Über die wahren Probleme, extreme Konzentrationsschwäche, Desinteresse, das von Eltern einfach akzeptiert wird und viele weitere, komplexe Gründe redet dann niemand mehr.

Sepp
1 Monat zuvor

Intensiv beschäftigen vielleicht, lernen nicht.

Oder kann man eine Sprache wie hier Latein lernen, ohne Vokabeln oder Gramatik lernen zu müssen und ohne etwas übersetzen zu müssen?

Canishine
1 Monat zuvor

„Wenn Wissen jederzeit per KI verfügbar ist, können Lehrpläne nicht länger darauf ausgerichtet sein, Stoff für die nächste Klassenarbeit auswendig zu lernen.“ Schülerinnen und Schüler müssten lernen, „Probleme zu lösen und sich selbstständig Wissen anzueignen“.
Man muss wohl auch feststellen, dass vieles, was als Kompetenz in den Lehrplänen läuft, auch (scheinbar) von der KI erledigt wird. Mir fallen da solche wie Argumentieren, Problemlösen, Darstellen, Modellieren ein. Sogar selbstständig Wissen aneignen könnte man der KI unterstellen. Man braucht also Kompetenzen genauso wenig wie Wissen, folgt man der Argumentation.
Im Grunde ist die Argumentation von Herrn Ott entlarvend. Als ehemaliger Lehrer weiß er, dass Unterricht schon längst nicht mehr auf Auswendiglernen für die nächste Klassenarbeit setzt. Er selbst hat den Umbau der Lehrplöne zur Kompetenzorientierung aktiv miterlebt. Dennoch zeichnet er das Bild der stoffpaukenden und damit nicht mehr zeitgemäßen Schule von vorgestern und belegt damit, was dieses Bild eigentlich ist: populistisch.

Anders Leo Castor
1 Monat zuvor

„Wir haben mehr als ein halbes Dutzend Schulformen allein bei den weiterführenden Schulen.“ Die frühe Aufteilung der Kinder hält er für problematisch. Wenn die schiefgehe, Schülerinnen und Schüler etwa vom Gymnasium auf eine andere Schulform wechseln müssten, könne das „für die Kinder traumatisch sein und sie zusätzlich demotivieren“. Sein Fazit: „Solche Kinder können wir dann verlieren.“
Als Vorbilder nennt Ott Hamburg – und Sachsen.

Was für eine schräge und merkwürdige Argumentationsweise.

In HH und SN werden die Schüler genauso früh aufgeteilt wie in NRW. Warum nimmt er dann nicht BE/BB zum Vorbild, wenn eine Aufteilung nach Klasse 4 für ihn problematisch ist?

Wenn Schüler vom Gymnasium auf eine andere Schulform wechseln müssen und dadurch traumatisiert werden, ist es für die Schüler vollkommen unerheblich, ob es neben dem Gymnasium nur eine weitere Sekundarschulform gibt oder mehrere. Das Ergebnis ist vollkommen unabhängig von der Komplexität des Schulsystems.

Um Traumatisierung und Demotivation zu vermeiden, müsste Minister Ott schon das Gymnasium abschaffen und eine „Schule für alle“ einführen.

Wird bestimmt DER Wahlkampfhit. In BW hat es die SPD mit ähnlichen Ideen bei der Landtagswahl auf stolze 5,5 % geschafft.

Richtig ist allerdings:
Wenn es in NRW zu viele Schularten gibt, die einander sehr ähnlich sind (Realschule, Gesamtschule, Sekundarschule) liegt etwas im Argen. Dann kann man sich entweder am Ministerium die Mühe machen, die Unterschiede herauszuarbeiten und zu betonen oder die Schularten tatsächlich zusammenführen. Man sollte halt nur eine brauchbare Begründung dafür haben und nicht mit traumatisierten Kindern daherkommen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Am Ende will die SPD das Gymnasium und die „Schule für den Rest“ („Resteschule“ klingt zu negativ). Man kann sich denken, was aus diesen Schulen werden wird, dazu braucht man nur einen Blick in andere Bundesländer werfen. Durch eine Zusammenlegung der Schularten spart am vor allem Geld. Wenn überhaupt, müsste man die Gymnasien ebenfalls abschaffen. Aber diesen Schuh will sich kein Politiker anziehen. Stattdessen experimentiert man ausgerechnet mit jenem Klientel herum, das ohnehin am schwächsten ist und verkauft das als große Innovation, um den Bildungsnotstand zu beheben.

dickebank
1 Monat zuvor

Was sonst, wenn das GY die „Hauptschule 2.0“ ist, also die von einer größeren Zahl von SuS besuchte Schulform der weiterführenden Schulen.

ed840
1 Monat zuvor

Stattdessen experimentiert man ausgerechnet mit jenem Klientel herum, das ohnehin am schwächsten ist

Also SuS aus der sozial-benachteiligten Schicht und SuS mit Migrationshintergrund?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

„Bildung ist die Zukunftsfrage schlechthin“
Oi, ein Hot Take! Lügen sich Politiker*innen derzeit also in die eigene Tasche oder sind sie so unqualifiziert, diese Zukunftsfrage nicht zu erkennen? 😛

„[…] wie Schule auf die Verbreitung künstlicher Intelligenz reagieren muss. […] Hausaufgaben seien „in der bisherigen Form nicht mehr sinnvoll“.
Hey, was für ein Wahlkampfthema?
Interessanter WÄRE die Frage, warum Lehrkräfte nichts diesbezüglich ändern, WENN dem so wäre und Ott dies belegen KÖNNTE…

Heinz
1 Monat zuvor

Wenn die schiefgehe, Schülerinnen und Schüler etwa vom Gymnasium auf eine andere Schulform wechseln müssten, könne das „für die Kinder traumatisch sein und sie zusätzlich demotivieren“. Sein Fazit: „Solche Kinder können wir dann verlieren.““

Der Grund hierfür ist allerdings jahrelanges politisches Missmanagement. Grundschullehrkräfte werden wie alle Lehrkräfte indirekt genötigt, gute Abschlüsse zu vergeben. Und wenn selbst das nichts mehr bringt, dann ist die Schulformempfehlung in NRW eh nur ein Schriftstück, dass das Papier nicht Wert ist. Am Ende Entscheiden in NRW die Eltern, und diese Entscheidungen sind oft vollkommen daneben. Die Hauptschulen starten zwei- oder sogar einzügig, bevor dann in der 7. Klasse das wieder auf zwei- oder drei Züge anwächst. Die Kinder, die die Schule verlassen mussten, hatten fast immer entweder eine anderslautende Empfehlung, eine nur eingeschränkte Empfehlung, oder es gab von der Grundschule aus eh nur fehlerhafte Empfehlungen.

Wissenspflaster
1 Monat zuvor

Ich kann die seit Jahren andauernde Abwertung des „Wissens“ nicht verstehen.
Dauernd verfügbar im Internet sind sowohl qualifizierte, wissenschaftlche Infromationen als auch fahrlässig oder vorsätzlch veröffentlichter Informationsmüll. Generative KI gibt sinnvolle wie halluzinierte, frei erfundene Antworten mit derselben Selbstsicherheit aus.
Um die Spreu vom Weizen zu trennen, muss ich mich auf eine gesicherte Wissensbasis verlassen können und immer fragen, passt das zu dem was ich weiß, werde ich hier belogen oder manipuliert?
Lernen ist neue Gelerntes mit gesichertem Wissen zu verknüpfen – wo nichts ist, wo angeknüpft werden könnte, wird nicht lernen können.

Dass die Lehrpläne diesen Anspruch seit Jahr(zehnten) nicht erfüllen ist mir bewußt. Wenn wir zurecht, das Nicht-Wissen, die fehlende Studierfähigkeit der Jugend beklagen, liegt das nicht an der Jugend, sondern an uns, weil wir die Jugend nicht gelehrt haben.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

Nein. Wir Lehrer können nur das lehren, was der Lehrplan vorgibt.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Wir Lehrer können nur das lehren, was der Lehrplan vorgibt.

Wieder etwas, dass zu meiner Schulzeit noch anders war.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Wir haben damals auch Dinge gelernt, die nicht im Lehrplan standen.
Zum Beispiel wie man mit Hilfe eines ballistischen Pendels die Austritssgeschwingkeit VO berechnen kann, mit der ein Diabolo den Lauf des jeweiligen Luftgewehrs verlässt.

Maybe
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

🙂 oder wie man den heimischen Komposthaufen in die Luft sprengt.
(soll nicht heißen, dass unser Chemielehrer schlecht war oder den LP nicht erfüllte; Grundlagen vermittelte er, nachweisbar, erfolgreich vom Allerfeinsten, mit unbewusstem Anstoß zu Abstraktion und angewandten Wissen).
Hat mich 2 Wochen Spüldienst gekostet – das wars wert.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Zu meiner auch.

Nur gab es da genug Personal, eine feste (voll verbeamtete!) „Vertretungsreserve“ aus Gymnasiallehrern im Lehrerzimmer…womit in meiner GESAMTEN(!) Schulzeit exakt 4 Stunden ausfielen.

Stand heute:
Wenn ich (oder sonst ein Hauptfachlehrer) auch nur 3-4 Tage ernstlich erkältet ist kollabiert alles so stark, dass Rückstände selbst bis zum Schuljahresende nicht aufholbar sind.

Und das bei einem recht großen Kollegium schon…

…weil die Kombination aus unterrichtsfremdem Quark (Turnier hier, Ausflug da, Klassenfahrt dort, Theater hier, Projektwoch so, Bibliotheksbesuch hier…) und willentlich herbeigeführter, chronischer Unterbesetzung einfach zwingende Fakten schafft.

Ich kann mich NICHT erinnern, wann ich zuletzt einfach mal „vier Wochen Schule“ am Stück mitbekommen habe. Also einfach nur Schule, Lernen, Freizeit für die SuS.

Sobald auch nur die Gefahr besteht, dass da mal sowas wid Schulroutine und Schulstimmung, Regelmässigkeit aufkommen könnte…ist die nächste Nix-Lern-Veranstaltung schon da.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Als könnten es einige Lehrkräfte auch heutzutage noch, wenn sie die Zeit dafür fänden?

447
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Theoretisch ja.

Da aber das ganze Schulsystem mittlerweile indirekt auf Fühlis,Veranstaltungsklimbimm, leichte Beschwerdeführung usw. ausgerichtet ist – ist das eine illusorische Vorstellung.

Egal wie man darüber Fühlis macht – die Realität lässt sich halt nicht wegleugnen. (Bzw. deren Folgen)

Boomgard
1 Monat zuvor

Der „Neue“ hat seine Lehrerausbildung zu den Hochzeiten der Kompetenzorientierung gemacht, nun will er der Öffentlichkeit weismachen, in dern Schulen würde nur auf Reproduktion geachtet. Wahrscheinlich hat er schon als Referendar sich mehr um die Politik als um die schulische Arbeit gekümmert. Sonst kann ich mir dieses Bild von Schule nicht erklären.