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Islamisten-Szene: Junge Bildungsverlierer sind es, die sich dem IS anschließen

BERLIN. Jung, männlich, kriminell – und mit gescheiterter Bildungskarriere. So sieht nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein typischer Freiwilliger aus, der von Deutschland aus in den Krieg nach Syrien und den Irak zieht, um dort auf Seiten des „Islamischen Staats“ zu kämpfen. Der Verfassungsschutz hat die Lebensläufe von fast 400 Islamisten aus Deutschland analysiert. Die „Berliner Morgenpost“ zitiert aus dem unveröffentlichten Bericht.

Merchandising zum Terror: Mit solchen T-Shirts sprechen Islamisten junge Menschen an. Screenshot

Merchandising zum Terror: Mit solchen T-Shirts sprechen Islamisten junge Menschen an. Screenshot

Dem Bericht liegen laut „Morgenpost“ Daten zu 378 Ausgereisten zugrunde. 89 Prozent von ihnen sind Männer. Die Jüngsten waren bei der Ausreise gerade mal 15, der Älteste 64 Jahre alt. Jeder Dritte stammt aus der Gruppe der 21- bis 25-Jährigen. In Deutschland wurden rund 60 Prozent geboren. Als Geburtsländer folgen, mit weitem Abstand, Syrien (acht Prozent), die Türkei (sechs Prozent), sowie der Libanon und Staaten der Russischen Föderation. Einen deutschen Pass haben 233 der Ausgereisten, wobei 92 davon mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit besitzen, etwa die marokkanische, türkische oder syrische. Unter den aus Deutschland ausgereisten Ausländern stellen türkische Staatsangehörige die größte Gruppe. 240 Ausreiser wurden als Muslime geboren. Von 54 Personen ist bekannt, dass sie, meist deutschstämmige, Konvertiten sind.

Ein Viertel der untersuchten Menschen habe unmittelbar vor der Ausreise eine Schule besucht, heißt es. Auffallend sei, dass nur 26 Prozent über einen Schulabschluss verfügten. Eine Ausbildung hätten sechs Prozent zu Ende gebracht, ein Studium zwei Prozent. Die Zahlen bestätigen laut „Morgenpost“ die Vermutung von Präventions- und Sicherheitsexperten, dass eine gescheiterte Bildungskarriere ein auslösender Faktor für Radikalisierung sein kann. 20 Prozent der untersuchten Personen seien zum Zeitpunkt der Ausreise arbeitslos gewesen. Einer Beschäftigung seien nur zwölf Prozent nachgegangen, die meisten als Geringqualifizierte mit einem Job im Niedriglohnsektor. „Eine Affinität zu Gewalt zeigten viele der Ausgereisten, bereits bevor sie sich der Ideologie des militanten Dschihad zuwandten. 117 von ihnen begingen bereits Straftaten, bevor sie sich radikalisierten, meist waren es Gewalt-, aber auch Eigentums- oder Drogendelikte“, so heißt es.

Die Studie soll dem Bericht zufolge  als Grundlage dienen, um „Ansatzpunkte für eine wirksame Präventions- und Deradikalisierungsarbeit“ zu entwickeln. Groß angelegte, von den Ländern gesteuerte Präventionsprojekte gibt es bisher nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Eine Hotline, bei der sich ausstiegswillige Islamisten melden konnten, habe das Amt für Verfassungsschutz vor wenigen Tagen eingestellt, weil sich fast niemand gemeldet hatte. Angehörige können sich aber an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wenden. Bei der „Beratungsstelle Radikalisierung“ werden Hilfesuchende für Beratungen an Spezialisten von freien Trägern weitervermittelt.

Wie die „Rheinische Post“ berichtet, habe die Radikalisierung der Ausgereisten fast ausnahmslos in der Salafistenszene begonnen, etwa in Moscheen, die den Behörden als salafistisch bekannt seien, auf „Islamseminaren“ oder salafistischen „Benefizveranstaltungen“. Die salafistischen Koran-Verteilungen, die unter dem Motto „Lies!“ laufen, spielten bei etwa jeder fünften Radikalisierung eine wichtige Rolle. Salafisten verteilten den Koran auch vor Schulen, etwa in Hessen. News4teachers

4 Kommentare

  1. Mir blutet das Herz angesichts dieser armen Opfer unseres deutschen (Bildungs)Systems. Wir müssen viel mehr dafür tun, dass sie verstanden werden und sich nicht voller Verzweiflung auf einen falschen Weg begeben. Nicht sie sind schuld am Irrweg, sondern unsere gnadenlose Gesellschaft, die verlangt, sich fürs eigene Fortkommen selbst anzustrengen.

  2. wie ist eigentlich der bildungsstand bei den rechtsextremisten? zumindest den Vorurteilen zufolge bei den Mitläufern nicht besonders hoch, sie müssen ja auf die dummen parolen hereinfallen.

    wenn das vorurteil stimmt gibt es gewisse parallelen zwischen den rechtsextremisten und den salafisten. „extrem“ sind und abgeschafft gehören jedenfalls beide gruppen.

    • Gibt es eigentlich auch Linksextremisten oder werden die politisch und medial nur anders behandelt?

      Außerdem sollten Sie Ihr „abgeschafft gehören“ bezüglich der Salafisten noch einmal überdenken, denn mit solchem Urteil beschädigen Sie das Ansehen des Islam in Deutschland.
      Jedenfalls hat die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi diese Sorge geäußert und davor gewarnt, die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) mit der islamischen Religion in Verbindung zu bringen. Wörtlich: „Dies ist eine Zuweisung, die die Muslime hier in Deutschland in ihrer Ehre berührt:“

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