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Karikatur in deutschem Schulbuch bringt Erdogan in Rage – Streit um Entschuldigung

Zum aktuellen Bericht: Bundesregierung verteidigt Karikatur im Schulbuch – und rät Erdogan zur Gelassenheit

STUTTGART. Das türkische Außenministerium hat eine Karikatur in einem baden-württembergischen Schulbuch scharf kritisiert, die ihrer Meinung nach Präsident Recep Tayyip Erdogan verunglimpft. Das Kultusministerium in Stuttgart bedauerte mögliche Irritationen bei türkischstämmigen Bürgern. Allerdings sei es der falsche Adressat für Kritik an einem Schulbuch, das von einem Verlag – und nicht vom Ministerium – veröffentlicht wird, teilte das Ressort von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) mit. Gleichwohl ist ein Streit um eine Entschuldigung seitens der Landesregierung ausgebrochen.

Die Zeitung "Miliyet" veröffentlichte in ihrem Online-Auftritt die Karikatur der Zeichner Greeser & Lenz. Rechts im Bild: der Hund des Anstoßes. Screenshot

Die Zeitung „Miliyet“ veröffentlichte in ihrem Online-Auftritt die Karikatur der Zeichner Greeser & Lenz. Rechts im Bild: der Hund des Anstoßes. Screenshot

Die Zeichnung beleidige das türkische Staatsoberhaupt und die in Deutschland lebenden Türken, heißt es in einer Erklärung des türkischen Außenministeriums. Die Karikatur mit dem Titel «50 Jahre Türkei in Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte» war ursprünglich im Jahr 2011 in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» erschienen. Damals war Erdogan noch Ministerpräsident. Die Zeichnung zeigt eine Szene in einer von einem Türken betriebenen Almwirtschaft – und als Detail einen Hund, der an eine Hütte mit der Aufschrift «Erdogan» gekettet wurde. Nachgedruckt ist die Karikatur in einem Arbeitsbuch für das Fach «Gemeinschaftskunde/Wirtschaft» an Gymnasien, Klassenstufe 9/10.

Die türkische Zeitung «Milliyet» veröffentlichte die Karikatur am Montag erneut auf ihrer Website. Das türkische Außenministerium teilte weiter mit: «Diese Art von Karikaturen, die auch in Schulbüchern verwendet werden, spiegeln leider die Zunahme von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland.» Unterstützung erhielt es von den nordrhein-westfälischen CDU-Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf und Oliver Wittke, die zu einem Besuch in Ankara weilen und den Abdruck „völlig inakzeptabel“ nannten. Sie forderten, das Schulbuch solle nicht mehr im Unterricht verwendet werden. Von der Landesregierung in Stuttgart verlangten sie, „sich angemessen zu entschuldigen“. Deutsche Schulen sollten „nicht nur Wissen, sondern auch Werte wie Respekt vor anderen Völkern und deren Repräsentanten vermitteln“.

Zeigt sich empört: der türkische Präsident Erdogan (hier auf einem Foto von 2009). Foto: World Economic Forum / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Zeigt sich empört: der türkische Präsident Erdogan (hier auf einem Foto von 2009). Foto: World Economic Forum / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) wies die Kritik dagegen scharf zurück. „Es ist mir unerfindlich, wie man sich darüber so echauffieren kann“, sagte er in Stuttgart. „Eine Karikatur ist eine Karikatur und sie karikiert, deshalb heißt sie so.“ Erdogan wolle ablenken von Rechtsstaatsproblemen im eigenen Land. Er solle sich darum kümmern, wie er selbst mit Kritikern umgehe: „Das ist uns bekannt und missfällt uns außerordentlich“, sagte Kretschmann. In der Türkei müssen Journalisten und Künstler immer wieder mit Repressionen rechnen.

Das baden-württembergische Kultusministerium verwies auf die Zuständigkeiten: Die Verlage haben danach einen Rechtsanspruch darauf, dass ihre Bücher für den Einsatz in Schulen zugelassen werden. Bedingung sei, dass sie mit den Erziehungszielen in Grundgesetz, Schulgesetz und Landesverfassung sowie den jeweiligen Bildungsstandards übereinstimmen sowie angemessen didaktisch aufbereitet sind. Die Gutachter hätten an dem betroffenen Werk nichts beanstandet. Die Schulen selbst entscheiden über den Einsatz von Schulbüchern.

Das Ministerium hat nach eigenen Angaben aufgrund der Kritik Kontakt mit dem zuständigen Verlag aufgenommen und diesen auf die Verstimmung hingewiesen, die durch die Karikatur ausgelöst worden ist. Die Gemeinschaftskunde-Lehrer, die das Buch einsetzen, würden das Thema differenziert diskutieren, zeigte sich das Ministerium überzeugt. Das Thema «Einwanderung nach Deutschland» ist laut Ministerium ausdrücklich im Bildungsplan für Gymnasien vorgesehen. Demnach ist Ziel, dass Schüler Formen, Ursachen und Folgen der Migration erläutern sowie Möglichkeiten und Probleme der Integration in einer pluralistischen Migrationsgesellschaft darstellen und fallbezogen beurteilen können. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Erdogan in Rage – Warum sich Kretschmann entschuldigen sollte

 

Ein Kommentar

  1. Muslime geben sich weltoffen und tolerant, solange sie nicht an der macht sind. Erdogan zeigt der Welt das wahre Gesicht des Islam.

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