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CDU streitet: Soll die grün-rote Gemeinschaftsschule wieder eingemottet werden?

STUTTGART. Der Herausforderer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Guido Wolf, kokettiert mit dem Aus der grün-roten Gemeinschaftsschule im Falle seines Wahlsieges. Selbst in der CDU geht das manchem zu weit.

Will vieles in der Schulpolitik rückgängig machen: CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Foto: Ra Boe / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

Will vieles in der Schulpolitik rückgängig machen: CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Foto: Ra Boe / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

In der CDU ist eine Debatte über die Zukunft der von Grün-Rot eingeführten Gemeinschaftsschulen nach einem möglichen CDU-Sieg bei der Landtagswahl 21016 entbrannt. Der Landesvorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Christian Bäumler, forderte eine Bestandsgarantie für die Schulart. Eltern und Kinder benötigten eine Pause von der bildungspolitischen Strukturdebatte. Auch CDU-Landeschef Thomas Strobl warnte vor Veränderungen mit der Brechstange.

Zuvor hatte der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf angekündigt, man werde alles, «was momentan unternommen wird, um die Realschule am goldenen Zügel auf den Weg der Gemeinschaftsschule zu führen, rückgängig machen». Er fügte mit Blick auf die Realschule hinzu: «Wir wollen diese Schulart stärken und nicht schwächen.» Damit handelte er sich bei SPD-Generalsekretärin Katja Mast den Vorwurf «völliger Realitätsferne» ein. Seine Aussagen zeugten von mangelnder Einsicht in die Praxis der Gemeinschaftsschule, in der Schüler mit Empfehlungen für alle Schularten gemeinsam lernen.

Auch Bäumler betonte, eine Abschaffung der Gemeinschaftsschulen nach einem CDU-Sieg bei der Landtagswahl sei jenseits der bildungspolitischen Wirklichkeit. Nach Einschätzung der CDU-Bildungsexpertin Donate Kluxen-Pyta werden sich die Gemeinschaftsschulen von selbst wieder verändern. Das Gros sei nicht von deren pädagogischen Nutzen überzeugt. Etwa zwei Drittel aller ab kommenden Schuljahr 271 Gemeinschaftsschulen habe sich aus Haupt-, Werkreal- und Realschulen nur zu dieser Schulart gewandelt, um den Standort zu erhalten, sagte die Vorsitzende des Landesfachausschusses. Auch Strobl meinte, Grün-Rot habe den Bürgermeistern «die Pistole auf die Brust gesetzt»: Sie würden vor die Wahl gestellt, entweder keine Schule oder eine Gemeinschaftsschule zu haben.

Diese Sichtweise entbehre jeglicher Beweise, hieß es aus dem Kultusministerium. Ein Sprecher von Ressortchef Stoch sagte: «Ich kann nur jedem dazu raten, sich selbst einmal davon zu überzeugen, mit wie viel Kompetenz und Engagement Lehrerinnen und Lehrer an Gemeinschaftsschulen ihre Schüler in deren individueller Lernentwicklung unterstützen und fördern.» Zudem werde das für die Genehmigung dieser Schulen notwendige pädagogische Konzept von den Schulen selbst erarbeitet.

Strobl betonte, die Gemeinschaftsschulen mit ihren Schülern und engagierten Lehrern seien ein Fakt. Deshalb gelte: «Wir machen die Gemeinschaftsschulen nicht mit der Abrissbirne platt.» Bei einem Wahlsieg 2016 werde die Bildungspolitik nicht auf das Niveau von 2011 zurückgeschraubt. Auch Bäumler meinte: «Politik darf nicht auf dem Rücken der Schulkinder gemacht wird.»

Strobl betonte wie Kluxen-Pyta, die Realschule sei die zentrale Säule in der Bildungslandschaft Baden-Württembergs. Nach ihren Vorstellungen soll auf eine Orientierungsstufe in der fünften und sechsten Klasse ein Realschul- und ein Hauptschulzweig aufbauen. Dieser Wandel müsse aber mit größter Sensibilität vollzogen werden. Die Fehler von Grün-Rot sollten nicht in die umgekehrte Richtung wiederholt werden. Anders als in der Gemeinschaftsschule soll es grundsätzlich keine gymnasiale Oberstufe an der Realschule geben, um das Gymnasium nicht auszuhöhlen.  dpa

Zum  Bericht: Land genehmigt 62 neue Gemeinschaftsschulen – Stoch: Schulform ist “endgültig angekommen”

11 Kommentare

  1. Als Lehrer einer Realschule in Bayern mit 2 Enkeln in BW kommt mir das Grauen. BW hatte über Jahre eine gestandene Schulkultur und nun wird das alles ideologischen Scheinargumenten geopfert!
    Warum muss man immer alles nach unten nivellieren?
    BW reiht sich ein ein in eine Reihe von Bundesländern, die meinen, wenn man das Niveau drückt, steigt die Kompetenz.
    Vor über 20 Jahren war meine Nichte aus Niedersachsen vor Weihnachten zu Besuch in Bayern und sie ging mit meinem gleichaltrigen Sohn mal mit in die Schule => Lernrückstand mindestens 4 Monate und da bei früherem Schulbeginn.
    Lasst uns bitte unser gegliedertes Schulsystem mit allen Aufstiegsmöglichkeiten. Ein Beispie: Ein ehemaliger Realschüler ist heute einer der führenden Vulkanologen der Welt an der Universität Uppsala und ich bin stolz, ihn als Lehrer gefördert zu haben.
    Was bringen mir Abiturientenquoten von 60%+, wenn dann an der Uni eine Aufnahmeprüfung stattfindet (Finnland) ?
    Nicht immer ist der Weg der Mehrheit der richtige. Installateur mit Uniabschluss ist auch nicht mehr wert wie der deutsche Meister!
    Kleinkindpädagogin mit Master kann auch nicht mehr als Erzieherin mit 5 Jahren Fachschule!
    da gäbe es noch viele Beispiele!
    Ende

    • Zustimmung auf ganzer Linie!

    • Werner Schneyder

      Ideologisch ist immer der andere!
      Es wäre besser, sich die Fakten anzuschauen. Bayner impotiert pro Jahr 4000 Akadmeiker_innen, weil das eigene Schulsystem so selektiv ist (nicht über die Leistung, sondern über die soziale Schicht). Der eine Mensch in Uppsala wiegt die Tausende, die zu früh aussortiert werden, nicht auf.

      Im Übbrigen hat der Baden-württembergische Handwerkstag die Gemeinschaftsschule bis heute stark unterstützt.

  2. Hoffentlich lässt Guido Wolf sich belehren!! Es ist doch ein Faktum, dass viele Kinder und Eltern diese Schulform gewählt haben (aus welchen Gründen auch immer), es wäre dumm, sie so auszugrenzen. Die Gemeinschaftsschule soll zeigen, was sie kann. In 10 Jahren schauen wir uns die Ergebnisse an und reden weiter.

    • Da ich grundsätzlich von der Gemeinschaftsschule nicht viel halte, wäre mir lieber, weitere Einführungen würden gestoppt. Die bereits bestehenden Schulen können ja in 10 Jahren ihre Ergebnisse vorweisen, obwohl dabei immer wieder geschummelt wird, um Fehler in der Bildungspolitik zu kaschieren.
      Außerdem glaube ich, dass der Gedanke der Gemeinschafts- bzw. Einheitsschule über kurz oder lang auf die Abschaffung der Gymnasien hinausläuft, die ja jetzt schon auf dem besten Weg sind, zur Gemeinschaftsschule zu werden. Nur in einem gegliederten Schulsystem hat meiner Meinung nach auch das Gymnassium eine realistische Chance zum Überleben.

      • “Außerdem glaube ich, dass der Gedanke der Gemeinschafts- bzw. Einheitsschule über kurz oder lang auf die Abschaffung der Gymnasien hinausläuft, …”

        Hoffentlich erweisen sich Ihre prophetischen Künste als realitätsnah.

      • wenn Eltern eine bestimmte Schulform wollen, sollte es diese auch geben, egal ob ich deren Konzept gut finde oder nicht. An ihren Früchten wird man sie dann erkennen.

  3. dickebank, ich bin so was von bei ihnen.

    • Dass Sie sich die Einheitsschule und die Abschaffung der Schulform Gymnasium wünschen, wundert wahrscheinlich keinen, der Sie aus früheren Kommentaren kennt.
      Möge der gesunde Menschenverstand siegen statt eines weltfremden Verständnisses von Gleichheit und Gerechtigkeit.

      • Und wenn Sie die Äußerungen im Kontext sehen, werden Sie feststellen, dass ich für eine “Einheitsschule” bis Klasse 8 bin, mir allerdings mindestens Kurse für 5 unterschiedliche Kompetenznievaus zur Differenzierung wünsche, sowie die Bildung abschlussbezogener Klassen ab Jahrgang 9.

        Das GY ist ohnehin schon tot. Durch den “Elternwillen” sind die GY bereits Gesamtschulen. Das GY als Schulform, das um die 40% der Grundschulabgängäer aufnimmt ist eine GeS – lediglich der Anteil der hauptschul- bzw. bedingt realschulemphohlenen SuS landet nicht dort sondern tatsächlich an einer GeS.

        Der Wettbewerbsvorteil der GY ist, dass sie nicht im Ganztag geführt werden. Der nachteil ist, das sie das Aprätur (die AHR) nach 8 Jahren ausloben müssen.

        Letztendlich sind die GY aber über die hohe Zahl der Neuanmeldungen gegen den demographischen Trend nicht traurig, die lernvoraussetzungen dieses Klientels entsprechen zwar nicht der studienrätlichen Erwartungen, für die Zahl von Funktions- und Koordinatorenstellen sind sie aber unerlässlich.

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