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Sogar in Nordkorea: Die deutsche Sprache boomt in der Welt – außer in Russland

BERLIN. Alle fünf Jahre gibt es eine Studie, wie es weltweit mit der deutschen Sprache steht. Jetzt wieder. Neuester Trend: Deutsch ist wieder im Kommen. Deutsch gehört angeblich sogar zu den Top fünf der Weltsprachen – ungeachtet des aktuellen Sprachenstreits mit Frankreich. Allerdings: In Russland geht es steil bergab. Warum das denn?

Die deutsche Sprache ist nicht so leicht zu lernen - beliebt ist sie trotzdem. Foto: fdecomite / Flickr (CC BY 2.0)

Die deutsche Sprache ist nicht so leicht zu lernen – beliebt ist sie trotzdem. Foto: fdecomite / Flickr (CC BY 2.0)

Es gibt sie noch, die ausländischen Staatsmänner, die richtig gut Deutsch sprechen. Der rumänische Präsident Klaus Iohannis gehört dazu, der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu, vor allem aber Wladimir Putin. Russlands Präsident hat Deutsch in der Schule gelernt, war für den sowjetischen Geheimdienst KGB in Dresden und lange Zeit auch noch mit einer Deutschlehrerin verheiratet. Wie gut er die Sprache beherrscht, zeigt der Kremlchef bis heute gern.

Ausgerechnet Putins Russland ist nun jedoch das Land, in dem die Zahl der Deutschschüler so dramatisch zurückgeht wie nirgendwo sonst auf der Welt. Nach einer neuen Studie des Auswärtigen Amts, die nun veröffentlicht wurde, sind in dem 143-Millionen-Einwohner-Staat derzeit gerade noch 1,5 Millionen mit Deutschlernen beschäftigt. Vor fünf Jahren, als die Zahlen zuletzt erhoben wurden, waren es noch fast 800 000 mehr.

Für die Experten ist ein solcher Rückgang enorm – zumal Deutsch als Fremdsprache ansonsten eher wieder im Kommen ist. Zumindest wurde der Abwärtstrend nach einigen Jahren wieder gestoppt: Weltweit befinden sich derzeit etwa 15,4 Millionen Menschen an Schulen, Universitäten oder in Goethe-Instituten im Deutsch-Unterricht – etwa eine halbe Million mehr als 2010. Zur Jahrtausendwende lag die Zahl allerdings noch bei 20 Millionen.

Warum Russland sich so anders entwickelt, dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen gingen im flächenmäßig größten Land der Welt über viele Jahre die Geburtenzahlen zurück. Dann wurden vor allem in der Provinz viele Schulen und Universitäten zusammengelegt, so dass es insgesamt weniger Fremdsprachenangebote gibt. Bei der ersten Fremdsprache entscheiden sich auch die Russen – anders als zu Zeiten, in denen es die DDR noch gab – mittlerweile in den allermeisten Fällen für Englisch.

Die Fachleute sind der Meinung, dass sich die Spannungen zwischen Deutschland und Russland infolge des Ukraine-Konflikts bislang auf das Interesse am Deutsch-Unterricht überhaupt nicht oder kaum auswirken. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, meint: «Das hat mit der politischen Situation nichts zu tun. Oder allenfalls nur sehr minimal.»

Manche vermuten aber, dass sich die Verschlechterung der Beziehungen mit etwas Verzögerung durchaus negativ bemerkbar machen wird. Im Staatsfernsehen wird seit der Annexion der Krim im vergangenen Jahr immer wieder auch gegen Deutschland und die Deutschen Stimmung gemacht. Das dürfte die Bereitschaft, sich mit deutscher Grammatik zu befassen, nicht gerade fördern.

In den meisten anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sieht es mit dem Deutsch-Unterricht übrigens ähnlich aus. Auch in Aserbaidschan, in Weißrussland und in Georgien lernen immer weniger Menschen Deutsch. Vielerorts legt man heute enorm viel Wert auf die Nationalsprachen, die zu Sowjetzeiten vernachlässigt wurden. In der Ukraine ging die Zahl der Deutschschüler übrigens auch zurück, um mehr als 50.000, auf jetzt noch 715.000.

Dabei hatte es nach dem Fall der Mauer noch große Hoffnungen gegeben, dass Deutsch in Mittel- und Osteuropa wieder wichtiger wird. Eines der Länder, wo sich die Hoffnungen erfüllt haben, ist Polen. Dort sind aktuell etwa 2,3 Millionen Menschen im Deutsch-Unterricht – mehr als irgendwo anders auf der Welt.
Wie viele Menschen weltweit Deutsch sprechen, dazu hat auch die Bundesregierung keine genauen Zahlen. Über die etwa 90 Millionen Muttersprachler – vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – hinaus gibt es allein in der EU etwa 60 Millionen andere Europäer, die Deutsch können. Aber auch in Asien, Lateinamerika und in Afrika gehen die Zahlen gerade wieder nach oben.

Nach einem Bericht der „Welt“ lernen 14,5 Millionen Menschen auf der Welt lernen Deutsch als Fremdsprache, wie die letzte Erhebung des Goethe-Instituts 2010 ergeben hat. In 144 Ländern werde Deutsch an staatlichen Schulen oder Hochschulen gelehrt, sogar in Nordkorea: “Wenn die Nordkoreaner Botschaftspersonal nach Deutschland schicken, statten sie es mit Sprachkenntnissen aus, die im Land vermittelt werden. Und auch Reiseführer können dort Deutsch”, so zitiert das Blatt Ulrich Ammon, Germanistikprofessor an der Universität Duisburg/Essen, der gerade ein Buch mit dem Titel „Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt” vorgelegt hat. Die weltweite Zahl der Deutschlerner steige wieder, weil Deutschland sein Image als träger Tanker abgeschüttelt habe und wieder als Lokomotive in der Weltwirtschaft gelte.

Ohnehin seien ökonomische Gründe heute mitentscheidend für das Schicksal einer Sprache: „Weltweit werden Sprachen eher aus instrumentellen Gründen gelernt als aus kulturellen”, sagt Ammon. Er sieht Deutsch in der Rangliste der Weltsprachen auf Rang vier oder fünf – hinter Englisch, Chinesisch, Französisch und womöglich Spanisch. Ammon in der „Welt“: „Es gibt immer wieder Angaben, insbesondere aus Nordamerika, dass Spanisch so unglaublich floriert. Aber die Zahlen für Deutsch und Spanisch dürften ungefähr gleich sein. 2005 hat Deutsch noch vor Spanisch rangiert.” Bei etwa 2000 Sprachen auf der Welt (Ammon hält die Unesco-Schätzung von 6000 für übertrieben) sei Rang fünf ehrenwert, vor allem weil Deutschland seine Sprache in nur eine Kolonie exportiert habe. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Gar nicht lustig: Bundesregierung ist sauer auf Frankreichs Bildungsministerin

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel.
    Bis jetzt dachte man bei Weltsprachen zwangsläufig eher an Englisch, Spanisch oder Mandarin. Aber wie man sieht ist auch Deutsch auf dem Vormarsch. Ich bin gespannt wie sich dieser Trend in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Das mit Nordkorea war mir neu. Sehr interessant!

    Viele Grüße
    Daniel

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